The Cathwalk

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Kategorie: Kunst & Kultur (Seite 1 von 47)

Der Revolutionär

von Dr. Michael Kunze

Wer Reform will, erneuert das Bestehende mehr oder weniger behutsam. Martin Luther aber stürzte Kirche, Politik und Gesellschaft seiner Zeit um – mit langanhaltenden Folgen, die auch im Jahr des Reformationsgedenkens nachwirken.

Die einen widmeten ihm Denkmäler, die andern sahen dunkle Wolken mit dem Wittenberger aufkommen: Martin Luther wurde und wird für vieles instrumentalisiert, legte dafür aber selbst die Grundlagen. Foto: Michael Kunze

DRESDEN. Martin Luther wollte keine Spaltung der Kirche, sondern sie reformieren. So lautet der Tenor bei Kirchenvertretern oder Politikern im Jahr des Reformationsgedenkens. Auch katholische Theologen wie Dirk Ansorge von der Hochschule Sankt Georgen sind von der Reformabsicht des Wittenbergers überzeugt. Die Wirklichkeit vor 500 Jahren legt aber einen anderen Schluss nahe: Luthers Wunsch nach Kirchenreform war bald nach Veröffentlichung seiner 95 Thesen wider den Ablasshandel erschöpft. Dann betrieb er so aus- wie tiefgreifend Spaltung und Revolution statt Wandel und Erneuerung des Bestehenden. Bei Luthers Tod 1546 war das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ geteilt in ein evangelisches, sich konfessionell weiter zerfaserndes und in ein katholisches Lager. Unzählige hatten den Streit mit ihrem Leben bezahlt – lange vor dem Gemetzel des Dreißigjährigen Krieges.

Der antirömische Affekt lebt weiter

Die religiösen und gesellschaftlichen Konsequenzen bis in Familien hinein währten Jahrhunderte. Ältere kennen noch die mitunter dramatischen Umstände, wenn vor 60, 70 Jahren zum Beispiel eine gemischtkonfessionelle Eheschließung zur Debatte stand. Da haben Eltern Kinder enterbt, sich Familien zerstritten, wurde einander verstoßen. Die Spaltung, die Luther mit Fürstenhilfe einleitete, stellte sich als derart gravierend und nachhaltig heraus, dass es bald 500 Jahre brauchte, um sich Luthers und der Ereignisse des Herbstes 1517 ohne Siegesfeier wider die Altgläubigen in Rom zu erinnern, bei der das katholische Deutschland stets als unsicherer Geselle in nationaler Sache abqualifiziert worden war. Auch Bismarck hielt das noch so; er ließ wenig unversucht, Katholiken zu unterdrücken – im Kampf gegen Zentrumspartei, Konfessionsschulen, kirchliche Ehe. Der antirömische Affekt hielt sich bis weit ins 20. Jahrhundert. Für eine Vielzahl von Katholiken wirkt er abgeschwächt noch immer, wenn sie sich den Umgang deutscher Medien oder Politiker wie der evangelischen Bundeskanzlerin mit Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit Holocaustleugner und Ex-Piusbruder Richard Williamson in Erinnerung rufen.

Die politischen Auswirkungen von Deutschlands weltweit einmaliger Spaltung sind das eine, das andere die religiösen. Luther hat die Kirche nicht reformiert; er zwang andere, dies zu tun, nachdem er ihr den Rücken gekehrt hatte und schuf parallel dazu eine neue, die das Gegenteil der katholischen sein sollte. Das wird im Verhältnis zum Papstamt offenbar, das Luther anfangs als Ausdruck menschlichen, nicht aber göttlichen Rechts noch akzeptierte. Es zeigt sich auch darin, welche Rolle Kirche als Institution für Lutheraner spielt. Diese unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was sie für Katholiken darstellt. Während sie letzteren als Gottes Werkzeug gilt, mit dem er jetzt, direkt, sichtbar in der Welt handelt, ist sie für Lutheraner organisatorisches Mittel zum Zweck.

Die Katholische Kirche beruft sich für die herausgehobene Stellung des Papstes als Nachfolger des Apostels Petrus auf das Matthäus-Evangelium. Dort stehen Jesu Worte: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

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Gedicht zum Sonntag – „Wann kommst du, Morgenwind“

„Die Nacht“ von Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Wie schön, hier zu verträumen die Nacht im stillen Wald
Wenn in den dunklen Bäumen das alte Märchen hallt.
Die Berg‘ im Mondesschimmer wie in Gedanken stehn,
Und durch verworrne Trümmer die Quellen klagend gehn.

Denn müd ging auf den Matten die Schönheit nun zur Ruh,
Es deckt mit kühlen Schatten die Nacht das Liebchen zu.
Das ist das irre Klagen in stiller Waldespracht,
Die Nachtigallen schlagen von ihr die ganze Nacht.

Die Stern gehn auf und nieder – wann kommst du, Morgenwind,
Und hebst die Schatten wieder von dem verträumten Kind?
Schon rührt sich’s in den Bäumen, die Lerche weckt sie bald –
So will ich treu verträumen die Nacht im stillen Wald.

Joseph (Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857) wurde am 10. März 1788 bei Ratibor in Oberschlesien geboren und wuchs auf Schloss Lubowitz auf. Ab 1800 führte der junge Eichendorff Tagebuch und unternahm erste schriftstellerische Versuche. Nach dem Besuch des katholischen Gymnasiums in Breslau studierte er von 1805 bis 1806 Rechtswissenschaften in Halle, von 1807 bis 1808 in Heidelberg. 1809 kehrte er nach einer Reise, die ihn nach Paris und Wien geführt hatte, auf das väterliche Gut zurück. Sein Studium schloss er schließlich 1812 in Wien ab. Nach der Teilnahme an den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 trat Eichendorff 1816 in den Staatsdienst ein, der ihn nach Breslau, Danzig, Königsberg und 1831 nach Berlin führte. Hier wurde er für das Kulturministerium tätig. 1841 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. 1844 ging er auf eigenen Wunsch in Pension. 1846 unternahm er erneut eine Reise nach Wien. Joseph von Eichendorff starb am 26. November 1857 in Neisse, wo er sich 1855 niedergelassen hatte. Eichendorff gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Romantik. Seine große Heimatverbundenheit zeigt sich in vielen seiner Werke, so z.B. in „Schloss Dürande“ aus dem Jahr 1837.

Quelle: Britta Dörre, zenit.org

Der gotische Baustil (Doku)

Der gotische Baustil entwickelte sich in der Mitte des zwölften Jahrhunderts im Herzen des Königreichs Frankreich, breitete sich über ganz Europa aus und revolutionierte die Architektur. Die Kathedralen, in denen die Kunst der Gotik zur Vollendung kam, haben die Landschaft Nordfrankreichs verändert. Im Laufe der Jahrhunderte sind die riesigen steinernen Kirchenschiffe ein solch vertrauter Anblick geworden, dass sich keine architektonischen Geheimnisse mehr dahinter zu verbergen scheinen. Aber was ist wirklich über ihre Entstehung bekannt? Schließlich haben die Baumeister nur wenig Material für die Quellenforschung hinterlassen.

Seit 20 Jahren begibt sich eine neue Forschergeneration direkt vor Ort, auf die Baustellen in Noyon und Chartres, um die Baudenkmäler selbst als Quellen zu verwenden. Andere Archäologen untersuchen durch den Einsatz von Spitzentechnologie das Herz von Notre Dame in Paris sowie der Kathedralen in Beauvais und Amiens, die echte Herausforderungen an die Gesetze der Schwerkraft stellen. Aus dem im Mittelalter verwendeten Stein, Glas und Eisen schließen sie auf die komplexen Verfahren und das umfassende Wissen der alten Baumeister. Dank dieser Entdeckungen kann so manches Klischee über die Bauwerke der Gotik widerlegt werden.

Gedicht zum Ostersonntag

„Ostern“ von Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

 

Vom Münster Trauerglocken klingen,
Vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh sie dort dem Toten singen,
Die Lerchen jubeln: Wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,
Das Grün aus allen Gräbern bricht,
Die Ströme hell durchs Land sich strecken,
Der Wald ernst wie in Träumen spricht,
Und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
Soweit ins Land man schauen mag,
Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
Als wie ein Auferstehungstag.

*

Joseph (Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857) wurde am 10. März 1788 bei Ratibor in Oberschlesien geboren und wuchs auf Schloss Lubowitz auf. Ab 1800 führte der junge Eichendorff Tagebuch und unternahm erste schriftstellerische Versuche. Nach dem Besuch des katholischen Gymnasiums in Breslau studierte er von 1805 bis 1806 Rechtswissenschaften in Halle, von 1807 bis 1808 in Heidelberg. 1809 kehrte er nach einer Reise, die ihn nach Paris und Wien geführt hatte, auf das väterliche Gut zurück. Sein Studium schloss er schließlich 1812 in Wien ab. Nach der Teilnahme an den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 trat Eichendorff 1816 in den Staatsdienst ein, der ihn nach Breslau, Danzig, Königsberg und 1831 nach Berlin führte. Hier wurde er für das Kulturministerium tätig. 1841 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. 1844 ging er auf eigenen Wunsch in Pension. 1846 unternahm er erneut eine Reise nach Wien. Joseph von Eichendorff starb am 26. November 1857 in Neisse, wo er sich 1855 niedergelassen hatte. Eichendorff gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Romantik. Seine große Heimatverbundenheit zeigt sich in vielen seiner Werke, so z.B. in „Schloss Dürande“ aus dem Jahr 1837.

Quelle: Britta Dörre, zenit.org

Der historische Kreuzweg

Von Georg Dietlein

Gemälde von Matthias Grünewald, 16. Jahrhundert

Am Karfreitag werden wir in unseren Kirchen wieder die Liturgie vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus begehen. Das, was wir da lesen, hören und betrachten, ist keine Erfindung, sondern hat sich tatsächlich so, vermutlich im Jahr 30 nach Christus, historisch ereignet. Einen guten Einblick in die letzten Stunden des „historischen“ Jesus von Nazareth geben uns die Zeugnisse seiner Grablegung. Werfen wir einen Blick auf die großen Ikonen des Christentums: das Grabtuch von Turin, das Schweißtuch von Oviedo und den „Schleier“ von Manoppello. Die gut erhaltenen und seit langer Zeit verehrten Textilien zeigen den Leichnam und das Gesicht eines gekreuzigten und mit Wunden übersäten Mannes. Über die Authentizität der Zeugnisse ist in den letzten Jahrzehnten viel gestritten worden. Abschließend ist die Frage der Echtheit nicht geklärt. Vieles deutet aber doch darauf hin, dass die drei Ikonen mit den historischen Grabtüchern Jesu übereinstimmen, die das Johannesevangelium nennt:

„Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle“ (Joh 20, 6f.).

Auf dem hellen Grabtuch von Turin, das den gesamten Körper Jesu bedeckt haben soll, lässt sich mit dem bloßen Auge kaum etwas erkennen. Die Abdrücke eines Körpers wurden hier erst in der Neuzeit mittels Fotografie und Negativabdrucks erkennbar. Eines ist klar: Die Spuren auf dem Tuch sind nicht aufgemalt. Es sind Lichtspuren ohne Farbe, keine Blutspuren. Sie schweben gleichsam auf dem Stoff und müssen durch die wundersame Einwirkung eines Menschen auf das Tuch entstanden sein. Wenn man das Tuch noch weiter untersucht, fallen geheimnisvolle Schriftzeichen auf, die aus dem ersten Jahrhundert stammen. Die Abdrücke des heiligen Antlitzes stimmen zwischen Turin, Oviedo und Manoppello überein. Die Wunden auf den Tüchern sind genau dieselben, als hätten die Tücher aufeinandergelegen oder nacheinander das Antlitz Jesu bedeckt. Selbst im Abbild der durch die Dornen verursachten Kopfwunden sind die Tücher identisch, die jeweils Pollen aus der Gegend von Jerusalem aufweisen, die im März und April blühen, also genau zu jener Jahreszeit, als Jesus gekreuzigt wurde. An den Fußsohlen und den Knien des Gekreuzigten fand man Straßenstaub, der mit dem in Jerusalem zu findenden Aragonit identisch ist. Und an einem Augenlied entdeckte man eine Münze, die einer Fehlprägung des Pilatus aus dem Jahr 29 / 30 entspricht. Eine Blutprobe des Umhüllten ergab die im vorderen Orient weit verbreitete, in Europa nur sehr seltene Blutgruppe AB. Und auch der Weg des Bluttuches von Oviedo lässt sich gut anhand von Pollenproben aus dem Heiligen Land über Nordafrika nach Spanien verfolgen. Dieser Weg des Tuches von Jerusalem nach Spanien lässt sich aufgrund von Schriftzeugnissen bis ins siebte Jahrhundert zurückverfolgen. Eine ganz genaue Erklärung, wie die Spuren des Gekreuzigten auf die Tücher gekommen sein können, ist zwar bisher noch nicht gefunden worden. Vieles spricht aber dafür, dass die drei Tücher mit dem Körper Jesu von Nazareth in direkter Berührung standen. Allein das Grabtuch von Turin ist ein so komplexes und kaum durchschaubares historisches Zeugnis, dass es sich kaum durch Fälschung oder Reproduktion von Menschenhand erklären lässt.

Das Turiner Grabtuch, Fotografie des Gesichts, Positiv links, rechts Negativ (Kontrast etwas verstärkt)

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