The Cathwalk

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Schlagwort: Sakralarchitektur

Schönheit statt Angst und Mittelmaß: Die katholische Kirche braucht dringend Künstler

So schrieb der russische Autor Fjodor Dostojewski in „Dämonen“, einem seiner vier großen Romane. Der russisch-orthodoxe Romancier stimmte einem polnischen römisch-katholischen Papst zu, der ein Jahrhundert später über die Notwendigkeit der katholischen Kirche nach Schönheit und Künstlern, die diese Schönheit erschaffen könnten, schrieb.

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„Die Schönheit ist ein Schlüssel zum Mysterium und ein Ruf nach Transzendenz. Sie ist eine Einladung, unser Leben zu genießen und von unserer Zukunft zu träumen. Deswegen kann die Schönheit der geschaffenen Dinge nie vollständig zufriedenstellen. Sie rüttelt an der versteckten Sehnsucht nach Gott…“, schrieb Papst Johannes Paul II. 1999 in seinem Brief an die Künstler.

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Perlen der Moderne II – Sakralarchitektur im 21. Jahrhundert

von Deborah Görl

Seit einigen Jahren lässt sich in der modernen Sakralarchitektur ein Trend beobachten: man baut nicht mehr in erster Linie funktionale Versammlungsbauten, sondern man entdeckt die Transzendenz im Bauen wieder. Es dominiert ein „spiritueller Minimalismus“, der sehr stark Licht als Gestaltungselement einsetzt, was sich wiederum bei einer christlichen Sakralarchitektur äußerst gut anbietet.

Auch im 21. Jahrhundert ist die Unterscheidung zwischen Sakral- und Profanarchitektur kein einfaches Unterfangen. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Sakralarchitektur zu sehr an der Profanarchitektur orientiert ist und ihre Eigenart negiert, sondern vielmehr daran, dass die Profanarchitektur „transzendenter“ geworden ist.

Die Architektur eines Museums bspw. hat die Funktion, die Kunstwerke, die es beherbergt, möglichst gut zur Geltung zu bringen. Vor 150 Jahren legte man darüber hinaus noch auf den dekorativen und repräsentativen Charakter des Gebäudes Wert, aber das war es dann eigentlich schon. Nun findet man eine Museumsgeneration vor, deren markante Gestaltungmittel Licht und Unendlichkeit andeutende Formen bzw. Raumkonstruktionen sind. Diese Museen sind, allein von der Architekturerfahrung her gesehen, zu spirituellen Räumen geworden. Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung erhält man, wenn man den modernen Städtebau in China betrachtet.

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Perlen der Moderne: Sakralarchitektur im 20. Jahrhundert

Von Deborah Görl

Die moderne Architektur nimmt in der Geschichte der Architektur eine Sonderstellung ein. Zum einen tritt der dekorative und symbolische Charakter des Bauwerks zugunsten eines Funktionalismus („Form follows function“) immer mehr in den Hintergrund und zum anderen verkürzen sich die Stilepochen aufgrund der durch den technischen Fortschritt reduzierten Bauzeit wesentlich.

Ähnlich wie die profane Architektur versucht auch die Sakralarchitektur – wobei hier in erster Linie die katholische gemeint ist – zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Historismus und Eklektizismus des 19. Jahrhunderts zu überwinden. Fatalerweise ahmt sie jedoch nur die Profanarchitektur ihrer Zeit nach, ohne zu beachten, dass Sakralarchitektur ohne Symbolismus und Metaebene nicht funktionieren kann. Jahrtausende an kirchlicher Architektur werden, da sie als – im weitesten Sinne des Wortes – zu symbolisch angesehen werden, ignoriert. Des Weiteren vergisst man, dass Sakralarchitektur äußerst komplex und anspruchsvoll ist und daher wesentlich mehr Zeit zur Planung und Ausreifung benötigt als bspw. eine Shopping Mall oder ein Verwaltungsgebäude. Das Ergebnis sind misslungene moderne Sakralbauten, die man meist nur aus einem einzigem Grund als Kirchen identifizieren kann: es befindet sich ein Altar bzw. ein Tisch an exponierter Stelle. Traurigerweise sind diese Sakralbauten in vielen Fällen auch noch Kopien an sich fragwürdiger architektonischer Versammlungsbauten. So sind bspw. Konzertsäle als Bauvorbild sehr beliebt.

Interessanterweise existieren jedoch einige wenige Bauten, die das 19. Jahrhundert wirklich überwunden haben, indem sie die kirchliche Architektur im Kontext neuer Baustile und Technologien weiterentwickelt haben. Diese Bauten beweisen, dass man nicht zu der Neo-Architektur zurückkehren muss, sondern dass in jedem Baustil Theologie materialisiert werden kann – und das ist letztendlich der Kern jeder gelungenen Sakralarchitektur.

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