The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Fastenzeit

Was der Verpackungskünstler Christo von der Liturgie lernt

Ein Kommentar von Monsignore Florian Kolfhaus

(CNA Deutsch) Traditionellerweise werden am 5. Fastensonntag, an dem wir in die unmittelbar dem Osterfest vorausgehende Passionszeit eintreten, die Kreuze in den Kirchen verhängt. Am Karfreitag, währende der feierlichen Liturgie des Leidens und Sterbens Christi, enthüllt der Priester das Kruzifix, um es den Gläubigen zu zeigen und zur Anbetung einzuladen. Dabei singt er dreimal: „Ecce lignum crucis, in quo pependit salus mundi!“ – „Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen.“

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„The Gates“ von Christo und Jeanne-Claude in New York (2005) Foto: Morris Pearl via Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Es ist das dramatische Vorspiel zur feierlichen Liturgie der Osternacht, wenn der Priester mit dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ – „Das Licht Christi“ das Feuer der Osterkerze an die Gläubigen weiterreicht. Es ist die leuchtende Flamme der Liebe, die sich am Holz des Kreuzes entzündet hat und Christi Leib zum vollkommenen „holocaustum„, zum wahren Brandopfer für das Heil der Welt, gemacht hat.

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Fastenimpuls: Mit der Bibel und den Wüstenvätern schlechte Gedanken bekämpfen!

Das schaffe ich nie!“ – „Ich bin doch zu nichts zu gebrauchen!“ – „Keiner mag mich!“: Wie oft reden wir uns mit solchen Sätzen Lustlosigkeit oder (unnötige) Ängste ein. Und stehen uns damit selbst im Weg.

Andere Sätze hingegen, die wir manchmal vor uns hersagen, geben uns Kraft und Energie: „Take it easy!“ –  „Halb so wild!” –  „Davon geht die Welt nicht unter.“ – „Was dich nicht umbringt macht dich stärker.“

Von Stefan Ahrens, Bistum Regensburg

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Lateinischer Wüstenvater und „Vater des abendländischen Mönchtums“: Der hl. Johannes Cassian (360-435). Er brachte die Spiritualität der Wüstenväter ins Abendland und beeinflußte unter anderem die Ordensregel des Hl. Benedikt von Nursia. In dieser ruft Benedikt seine Mönche auf, beständig die Werke Cassians zu lesen.

Sowohl um die negative als auch um die positive Kraft der Gedanken und Einredungen wussten auch schon die frühen Christen. Wie  beispielsweise die Begründer des christlichen Mönchtums: Die „Wüstenväter“, die, nachdem das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion avancierte, sich für eine besonders radikale Nachfolge Christi entschieden und dafür buchstäblich „in die Wüste gingen“. Ihr biblisch begründetes Wissen um den konstruktiven Umgang mit den eigenen Gedanken weckt heutzutage das Interesse von Psychotherapeuten und sinnsuchenden Menschen gleichermaßen. Ein Impuls zur Fastenzeit.

Wer waren die Wüstenväter?

Die Wüstenväter lebten seit dem späten 3. bis zum 5. Jahrhundert in der sketischen Wüste Ägyptens.  Sie führten dort entweder als Einsiedler oder mit anderen in Gemeinschaft lebend ein an der Heiligen Schrift orientiertes sowie von den Weisungen von Mönchsvätern wie dem hl. Antonius dem Großen (251-356), dem hl. Makarios dem Großen (300-390) oder dem hl. Pachomios (292-346) inspiriertes Leben.

Die Vorbilder der Wüstenväter waren hierbei Persönlichkeiten wie  Johannes der Täufer, der hl. Paulus sowie Jesus Christus selbst, der, nachdem er die Taufe im Jordan empfangen hatte, zu Beginn seines öffentlichen Wirkens vierzig Tage in der Wüste fastete und dabei den Versuchungen des Satans widerstand. (Mt 4, 1-11, Mk 1,12 f., Lk 4, 1-13).

Um in der unwirtlichen Wüste körperlich und auch geistig überleben zu können (denn manche, die „ihr Glück“ in der Wüste versuchten, bezahlten dieses Unterfangen mit ihrem Leben oder mit ihrer geistigen Gesundheit) führten die Mönche unter Anleitung eines geistlichen Begleiters eine asketische, aber dennoch von Abwechslung geprägte Lebenspraxis: In dieser erhielten Gottesverehrung, Schriftlektüre, Liturgie, Nächstenliebe, (immerwährendes) Gebet, (Psalmen-)Gesang und Arbeit ihr richtiges Maß. Dieses Wissen gaben sie auch an andere Menschen weiter, die sie in der Wüste aufsuchten und um ihren Rat baten.

Der hl. Johannes Cassian (360-435), ein lateinischer Christ, der sich von der Donau aus zu den Wüstenvätern aufmachte, um sich ihnen anzuschließen und später die Spiritualität der Wüstenväter im Abendland bekannt machte, schrieb im Rückblick über diese: „In der ödesten Einsamkeit leben sie, fernab von jeder Begegnung mit Menschen. Dadurch im Besitz erleuchteter Sinne betrachten und reden sie, was den Unerfahrenen und nicht Eingeweihten entsprechend ihren Voraussetzungen und der Mittelmäßigkeit ihres Lebenswandels vielleicht unmöglich erscheinen wird.“ (Collationes Patrum Teil 1, Prolog -> siehe Literaturliste)

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„Don‘t shake hands with Lucifer!“ – Eine Dieter Bohlen-Betrachtung zum ersten Fastensonntag

(TheCathwalk.deDieter Bohlen lehrt uns: Um dem Teufel zu widerstehen, muss man nicht verbissen sein. Im Himmel ist auch Platz für Playback-Harfen.

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Der Plot ist alt: Jemand zieht sich zur Reflexion an einen entlegenen Ort zurück und kämpft dort mit dem Teufel, der die Abgeschiedenheit nutzt, um „auf offener Flanke“ angreifen zu können. Das kulturgeschichtliche Vorbild aller Vorbilder ist auch hier Christus, der in der Wüste 40 Tage fastete und vom Teufel versucht wurde. Mit dem Unterschied freilich, dass Christus diese Versuchung von außen zulies, wohingegen die Wüstenväter und mancher Erimit nach ihnen mit Versuchungen konfrontiert wurden, die tatsächlich am Inneren dieser sündigen Menschen anknüpfen konnten.

Anfang der 1990er-Jahre machte sich auch Dieter Bohlen diesen großen abendländischen Topos zueigen. Mit seiner Band Blue System (das war die Bohlen – Formation zwischen den beiden Modern Talking-Ären) sang auch er von einem Duell mit dem Teufel. Wie im Evangelium des ersten Fastensonntags findet dieses Aufeinandertreffen ebenfalls an einem abgelegenen Ort statt:

In room 66 – the devil´s playing against me
At the end of the world – there’s a place called the hell
On flight number 9 – there’s smoke without fire

Im Gegensatz zum Evangelium wissen wir nicht, wie die Geschichte ausgeht – die eindringliche Warnung „Dont’t shake hands“ bleibt aber als Ohrwurm haften. Wir dürfen die Geschichte deshalb als persönlichen Anruf verstehen. Auch wir befinden uns noch in der Lebens-Wüste, wollen mit Christi Hilfe unseren persönlichen Versuchungen widerstehen. Der eindringliche Appell Dieter Bohlens kann uns in Situationen, in denen wir uns bewähren müssen, deshalb auch über die 40 Tage der Fastenzeit hinaus zu einem treuen Begleiter werden:

Don’t shake hands – oh baby don’t shake hands with lucifer
Take your chance – ´cause baby all dreams will be crucified
Oh oh – don’t play with lucifer
He catchs you if you fall

Hear the words from heaven
Don’t play with lucifer
Don’t you hear him call
Can’t you see his raven

Dieter Bohlen lehrt uns: Um dem Teufel zu widerstehen, muss man nicht verbissen sein. Oder gar mit unterdrücktem Ärger auf Gott, weil man eigentlich am liebsten doch sündigen würde, wie es nur allzu oft bei moralinsauren Sittenwächtern rüberkommt. Nein, unser „Don´t shake hands“ können wir auch freud- und lustvoll schmettern. Sollen wir sogar, siehe das Evangelium am Aschermittwoch: „Wenn ihr fastet, so macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler.“

Sie fragen sich jetzt: Ist dem Cathwalk nicht aufgefallen, dass der Bohlen in der Aufnahme aus der ZDF-Hitparade ziemlich überdreht hin und her hüpft? Dass er in weiten Teilen gar nicht ins Mikro singt? Dass er mit seiner E-Gitarre alles mögliche macht außer E-Gitarre spielen? Und das alles soll mich heiliger machen, dieses ganze Gehüpfe und Geschreibsel des Cathwalks dazu?

ANTWORT: Vielleicht sollten gerade Sie verstärkt über das Bibelwort der Narren um Christi willen nachdenken. Und desweiteren: Vielleicht einfach mal auch die einfachen Hilfsmittel annehmen, die uns der liebe Gott schenkt. Es gibt nicht nur Bach-Cantaten, es gibt eben auch wirksame Gedanken von Blue System & Co. Vielleicht sollten gerade Sie bei der nächsten Versuchung schlicht und eingängig intonieren: „Dont´s shake hands!“

Dieter Bohlen kann uns so eine Hilfe sein. Im Himmel ist auch Platz für Playback-Harfen.

Von leeren Händen und Bäuchen – Ein Kommentar zur Fastenzeit

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Klarheit gewinnen durch Verzicht: Unser Verhältnis mit Gott im Himmel nehmen wir in der Fastenzeit wieder neu in Blick. Foto: (Pixabay)

(CNA Deutsch) Manche fürchten die Fastenzeit, manche – zumeist wenn es um den Versuch geht, abzuspecken und so eine Strandfigur für den Sommer zu bekommen – ersehnen sie. Es sind 40 Tage, in denen es eigentlich nur darum geht, Jesus nachzuahmen, oder besser gesagt, bei ihm zu sein, der selbst in der Wüste gefastet und gebetet hat.

Es geht nicht darum, ob ich schlanker werde oder abnehme – es geht darum, dass er in meinem Leben zunimmt und größer wird. Er muss wachsen. Freilich bedeutet das oft, dass ich mich kleiner machen muss. Hunger und Durst, mancher Verzicht und oft auch unvermeidlicher Schmerz lassen mich spüren, dass mein Ego noch immer der Mittelpunkt ist, um den ich selbst kreise – nicht Er. Wir sind keine Yogis, die asketische Höchstleistungen vollbringen müssen. Wir sind Jünger Jesu, die geistliche und manchmal auch materielle Armut spüren sollen, um sich dann vom Herrn beschenken zu lassen. Fasten, Gebet und Almosen sind Hilfen, damit unsere Hände leer werden, und Jesus sie füllen kann. Wichtiger als die konkrete Umsetzung der folgenden Vorschläge ist die Liebe, die sich in Taten ausdrücken und zeigen soll; es zählt der Glaube, der in Werken wirksam wird.

Fasten – Ballast abwerfen

Vom Fasten spricht man nicht nur, wenn es ums Essen geht. Auch der Verzicht auf Fernsehen, Handy und Radio sowie der Umstieg vom privaten Auto zu öffentlichen Verkehrsmitteln kann gemeint sein. Trotzdem hat die Abstinenz von Speisen eine besondere Bedeutung, die ihr die Heilige Schrift beimisst. Jesus selbst fastete ja 40 Tage in der Wüste bis ihn hungerte.

Auch wir sollten uns in der Fastenzeit nicht scheuen, Hunger zu spüren und durch dieses Opfer unser Gebet, wie der Herr selbst verspricht, noch fruchtbarer zu machen. Dieses Fasten kann verschiedene Formen annehmen: Nur eine einmalige Sättigung am Tag und zwei kleine Stärkungen (das ist die kirchliche Fastenvorschrift für Aschermittwoch und Karfreitag), nur Wasser und Brot (oder vielleicht nur Obst und Gemüse) zu sich nehmen oder mit der sättigenden Mahlzeit bis zum Abend warten.

Natürlich ist der Verzicht auf Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol ein Opfer, das auch dem Leib guttut und manchmal mehr schmerzt als das eigentliche Fasten.

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Gib dir ’nen Ruck! – Praxistipps zum Fasten (und Feiern) im Advent

Von Anna Diouf

Der Advent ist heutzutage zur Vorweihnachtszeit oder gar Weihnachtszeit verkommen. Eigentlich ist er aber eine zutiefst eigene liturgische Zeit, mit einem Gepräge, das es sonst im Kirchenjahr nicht gibt. Wir erwarten nicht nur die Geburt des Jesuskindes, wir erwarten Jesu Wiederkunft am Ende der Zeit. In diesem Sehnen vereinen wir uns mit dem Alten Testament und seiner Sehnsucht nach dem Erlöser. So sind es zentrale Worte des Alten Testaments: „Tauet, ihr Himmel, den Gerechten“ (nach Jes, 45,8), um die sich der Advent zentriert. Diese Erwartung, Sehnsucht, das Bewusstsein des eigenen Zustandes im Tränental, der Bußruf Johannes‘ des Täufers, geben dem Advent etwas Hartes, Herbes; was, verbunden mit dem biedermeierlich-bürgerlichen Wonneadvent eine irgendwie absurde aber auch wunderschöne Verbindung eingehen kann.

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Foto: Christoph Matthias Hagen, Innsbruck

In der Erwartung des Heilands ist nur eine Haltung angebracht: Die des Wachens und Betens. Das ist im Advent auch ganz besonders stimmungsvoll und schön, weil in der dunklen Jahreszeit nichts so sehr berührt wie z.B. die Kerzen in einer frühmorgendlichen Roratemesse und wie überhaupt das Licht, in dem wir ein Bild für Christus und das Heil erblicken. Eigentlich ist diese Zeit, ihrem Buß- und Vorbereitungscharakter gemäß, Fastenzeit. So wird es in der orthodoxen Kirche immer noch gehandhabt, als 40-tägiges Fasten. Dies erklärt übrigens auch, wieso wir an St. Martin so viele Bräuche um aufwendiges Essen und Süßes haben: Danach beginnt die Fastenzeit, wenn man bis Weihnachten 40 Tage fasten will. Seit 1917 ist den Katholiken das adventliche Fasten nicht mehr vorgeschrieben, aber nirgends steht, dass man Gutes lassen soll, nur, weil es nicht verlangt wird. Wer fastet, der legt die Energie, die er nicht ins Essen und in den Genuss legt, in etwas anderes: In die Umkehr, ins Gebet, in die tätige Nächstenliebe etc. In diesem Fall legt man auch noch ein gar nicht geringes Zeichen ab, denn während alle Welt Weihnachtskekse in sich hineinschaufelt, übt man sich im Warten, in der Geduld, in der Enthaltsamkeit. Und Vorfreude ist tatsächlich die schönste Freude: Wer erlebt, wie gut das erste Plätzchen schmeckt, wenn man es nach der Vesper des Heiligen Abends isst, oder wie man das Fastenbrechen nach der Christvesper so richtig zelebriert, der wird schnell merken, dass Freude und Genuss viel intensiver und bereichernder sind, wenn man sich durch Verzicht ein wenig darauf vorbereitet.

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