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Der Bikini preist Gott und seine Schöpfung

Datum

Zoon katholikon – die Kolumne von Klemens Stenzel

Am 05. Juli 1946 erblickte wohl jenes Kleidungsstück die Welt, das wie sonst nur die Jeans nicht nur die Modewelt veränderte: der Bikini. Tagespolitisch aktuell nach den Atombombentest im Bikiniatoll benannt, begann sein Siegeszug als Skandal und zählt heute zum modischen Selbstverständnis einer jeden westlichen Frau. Und was hat das alles mit Kirche, Cathwalk und katholischer Lebenslust zu tun?

So ziemlich alles!

Fangen wir doch mit dem offensichtlichen an, der Tatsache daß ein Bikini genau das verdeckt, was verdeckt bleiben sollte und jenes offenbart, was Sehnsüchte weckt. Und Frau sich damit öffentlich blicken lässt, was sie hingegen in Dessous nicht täte. Paradox, aber Mann mag ja nicht klagen.

Und genau dadurch hat der Bikini unser Verhältnis zum weiblichen Körper verändert: Frauen kämpfen alljährlich um ihre Bikinifigur, da dieses Kleidungsstück schonungslos in der Optik ist und Männer mussten lernen zwischen Verlangen und Ästhetik scharf zu trennen. Denn plötzlich stellt ein weiblicher Körper derart präsentiert keine Einladung zur puren Lust dar, sondern ist eine Norm der weiblichen Mode am Strand. Optisch sicherlich reizvoll, aber vor allem auch praktisch.

Und so kommen wir zu einem wesentlichen Punkt, der Sehnsucht, Schönheit, Begierde, Sexualität, Moral und Glaube vereint. Kann und darf man einen Körper bestaunen, bewundern?

Ja, man soll sogar! Denn alle Körper sind Schöpfungen Gottes, sicherlich oft nicht perfekt, aber meist schön. Und daher gibt es auch keinen Grund diese zu verstecken, zu bedecken, wegzusperren. Sinn und Sinnlichkeit sind ein Teil von uns, der, solange nicht zur sexuellen Obsession verkommen, auch gelebt werden soll.

Schönheit und Sexualität sind keine Strafe, keine Prüfung, sondern ein Genuss, der zelebriert werden sollte, indem man diese nicht zur Sucht oder zum banalen Konsum verkommen lässt, sondern darin Gott und seine Schöpfung preist, ehrt und nicht missbraucht.

Gewagte Worte finden Sie? Gottlos? Moralisch anstößig? Dann gratuliere ich Ihnen zu Ihrem Puritanertum, empfehle Sie an Calvin weiter, derweil ich als Katholik dank dem Bikini mich in der Tradition der Renaissance und des Barock sehe, wo der Körper als Kunst, als Teil der höchsten Schöpfung Gottes gesehen wird, Michelangelo lässt grüßen.

PiazzaArmerina-Mosaik-Bikini
Doch älter als 70 Jahre? – Römischer Bikini beim Sport, um 350 n. Chr., Mosaik aus der Villa Romana del Casale

8 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Artikel mit sehr schönen Gedanken!
    Wobei ich anmerken möchte, dass es nicht nur um das modische Selbstverständnis der Frau geht, sondern generell um das Selbstverständnis der Frau.
    Ein Bikini verdeckt genau das, was verdeckt bleiben sollte und offenbart jenes, was Sehnsüchte weckt… und Klemens Stenzel kommt zu der wunderbaren Schlussfolgerung: Und genau dadurch hat der Bikini unser Verhältnis zum weiblichen Körper verändert: Frauen kämpfen alljährlich um ihre Bikinifigur, und Männer mussten lernen, zwischen Verlangen und Ästhetik scharf zu trennen… denn plötzlich stellt ein weiblicher Körper derart präsentiert keine Einladung zur puren Lust dar, sondern ist eine Norm der weiblichen Mode am Strand. Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen: Auch wenn im Zuge der sexuellen Revolution der letzten Jahrzehnte vieles auf den Kopf gestellt worden ist, so war dennoch nicht alles schlecht… so hat etwa die Entwicklung der Bademoden bei vielen auch ein Umdenken einsetzen lassen in Bezug auf menschliche Körperlichkeit und Sexualität, die Rolle der Frauen, deren Schönheit, Begehrlichkeit usw., so dass mancher bisherige ungesunde Puritanismus etwas aufgebrochen und endlich ein gesundes Mittelmaß gefunden werden konnte: keine zu freizügige, aber doch durch und durch bejahende und reife Einstellung zur eigenen Körperlichkeit und Sexualität. Klemens Stenzel bringt das schön auf den Punkt: Schönheit und Sexualität sind keine Strafe, keine Prüfung, sondern etwas, das uns Anlass zum Staunen über die Schönheit der Schöpfung sein soll… damit loben und preisen wir schlussendlich auch Gott und seine Schöpfung. Das sind keineswegs gewagte Worte! Wer diesen Beitrag von Klemens Stenzel gottlos und moralisch anstößig findet, ist zu bedauern, weil er sich noch zu sehr von Puritanern und Rigoristen in seiner Entwicklung beschneiden lässt… und daher noch nicht zur freimachenden Wahrheit gelangt ist. So einem wird dann beim Anblick der hier abgebildeten Badenixe mit ihrer tollen Figur – und ihrem tollen Bikini! – nicht nur das Herz, sondern wohl gleichzeitig auch die Hose aufgehen. Ja, auch das gibt es…

  2. Ich gebe mal zu Bedenken:

    Während der Bikini in der Tat das verhüllt, was unter Schwimmbadbedingungen verhüllt werden muß (aber nicht auf der Straße bitte): er muß natürlich auch groß genug sein. Das ist bei dem Model in dem obigen Bild nicht der Fall.

    • Wenn mich nicht alles täuscht, bezog sich dieser Beitrag auf eine frühere Fassung des Artikels.

      (Oder ich hab gestern andere Augen gehabt als heute?)

      Heute jedenfalls habe ich an dem Bild nichts auszusetzen.

  3. Dieser Puritarismusvorwurf beginnt mich langsam zu nerven. Klar kann man das Bikinitragen verteidigen, nur wirkt dieser Artikel (wie auch andere, die ich hier gelesen habe) eher so, als würde man eine aktuelle Modeerscheinung einfach dadurch legitimieren, indem man sagt, dass diese ja eigentlich auch „katholisch“ wäre… Und schon kann man den Mainstream mit guten Gewissen folgen. Aber sollte sich ein guter Katholik nicht dadurch auszeichnen, dass er nicht alles mitmacht, was die Gesellschaft fordert? Hier will man doch eher eine Anleitung dazu geben, wie man möglichst nicht auffällt, und dabei noch ein gutes Gewissen haben kann.

    Davon abgesehen ist dieser Artikel ganz schön unrealistisch. Welche Frauen legitimieren denn ihren Bikini damit, dass sie ihren „(meist) schönen Körper als Schöpfungen Gottes“ zeigen wollen? Und die Männer sollten den Frauenkörper als solchen „bestaunen, bewundern“? Hä? Mal ehrlich, HIER könnte man auf die Idee kommen, das hätte ein Puritaner geschrieben, der mit dieser seltsamen Argumentation die eigene Vorliebe für den Anblick leichbekleideter Frauen zu „entschuldigen“ sucht. Nach dem Prinzip: „Ich bewundere ja nur Gottes Schöpfung…“
    Der Bikini wurde ganz sicher erfunden, um reizvoll zu sein. Die Frauen wollten den Männern gefallen, und den Männern gefällts. Und die paar katholischen Hanseln, die diesen Anblick religiös legitimieren wollen, werden von der ungläubigen Welt ausgelacht. Und dann das Michelangeloargument – dieser hätte sich zwar sicherlich an den Anblick der Bikini-Frauen erfreut, aber seine eigene Tochter hätte dieses Kleidungsstück sicherlich niemals tragen dürfen.

    Eigentlich ist es komisch. Als Bikini-Kritiker wird man zu den Calvinisten, als Bikini-Verteidiger in die Hölle gejagt. Ich hätte niemals gedacht, dass man durch das Tragen eines wie auch immer gearteten Badeanzuges solche Dinge provozieren kann.

  4. Warum immer nur schöne *Frauen?*
    Also *ich* finde einen gut gebauten Mann in enger Badehose auch anziehend.
    Mache mich dadurch schon sündig?

  5. Ein weiteres Mal wird hier „katholische Lebensart“ vor allem durch Abgrenzung von anderen Christen definiert. Während es zuletzt gegen „totalitäre Traditionalisten“ ging, fürchtet der Autor hier vor allem Widerspruch seitens des „Puritanertums“. Dass weltliche Tendenzen die hier propagierte Vorstellung von katholischer Lebensart ablehnen könnten, scheint er hingegen nicht zu befürchten.

    Den ursprünglichen Ansatz dieser Seite, nämlich die unverkrampfte Suche nach ästhetischen Impulsen für katholische Kultur, empfand ich als sehr wertvoll. Mittlerweile scheint man aber vor allem Distanz gegenüber für rückständig erklärten Mitkatholiken demonstrieren zu wollen.

    Dabei wird zwar eine provokante und unangepasste Pose eingenommen, wobei sich die Provokation aber nur noch nach innen richten und nicht mehr nach außen. Diese Pose empfinde ich daher als unaufrichtig. Es entsteht der Eindruck, dass man in erster Linie der Welt gefallen will, indem man auf die in unserer übersexualisierter Kultur tatsächlich unangepassten Teile der Kirche verbal eindrischt.

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