Allgemein Leseprobe: "Einführung in die Spiritualität des Whiskys"

Leseprobe: „Einführung in die Spiritualität des Whiskys“

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Was den Umgang mit Genussmitteln anbelangt, muss man nicht unbedingt dem Beispiel jenes schottischen Vaters folgen, der eines Tages seine Kinder zu sich rief und ihnen feierlich eine Tafel Schokolade präsentierte. Vor ihren erwartungsvoll glänzenden Augen packte er die Schokolade aus, brach mehrere kleine Stücke davon ab und reichte jedem der Kinder eines davon. Die Kinder griffen begierig danach und beeilten sich, ihr Schokoladenstück zu verzehren, um ihren Vater schon nach wenigen Augenblicken erneut voller Erwartung anzublicken. Der jedoch packte die Schokolade wieder sorgfältig ein und erklärte den erstaunten Kleinen feierlich: „Der Rest schmeckt genauso!“

Das Ideal liegt selten im Extrem, aber dafür umso häufiger in der Mitte, in Maß und Mäßigung. Weder Verschwendung noch Geiz, weder Leichtsinn noch Ängstlichkeit, weder Genusssucht noch völlige Entsagung entsprechen dem Beispiel Jesu und damit dem Ideal des christlichen Glaubens. Das gilt ganz allgemein und darum umso mehr vom Umgang mit alkoholischen Getränken und hier vor allem vom Umgang mit einer geradezu „spirituellen“ Spirituose wie einem guten schottischem Single Malt Whisky. […] Wenn es denn stimmt, dass Whisky eine wie auch immer geartete „Spiritualität“ innewohnt, dann muss und wird sie sich nämlich als wohltuend erweisen – und zwar als wohltuend für die Seele ebenso wie für den Leib.

Alles andere wäre nichts weniger als ein Widerspruch in sich, denn Seele und Leib bilden, zumal nach christlichem Verständnis, eine von Gott geschaffene und von ihm für gut befundene Einheit (Gen 1,26-31). Erst die Einheit von Seele und Leib ist es, die Leben ermöglicht und Leben ausmacht. Darum verheißt die christliche Heilsbotschaft auch nicht nur eine wie auch immer geartete geistige Weiterexistenz in einem substanzlosen Jenseits. Im Glaubensbekenntnis ist vielmehr von einer „Auferstehung der Toten“ – wörtlich übersetzt sogar von einer „Auferstehung des Fleisches“ – die Rede. Das bedeutet nichts anderes, als dass Gott einst, am so genannten Jüngsten Tag, wenn die Welt in ihrer derzeitigen Gestalt vergeht, nicht nur „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Offb 21,1) erschaffen, sondern zudem die Menschen mit einem je neuen, unvergängliches Leben und umfassenden Genuss ermöglichenden Leib ausstatten wird.

Der christliche Glaube ist somit – allen Fehldeutungen und Vorurteilen zum Trotz – alles andere als leib- und sinnenfeindlich. Das glatte Gegenteil ist der Fall: Der menschliche Leib mit seiner Fähigkeit zu sinnlichen Wahrnehmungen und sinnlichen Freuden ist das von Gott gewollte Mittel menschlicher Existenz. Jede echte Spiritualität muss darum im wahrsten Sinn des Wortes gesund, das heißt lebensbejahend, lebenstauglich und dem Leben förderlich sein. Mit anderen Worten ausgedrückt: Sie muss der Gesundheit der Seele ebenso zuträglich sein wie der Gesundheit des Leibes.

„Prost“, pflegt man im deutschen Sprachraum mit gutem Grund zu sagen, bevor man – zumindest dann, wenn man sich in Gesellschaft befindet – ein alkoholhaltiges Getränk zu sich nimmt. „Prost“ kommt vom lateinischen „prosit“ und bedeutet: Es möge nützlich sein, es möge gut tun, es möge – wie eine wohldosierte Medizin – heilsam sein. Der traditionelle schottische Trinkspruch bringt dies uralte und zeitlos gültige Erfahrung nicht minder deutlich zum Ausdruck; er lautet: Slàinte mhath – zu Deutsch: Gute Gesundheit!

Das Buch ist im Januar 2016 im EOS-Verlag erschienen und kann hier bestellt werden.

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