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Lady Gaga und die Pharisäer

Thank you Father Duffell for a beautiful homily as always and lunch at my pop's restaurant. I was so moved today when…

Posted by Lady Gaga on Sonntag, 8. Mai 2016

Der Priester habe gesagt, dass „die Eucharistie kein Preis für die Perfekten ist sondern Speise, die Gott uns gibt“, schreibt Lady Gaga. Diese Aussage ist eine Anspielung auf die Passage in Evangelii Gaudium, wo in Absatz 47 steht:

„Die Eucharistie ist, obwohl sie die Fülle des sakramentalen Lebens darstellt, nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen.“

Tatsächlich ist die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, wie das Zweite Vatikanische Konzil betonte. Jeder Katholik, der dafür entsprechend vorbereitet ist, kann und soll sich durch dieses Sakrament stärken.

Lady Gaga hat auf dem Bild ein Kreuz oder einen Rosenkranz in der Tasche, und hält offenbar eine Bibel. Das Foto ging an 61,6 Millionen Fans, die auf Facebook ihre Seite „geliked“ haben. Auf Twitter folgen der Popsängerin 59 Millionen User.

Geboren als Stefani Joanne Angelina Germanotta, wuchs Lady Gaga in einer katholischen Familie auf und ging in eine Mädchenschule. Obwohl ihre Musik oft Dinge feiert, die mit der Lehre Jesu Christi nicht vereinbar sind, ist nicht klar, was derzeit ihre eigenen religiösen Einstellungen sind.

Mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung von www.ChurchPOP.com

***

Jetzt steigen ihr die Pharisäer auf’s Dach

„Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“ (Joh 8, 7)

Und die Steine fliegen: Spätestens als nicht nur die Boulevardpresse, sondern auch die katholischen Nachrichtenagenturen diese tolle Geste von Gaga verbreiteten, regte sich bei den selbsterahnten Glaubenshütern und zu kurz gekommenen Sittenwächtern Widerstand. Selbstverständlich dürfe man die „obszönen Gesten“ nicht übersehen, die Gaga so auf die Bühne abziehe.

Bloggerin Becky Roach von Catholic-link.org reagierte mit einem Artikel: „Fünf Dinge, die man wissen sollten, wenn Prominente ihren Glauben teilen“ und beklagte sich darin, dass es eine Art Prominenten-Trend geworden sei, mit ihrem Glauben öffentlich Hausieren zu gehen. „Viele Prominente teilen auf Facebook Bibelverse, zitieren Priester und singen christliche Musik, während sie zugleich noch einen typischen Hollywood Lebensstil – frei von christlichen Werten wie Bescheidenheit und Reinheit – führen.“

Gagas souveräne Retour-Kutsche 

Lady Gaga ließ sich derweil nicht aus der Ruhe bringen, antwortete via Instagram souverän und süffisant indem sie schrieb:

„Liebe Becky Roach, Maria Magdalena wusch Christus die Füße und wurde von ihm geschützt und geliebt. Eine Prostituierte. Jemand, auf den die Gesellschaft mit dem Finger zeigt, als seien sie und ihr Körper [nichts weiter als] ein Mülleimer für Männer. Er liebte sie und richtete [etablierter religiöser Sprachgebrauch: verurteilte [sie]] nicht. Er ließ sich von ihr beweinen und seine Füße mit den Haaren einer Hure trocknen.

Wir sind nicht nur Prominente, wir sind Menschen und Sünder, Kinder, und unser Leben ist nicht deshalb wertlos, weil wir uns schwertun. Uns wird ganz gleichermaßen vergeben wie unseren Nächsten.“

„Gott ist nie ein Trend, egal wer der Gläubige ist“, schrieb die Sängerin.

Lesenswert dazu auch: 
Lady Gaga and the Online Eucharist Police – Since when did Christianity become more about preaching the rules than preaching the Gospel of mercy?
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    • Herr van Laack, vielleicht könnten Sie Ihre Meinung auch mit mehr Freundlichkeit ausdrücken. Zu dieser Sache mit Lady Gaga – ich halte es auch für ein bisschen problematisch. Selbst die Worte in der Predigt. Zumal die Eucharistie auch mit dem Zustand der heiligmachenden Gnade verbunden ist usw. Viele der Songs von Lady Gaga (und anderen Stars) haben eine diabolische Visualisierung, es gibt Konspirationstheorien zu diesen Texten und Videos, die ich kenne. Aber seien wir doch optimistisch – vielleicht hat sie ihre schlimme Phase hinter sich und fand nun zu ein bisschen Normalität und vielleicht doch – Glauben. Wir wissen es nicht, Gott berührt auch Menschen, denen es Pharisäer unter den Christen nicht gönnen. (Kristina Ballova)

    • Selbstverständlich könnte ich die Mutation des Cathwalk-Blogs von einem Sprachrohr der FSSPX hin zu einem sowohl semirömischen als auch semikatholischen Blog mit freundlicheren Worten umschreiben, gnädige Frau. Aber zum einen ist verbales Weichspülen meine Sache nicht, weil es zumeist wirkungslos verpufft und zum anderen hätte ich mit salbungsvollem Sermon die Blogwirklichkeit nicht präzise abbilden können. – Was Lady Gaga betrifft: Manch einer wurde schon allein dadurch zum Pharisäertum verführt, dass er Menschen folgte, die lediglich vorgaben, von Gott berührt worden zu sein. – Pharisäertum hat auch viel mit Eitelkeiten zu tun. Das solche in diesem Blog vor allem in den Artikeln zum sogenannten „katholischen Lifestyle“ gepflegt werden, muss ich Ihnen hoffentlich nicht erst an Beiträgen und Autoren-Zitatbeispielen vorführen. Oder doch? Aber dann bitte nicht öffentlich. Gern entledige ich mich dieser ggf. von Ihnen mir aufzuerlegenden Pflicht per PN. – Doch da es bekanntlich heisst „Kto vel’a tára, vel’a klame.“ höre ich jetzt besser auf zu faseln und wünsche allen eine Gute Nacht und ein fröhliches Erwachen!

    • Nepomuk

      Wenn etwas stimmt, dann stimmt’s. Egal ob einem von dem, der es sagt, der Stil nicht gefällt und *auch* egal, ob der ein Sünder und wenn ja ein wie schlimmer ist oder nicht.

      (Ich kenne mich mit Lady Gaga über flüchtiges Hören von Liedern hinaus nicht aus und traue mir daher kein weiteres Urteil als „nicht mein Stil“ zu.)

      Wogegen sich die Redaktion hier offensichtlich wendet – ob man die Schärfe gutheißen will oder nicht, ist wieder so eine Stilfrage – ist nicht die Kritik an der Sängerin, sondern die Tatsache, daß man als jemand, der „einen Hollywood-Lebensstil führt“ (was immer das ist), nichtmal einen Priester für seine Predigt loben darf, ohne daß gleich irgendjemand Christliches einen niedermacht (was doch eigentlich der Job der Glaubensfeinde wäre, nebenbei).

      Und es ging in dem Fall auch nicht um einen Kommentar der Marke „klar, diese Art Predigt gefällt sojemandem wie dir jetzt natürlich, aber in Wirklichkeit geht’s doch ein bißchen strenger zu als der Priester hier behauptet“. Das wäre ein ganz eigener Punkt, der sicherlich *nicht* so zu kritisieren wäre – aber das hat Frau Roach eben nicht gesagt.

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