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Ein Homosexueller bei der Lebensrechtsbewegung: geht das?

David Berger hält ein Plädoyer für Meinungsfreiheit gegen Gender-Gedöns

BERLIN (The Cathwalk). Gestern Mittwoch hielt der schwule Bestsellerautor und Gaystream-Chefredakteur Dr. David Berger auf Einladung der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) in der Berliner CDU-Landesgeschäftsstelle einen Vortrag. Gemäß dem Veranstalter, sollte mit diesem Themenabend beabsichtigt werden, „ein besonderes Zeichen zu setzen im Kampf gegen die irrsinnige Gender-Ideologie, für die Freiheit, gegen linken Jakobinismus und eine falsch verstandene political correctness!“ Der Abend war – im Sinne der Intension – ein Erfolg.

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Stefan Friedrich (linkes) und Dr. David Berger beim CDL-Vortragsabend zum Thema „Freiheit statt Gender-Gedöns und virtueller Bürgerkrieg“. Das Motto lautete: „Es lebe das freie Wort und der offene Diskurs! – Für das Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod!“

Wenn ein bekannter schwuler Autor bei der Lebensrechtsbewegung von CDU/CSU spricht, sorgt dies bereits im Vorfeld für Wirbel. David Berger – ja sie haben schon richtig gelesen – der Berger, der noch 2012 sich bei der Gegendemonstration zum Marsch für das Leben des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) beteiligte. Ein Jahr zuvor brach er im Rahmen seines Outings als Schwuler mit der offiziellen römisch-katholischen Kirche, für die er zuvor wissenschaftlich in unterschiedlicher Weise als konservativer Theologe tätig war. In seinem Buch „Der heilige Schein: Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“, welches im Jahr 2010 erschien, warf er der römischen Kurie ihren unzeitgemäßen Umgang mit der Sexualmoral, vor allem bei Homosexuellen, vor. Das Buch war nicht nur ein Besteller, sondern erzeugte auch eine mediale Kontroverse, die darin mündete, dass das Erzbistum Köln ihm im Mai 2011, die kirchliche Lehrberechtigung zur Erteilung von katholischem Religionsunterricht entzog.

Ausgerechnet diesem David Berger nun sollte bei den „Christdemokraten für das Leben“ in Berlin, eine Organisation innerhalb von CDU und CSU, die sich speziell gegen Abtreibung richtet und etwa den Berliner „Marsch für das Leben“ unterstützt, ein Podium geboten werden. Aus dem Umfeld von deutschen Homo-Aktivisten kam dann auch sofort der Vorwurf auf, dass man als Homosexueller unmöglich die Lebensrechtsbewegung unterstützen könne. Berger antwortete darauf, dass er es gerade als seine Aufgabe ansehe, die Lebensrechtsbewegung zu unterstützen. Jede gute Homobewegung müsse sich als Teil der Lebensrechtsbewegung verstehen, wenn sie nicht zu einem egoistischen Lobbyverein werden wolle, dem es nur darum gehe statt Abbau von Diskriminierungen Privilegien für sich zu erkämpfen. Wörtlich sagte er dazu: „2012 habe ich mich an einer Gegendemonstration zum Marsch für das Leben des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin (LSVD) beteiligt. Ausgegangen war ich davon, dass man auf dieser Demo gegen Homophobie kämpfen wolle. Bereits während der Gegendemo war ich abgeschreckt vom sehr aggressiven Verhalten einiger Gegendemonstranten, während die Demonstranten durchwegs friedlich blieben. Homophobe Parolen oder Banner konnte ich dort gar keine entdecken.“1

Nun muss man dazu sagen, dass David Berger im Rahmen seines Coming-out als Homosexueller viel Gegnerschaft und auch menschenverachtende homophobe Intoleranz von katholischer Seite aus erlebt hat. Diese wurde jedoch noch überboten durch die aggressive Intoleranz bestimmter organisierter linker schwuler Kreise und ihres Sympatisantenumfeldes, die auch im Vorfeld des Vortrags massiv gegen Berger mobil gemacht und dafür „gesorgt“ haben, dass die Veranstaltung nur dank eines die Sicherheit der Teilnehmer gewährleistenden Polizeieinsatzes stattfinden konnte. Während also autonome Kreise zu Protest aufriefen, verzogen konservative Lebensschützer beim Name „Berger“ zumindest die Augenbrauen. Der Abend versprach also in jeder Hinsicht sehr „spannend“ zu werden.

Stefan Friedrich, Organisator und Landesvorsitzender der CDL Berlin, wies dann auch in seinem Intro darauf hin, dass er als praktizierender romtreuer Katholik die Kritik Bergers an der Kirche nicht teile, er vielmehr uneingeschränkt hinter Lehre und Dogma der una sancta catholica stehe. Ebenso sei aber klar, so Friedrich, „dass die CDL Berlin als weltliche Organisation homosexuelle Mitglieder in ihren Reihen herzlich willkommen heißt und sich in die Lebensentwürfe ihrer Mitglieder nicht einmischt!“. Er wies ferner darauf hin, dass Extremisten jeglichen Couleurs als Gäste unerwünscht seinen und Hausfriedensbruch begehen würden, welcher strafrechtlich verfolgt werden würde. Soweit die Zurichtung des Schauplatzes – dann übernahm Berger das Wort.

Das Thema des Vortrags basierte auf jüngeren Publikationen des Vortragenden bei der „HuffingtonPost“, „Tichys-Einblick“, „telepolis“ und „TheEuropean“ und lautete: „Freiheit statt Gender-Gedöns und virtueller Bürgerkrieg.“ Als Kenner der Szene berichtete David Berger – ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen – mit welchen Methoden die Gender-Lobby agieren und wie „wissenschaftsfern“ sie operieren würde. Er zeigte auf, aus welcher Ideologie sich der Genderwahn speist und wie Aktivisten ihre Dekonstruktion der Menschenwürde herleiten. Soweit nichts neues.

Interessant wurden seine Bemerkungen erst, als Berger die Unterschiede zwischen der Homo-Szene, Queer und der Gender-Ideologie ansprach. Wie, da gibt’s Unterschiede? Wer die Gender-Ideologie kritisiert ist doch „homophob“, dachte manch einer Vortagsteilnehmer bisher. Berger widersprach dieser Meinungsmache im Sinne der Meinungsfreiheit entschieden: „Die Gender-Doktrin lässt keine Kritik zu. Für Gender-Ideologen sind alle Kritiker sofort homophob, frauenfeindlich, rechtsradikal und rassistisch. Doch das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Homophobie hat nichts mit Genderkritik zu tun.“ Er sei ein Gender-Kritiker, kämpfe aber gegen Homophobie. Berger: „Mir wurde klar, dass hier Homosexuelle (und auch ich) sich für ein Anliegen haben instrumentalisieren lassen, dass mit ihren bzw. meinen Anliegen nichts zu tun hat. Ja diesen sogar gefährlich werden könnte.“

Ja, er ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach von der „Instrumentalisierung homosexueller Menschen“ durch die „Queer-Gender-Lobby“. Wie kann man das verstehen? Nun, das ist eigentlich – aus der Sicht eines Homosexuellen recht einfach zu erklären. Ein schwuler Mann steht in der Regel auf MÄNNER, die aussehen wie Männer und nicht, wie Gender-Fluide (Männer, kann oder darf man hier ja nicht mehr sagen) Wesen. Queer und Genderideologen wollen die Menschenbilder Mann und Frau auflösen.

Bekanntes Ziel der Gender-Ideologie ist die vollständige Negierung jedweden biologischen Geschlechtes und die Ausrottung des soziologischen Geschlechts (gender). Dies kann also, so Berger, auch nicht im Sinne von Homosexuellen oder des Feminismus sein. „Auch Feministinnen bekommen langsam Zahnschmerzen beim Post-Gender-Denken. Denn die Aufwertung der Frau, für die sie sich nun seit über 100 Jahren stark gemacht haben, wird in der Gender-Ideologie wieder unwichtig, da die Geschlechter ja – entgegen allen naturwissenschaftlichen Kenntnissen – mit der Brechstange aufgelöst werden sollen. Die Gender-Theorie ist auch das Ende von Homo- und Heterosexualität.“ Aus diesem Grund engagiert sich Berger auch gegen das, wie er es nannte „Gender-Gedöns“.

Der Referent führte weiter aus, dass Geschlechterkategorien zwangsweise in einem revolutionären Akt (mit Hilfe von gesetzlichen Regulativen) aufgelöst werden. „Die Einführung der Homeehe beispielsweise soll nach Ansicht der Genderideologen dazu dienen, dass die Strukturen zwischen Mann und Frau aufgelöst werden. Es gehe den Gender-Ideologen, welche sich für die Homoehe stark machen, also nicht um GERECHTIGKEIT (dass Mann und Frau vor dem Gesetzte gleich sind), sondern um das Umsetzten ihrer Agenda, welche die völlige Destruktion nicht nur des Menschen, sondern auch dessen (von Gott gegebener) Würde verfolge.“

In Bezug auf den Schutz des ungeborenen Lebens bedeutet dies für Berger: „Wenn man nur an die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik und damit verbunden die Fortschritte der Genetik (eine Genkonstellation zu finden, die homosexuelle Veranlagung grundlegt) denkt, weiß man, dass es Homosexuellen bald wie behinderten Ungeborenen gehen kann, da sie laut Indikationsegelung eine Gesundheitsgefährdung der Mutter darstellen könnten: bis kurz vor der Geburt ist dann eine Abtreibung möglich.“

Und auch über Bundesjustizminister Maas‘ Aktion des Verbannens von sexualisierender Werbung ließ Berger kein gutes Wort. Hier gehe es nicht darum, dass mit einer protestantischen Portion Prüderie versucht werde erotisierte Models mit nackter Haut, wackelndem Hintern und prallen Busen aus Gründen der Geschlechterdiskrimierung zu verbannen. Vielleicht noch nicht einmal darum, die kulturelle Unterwerfung noch weiter zu fossieren, damit – wie die Medien denken, Maas denkt – sexuelle Übergriffe wie in Köln nie mehr geschehen. Gemäß Berger, der sich hierin Birgit Kelles Analyse anschloss, gehe es darum, dass in der Werbung keine Frauen mehr mit weiblichen Reizen und keine Männer, die als Männer erkennbar ein Menschenbild verkörpern, welches der Gender-Ideologie diametral entgegensteht, zu sehen sind.

Bergers Vortrag veranschaulichte also an konkreten aktuellen Beispielen, wie die Gender-Ideologie nicht nur unseren Alltag zusehends bestimmt, sondern, dass auch die Homo-Szene von dieser Ideologie (die vordergründig für die gleichen Absichten, wie beispielsweise die Anerkennung der Ehe für alle, einsteht, in Wirklichkeit aber eine andere homo-schädliche, ja homosexuell vernichtende Absicht verfolgt) eingeholt und überholt werde. Aus diesem Grund erhärtet sich auch der Eindruck, dass der Spruch, die „Revolution frißt ihre eigenen Kinder“ auch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen der Homo-Lobby, die zwischen Queer und Gender hin und her schaukelt und eigentlich gar nicht weiß, wen Sie unterstützt, wenn sie sich für Gender-Ideologie ausspricht. Und noch einmal Bezug nehmend zum Schutz des ungeborenen Lebens, hielt Berger fest: „Da wird man dann vielleicht später Kinder töten, weil sie vermutlich schwul oder lesbisch werden? Für so etwas möchte ich als überzeugter Humanist überhaupt nicht und als schwuler Mann schon gar nicht demonstrieren.“

Gerade das Erläutern dieser – einer breiten Öffentlichkeit – völlig unbekannten Kontroverse innerhalb der Homo/Queer Szene war für viele Teilnehmer sehr aufschlußreich, weshalb David Berger, als Homo-Aktivist einen Vortrag gegen den Gender-Wahn hielt, dem sich eine ausgiebige Diskussion anschloss. Teilnehmer Bastian Behrens fasste den Vortragsabend, folgendermaßen zusammen:

„Von der Diskussion war ich wirklich positiv überrascht! Bei der gut besuchten Veranstaltung war eine bunte Mischung von Geistlichen, konservativen Christen, linken Politaktivisten, Lehrern, Journalisten, Lebensschützern, schwulen Fans und Gegnern von Berger, CDU-Mitgliedern, AfD-Politikern usw. anwesend. Und, oh Wunder, die haben alle ganz sachlich miteinander über Gender, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Recht auf Leben usw. diskutiert. Ich hatte auch anderes erwartet, war aber, wie gesagt, positiv überrascht. Allerdings: die extrem linken Krawallnudeln wurden sicher auch vom Veranstaltungsort und der anwesenden Polizei abgeschreckt… Wie auch immer: eine rundum gelungene Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, zu der man ‪David Berger und ‪Stefan Friedrich nur gratulieren kann. So geht Demokratie.“

MS 

Martin Voigts Beitrag in der Jungen Freiheit. Leseempfehlung auch hier: „Homo-Ehe zielt auf Veränderung der Gesellschaft ab“

1 http://www.gaystream.info/#!Deutschlandpremiere-Bekannter-schwuler-Autor-spricht-bei-Lebensrechtsbewegung-von-CDUCSU/cjds/570a2b390cf20ee5e3bf36c0

8 Kommentare

  1. Gast auf Erden 17. April 2016

    Richtig! @der Hofrat.

    Deswegen ist eine gleichgeschlechtliche Zivilehe ja auch absolut kein Problem, eine religiöse kann es dagegen schon sein, muss es aber micht unbedingt sein.

  2. der Hofrat 15. April 2016

    Warum sollte das nicht gehen

  3. Gast auf Erden 14. April 2016

    Es wird NIEMALS eine Gleichstellung der Ehe homosexuell liebender Männer und Frauen geben, weil absolut NIEMAND der römisch katholischen Kirche vorzuschreiben hat, wem sie welche Sakramente zugesteht.
    ABER die römisch katholische Kirche hat auch dem Staat NICHT vorzuschreiben, wie er sein Recht setzt. Die Trennung von Kirche und Staat muss der Kirche sakrosankt sein, weil sonst Forderungen, wie die Eheschliessung gleichgeschlechtlich Liebender auch IN der katholischen Kirche leicht durchgesetzt werden könnten.
    Aber was hat das ganze überhaupt mit Adoptionen zu tun? Es gibt genügend sozialwissenschaftliche Belege, die nachweisen, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mindestens genau so gut und behütet aufwachsen können, wie in heterosexuellen oder Patchworkfamilien. Und seit meiner Kindheit in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weiss ich auch, dass alleinerziehende Mütter ihre Kinder genau so gut gross bringen, wie Elternpaare.
    Ein Viertel meine Klassenkameraden in Volksschule und Gymnasium wuchs nämlich bei den Witwen der im Krieg gefallenen Väter auf.
    Was ich in diesen Jahren ebenso erlebt habe war, dass Kinder in streng gläubigen Familien auch extrem streng erzogen eorden sind und meist mit Schlägen rechnen mussten, wenn die Eltern mit den Kindern nicht einer Meinung waren. Das habe ich bei gleichgeschlechtlich liebenden Eltern noch NIE gesehen.

    Und deswegen ist der Entscheidung, keine gleichgeschlechtliche Eheschliessung in der römisch katholischen Kirche zuzulassen absolut zuzustimmen, aber die Forderungen der römisch katholischen Kirche auch die bürgerliche Ehe und die Adoption von Kindern den gleichgeschlechtlich Liebenden zu verbieten völlig obsolet und so wird diese Forderung auch von den Kassationshöfen bis hinauf in die EU, auch behandelt werden.
    Kirchliche Ehe gleichgeschlechtlich Liebender NEIN!
    Zivile Ehe gleichgeschlechtlich Liebender JA! Und zwar MIT Adoptionsrecht.

    • der Hofrat 15. April 2016

      hat den jemand das Sakrament der Ehe gefordert?
      Ich weiß davon nichts es wird nur die zivil Ehe gefordert

  4. Druide343 14. April 2016

    Homosexuelle dürfen nicht diskriminiert werden. Aber es darf auch keine Gleichstellung einer „Homo-Ehe“ und kein Homo-Adoptionsrecht geben.
    Es ist gut, dass die Sozialisten mit ihrem Genderwahn sich im Niedergang befinden. Die AfD und die Freien Wähler befinden sich im Aufwind. Es wird eine konservative, nicht-grüne Ökopolitik etabliert.
    Das Christentum muss reformiert werden. Es gibt keinen jenseitigen Schöpfer-Gott, sondern göttliche Dinge in der Natur, die dem Menschen ewig verborgen sind. Ein Mensch muss einen eigenen Zugang finden zu Gott und darf nicht blind bibelgläubig sein. Es ist unsinnig, zu einem „Vater im Himmel“ zu beten. Ein Mensch sollte u. a. seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Und dann Träume steuern und Träume deuten.

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