Auf der Suche nach dem christlichen Gentleman

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Der christliche Gentleman ist das Upgrade des Edelmanns durch die Ergänzung, dass er darum weiß, dass sein Leben in Gottes Heilsgeschichte einen Sinn findet.

von Patrick O. Junge

Gentleman, dies Wort klingt für viele nach einem Relikt aus der grauen Vorzeit. Bei einem Gentleman denkt man zuvörderst an den US-amerikanischen Entertainer Frank Sinatra (1915 – 1998) oder an die Figur des Geheimagenten James Bond.

Versucht man allerdings in der neueren Zeit einen Gentleman in Gesellschaft oder Politik auszumachen, so ist dies ein schwieriges Unterfangen. Schnell kommt die Frage auf, ob überhaupt Gentlemen heute noch existieren. Diese Frage ist schnell beantwortet: Ja, es gibt sie noch, die feinen Kerle, die man als Gentleman bezeichnen kann, auch wenn sie vom Aussterben bedroht sind.

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„Ein Gentleman pflegt sein Äußeres: Kämmt sich, putzt sich die Zähne, hat saubere Nägel. Er achtet dennoch nicht nur auf Äußeres: Es gibt großartige Leute, die keinerlei Stilempfinden haben, und welche, die inszenieren sich mit Etikette und Handkuss und sind im Grunde Pfeifen.“ – Klaus von Dohnanyi (*1928), deutscher Jurist und Politiker (SPD), ehem. Bundesminister Bürgermeister von Hamburg. (Bild, rechts: Patrick O. Junge)

In diesem Zusammenhang muss natürlich gefragt werden, was einen sogenannten Gentleman ausmacht. Es ist zum einen sein gesellschaftliches Auftreten. Ein Gentleman ist höflich und kennt die Grundregeln guter Manieren. Im Übrigen sind in diesem Zusammenhang nicht die peinlichen Kniggekurse gedacht, bei denen man lernt, dass man statt „Gesundheit“ zu sagen, die Person, welche niesen muss, „Entschuldigung“ sagen lässt. Gute und sittliche Manieren zeigen sich in den kleinen Dingen des Alltags. Zum Beispiel ist es immer noch erlaubt einer Dame in die Jacke zu helfen oder die Türe aufzuhalten. Nun meinen viele, dies mache man immer nur bei den gutaussehenden Frauen, um punkten zu können. Aber ein wahrer Gentleman kennt keine Grenzen der Höflichkeit. Der Gentleman ist zudem gebildet und weist eine unverkennbare Eloquenz auf.

Die Visitenkarte des Gentleman: Seine Garderobe

berhard-roetzel-1395Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Visitenkarte des Gentleman, seine Kleidung. Hier sei auch der Almanach des Edelmanns „Der Gentleman – Handbuch der klassischen Herrenmode“ von Bernhard Roetz zu empfehlen (erschienen bei h.f. ullmann, 2009, akt. Neuausgabe). Roetz macht auf über 350 Seiten deutlich, wie ausgefallen und exklusiv ein Gentleman sich kleiden kann. Und Roetz geht auch auf die kleinen Dinge der äußeren Pflege ein, wie beim spannenden Besuch bei eines echten Herrrenbarbiers. Kritiker würden nun entgegenhalten, dass ja wieder alles vom Äußeren und vom finanziellen Stand abhängig sei. Der Autor begegnet dieser Kritik wie folgt: „Ein Mann wird nicht durch Kleidung zum Gentleman und umgekehrt bleibt ein echter Gentleman immer ein Gentleman, auch ohne Kleidung“ (S.10).
Trotzdem ist nicht zu bestreiten, dass die äußere Erscheinung nicht unwichtig ist. 365 Tage á la Fußballprofi mit Basecap und Hipsterpullover um die Häuser zu ziehen zeugt letztendlich auch von einer gewissen Art Einfallslosigkeit. Der echte Gentleman dagegen liebt es abwechslungsreich und kann den Smoking genauso gut tragen wie den Trainingsanzug bei den Leibesübungen. 

Der christliche Gentleman

Über Jahrhunderte hinweg hat sich auch ein Gentleman durch ein hohes Maß an ethisch-moralischem Verhalten ausgezeichnet. Der christliche Gentleman ist das Upgrade des Edelmanns durch die Ergänzung, dass er darum weiß, dass sein Leben in Gottes Heilsgeschichte einen Sinn findet. Dieser Mann läuft keinem Ideal hinterher, sondern weiß realistisch auch um die Tiefen seines eigenen Lebens und um die Möglichkeit von Gnade und Vergebung. Im Alten Testament begegnet uns David, ein mächtiger König, der aber erst durch seinen tiefen Fall im Zusammenhang mit Batseba und Urija (Vgl. 2. Sam 11,1 – 12,25) zum wahren, gottverbundenen Gentleman wird. Der römisch-katholische Kardinal John Henry Newman (1801-1890) beschrieb den Gentleman als Mann, der „niemandem Schmerz zufügt, (…) und der kein Aufhebens von den Gefälligkeiten macht, die er anderen erweist“. In den 1960er Jahren ist z.B. der Philosophieprofessor Karl Löwith (1897-1973) der Frage nachgegangen, ob Jesus Christus ein Gentleman war (in: DER SPIEGEL Nr. 15/1967, S. 65-68). Löwith stellt fest, dass die Nachfolge Christi und die Eigenschaften eines Gentlemans widersprüchlich seien. Dennoch spricht nichts dagegen, sich als Christ mit dem Ideal des Gentleman auseinanderzusetzen. Verwerflich oder gar unchristlich ist es sicher nicht, ein Gentleman zu sein, v.a. wenn man positive Beispiele von christlichen Zeitgenossen betrachtet wie beispielsweise Erzbischof Georg Gänswein, den man durchaus als christlichen Gentleman bezeichnen darf.

A cover of Italy's Vanity Fair magazine shows Archbishop Georg Ganswein on cover in this handout picture released by the Vanity Fair press office
„Padre Georg – Es ist keine Sünde, schön zu sein“ lautet die Titelzeile unter dem Porträt von Gänswein, es zeigt ihn mit stechend blauen Augen und grau meliertem Haar. Den „George Clooney des Petersdoms“ nennt das Magazin Gänswein, dem es die Titelgeschichte widmet. Darin soll seine Beförderung zum Erzbischof und sein wachsender Einfluss innerhalb der Kirche gewürdigt werden.

Letztendlich ist das Alleinstellungsmerkmal des Gentleman, dass er sich nicht selbst als Gentleman bezeichnet oder ausgibt, sondern andere darüber entscheiden lässt, wer ein Gentleman zu nennen sei.

10 Kommentare

  1. Herr van Laack, Ihrem selbstgewählten Oscar-Wilde-Zitat Ihres u.a. Kommentars folgend, scheinen Sie Ihre Worte mit leerem Kopf gesprochen zu haben. Jedoch ist augenfällig, daß hierorts ständig Ihre rhetorischen Exegesen in den Vorwurf der argumenta ad hominem münden. Hierzu sei bemerkt, daß Blog-Foren durchaus dieser Argumentation mitunter unterliegen, ansonsten würden sie dem Medium des Blogs nicht entsprechen. Es handelt sich hierbei nicht um wissenschaftliche Aufsätze in Druckform, die einer Zensur als unpersönliche, wissenschaftliche Klassenarbeit unterlägen. Die Art und den mE teilweise dilettantischen Zugang habe ich moniert. Vor allem, daß mit persönlichen Zutate (Art der Selbstdarstellung) Wahres mit dilettantischen Zutaten vermengt wurde. Zu Ihren Kategorisierungen und gewollten Interpretationen meines Statements noch ein Wort auf den Weg: Woher man kommt, wozu man zählt, das weiß man selbst am besten. Wozu Sie zählen und gehören, diese Frage müssen Sie sich selbst beantworten. Es taugt – beim besten Willen – nicht zum argumentum ad hominem.

  2. Bei allem Respekt vor Details Ihres Artikels, die Wahres mit Dilettantismus vermengen.
    1. Ein Gentleman bringt sich niemals selbst ins Spiel.
    2. Ein Gentleman ist ein Gentleman, weil er sich niemals im Stil des Artikel-Verfassers
    so ablichten ließe.
    3. Ein Gentleman ist nicht plakativ, sondern DEZENT, weil ihm das seine
    Erziehung ex tunc gebietet.
    4. Es ist richtig, daß Benimm-Kurse und Bücher keinen Gentleman hervorbringen. Wer sich als Gentleman definieren oder darstellen muß, hat leider den Background eines Gentleman
    nicht erfasst.
    Mithin kommen wir dann zum Niveau von Vorabendserien für kulturferne Schichten.

    Bitte verzeihen Sie mir den unausweichlichen Untergriff, aber Art und Stil Ihres Auftritts hier zeigen, daß Sie – bedauerlicherweise – kein elitäres Verständnis zweigen bzw. offensichtlich auch nicht mitbekommen haben.

    Ich bin kein traditioneller Fundamentalist und habe einen kosmopolitischen Background meiner Herkunft zwischen Ostküste und traditioneller, abendländischer Aristokratie.

    Der gezielten Provokation des jansenistischen Tradi/Fundi-Milieus in diesem Blog kann ich etwas abgewinnen, wiewohl ich auch Dr. Maximilian Krah. Er hat zumindest den Background, den Sie hier etwas hilflos simulieren möchten.

    Diese Elegien im vorliegenden Artikel scheinen mir Nachhilfe-Unterricht in Lifestyle für Kleingärtner zu sein. Sorry!

    .

    • Post Scriptum zum Kommentar

      Zu Dr. Maximilian Krah im Halbsatz wollte ich noch schreiben:
      wiewohl ich auch Dr. Maximilian Krah in seinem politischen Engagement sehr schätze.

      Notabene: Oftmals war ich sprachlos über die Untergriffe, die in den Kommentaren hier gegen Dr. Maximilian Krah und seine Familie gepostet wurden. Natürlich geht seine bewußte und gewollte Provokation manchmal über das hinaus, was traditionell geprägte Katholiken verkraften können. Dies ist jedoch kein Grund, einen Menschen anzugreifen. Insofern möchte ich auch nicht den Verfasser des vorigen Artikels angegriffen wissen. Aber hier wäre eine realistische Selbsteinschätzung und eine ebensolche Standortbestimmung seinerselbst – gemessen am Profil eines Lifestylisten, wie es Dr. Maximilian Krah dann doch ist -ganz gut.

    • Würden Sie mir zustimmen, Herr Baron, dass auch Sie kaum dem elitären Zirkel der Gentleman gerechnet werden dürfen? Weil…
      a) Ihr Auftritt hier eher plakativ als dezent ist.
      b) Sie – was ein Gentleman niemals täte – Dritte mit der Unwahrheit bedient, wo Sie behaupten, Respekt vor gewissen Details des Junge’schen Artikels zu haben um im nächsten Halbsatz gleich diesen Respekt zu nivellieren indem Sie eine Vermischung von Wahrem und Dilettantismus konstatieren.
      c) Ihre abwertende Bemerkung über „kulturferne Schichten“ (was auch immer das sein soll) auf ein wenig menschenfreundliches upper class-Denken hinweist. – Aristokrat aber IST man nicht von Geburt, seinen Adel beweist man im Tun. Es heißt nicht umsonst: „Adel verpflichtet!“. sie scheinen sich lediglich zu abwertendem Geschwätz über Konglomerate und Einzelpersonen verpflichtet zu sehen.
      d) ein Gentleman niemals abfällig über Dritte spricht, auch nicht subtil. – Sie hingegen nennen einen Untergriff Ihrerseits gegen Patrick Junge „unausweichlich“, ergo ein „argumentum ad personam“ unausweichlich, um sich in ihrem Postskriptum nur wenige Zeilen später über Untergriffe gegen Dr. Maximilian Krah zu empören und wiederum dessen Untergriffe als „bewusste und gewollte Empörung“ zu verharmlosen, die eben andere einfach nur nicht „verkraften“ könnten.

      Sie sind kein Gentleman, sondern lediglich ein semi-aristokratischer Situations-Ethiker, der Intelligenz mit Intellektualität und Adel von Geburt mit Zugehörigkeit zur Elite eines Gemeinwesens verwechselt und sich hier im Urteil über Dritte (wenn auch nicht in Stil und Wortwahl so doch in der Intention) geriert wie ein Asozialer.
      Denn die Befähigung zu asozialem Reden, Schreiben und Handeln ist kein Privileg jener, die man soziologisch „Unterschicht“ oder „bildungsferne Schicht“ nennt. Es gibt eben auch asoziale upper-class-„Gentleman“.

      P.S.: Wenn man – wie augenscheinlich Sie – im kosmopolitischen Kunstdünger aufgewachsen ist, könnte Lifestyle-Nachhilfeunterricht für Kleingärtner für den Anfang sogar sehr nützlich sein.

      P.P.S.: Sie scheinen mir aus einem edlen Haus: Sie sehen stolz und unzufrieden aus (Johann Wolfgang von Goethe).

  3. Gott ist nicht auf die Weise allmächtig, dass er z. B. einen unbelehrbaren Raucher retten kann. Gott ist keine Person, kein Ding usw. Die Welt und der einzelne Mensch wurden nicht “erschaffen”, sondern existieren von Natur aus (und seit ewig). Es ist in Ordnung, wenn ein Mensch eine eigene Religion für sich begründet.
    Es ist unsinnig, zu beten. Sondern ein Mensch muss u. a. seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Und sich dann mit Autosuggestion (gemäß Emil Coue) und Ereignisdeutung beschäftigen. Auf der zweiten Stufe mit Traumsteuerung und Traumdeutung.

  4. Victor Marchal hat sich über den Typos Mann, den Patrick Junge als „katholischen Gentleman“ bezeichnet, schon vor 150 Jahren sehr treffende Gedanken gemacht.
    Ja ich weiß… Das Buch ist in Fraktur geschrieben, zudem haben die Menschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts sich erdreistet, Sätze anders zu bauen als wir und sich manches Ausdrucks bedient, der aus unserem Wortschatz fast getilgt ist. Und sie haben sich auch nicht im vorauseilenden Gehorsam der letzten deutschen Rechtschreibreform unterworfen.
    DENNOCH ein empfehlenswertes Werk. Denn die Gedanken, die Marchal zu Papier bringt sind zeitlos wie das Thema „Gentleman“. https://archive.org/details/dasbuchvomrechte00marc

  5. Guckst Du, Herr Junge – Wie Sie schon gestern auf FB richtig vermutet haben, liegen wir in der Gentleman-Frage ganz dicht beieinander. Ich wäre schon fast geneigt „aufeinander“ zu schreiben, wäre das nicht eine wenig gentlemanhafte Formulierung. Deshalb besser:: beinahe deckungsgleich.
    Beinahe, weil ich zwei Begrifflichkeiten vermisst habe, die m.A. zur Gentleman-Frage gehören wie die Mettwurst zur Erbsensuppe aus der Gulasch-Kanone bei einer GSE-Übung des Deutschen Roten Kreuzes und deshalb auch ausdrücklich zu diesem Thema in die Tastatur gehämmert gehört hätten: GESINNUNG und CHARAKTER.
    Wie Sie ganz oben schrieben: Der Gentleman ist ein Edelmann – „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut…“, dichtet Goethe gleich zu Beginn seines Göttlichen.
    Was für alle Menschen aus der allgemeinen Betrachtung heraus gilt, muss für den Gentleman (gibt es eigentlich auch Gentlewomen oder tragen die alle Hosen und werden deshalb der Kategorie men zugeschlagen 😉 ? ) im Besonderen gelten.
    Eine edle Gesinnung und ein nicht zwingend heiligmäßiger aber doch herausragender und zutiefst guter weil gottesfürchtiger und deshalb menschenfreundlicher Charakter überstrahlt den gruseligsten selbstgestrickten Rollkragen-Pulli und die schäbigste Cordhose aus der Kleiderkammer. Deshalb heißt e ja auch oben richtig, Kleidung allein mache den Gentleman selbstverständlich nicht aus. Ich würde sogar noch weitergehen: Kleidung ist im Bezug auf die Typisierung vollkommen irrelevant.
    Gell, wir sind fast deckungsgleich, Herr Junge! Ich bin halt nur ein Begriffspedant… Na ja, nicht immer, aber immer dann, wenn es mir nutzbringend erscheint, einer zu sein! TOLLER ARTIKEL!!!

  6. Ist Patrick O. Junge überhaupt katholisch?

    „Letztendlich ist das Alleinstellungsmerkmal des Gentleman, dass er sich nicht selbst als Gentleman bezeichnet oder ausgibt, sondern andere darüber entscheiden lässt, wer ein Gentleman zu nennen sei.“
    „Schnell kommt die Frage auf, ob überhaupt Gentlemen heute noch existieren. Diese Frage ist schnell beantwortet: Ja, es gibt sie noch, die feinen Kerle, die man als Gentleman bezeichnen kann, auch wenn sie vom Aussterben bedroht sind.“ (Bild, rechts: Patrick O. Junge)

    Fazit: Patrick O. Junge ist kein Gentleman.

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