Sünde, Sektierertum, Savonarola, oder warum wir gerade als Katholiken Papst Alexander VI. dankbar sein sollten!

Sünde, Sektierertum, Savonarola, oder warum wir gerade als Katholiken Papst Alexander VI. dankbar sein sollten!

Zoon katholikon – die Kolumne von Klemens Stenzel

  • Sie sind katholisch.
  • Sie glauben an den freien Willen.
  • Sie glauben an Gott.

Vergessen Sie das einfach.

  • Lassen Sie lieber Savonarola für Sie denken.
  • Lassen Sie lieber Savonarola urteilen.
  • Lassen Sie sich vom Puritanismus in seiner übelsten Form dank Savonarola unterjochen.

Wenn sogar Machiavelli einer Person attestiert, daß diese verblendet sei, sollte einem dies zu denken geben. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem reformwütigen Mönch, nicht bescheiden und human wie der Heilige Bernhard von Clairvaux, sondern von der Blaupause für Martin Luther, wobei dieser noch den Anstand hatte, für sich selbst ein weltliches Leben zu reklamieren. Savonarola hingegen sah schon allein im Besitz schöner Dinge eine Verkommenheit, verhetzte Kinder zu Denunzianten und forderte den Ikonoklasmus.

Girolamo-Savonarola
Girolamo Savonarola schaffte es, binnen weniger Monate aus dem lebenslustigen Florenz einen hässlichen, asketischen Gottesstaat zu machen. Er wirkte Lastern und Sittenlosigkeit mit einem „Fegefeuer der Eitelkeiten“ entgegen.

Und da soll der gute Alexander VI. ein „Monster“ gewesen sein? Ein Mann der zwar als Kind seiner Zeit hart war, politisch versiert, aber ein Freund der Künste, des Lebens, des Freien Willens?

Nein, meine Damen und Herren, es ist ganz klar: mehr Borgia, weniger Savonarola, vor allem und gerade in unseren heutigen Zeiten, wo sich der Moralapostel und Verbotsgeist so radikal zu etablieren sucht. Dort wo diese Kraft die Kirche entfernt hat, für ein Vakuum sorgte, welches sie nun ideologisch mit Gewalt zu füllen trachtet. Und dabei klassische Werte unseres Glaubens wie Freiheit und Toleranz mißbraucht.

Das meine Damen und Herren war, ist und bleibt Savonarola, die vermeintliche Erlösung, die einem nur die Freiheit, das Individuum, die Seele raubt. Seien sie lieber ein Mensch des 21. Jahrhunderts, ein Katholik und damit automatisch ein bisserl Borgia. Wir können uns selbst damit nur gut tun und damit unserem Nächsten.

Wer war Savonarola?

Vor dem radikalen Bußprediger und Revolutionär Savonarola (1452-1498) zitterten Fürsten und sogar der Papst. Dennoch ist er heute weitgehend vergessen. Savonarola gilt vielen als die dunkelste Gestalt in einer der faszinierendsten Epochen der Menschheit, der Renaissance. Der Dichterfürst Goethe sah in ihm ein „fratzenhaftes, phantastisches Ungeheuer“. Doch dem Reformator und Mönchskollegen Martin Luther galt der Glaubensfanatiker als „wahrer Heiliger“. Der Mönch war einer der wortgewaltigsten Prediger, die es je gegeben hat. Zehntausende warteten viele Stunden lang, um im Dom von Florenz seine Stimme zu vernehmen. Savonarola geißelte in seinen Reden den sündigen Lebenswandel seiner Zeitgenossen ebenso wie die Unmoral der Reichen, der weltlichen und kirchlichen Fürsten. Unerschrocken ergriff er Partei für die Armen und Schwachen.

Girolamo.Savonarola Bild : Fra Bartolomeo [Public domain]
Girolamo.Savonarola Bild : Fra Bartolomeo [Public domain]

Seine unheimlichen Prophezeiungen versetzten die Herrscher in Angst und Schrecken, weil manche der Tod verheißenden Ankündigungen tatsächlich in Erfüllung gingen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht riss Savonarola die Herrschaft über das reiche und mächtige Florenz, damals eine Weltmetropole, an sich und errichtete einen Gottesstaat. Eine von ihm gegründete Kinderpolizei durchstreifte die Stadt und terrorisierte alle angeblichen Frevler: Geldwechsler, Liebespaare und zu aufreizend gekleidete Frauen. Savonarola wurde bald zur Gefahr für das gesamte Papsttum: Mit Alexander VI. Borgia, einem der berüchtigtsten Päpste in der Geschichte des Vatikans, geriet er in einen unerbittlichen Zweikampf. Schließlich wurde auch Girolamo Savonarola mit zwei anderen Mönchen am 23. Mai 1498 erst gehenkt und dann verbrannt. Dies geschah auf der Piazza della Signoria, wo er ein Jahr zuvor das „Fegefeuer der Eitelkeiten“ entfacht und dabei Werke von Botticelli und Co. dem Scheiterhaufen übergeben hatte.

    • Lieber David Berger, das ist mutig und findet meine Hochachtung, dass Sie so vorgehen, ich habe Ihr Bekenntnis auch bei Felizitas Küble schon gelesen. Und wenn ich das so lese bei Ihnen, fällt mir vor allem eines ein: dass auch ich schon Sachen öffentlich gesagt habe, die ich besser nicht gesagt hätte und leider nicht mehr zurückholen kann, und dass ich das ebenfalls bedaure.

      Manchmal sind wir von komplexen Auseinandersetzungen tief betroffen und kämpfen wild und leidenschaftlich … und was wir bekämpfen oder erkämpfen wollen, ist teilweise berechtigt und teilweise nicht.
      Es gilt auch, dass der, der nichts wagt, auch nichts gewinnt – auch im Glauben nicht! Jakob rang mit Gott, was ein absurdes Unternehmen war, aber Gott ließ sich das gefallen, hatte es sogar gesucht und Jakob trug davon, dass er fortan hinkte.
      Wenn es uns wie Jakob geht und wir hinkend bei Christus ankommen – was tut es?
      Wir vergaloppieren uns, verstehen oft unsere eigenen Motive nicht bis ins Letzte. Ich habe Sie damals gut verstehen können, denn die „Verlogenheit“, die Sie im „Heiligen Schein“ beschreiben, habe ich auch zur Genüge als hochgradig belastend erfahren. In meinem Fall nicht wegen Sexualität (das halte ich eigentlich für ein irritierendes Nebenthema in der Sache), sondern wegen geistigen Positionen, die der Traditionalismus so verführerisch und teilweise wie eine giftige Frucht anpreist und die Sie ja auch sehr deutlich beschrieben haben…

      Es ist immer eine Gnade, wenn Gott uns rettet aus geistigen Verführungen.
      Es ist immer aber auch eine Gnade, wenn Gott uns über uns selbst die Augen öffnet.

  1. Weder ein zum religiösen Fanatiker mutierter Bußprediger noch gar ein Monstrum an Unmoral wie Alexander VI. eignen sich als auch nur im entferntesten zum christlichen Nacheifern.

    Vorbilder für katholische Christen waren und sind die Seligen und die Heiligen.

    Gerade in den letzten Jahrzehnten sind viele neue Selige und Heilige kanonisiert worden.

    Ferdinand Holböck und Stefan Wirth haben diese in einer bislang 8 Bände umfassenden Buchreihe „Die neuen Heiligen der katholischen Kirche“ portätiert.

    Darunter befinden sich neben Klerikern gerade auch zahlreiche Laienchristen, die für Katholiken als Glaubensvorbilder besonders geeignet sind.

    Von diesen Laienchristen haben sich mir einige ganz besonders eingeprägt, z.B. die heiliggesprochene italienische Ärztin Gianna Beretta Molla (Bd. 4/114), der selige österreichische Märtyrer Franz Jägerstätter sowie der Heilige mexikanische Indio Juan Diego (3/195), die Heilige nordamerikanische Indianerin Kateri Tekakwitha (1/42) oder der selige erst 14jährige mexikanische Märtyrer Joseph Sanchez del Rio (7/170).

    DAS sind Vorbilder und nicht ein moralisch verkommener Rainnessancepapst Alexander VI.

    • Das ist der richtige Kommentar auf diesen Artikel – was soll das, diesen Borgia-Papst zu „rehabilitieren“? Einen, der nach den Worten des Paulus als Hurer und Gewalttäter (und das war er definitiv!) vom Himmelreich ausgeschlossen ist, wenn er nicht doch noch Buße getan hat, kann man in seinen Taten nicht rechtfertigen. Diese unseligen Gestalten, von denen er zwischen Konstanzer Konzil und der Reformation nur eine war, auf dem Stuhl Petri haben Savonarola und Luther erst provoziert!

      Ja, halten wir uns an die Heiligen!
      Und sehr gerne – wie Sie richtig schreiben – an die vielen demütigen Laienmänner und die vielen Frauen – da liegt das wahre Vorbild.

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