The Cathwalk

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Kategorie: Gesellschaft (Seite 1 von 32)

„Christlicher Glaube und Naturwissenschaften gehören zusammen“ – Interview mit Prof. Dr. Peter Kurzweil

„Credo ut intelligam“ – „Ich glaube, damit ich verstehen kann“ – so lautet der berühmte Ausspruch des hl. Anselm von Canterbury (1033–1109), dessen die Kirche am 21. April gedenkt. Der „Vater der Scholastik“ steht wie kaum ein anderer christlicher Denker für eine wissenschaftliche Betrachtung des christlichen Glaubens – und begründete mit seinem Plädoyer einer Verbindung von Glaube und Vernunft eine Denkbewegung, die Persönlichkeiten von Albertus Magnus über Thomas von Aquin bis Benedikt XVI. beinhaltet.

„Vater der Scholastik“ und Begündeter einer wissenschaftlich verantworteten Theologie: der hl. Anselm von Canterbury (1033-1109).

Doch das bei Anselm so harmonisch gepriesene Verhältnis von Religion und (Natur-) Wissenschaft scheint bei nicht wenigen Menschen heutzutage mit einem großen Fragezeichen versehen zu sein – und dass, obwohl es nicht zuletzt auch katholische Geistliche waren wie der Augustiner-Eremit und „Vater der Genetik“, Gregor Mendel (1822-1884) oder der Priester, Astrophysiker und Begründer der „Urknalltheorie“  Georges Lemaître (1894-1966), die unser zeitgenössisches Weltbild geformt haben.

Wir haben dieses zum Anlass genommen, Professor Dr. Peter Kurzweil von der OTH Amberg in der Oberpfalz über das Verhältnis von christlichem Glauben und Naturwissenschaften zu befragen. Lesen Sie, warum für den Maschinenbaudozent christliche Religion und naturwissenschaftliches Engagement selbstverständlich vereinbar sind – und warum Richard Dawkings Unrecht hat.

Die Fragen stellte Stefan Ahrens

„Auch Wissenschaft kann fundamentalistisch sein“ – Maschienenbaudozent Prof. Dr. Peter Kurzweil über das Verhältnis von Religion und Naturwissenschaften

Professor Kurzweil, das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaften ist nicht immer einfach, sondern teilweise sogar äußerst konfrontativ. Sie jedoch vertreten die Ansicht, dass Glaube und Naturwissenschaft einander nicht ausschließen müssen. Warum eigentlich?

Chemiker und bekennender Katholik: Professor Dr. Peter Kurzweil (OTH Amberg)

Glauben und Wissen, Religion und Naturwissenschaften existieren nebeneinander. Zweifel am richtigen Weg zum Menschsein konfrontieren Forscher und Theologen gleichermaßen. Doch die absolute Wahrheit bleibt dem menschlichen Geist verborgen. Also glauben wir, ehe wir zu wissen meinen. Wissen wächst inkrementell und birgt Vermutungen; umgekehrt übernimmt jeder Glaube Gegebenheiten der überprüfbaren Welt. Unsere Wahrnehmung beruht auf statistischen Modellen und Erfahrungen über das Wesen und die Eigenschaften der Dinge. Wir vermuten Zusammenhänge aus Beobachtungen und folgern Wissen aus Erfahrungswerten. Jede Theorie hat Ihre Befürworter und Gegner, bis sie durch unzweifelhafte Experimente bewiesen und allgemein akzeptiert wird. Entscheidend ist der friedliche Erkenntnisprozess über die vorläufigen Hypothesen. Die Geschichte beklagt auf beiden Seiten militante Ideologen und Fundamentalisten, die „Wahrheit“ mit Gewalt durchsetzen wollen. Allein der Gedanke an die mittelalterliche Inquisition lässt freigeistige Forscher noch heute erschaudern und sich einem laizistischen Staat zuwenden. Gleichwohl haben unschuldige Seelsorger in Diktaturen mit dem Leben bezahlt. Gleichsam wie ein Überlebens- und Konsenskonzept bündeln die christlichen Werte Maßnahmen zum Ausgleich von Wissen und Glauben und zum Verhältnis von Macht und Individuum. Es gibt Naturwissenschaftler, die spätberufen Priester geworden sind; der überzeugende Beweis einer personalen Synthese von Glauben und Wissen.

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Die Kultur des Lebens: unserer Welt neue Zeichen der Hoffnung geben

Von Josef Jung

(The Cathwalk) Die „Kultur des Lebens“ ist das große Programm, das der hl. Johannes Paul II. während seines Pontifikates entwickelte. Auch der derzeitige Papst Franziskus führt dieses mit neuen Schwerpunkten fort. Es geht um ein ganzheitliches Programm, das alle Bereiche des Denkens und Handelns danach prüft, ob sie dem Leben dienen.

Die Enzyklika „Evangelium vitae“ von 1995

Alle Mitglieder der Kirche, des Volkes des Lebens und für das Leben, lade ich ganz dringend ein, miteinander dieser unserer Welt neue Zeichen der Hoffnung zu geben, indem wir bewirken, daß Gerechtigkeit und Solidarität wachsen und sich durch den Aufbau einer echten Zivilisation der Wahrheit und der Liebe eine neue Kultur des menschlichen Lebens durchsetzt.

– So der Papst in der Enzyklika „Evangelium vitae“, in der die Kultur des Lebens im Zentrum steht. Der Papst grenzt diese Kultur von der des Todes ab.

Was prägt die Kultur des Lebens?

„Das Evangelium vom Leben ist eine konkrete und personale Wirklichkeit, weil es in der Verkündigung der Person Jesu selber besteht“, so der Papst in derselben Enzyklika. Folgende Kennzeichen sollen die Lebenskultur fördern oder machen sie aus:

  • Verkündigung des Evangeliums
  • Bewusstwerden der Berufung als „Volk des Lebens“
  • Achtung jedes menschlichen Lebens
  • Kultur der Solidarität
  • „»Lebt als Kinder des Lichts… Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis« (Eph 5, 8. 10-11)“
  • kontemplative Sichtweise: „Glauben an den Gott des Lebens, der jeden Menschen geschaffen und wunderbar gestaltet hat“ (vgl. Ps 139 2, 14)

Die Kultur des Lebens setzt eine Umkehr voraus. Wichtig ist die Selbstliebe, wie sie in Psalm 139 geäußert wird: »Ich danke dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke« (Ps 139 4, 14). Auf dieses Ja zum eigenen Leben folgt das Ja zum anderen. Der Papst ermutigt einen „Tag für das Leben“ einzuführen:

„Sein wesentliches Ziel ist es, in den Gewissen, in den Familien, in der Kirche und in der zivilen Gesellschaft das Erkennen des Sinnes und Wertes zu wecken, den das menschliche Leben zu jedem Zeitpunkt und unter jeder Bedingung hat; in das Zentrum der Aufmerksamkeit soll dabei besonders das schwerwiegende Problem von Abtreibung und Euthanasie gerückt werden, ohne jedoch die anderen Augenblicke und Aspekte des Lebens zu übergehen, die je nachdem, was die geschichtliche Entwicklung nahelegt, jeweils aufmerksame Beachtung verdienen.“

Die Solidaritätskultur setzt voraus, sich für die Einsamen, Kranken, Drogenabhängigen und all diejenigen einzusetzen, die am Rande stehen und ausgegrenzt werden. Auch die Familie als Keimzelle der Gesellschaft muss besondere Beachtung finden:

„Die Familie wird in die gesamte Lebensspanne ihrer Mitglieder hineingezogen, von der Geburt bis zum Tod. Sie ist wahrlich »das Heiligtum des Lebens…, der Ort, an dem das Leben, Gabe Gottes, in angemessener Weise angenommen und gegen die vielfältigen Angriffe, denen es ausgesetzt ist, geschützt wird und wo es sich entsprechend den Forderungen eines echten menschlichen Wachstums entfalten kann«. Darum ist die Rolle der Familie beim Aufbau der Kultur des Lebens entscheidend und unersetzlich.“

Die Familie soll als Hauskirche das Evangelium vom Leben verkünden.

Keine Demokratie ohne die Anerkennung der menschlichen Würde

Der Papst beendet den Hauptteil mit einer Aufforderung, das Leben zu verteidigen:

Es kann in der Tat keine echte Demokratie geben, wenn nicht die Würde jeder Person anerkannt wird und seine Rechte nicht respektiert werden. Und es kann auch keinen wahren Frieden geben, wenn man nicht das Leben verteidigt und fördert. Daran erinnerte Paul VI.: »Jedes Vergehen gegen das Leben ist ein Attentat auf den Frieden, besonders wenn dabei die Sitten des Volkes verletzt werden Wo aber die Menschenrechte wirklich ernst genommen und öffentlich anerkannt und verteidigt werden, dort kann der Friede zu einer Atmosphäre werden, in der sich das soziale Zusammenleben glücklich und wirkungsvoll entwickelt«.

Das »Volk des Lebens« freut sich, seinen Einsatz mit vielen anderen teilen zu können, so daß das »Volk für das Leben« immer zahlreicher wird und die neue Kultur der Liebe und Solidarität wachsen kann zum wahren Wohl der Gesellschaft der Menschen.“

Zum Weiterlesen: EVANGELIUM VITAE

 

Schafft die zivile Ehe ab!

Die zivile Ehe wurde von Bismarck aus politischen Gründen eingeführt, heute ist es an der Zeit diese anachronistische Institution zu beseitigen.

Ein Meinungsbeitrag von Wilhelm Ahrendt
Hören Sie den Beitrag vom Autor eingesprochen.

Die zivile Ehe, sie ist ein Artefakt aus dem Kulturkampf. Sie war ein Instrument um Menschen zu kontrollieren. Heute heiraten viele Menschen, weil sie Steuervorteile wittern. Die Ehe ist für den Staat in soweit förderungswürdig, dass er sie mit zahlreichen finanziellen und sozialen Anreizen fördert. Kalkül ist es neue Kinder für das Volk zu bekommen. Kinder für das Volk sichern die Steuereinnahmen und das Sozialsystem.

Standesamt Erfurt im Haus zum Sonneborn / Bundesarchiv, Bild 183-1989-0516-306 / Hirndorf, Heinz / CC-BY-SA 3.0

Soweit so gut. Nicht aus jeder Ehe kommen Kinder hervor – prominentestes Beispiel ist wohl das Ehepaar Merkel-Sauer. Die Kanzlerin, sie ist kinderlos. Wer eine Ehe schließt sagt vor dem Staat, dass er sich um seinen Ehepartner kümmern wird. Ein Aufgebot ist nicht nötig, möchte man heiraten, so ist dies zu einem reinen Verwaltungsakt verkommen. Unterschrift, neuer Ausweis, Finanzamt informieren, fertig.

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„Immer ein modern denkender Mensch gewesen“

ZENIT-Interview mit Peter Seewald über Papst Benedikt XVI.

(C) Sung-Hee Seewald

Am heutigen Ostersonntag wird Papst emeritus Benedikt XVI. 90 Jahre alt. Der Band „Letzte Gespräche“ mit dem Journalisten Peter Seewald stellt eine Bilanz seiner Amtszeit dar: Die darin verarbeiteten Interviews wurden kurz vor und nach Benedikts Rücktritt für die Arbeit an einer Biografie geführt. Im Gespräch mit ZENIT-Korrespondentin Michaela Koller zeichnet Peter Seewald das Bild eines modernen Wahrheitssuchers und „Knotenlösers mit Kopf und Herz“, das er sich in vielen intensiven Begegnungen von ihm machen konnte.

Herr Seewald, Papst Benedikt XVI. wird am Sonntag 90 Jahre alt; er hat, was wohl nur wenige in der Geschichte von sich behaupten konnten, sein eigenes Pontifikat überlebt. Was wissen Sie aus eigener Anschauung, wie es ihm aktuell geht?

Seewald: Ich habe ihn im Dezember das letzte Mal gesehen und besuche ihn jetzt im Mai. Ich weiß, dass es ihm gut geht, natürlich dem Alter von 90 Jahren entsprechend. Er ist in allem etwas langsamer geworden. Er hat mit dem Gehen Probleme, spricht langsamer und hört auch schlechter. Natürlich leidet er auch unter der gewaltigen Glaubenskrise, die selbst viele Verantwortliche in der Kirche noch nicht richtig erkannt haben. Er ist ja kein Pensionist, der sich zum Rosenzüchten zurückgezogen hat. Er hat bei seinem Rücktritt erklärt, dass er die Last dieser Kirche im Gebet mitträgt. Auch als Papa emeritus nimmt er regen Anteil daran, was in der Kirche und in der Welt passiert. Ansonsten freut er sich darüber, dass er in der Ruhe seines Klosters sonnige Tage mit Freunden erleben kann.

Öffentlich wurden mehrfach sehr unterschiedliche Bilder vom Menschen Joseph Ratzinger gezeichnet. Sie kennen ihn aus drei Lebensphasen persönlich, als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, als Papst und schließlich als „Papa emerito“. Was zeichnet ihn denn wirklich aus?

Seewald: Ich habe ihn jetzt ein Vierteljahrhundert als Journalist begleitet und habe unter seinen vielen Wegbegleitern, die ich gesprochen habe, außer Hans Küng noch niemanden getroffen, der das Bild des finsteren, machtbeflissenen, harten, einsamen und rückwärtsgewandten Mannes, das ja von Ratzinger in manchen Medien noch immer gepflegt wird, teilen würde. Ich habe ihn als wirklichen Mann Gottes, als beispiellosen Intellektuellen kennengelernt, der durch seine brillanten Analysen, durch die Nachhaltigkeit seiner Prognosen besticht, und als Theologen des Volkes, der nie vergessen hat, woher er gekommen ist, der immer bemüht war, den Glauben vor allem auch den einfachen Menschen zu vermitteln.

In der persönlichen Begegnung ist er ein sehr herzlicher Mensch, mit dem man auch viel lachen kann, mit dem es immer spannend ist, und der es einem leicht macht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er ist alles andere als kontaktscheu und besticht durch seine Demut. Ich habe mich immer um journalistische Distanz bemüht, und natürlich ist auch ein Joseph Ratzinger nicht frei von Fehlern. Aber es ist eigentlich unmöglich, wenn man sich mit Person und Werk beschäftigt, nicht auch Sympathie für diese Person und dieses Werk zu empfinden.

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Können wir uns als Menschen völlig neu erfinden?

Rezension zu: Renée Schroeder mit Ursel Nendzig, Die Erfindung des Menschen. Wie wir die Evolution überlisten, Salzburg – Wien 2016 (Residenz Verlag)

Von Prof. Dr. Josef Spindelböck

Renée Schroeder ist eine renommierte Biochemikerin und Zellbiologin. Sie lehrt und forscht in Wien als Universitätsprofessorin am Department für Biochemie der Max F. Perutz Laboratories. Gemeinsam mit der Journalistin Ursel Nendzig hat sie ein populärwissenschaftliches Buch mit dem Titel vorgelegt: „Die Erfindung des Menschen. Wie wir die Evolution überlisten“. Das Werk gilt als „Wissenschaftsbuch des Jahres 2017“ in der Kategorie „Medizin und Biologie“.

Was sind die Hauptaussagen, und wie ordnet die Verfasserin wissenschaftliche Erkenntnisse ein in ihr Weltbild?

Evolution und Evolutionismus

Gleich im ersten Kapitel („Ordnung ohne Plan“, 15–36) führt Renée Schroeder aus: Der Mensch sei aus dem Tier entstanden, und zwar als Folge einer nicht zielgerichteten Evolution. Der aufrechte Gang war ein Kennzeichen der erfolgten „Menschwerdung“. Die bekennende Atheistin polemisiert wiederholt gegen die Bestimmung des Menschen als „Ebenbild Gottes“ und nennt diese ein „kulturgeprägtes Wunschdenken“, mit dem man nicht weiterkomme (47). Sie beruft sich erkenntnistheoretisch auf Karl Popper und geht von „sich selbst ordnenden Systemen“ (33) im Bereich der Evolution aus.

Der Mensch wird auf sein Bewusstsein hin konzentriert und definiert, welches wiederum an das Gehirn gebunden sei. In der Evolution des Menschen sei die Vergrößerung des Gehirnvolumens entscheidend gewesen. Vielleicht sei irgendwann der Körper des Menschen nicht mehr wichtig: „Das Gehirn als Sitz des Bewusstseins könnte sich verselbständigen und die Fähigkeit zu einer neuen Selbstorganisation erlernen.“ (42)

Weil niemand im Universum nach dem Menschen frage, müsse sich der Mensch um sich selber kümmern, falls er im Universum noch einige Jahre oder vielleicht gar Millionen von Jahren überleben wolle (vgl. Kapitel 2: „Wann der Mensch gelebt haben wird“, 37–43). Im Anthropozän nehme der Mensch seine eigene Evolution in die Hand. Doch die Evolution kenne weder Ziel noch Perfektion.

Der Mensch solle sich selbst weiterentwickeln, gleichsam immer wieder neu erfinden. Auf diese Weise könne es zu einer qualitativen Verbesserung des Menscheins kommen. So ist die Sichtweise der Autorin in Kapitel 3 („Was ist ein Mensch?“, 45–60). Dieser Gedanke klingt gnostisch und umfasst eine Selbsterlösung auf einer naturalistischen Ebene.

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