Ein Plädoyer für den Wickelrock von jemandem, der ihn nicht ausstehen kann

Ein Plädoyer für den Wickelrock von jemandem, der ihn nicht ausstehen kann

Eben eine Replik auf Maximilian Krahs „Wickelrock-Gate“ entdeckt und da wir Meinungsvielfalt propagieren, möchten wir unseren Lesern diesen Beitrag nicht vorenthalten. Der Diskurs lebt davon und der Mehrwert des Portals soll mit einem Austausch gewährleistet werden.

3 KOMMENTARE

  1. Die Ablehnung des Jeansstoffs hat übrigens damit zu tun, daß die Jeans amerikanisch ist und Amerika – diese Zeit gab’s früher mal – mal cool und der Traum der rebellischen Jugend war.

    Und daß das eine Arbeitshose ist (weshalb man unter den weniger strengen die Einsicht finden wird, zum Arbeiten darf man sie immerhin anziehen). Daß das die Lederhose auch einmal war, steht auf einem anderen Blatt. 😉

  2. Wobei vielleicht zu bemerken ist:

    >>Nicht jede von uns kann ein Ordensgewand tragen, aber so manche möchte sich als “ausgesondert” und für Gott bestimmt kennzeichnen. Dieses Bedürfnis ist vielleicht unter “wiedergeborenen” Christinnen grundsätzlich etwas größer als unter Katholikinnen.

    und unter katholischen Konvertiten größer als unter, wie es die Engländer nennen, Wiegenkatholiken. So weit, so klar.

    Hier scheint dann doch das Problem auf (und nein, ausnahmsweise biete ich keine Lösung an^^):

    Was Ordensschwestern angeht, so sind die selbstverständlich „in besonderer Weise“ (wie es immer so schön heißt) ausgesondert und für Gott bestimmt. Deshalb hat auch niemand was gegen deren Habit. (Andere Länder, andere Probleme. In Amerika gilt der Habit als Ausweis für Traditionalismus, hierzulande zu den wenigen ein bißchen traditionellen Kennzeichen, für die man – zumindest nach meinem Eindruck noch weit in die Reihen etwa der Memorandumstheologen hinein Zustimmung finden kann „weil wenn jemand schon Nonne ist, soll er auch so ausschauen“.)

    Was aber die Nicht-Ordensschwestern betrifft: es ist doch jeder katholische Christ ausgesondert und für Gott bestimmt. In jedem Augenblick seines Lebens.

    Nicht wahr?

    Daß daraus 1. die einen den Schluß ziehen, dann *müssen* sich eben alle immer wie Ordensleute, vielleicht in Leichtausführung, anziehen, und 2. die andern sich denken: was bilden sich die mit ihrer Kleidung eigentlich ein, glauben sie, daß entweder sie bessere Christen oder wir Sünder sind, ist leider in gewisser Weise naheliegend. Daraus, 1. anderen Vorhaltungen zu machen, denen sie nicht folgen und bei denen sie sich nicht einmal mit der Befriedigung hinsetzen können, daß ihnen die Kirche zustimmt bzw. 2. aus dem ja häufig zutreffenden Grund heraus, daß man sicherlich ein wenig weniger weltlich sein könnte als man tatsächlich ist, sich einem permanenten Vorwurf ausgesetzt sehen…

    daraus können durchaus Verstimmungen entstehen.

  3. Genau so ist das.

    Wobei ich allerdings ergänzend bemerken würde, daß zwischen dem Zeitpunkt, an dem man damit rechnen muß, vernünftige Mitchristen guten Willens in Versuchung zu führen (also nicht Versuchung zu Freundlichkeiten, sondern Versuchung zu Sünden), und der, bei dem der eine oder die andere das kritisieren anfängt, eine weite Stücke Wegs ist.

    Persönliches Erlebnis zum Thema „nicht messbar in konkreten Rocklängen und Ausschnittstiefe“:

    gehe mit ein paar Leuten spazieren und wir kommen an einer Kirche vorbei, denken uns: die könnten wir doch jetzt besichtigen. Eines der Mädels, die dabei ist, hat ein Kleid an, das nach unten bestenfalls so lang ist wie ein Minirock, aber wie ein ziemlich kurzer. Vor der Kirche steht ein Schild, wo draufsteht, nicht mit sehr kurzer Kleidung betreten. Leider hat auch keiner einen Pulli dabei oder ein Handtuch zum Herumwickeln. Währenddessen kommt eine ältere Frau raus, sieht unsere Verlegenheit, denkt sich: „die schaut doch anständig aus“, und sagt: „Nun kommen Sie schon! *Sie* sind doch mit dem Schild nicht gemeint!“

    So geht das unter Katholiken.

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