The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Minirock

Ein Lobpreis auf den Maxirock

The Cathwalk ist ein Debattenmagazin: Nach der Hymne auf den Minirock werfen wir auch ein Blick auf den Maxirock. Zum Glück ist Mode nicht dogmatisch...

Er ist wieder in Mode. Die einen feiern ihn, die anderen verweigern ihn. Ein Kleidungsstück, an dem sich die Geister scheiden. Zehn Argumente, warum der Maxirock und auch sein kleiner Bruder, der Midirock, die Aufmerksamkeit bekommen sollten, die sie verdienen.

Von Carolin Nett Lüdeke

Élégance et Esprit

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© f1rstlife / Carolin Lüdeke

Seit 2011 haben sich die langen Röcke wieder auf den Laufsteg zurück gekämpft, wie die Modezeitschrift „Cosmopolitan“ berichtete. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Farben, Schnittmustern und Stoffen. Einen eleganten und gleichzeitig verspielten Akzent stellen die Maxi’s in einer Welt voller Hosen und Miniröcke dar. Maxikleider und -röcke sind mittlerweile zu einem „Must have“ geworden. Ein steiler Karriereaufstieg.

Mission possible

Außer Frage steht wohl, dass Mode stilsicher getragen werden muss. Ob mit einer Bluse, einem Shirt oder einem Blusentop kombiniert, Maxiröcke sind schlichtweg trendy und feminin. Ob klassisch oder leger, Vintage oder Streetwear – der Maxirock kommt immer gut an. In dem Modemagazin „Glamour“ ist er als „Trend-Piece“ verschrien, weil er sich so gut wandeln lässt. Für eine Frau ist das wohl einer der wichtigsten Aspekte, wenn sie shoppen geht.

Keine Grenzen

Die Trendsetter überwinden alle Grenzen. Es gibt keine Unterschiede zwischen den Generationen: Sowohl Jugendliche als auch 30-jährige Mütter können, dem jeweils eigenen Stil entsprechend, den richtigen Rock finden, ohne sich dem Mainstream anpassen zu müssen. Der Maxirock ermöglicht es, individuell zu bleiben. Mit einem langen Rock kann man nie etwas falsch machen – egal ob im Alltag, beim Theaterbesuch oder auf einer Hochzeit.

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Hymne auf den Minirock

In Zeiten zunehmender Verschleierung, die nun auch in den neusten Modeströmungen propagiert wird, ist es - gerade aus konservativ-katholischer Sicht - wichtig, sich etitel_2016_03_300x400_2ntschieden dagegen zu stellen. Dass der Boykott der falsche Weg ist, wurde hier schon erwähnt. Während der Schleier „eines der schärfsten Zeichen für die Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen“ (Joachim Hermann, Bayrischer Innenminister) ist und dazu dienen soll, den Mann nicht in Versuchung zur bringen, postulieren wir Cathwalker mit der „Hymne auf den Minirock“ einen gesunden(!) feministisch-emanzipierten Ansatz. Wenn ihr die Wahl habt zwischen Unterdrückung und Emanzipation, dann entscheidet euch für den Minirock. Habt ihr Bedenken? Dann antworten wir mit dem konservativen Theologen Billy Graham: „Der Minirock hat mir noch niemals Sorgen gemacht, wohl aber die Minimoral.“ (MS)

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Hymne auf den Minirock

Die Temperaturen steigen, die Beine werden länger und die Röcke kürzer. Welche Augenweide. Auch aus feministischer Sicht darf der Minirock als ungefährlich qualifiziert werden, da ihm eine faszinierende Geschichte zugrunde liegt. Es geht um Freude und Freiheit.

Von Claudia Schumacher

In den sechziger Jahren bereiste eine DDR-Schülerin die damalige UdSSR. Beim Besuch eines Mahnmals für gefallene Soldaten zog sie entrüstete Blicke auf sich. Oder genauer gesagt: auf ihre blanken Beine. Das Mädchen hiess Angela Merkel, und sie trug einen Minirock.

Auch wenn die deutsche Kanzlerin der Öffentlichkeit heute nicht mehr barbeinig entgegentritt: Der kürzeste Stofffetzen der weiblichen Sommergarderobe hat sein Erregungspotenzial behalten. Darf man als moderne Frau einen Rock tragen, der nur ein bis zwei Hände breit unter dem weiblichen Lustzentrum endet? Oder spielt man damit plumpen Männerfantasien den Ball zu und degradiert sich selbst zum Püppchen?

Wettkampf um den stoffosesten Auftritt

Letzten Sommer wurde in der Schweiz eine junge SP-Lokalpolitikerin und Feministin für ein Foto in sehr luftiger Kleidung kritisiert (der untere Po-Ansatz war zu sehen). Die Frage war, ob eine feministische Grundeinstellung ein solches Auftreten erlaube. In den USA engagiert sich derweil das junge US-Model Emily Ratajkowski dafür, dass man schöne Frauen ihre sexuelle Anziehungskraft zelebrieren lässt, ohne ihnen im Gegenzug automatisch andere Qualitäten abzusprechen. Und in Deutschland setzte sich 2015 eine ehemalige CSU-Referentin, die von Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund ihres guten Aussehens berichtete, für einen Neo-Feminismus in Minirock und High Heels ein. Ein Leserkommentar unter einem ihrer Interviews dazu online lautete: „Wenn man rumläuft wie eine polnische Strassenhure, braucht man sich über anzügliche Sprüche nicht wundern.“ Beschämend – oder einfach nur gemein? Jedenfalls hart und deutlich genug, um die normale Frau mit schlechtem Gewissen und einigermassen verwirrt auf ihre Beine blicken zu lassen.

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Die Temperaturen steigen, die Beine werden länger und die Röcke kürzer. Welche Augenweide. Bild: Cathwalk-Topmodel Kristina Ballova

Seit je ist der weibliche Körper politischer als der männliche. Die einen halten sein erotisches Potenzial in freier Entfaltung für mächtig und ermächtigend. Ein Blickwinkel, den gerne junge und hübsche Frauen sowie Neofeministinnen wählen. Die anderen empfanden weibliche Freizügigkeit tendenziell als unsittlich und ordnungswidrig. Ein Standpunkt, der traditionell eher von Männern eingenommen wird – auch wenn im Westen die meisten von ihnen heutzutage den Anblick kurzer Röcke eher geniessen können. Was zur dritten Gruppe führt, die hinter betonter weiblicher Sexiness den Teufel eines männlichen Sexismus am Werk sieht und in geschminkten und geschmückten Frauen schon auch einmal Tussis und Verräterinnen vermutet – hier stehen als Wortführerinnen tendenziell Feministinnen frigider Prägung bereit.

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Von Mode und Moral

Warum eine religiöse Bewegung, die ihre Glaubensinhalte durch den Kult tradieren will, in ihrer Pastoral besonders die Kultur betonen sollte.

von Dr. Maximilian Krah, Dresden

Das Thema Mode und Moral ist ein Dauerbrenner im konservativen katholischen Milieu. Wie ich zu der fast immer verklemmten, teilweise grotesken, oft abstoßenden Diskussion stehe, habe ich nie verheimlicht. Entsprechend direkt habe ich auf die Fragen von Matthias für „The Cathwalk“ geantwortet. Die Wellen, die ich damit geschlagen habe, überraschen mich dennoch; offensichtlich beschäftigt das Thema tatsächlich viele Christen im Inneren, wirft Fragen auf und schafft Probleme. Ich will deshalb das, was ich im Format des Interviews notwendigerweise kurz, knapp und kontrovers gesagt habe, im Format des Essays differenzieren, begründen und fortführen.

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Die Wellen, die Maximian Krah mit seinem Interview geschlagen hat, überraschen ihn: „Offensichtlich beschäftigt das Thema tatsächlich viele Christen im Inneren, wirft Fragen auf und schafft Probleme.“

Wer sich entscheidet, einen Teil seines Vermögens in Aktien zu investieren und sich in das Abenteuer der Börse stürzt, tut gut daran, im Vornherein die Kurse festzulegen, bei denen er wieder aussteigt – denn ist er einmal drin, geht ihm die Nüchternheit verloren, die er hat, wenn er noch nicht investiert ist. Ob Hoffnung auf die Kurskorrektur oder Gier nach einem noch höheren Gewinn – es gibt viele Ursachen dafür, den klaren Blick zu verlieren. Nichts anderes gilt auch, wenn man sich auf das katholische Abenteuer einlässt. Man sollte zuvor definieren, was unverhandelbar ist. Denn in unserer säkularen Gesellschaft ist das religiöse Milieu eine eigene Welt, und es besteht das Risiko, sich nur mehr nach deren Koordinatensystem auszurichten und die umfassenden Maßstäbe aus den Augen zu verlieren.

Ich habe für mich drei Grenzen definiert: meine Freunde sind nicht verhandelbar, meine politischen Überzeugungen stehen nicht zu Disposition und mein Kleidungsstil ebenso wie der meiner Familie geht niemanden etwas an. In allen drei Punkten gab es Konflikte mit religiösen Eiferern: Das Misstrauen gegenüber meinen jüdischen Freunde bescherte mir 2010/11 einen globalen Shitstorm unter dem lächerlichen Namen „Krahgate“. Meine politische Meinung – ich bin in gesellschaftspolitischen Fragen ein klassischer kontinentaleuropäischer Konservativer, ökonomisch ein angelsächsisch geprägter Neoklassiker und außenpolitisch ein Realist im Sinne Henry Kissingers – galt den zahlreichen Anhängern der verschiedensten, durchweg hanebüchenen und sich untereinander munter widersprechenden Verschwörungstheorien, zumindest darin waren sie sich einig, als verdächtiges Linksabweicheln. Und hinsichtlich Kleidung, Stil und Geschmack ist der Dissens eine Erkenntnis des ersten Blicks.

"Ich bin in gesellschaftspolitischen Fragen ein klassischer kontinentaleuropäischer Konservativer, ökonomisch ein angelsächsisch geprägter Neoklassiker und außenpolitisch ein Realist im Sinne Henry Kissengers"

„Ich bin in gesellschaftspolitischen Fragen ein klassischer kontinentaleuropäischer Konservativer, ökonomisch ein angelsächsisch geprägter Neoklassiker und außenpolitisch ein Realist im Sinne Henry Kissengers“

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Häresie der Hässlichkeit: Katholische Ästhetik und ihr Feind

The Cathwalk im Gespräch mit Dr. Maximilian Krah, Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater aus Dresden.

Maximilian Krah, *1977, Deutscher, lebt in Dresden, hat in Dresden Jura (Dr. iur.) und in London und New York Betriebswirtschaft studiert (M.B.A.), interessiert sich für Kunst, Literatur, Philosophie, Theologie, Mode und Politik. Verheiratet, fünf Kinder, katholisch.

Maximilian Krah *1977, Deutscher, lebt in Dresden, hat in Dresden Jura (Dr. iur.) und in London und New York Betriebswirtschaft studiert (M.B.A.), interessiert sich für Kunst, Literatur, Philosophie, Theologie, Mode und Politik. Verwitwet, fünf Kinder, katholisch, Christdemokrat.

Herr Doktor Krah, Sie prägten einst den Ausdruck „lange Wickelröcke sind unmoralisch, weil hässlich“ – durch welche Milieubeobachtungen sind Sie zu diesem Schluss gekommen?

Mir scheint, dass manchen Protagonisten dieses sonderbaren Hangs zu langen Röcken überhaupt nicht klar ist, wie abstoßend sie die ganze katholische Traditionsbewegung erscheinen lassen. Es erzeugt bei geistig gesunden Menschen einen innerlichen Widerstand, sich zu einer so demonstrativ hässlich auftretenden Gruppe hinzu zu gesellen. Die katholische Lehre assoziiert das Gute mit dem Schönen; Gott ist schön, Ästhetik, Stil, Geschmack sind deshalb positiv. Umgekehrt ist das Hässliche schlecht. Eine Moral, die zu hässlicher Kleidung aufruft, ist Widermoral.

Dr. Maximilian Krah mit Familie: Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater aus Dresden.

Dr. Maximilian Krah mit Familie: Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater aus Dresden.

Als Kenner der katholischen Szene verurteilen Sie scharf einen präpotenten, frauenfeindlichen und auf seine eigene Art und Weise unschamhaften Moralismus. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Wurzeln dieses pathologischen Phänomens?

Es gibt viele. Wir müssen uns klar machen, dass die religiöse Welt vieler Katholiken mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zusammengebrochen ist. Diese Leute halten einfach an dem fest, was bis dahin war. Das ist nicht falsch. Aber sie dehnen es auf alle Bereiche des Lebens aus. Vor 1960 trugen Frauen keine Hosen oder kurze Röcke – also lehnen wir es auch jetzt ab. Man macht einfach aus pastoralen oder geschmacklichen Fragen dogmatische. Das ruiniert die Dogmatik, die Pastoral und den Geschmack. Schauen Sie, die Modernisten erklären jede Wahrheit zu etwas zeitabhängigem. Damit ist letztlich ein seiender Gott nicht mehr zu begründen. Die falsche Antwort zu vieler Konservativer ist es nun, jede Angelegenheit zu unveränderlichen Wahrheiten zu erklären. So wird aus Mode, die schon dem Wort nach zeitabhängig ist, plötzlich ein dogmatisches Problem. Das ist intellektuell unterirdisch und in der praktischen Konsequenz hässlich.

Hinzu tritt eine generelle Verklemmtheit Frauen gegenüber. Bis in die 1950er war wirtschaftlicher Wert eine Konsequenz aus Muskelkraft und damit männlich. Heute ist wirtschaftlicher Wert eine Konsequenz aus Intelligenz und Kommunikation, und darin sind Frauen nicht schlechter als Männer. Also hat sich auch das Rollenverhältnis neu justiert. Das vermögen aber nicht alle nachzuvollziehen und erklären nun das frühere Rollenbild zu einem Dogma, weil sie nicht begreifen wollen, dass Mode, Stil, auch Geschlechterrollen ganz praktische, irdische Ursachen haben.

Und schließlich spielt unerfüllte Sexualität eine Rolle, gerade im konservativen religiösen Milieu mit seiner Überbetonung des Sechsten Gebotes. Wer sich als Mann zu viele Gedanken über die Kleider fremder Frauen macht, sollte beichten gehen und sich eine Freundin suchen.

3. Wie könnte ein sozusagen katholisch-barocker Gegenentwurf zu derlei jansenistischen Engführungen aussehen?

Ich mochte den Versuch des Papstes Benedikt XVI. Er betonte die Vernunftmäßigkeit des Glaubens. Das ist sicher nicht für jeden ein Ansatz, aber in unserer Zeit hat er das Potential, zumindest die tonangebenden Schichten zu erreichen. Und ich würde ihn ausdehnen; nicht nur die Vernunft, auch die Ästhetik sollte Kennzeichen des Katholizismus sein. Ästhetik schützt dabei auch vor Vulgarität, und zwar viel besser als starre Kleidungsregeln, die ja nur solange halten, wie sie auch durchgesetzt werden, aber nie innerlich Wurzeln schlagen.

Die Religion hat die Kultur geschaffen, deshalb kann auch über die Kultur der hinter ihr stehende Glaube wieder erstrahlen. Gerade angesichts des Islam, der keine Musik, keine Bilder, keinen Wein und keine Miniröcke haben will, vermag der Verweis auf die katholische Hochkultur doch überzeugend die Größe unseres Gottes demonstrieren. Wer aber diese Kultur auf Sektenniveau reduziert, der reduziert auch Gott. Das ist die Häresie der Hässlichkeit.

"Alle theologischen Argumente für einen religiösen Dresscode sind leicht zu widerlegen."

„Alle theologischen Argumente für einen religiösen Dresscode sind leicht zu widerlegen.“

4. Verfechter eines engherzigen Moralismus verweisen immer wieder auf das Kirchenrecht als Argumentationsgrundlage. Wie bewerten Sie aus juristischer Sicht diese Berufung?

Alle theologischen Argumente für einen religiösen Dresscode sind leicht zu widerlegen. Und kirchenrechtlich gibt es ja nicht einmal mehr das Gebot der Kopfbedeckung in der Messe, das bereits in den 1950ern in Westeuropa keiner mehr praktiziert hat. Zu recht, denn das Christentum ist gerade keine Gesetzes-Religion, sondern eine der Liebe, Vernunft und Schönheit. Man sollte sich mit diesen Haarspaltereien auch nicht zu lange befassen, es ist verlorene Zeit. Wer immer sich über Kleiderregeln religiös absondern will, ist nicht mehr Kirche, sondern Sekte. Und mit Sektierern lohnt es nicht zu diskutieren.

5. Sie vertreten die Meinung, wer ein Problem mit aufreizender Kleidung hat, habe ein Problem in seiner Hose hängen, mehr nicht – eine bewusste Pauschalisierung?

Nein, die schlichte Wahrheit. Schon als Schüler fiel mir immer auf, dass Jungs immer die Mädchen als „Schlampe“ beschimpften, bei denen sie abgeblitzt waren. Wer sich als Mann an Schönheit, und dazu gehört nunmal ein gewisser Sex Appeal, nicht still erfreuen kann, muss an sich arbeiten. Weder aggressives Anmachen noch aggressives Ablehnen sind angemessene Reaktionen, beide sind aber Ausdruck der selben persönlichen Unreife.

"Wer immer sich über Kleiderregeln religiös absondern will, ist nicht mehr Kirche, sondern Sekte."

„Wer immer sich über Kleiderregeln religiös absondern will, ist nicht mehr Kirche, sondern Sekte.“

Wer mehr über Maximilian Krah erfahren will: https://maximiliankrah.wordpress.com

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