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Ein schönes – wenn auch unzureichendes – Bild aus der Natur für die Dreifaltigkeit, dessen sich schon der heilige Patrick bedient haben soll: Das Kleeblatt. Das Fest der Trinitatis feiert die Kirche am ersten Sonntag nach Pfingsten. Foto: Adina Voicu via Pixabay (Gemeinfrei)

Der Apostel Irlands hat schon vor über tausend Jahren gewusst, dass es hilfreich sein kann, den Glauben anhand konkreter Dinge zu erklären. So hat er oft bei seinen Predigten ein Kleeblatt aus der Tasche geholt, um den Menschen das Geheimnis der Dreifaltigkeit nahezubringen: Ein Blatt und doch drei – ein Gott in drei Personen. Das ist ein Bild, das an die Wirklichkeit nicht heranreicht, aber doch ahnen lässt, was im Bekenntnis des dreieinen Gottes gemeint ist.

Dieses Geheimnis, das erste und wichtigste unseres Glaubens, scheint freilich auch das schwierigste und – sagen wir es ganz offen – das langweiligste zu sein. Wer predigt schon über die Dreifaltigkeit? – Es sei denn, er muss am Sonntag nach Pfingsten ein Wort dazu verlieren. Dann zieht der Pfarrer vielleicht die verstaubte Dogmatik aus dem Regal und sucht nach De Deo Trino et Uno, über den einen und dreieinen Gott, und weiß nicht recht, was er über dieses abstrakte und schwer verständliche Geheimnis sagen soll. Aber auch die meisten Katholiken, obwohl sie jedes Gebet mit dem Kreuzzeichen und damit im Namen des dreieinen Gottes beginnen, denken meist nicht nach, was es bedeutet. Ein Gott, drei Personen – Vater, Sohn und Geist, aber doch nicht drei Götter. Wer will sich über so etwas den Kopf zerbrechen? Und doch wird die Seligkeit des Himmels genau darin bestehen. Wie bitte? – Die ewige Freude der Heiligen besteht darin Gott zu schauen, wie er ist. Wir werden den dreifaltigen Gott erkennen – ohne Mühe und Kopfzerbrechen – und aufgrund seiner Schönheit und Güte für immer glücklich sein. In der visio beatifica, in der Anschauung Gottes, sehen wir, wer Gott ist – der eine und dreifaltige Gott. Wir täten gut daran, schon jetzt zu versuchen, die Schönheit dieses Geheimnisses zu entdecken, denn eine ganze Ewigkeit lang wird genau das unser Tun sein.

Wer ist Gott?

Wie langweilig! Mag jetzt mancher aufstöhnen, der vielleicht meint, das Christentum sei eine Philosophie oder Ethik. Nur wenige intellektuelle Freaksreizt die Vorstellung, ohne Ende zu studieren und darin den wahren Sinn des Lebens zu finden. Was soll das für ein ewiges Leben sein, in dem wir uns mit der Dreifaltigkeit beschäftigen? Das Christentum aber ist Beziehung zu einer Person – genauer gesagt: drei Personen. „Gott ist die Liebe“ schreibt der heilige Johannes und offenbart damit, worum es wirklich geht. Wir bekennen keinen einsamen Gott, der allein im Himmel thront, sondern Gott, der in sich Gemeinschaft ist. Von Ewigkeit zu Ewigkeit lieben sich die drei göttlichen Personen und sind darin – ohne irgendeiner Kreatur zu bedürfen – unendlich glücklich.

Fragt man jemanden nach den Eigenschaften Gottes, so bekommt man viele Antworten: allmächtig, gut, unendlich, weise,… Aber ganz selten sagt jemand: Gott ist glücklich! Der Herr ist kein mürrischer Sittenpolizist, kein gelangweilter Opa mit Rauschebart, kein trauriger Monarch auf einem fernen Wolkenthron. Gott ist jubilierende Glückseligkeit, die von nichts und niemanden getrübt werden kann. Für diese Freude hat er uns erschaffen. Es wird berauschend schön sein, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist zu schauen. Wenn zwei Liebende einander anblicken, so ahnen sie etwas von dieser Seligkeit. Die Offenbarung des Johannes berichtet uns von den Serafin, die vor dem Thron Gottes stehen. Diese geheimnisvollen Engel werden als Wesen mit unzähligen Augen dargestellt, weil sie sich buchstäblich nicht satt sehen können an der Schönheit der Dreifaltigkeit. Und sie können in ihrer staunenden Bewunderung nichts Anderes rufen als: „Heilig, heilig, heilig!“ – Salopp und modern ausgedrückt stottern sie wie begeisterte Jugendliche: „Wow, wow, wow!“ Wann immer wir Schönheit in dieser Welt begegnen – sei es in der Natur oder in der Kunst –; wann immer wir begeistert von Güte „wow“ sagen, dann ahnen wir ein wenig, wie der Himmel sein wird.

„Gott ist die Liebe“

Gott ist vollkommen glückselig. Aus dieser Fülle wollte er den Kosmos in seiner ganzen Schönheit erschaffen. Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt, die nur zu einem kleinen Teil erforscht ist, zeugt von nichts anderem als von der überbordenden Freude Gottes, Reichtum und Leben hervorzubringen.

Die dreidimensionale Wirklichkeit der Schöpfung ist ein Abbild des dreifaltigen Gottes. Engel und Menschen – eine schier unermessliche Zahl vernunftbegabter Wesen – können diese Schönheit erkennen und sind deshalb auch fähig, Gott zu lieben und zu genießen. Wenn Gebet und Gottesdienst eine Last sind – und manchmal kann es das natürlich sein! – dann fehlt der „Genuss“ an Gott, der das höchste, beste und schönste Gut ist. Christlich leben, bedeutet Geschmack am Herrn zu haben und sich nach immer mehr von ihm zu sehnen. Von Liebe kann man nie genug bekommen – von Gott sollte es ähnlich sein. Natürlich dürfen wir den Herrn in all unseren Nöten bitten und um Hilfe anflehen, aber die erste Reaktion, wenn wir Gott im Gebet finden, müsste Staunen, Freude, Bewunderung sein – d.h. Lob und Anbetung, stammelndes Gebet, das vor der Majestät eines solchen Herren nur „Heilig, heilig, heilig“ sagen kann.

Der Sonntag nach Pfingsten ist das Fest christlicher Genießer, die sich in dieser Welt an den Spuren göttlicher Schönheit freuen und sich danach sehnen, diese einmal in Fülle zu schauen. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist die Mitte unseres Glaubens und die schönste Wahrheit, die uns Jesus geoffenbart hat. Es ist das Mysterium göttlicher Liebe und ewiger Freude, überbordenden Lebens und ungetrübter Herrlichkeit. Es ist GOTT, vor dem man staunend als geliebtes Kind steht: „Wow!“

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