Von den geheimen Lüsten katholischer Priester

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"The smoking gun" – Es ist oft die Unfähigkeit, oder der Unwille, der Versuchung zu widerstehen. Von Urzeiten über Heinrich VIII. bis hin zu mancher gut gemeinten "Öffnung" heute. Foto: Raedon via Pixabay (Gemeinfrei)

Ein Kommentar von Monsignore Florian Kolfhaus

Erst unlängst ist Gloria von Thurn und Taxis gefragt worden, was sie denn über den Satz denke: „Das Bett eines Priesters ist leer, aber sein Kühlschrank ist voll. Beim puritanischen Prediger sei das umgekehrt.“ Pointiert hat die Fürstin geantwortet: „Beim Puritaner ist sowohl der Kühlschrank als auch das Bett leer, sonst wäre er kein Puritaner.“

Katholisch sein bedeutet in der Tat, „sinnenfroh“ und „lebenslustig“ zu sein. Aber in diesem Artikel geht es gar nicht um den sinnlichen Genuss all dessen, was der Titel den meisten Lesern suggeriert. Es geht um die wirklich geheimen Lüste des katholischen Priesters, die kein Laie jemals erfahren kann. Der nicht-geweihte Christ hat Freuden, die ein Kleriker normalerweise nicht kennt, aber wenigstens zwei „Lüste“ gibt es, die nur und immer allein der Priester genießen kann, und von denen der „Rest der Welt“ keine Ahnung hat.

Jesus, meine Lust und Seligkeit  

Am vergangenen Guten-Hirten-Sonntag hat Papst Franziskus elf Männer zu Priestern geweiht. Es war zugleich der Tag des Gebets für Berufungen, der bei manchen Katholiken den Gedanken aufbringt, man müsse deshalb besonders viel beten, weil es sich ja um eine Entscheidung für trauriges und freudlose Leben handle, denn attraktiv scheint es aufgrund der Zahl der Seminaristen offensichtlich nicht zu sein. Grund genug, endlich über das lustvolle Leben der Priester zu sprechen.

Es geht hier nicht um Sex und Erotik – manchen beenden jetzt vielleicht enttäuscht die Lektüre – auch wenn die vielleicht freudigsten Momente des Priesters mit einer echten Liebesbeziehung zu tun haben. Die Rede ist sehr wohl von Berührung, Zärtlichkeit und Genuss, aber nicht in den Armen einer Frau, mit der der Priester vielleicht eine Nacht verbringt, sondern an der Seite Christi, mit dem er sein ganzes Leben teilt. „Jesus bleibet meine Freude, meine Lust und Seligkeit“ heißt es in einer Bachkantate. Für den Priester ist hier nicht nur die geistliche Nähe des Gottessohnes gemeint, die jeder Christ erfahren kann und soll, sondern – das sage ich ganz bewusst so – der „lustvolle“ Moment, die Hostie in Jesu Leib zu verwandeln und ihn emporzuheben, damit er von aller Welt gesehen und angebetet werde.

Dieser Moment ist wie das Wunder einer Geburt; wie der Augenblick, in dem ein junger Vater zum ersten Mal sein Kind im Arm hat: „Ich habe es ‚gemacht‘, und doch ist es nicht mein Werk. Es ist mein Fleisch und Blut, aber doch nicht ein Stück von mir oder gar mein Eigentum.“

Der Priester bringt Christus auf den Altar, doch nicht wirklich er, sondern der Herr. Er ist Werkzeug und daher eins mit dem, der jetzt durch ihn handelt. Er ist der Pinsel, mit dem der Künstler ein herrliches Gemälde schafft. Wer hat die Mona Lisa gemalt? Natürlich Leonardo da Vinci. Aber hätte er es ohne Werkzeug tun können? Könnte ein Pinsel Lust empfinden, er würde bei jedem Strich des Malers jubeln. So ähnlich ein Priester, wenn er die Wandlungsworte spricht und dann Jesus in Händen halten darf. „Jetzt bist Du in meiner Hand“ kann dann der Zelebrant sagen – mit der umfassenden Bedeutung dieses Wortes – und gleichzeitig weiß er staunend, dass er in der Hand dessen ruht, den er gerade hält.

Das sind Momente der Zärtlichkeit und Freude, die geistlich und konkret, buchstäblich fassbar und un-fassbar sind. Es ist nicht Last, sondern Lust die hl. Messe zu zelebrieren.

In meiner Hand, in seiner Hand

Die andere große Lust eines Priesters, die nur er kennen kann, ist die – ich bitte um Verzeihung für diesen vielleicht anstößigen Vergleich –  im „Halbdunkel“ des Beichtstuhls. Hier ereignen sich Wunder der Liebe und Barmherzigkeit, von denen keiner außerhalb wissen kann. Was kein Psychologe und Therapeut, kein „bester Freund“ und kein verständnisvoller Ehepartner tun kann, das gelingt dem Priester. Er sagt: „Ich spreche Dich los von Deinen Sünden“ — und alles ist tatsächlich anders.

Wie könnte ein Mensch Sünden vergeben? Und wieder weiß der Priester, dass er zwar beim ermutigenden Zuspruch nach guten Worten suchen muss, aber dass er dann doch nur Werkzeug in der Hand eines anderen ist, der sich mit ihm eins macht, damit die Sünder die Stimme des guten Hirten hören – nicht nur die eines Sünders, der auf der anderen Seite des Beichtgitters sitzt. Und wer kann ahnen, wie rührend und bewegend für den Priester selbst die stotternden und nicht selten tränenreichen Bekenntnisse sind?

In wenigen Minuten öffnen fremde Menschen ihr Herz und zeigen die Abgründe ihrer Seele – voll Vertrauen und Hoffnung auf Heilung und Hilfe. Diese Reue ist oft beschämend, denn wie gleichgültig kann auch der Priester in seinem Alltag werden und vergessen, dass auch er, gerade er, immer wieder die Beichte braucht. Ja, es ist ein lustvoller, froher, glücklicher Moment, wenn sich die Tür des Beichtstuhls wieder schließt und ein Sünder als Heiliger hinausgeht. Wenigstens jetzt – mag es lange anhalten oder nicht – ist er ein „neuer Mensch“, der eine neue Chance hat und – im besten Sinne des Wortes – „ganz von vorne“ anfängt.

Es sind aber nicht nur die großen Sünder, sondern auch die frommen Seelen, die in der Beichte nur „abgestaubt“ werden, die den Priester berühren und ermutigen. Kein Laie ahnt, wie viele kleine Heilige in seiner Nachbarschaft wohnen und um deren Glaube und Liebe niemand weiß als der Priester. Ja, es ist Trost und Lust, solchen Menschen in der Verschwiegenheit des Beichtstuhls zu begegnen.

Natürlich gibt es im Leben des Priesters, gerade in den verschiedensten pastoralen Tätigkeiten und Begegnungen, noch viele andere Freuden, aber diese können meist auch von engagierten Gläubigen erlebt werden. Hier geht es um die „geheimen“ Lüste, von denen nur wenige ahnen. Freilich soll mit diesen Zeilen all das Harte und Schwere, das oft Bittere und Enttäuschende dieser Berufung nicht fromm übermalt werden.

Aber gerade weil ein katholischer Priester nicht im Bett, und eigentlich auch nicht am Kühlschrank, sein Leben lustvoll und lebenswert empfinden soll, sind es diese großen Momente, die er genießen darf. Was wäre, wenn wir Priester solche „lustvollen“ Männer wären, die ihre große Liebe leben und sich daher nicht von Schwierigkeiten in der Pfarrei oder manchmal auch im Bischöflichen Ordinariat verbittern lassen? Ganz bestimmt wäre dann diese Berufung, auf die die Kirche nie verzichten kann, wesentlich attraktiver, denn wer will nicht ein solches Leben voller Lust und Liebe.

Dieser Artikel erschien hier auf CNA Deutsch und darf vom Cathwalk nach Rücksprache übernommen werden.

6 KOMMENTARE

  1. Wenn es denn so lustvoll (in durchaus positivem Sinne), wäre Priester zu sein, gäbe es keinen Priestermangel. Eigentlich ganz einfach.

    • Nein, das ist eine falsche Schlußfolgerung. Der Priestermangel besteht höchstens, weil junge männliche Laien nicht GLAUBEN oder sich nicht vorstellen können, daß ihr Amt so schön werden könnte. WISSEN können sie es ja erst nach Weihe und Zulassung zur Beichte.

    • @Wafthrudnir: Das wiederum erscheint mir doch zu einfach um diesen umfassenden Mangel zu erklären. Wer will kann ja fragen, wie es denn in Wirklichkeit ist, auch wenn das nur einen Ausschnitt vermittelt.

      Letztlich bedarf der Mensch auch der körperlichen Zuwendung, so wurde er ja auch geschaffen.

  2. Ich finde diese homoerotischen Anspielungen auf das Verhältnis des Priesters zu Jesus abstoßend und widerlich. Es ist sogar blasphemisch. Vor allem bestätigt es die Feinde des Christentums, die ja gerade den Nonnen ein quasi-sexuelles Verhältnis zum praktisch nackten Gekreuzigten unterstellen. Es mag ein paar Perverse geben, die wirklich so empfinden, aber die Mehrheit ist es (hoffentlich) nicht. Ein in Wirklichkeit antichristliches Buch, das nicht besser ist als die schmierigen Schmöker über Pädophilie und angebliche sexuelle „Abweichungen“ von Priestern und Ordensleuten. Die Ergüsse der Zölibatsmafia werden immer unappetlicher und peinlicher. Da ist dieses Buch zu empfehlen, das allerdings (langweiligerweise) auf wissenschaftlicher Grundlage beruht: „Die Zölibatslüge“: http://www.amazon.de/Die-Z%C3%B6libatsl%C3%BCge-Angelika-Dominique-Seibel/dp/3738602933/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1461693019&sr=8-2&keywords=angelika+dominique+seibel

    • Ich kann nur schließen, Frau Dr. Seibel, daß Sie den Beitrag nicht gelesen haben, denn wenn Sie ihn gelesen hätten, dann müßten Sie doch gemerkt haben, daß das Verhältnis des Priesters zu Christus zwar als lustvoll, aber gerade nicht homoerotisch beschrieben wird.

      Der Vergleich war u. a. mit dem Lustempfinden eines Vaters, der sein neugeborenes Kind im Arm hält. Wenn das homoerotisch ist, will ich Mahlzahn heißen.

      Über die Wissenschaftlichkeit eines Buches, dessen Klappentext mit den Worten

      >>Auf welchen finsteren Wurzeln gründet sich das Gesetz, das seit fast zwei Jahrtausenden Menschen unterjocht?

      beginnt – wobei der Zölibat gemeint sein soll, den die Kirche nur ihren (lateinischen) Priestern auferlegt, ohne freilich irgendjemanden dazu zu verpflichten, Priester zu werden –

      wollen wir mal kein weiteres Wort verlieren.

    • Die Wissenschaftlichkeit Ihres Buches wird auch dadurch unterstrichen, dass er im renommierten wissenschaftlichen Buchverlag Books on Demand „erschienen“ ist.

      Meine Güte, was sind Sie für ein Freak!

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