sicheres-surfen-freundeskreis-164843_Lvon Friedrich Reusch

Kennen wir das nicht alle? Wir sind sehr bemüht, ein christliches Leben zu führen, doch oftmals definieren wir uns nur über das, was wir nicht tun oder was wir nicht sind. Wir wollen eben nicht ein Leben führen, das sich nur um Alkohol, Parties und Äußerlichkeiten dreht. Dadurch sind wir leicht verunsichert, wie gesellig, sozial und gelassen wir eigentlich sein dürfen.

Dazu eine persönliche Geschichte: Vor einigen Jahren war ich in der Karwoche im Priesterseminar in Zaitzkofen. Einmal saß ich in meinem Zimmer und hörte, wie einige Seminaristen unten im Hof des Schlosses miteinander redeten und lachten. Ich war ganz verunsichert: Wie kann das sein? Muss man in der Karwoche nicht die ganze Zeit mit bitterem Gesicht herumlaufen und sich anschweigen?

Ich hatte nicht begriffen, dass innere Frömmigkeit, auch innere Ernsthaftigkeit, nicht bedeutet, nach außen hin für jeden sichtbar als Trauerkloß herumzulaufen. So sagt es auch Christus: „Wenn ihr fastet, so macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler“ (Mt 6,16). Es ist ein Teil des Gebotes der Nächstenliebe, ja sogar ein Anzeichen christlicher Vollkommenheit, bei aller Ernsthaftigkeit eine gesunde Fröhlichkeit und Gelassenheit auszustrahlen – das beste Beispiel dafür war Erzbischof Lefebvre (vgl. Katholische Gelassenheit Teil 1, DGW 4/2014).

Was können wir tun, um auch nach außen hin fröhliche Christen zu sein, deren Glaube einladend ist? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: seien wir Menschen, mit denen man gerne zusammen ist, seien wir soziale Wesen, keine Einzelkämpfer, seien wir vergnügt, und nicht griesgrämig.

Der hl. Franz von Sales, dessen Milde und Menschenfreundlichkeit sprichwörtlich war, gibt dazu einige ermutigende Ratschläge (Die Zitate sind der „Philothea“ bzw. dem Büchlein „Weg zu Gott – gesammelte Texte [des hl. Franz von Sales, Anm.d.Red] über das religiöse Leben“ entnommen.)

Let´s joke, let´s dance! Ein kleiner Comment für KJB-Veranstaltungen

Wie verhalten wir uns, wenn wir mit anderen KJB-lern zusammen sind? Müssen wir besonders ernst und wortkarg sein? Der hl. Franz von Sales sagt uns hier etwas sehr wichtiges: Geselligkeit ist etwas Postives! Dazu gehört auch eine gesunde Portion Humor und eine Unbeschwertheit, die auch unsere Treffen zu schönen, nicht verkrampften Erlebnissen werden lässt:

Wortspiele und Neckereien, die man einander bei fröhlicher, anständiger Unterhaltung zuwirft, gehören zur Tugend, die (…) bei uns Geselligkeit heißt.“

Tanze und spiele jedoch ruhig, wenn Klugheit und vernünftige Rücksicht dazu raten, etwa einer anständigen Gesellschaft zu Gefallen.“

Essen, Trinken, Feiern

Der christliche Weltmensch verrichtet sein Leben auch dadurch als Gottesdienst, dass er bewusst Teil des sozialen Lebens ist. Deshalb kann er auch keine falsche Angst vor sozialen Zusammenkünften haben. Der heilige Franz von Sales zeigt dies am Beispiel des gemeinsamen Tafelns, bei dem er übrigens ein zwangloses Verhalten gegenüber dem Appetit anrät. Und es kann durchaus ein Gebot der Nächstenliebe sein, nicht nur eine zweite Meile mitzugehen (Mt 5,41), sondern auch ein zweites Glas aus Gefälligkeit mitzutrinken.

Man kommt zum Essen zusammen, nicht nur um das Leben zu erhalten, sondern auch um Geselligkeit und die menschlichen Beziehungen zu pflegen.“

Kommt man aus Geselligkeit zum Essen zusammen, dann soll man essen, ohne den Eindruck eines Zwanges zu erwecken, sondern ruhig seinem Appetit folgen.“

Die Gefälligkeit gegen andere ist eine Tochter der Liebe. Sie macht Gleichgültiges zu Gutem und auch Gefährliches zu Erlaubtem; ja, sie benimmt sogar Dingen, die in gewissem Sinne schlecht sind, ihr Schlechtes.“

Besitzt, als besäßet ihr nicht“ (nach 1 Kor 7, 30) – gesunde Einstellung zu Geld und Ehre

Es gibt nicht nur die Art der Reichen, am Materiellen zu hängen, sondern auch das Laster derjenigen, die stets gedanklich an dem hängen, was sie nicht haben. Doch ist die friedliche (!) Sorgfalt gegenüber zeitlichen Gütern genauso gottgefällig wie die Sorge um einen guten Ruf:

Verwenden wir also (…) friedliche Sorgfalt auf die Erhaltung, ja sogar die Vermehrung unserer zeitlichen Güter bei jeder günstigen Gelegenheit und Erfordernissen unseres Standes. Gott will ja, dass wir aus Liebe zu ihm so handeln.“

Die Demut hindert aber niemand, uns diese (Anständigkeit und Rechtschaffenheit) zuzuschreiben, noch dass wir diesen Ruf von anderen anerkannt wissen wollen.“

Gediegen, nicht bieder!

Ermutigend: Auch ein schönes Herrichten des Äußeren hat seine Berichtigung und seinen Platz im christlichen Leben!

Die verheiratete Frau kann und soll sich schmücken für ihren Mann, wenn er es wünscht. Mehr Putz erlaubt man den jungen Mädchen, denn sie dürfen mehreren zu gefallen wünschen, freilich nur zu dem Zweck, einen davon für den heiligen Ehestand zu gewinnen.“

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