The Cathwalk

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Johannes Hartl: "Katholische Sexualmoral ist eine Hymne an die Schönheit der menschlichen Erotik."

Der Cathwalk-Artikel „7 Vorurteile gegen die Abschaffung des Pflichtzölibats“ hat viele berechtigte(!) Diskussionen ausgelöst. Da wir explizit Dr. Johannes Hartl darin erwähnten, haben wir es uns nicht nehmen lassen, ihm persönlich ein paar Fragen zum Thema Zölibat und Ehe zu stellen.
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Johannes Hartls Herz brennt dafür, die Faszination und Schönheit und Gottes auf mitreißende Art und Weise zu kommunizieren. Der promovierte katholische Theologe wurde 1979 geboren und studierte Germanistik und Philosophie, bevor er mit seiner Frau 2005 das Gebetshaus Augsburg gründete, in dem seit 2011 Tag und Nacht das Gebet nicht mehr verstummen und zu dessen Veranstaltungen Tausende Besucher kommen. Er ist Autor zahlreicher Bücher und international gefragter Konferenzredner, der es versteht, geistlichem Tiefgang mit Humor, Intellekt und hoher Praxisrelevanz zu verbinden. Johannes lebt mit seiner Frau Jutta und ihren vier Kindern in Augsburg.

The Cathwalk: Lieber Johannes Hartl, würden Sie gerne in wenigen Jahren die MEHR-Konferenz mit einer von Ihnen zelebrierten Messe eröffnen?

Nein. Ich kann sehr gut damit leben, dass ich kein Priester bin und dass es geweihte Amtsträger gibt, die der Hl. Messe vorstehen und darin als Ehelose Jesus als Bräutigam verkörpern, der sich uns in der Eucharistie selbst schenkt. Und außerdem neige ich zu Unpünktlichkeit und bin deshalb froh, wenn mein Beitrag nicht gleich am Anfang einer Konferenz steht 😉

The Cathwalk: Sie sind im Kontakt mit vielen freikirchlichen Pastoren, die Familie und Hirtenamt miteinander vereinigen. Haben Sie den Eindruck, die Ehe macht diese Männer zu einem schlechteren Seelsorger?

Nein, den Eindruck habe ich nicht. Den Konflikt zwischen Familienleben und den sehr anstrengenden pastoralen Verpflichtungen jedoch spürt beinahe jeder dieser Pastoren. Paulus hat schon Recht, wenn er sagt, dass sich der Verheiratete weniger ausschließlich um seinen Dienst kümmern kann als ein Eheloser. (1 Kor 7,32f.)

The Cathwalk: Was ist aus Ihrer Sicht der Sinn des Zölibats in der heutigen Zeit?

Das prophetische Zeichen gegen den Götzen schlechthin. Einer der mächtigsten Götzen heute ist der, der romantischen Liebe und der Sexualität. Wie viele Filme enden damit, dass er und sie sich endlich finden! Ja, das ist doch die höchste Erfüllung, oder? Nein, ist es nicht. Die Überhöhung des romantischen Ideals ist ein Trugbild, das mit der Realität einer treuen Ehe weniger zu tun hat, als man denken könnte. Dass ein Mensch nicht nur ohne Partnerschaft leben kann, sondern das sogar freiwillig wählt, ist ein bedeutsames Zeichen in der heutigen Zeit. Ein Zeichen dafür, dass der Mensch für Gott erschaffen ist und bei ihm eine Liebe finden kann, die alle menschliche Erotik bei weitem übersteigt.

The Cathwalk: Ist es ein Vorurteil, dass die Kirche jahrhundertelang die Sexualität verteufelt hat, oder ist da was Wahres dran?

Da ist was Wahres dran. Allerdings gibt es ein in extrem vielen Gesellschaften stark tabuisierten und reglementierten Umgang mit der Sexualität. „Offener“ Umgang mit Sexualität ist eher eine recht moderne Erfindung. Ich glaube nicht, dass das Verklemmte genuin vom Christentum kam (in der Bibel finde ich kaum stellen für jedoch viele gegen Leibfeindlichkeit), sondern eher aus dem Neuplatonismus. Die heutige katholische Sexualmoral, allem voran wie Papst Johannes Paul II sie formuliert hat, ist eine Hymne an die Schönheit der menschlichen Erotik.

The Cathwalk: Auch eine christliche Ehe ist ja oft mit sexueller Enthaltsamkeit verbunden. Hand aufs Herz: Sind Sie manchmal neidisch auf die alttestamentarischen Könige David und Salomo, die viele Frauen hatten, ohne dass Gott was dagegen hatte?

Es ist schon wahr, dass Gott da nichts Explizites dagegen hatte. Dennoch ist die Bibel selbst schon recht skeptisch und schildert ja, dass seine vielen Frauen Salomo doch zum Verhängnis wurden. Und auch bei David lief das nicht so toll. Ich sag mal so: Ich bin ein normaler Mann. Und Treue kostet etwas. Doch Untreue kostet noch viel mehr, denn sie ist immer zerstörerisch. Und ganz ehrlich: nein, mit mehreren Ehefrauen zusammenleben würde ich nicht gerne wollen. Paulus sagt, dass der Mann verpflichtet ist, seine Frau zu lieben wie Christus die Kirche liebt (Eph 5,25). Ein ganz schön forderndes Ideal! Das mit meiner einen Frau zu versuchen reicht mir eigentlich schon als Herausforderung.

The Cathwalk: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Das neueste Buch von Dr. Johannes Hartl

gott_ungezaehmt_02_360x360Es gibt eine Frage, die jede andere in den Schatten stellt. Eine Frage, an der sich das Schicksal jedes Menschen entscheidet. Sind Sie bereit? „In meinem Herzen Feuer“ zeichnet eine Reise ins Gebet nach. Das neue Buch von Johannes Hartl nimmt Sie mit auf einen theologisch-philosophischen Weg in die geheimnisvollen Regionen der Herrlichkeit Gottes. Doch er ist anders. Vergessen Sie den Opa im Himmel. Gott ist fremd. Er ist gewaltig. Unsere Denkkonstrukte zerbersten wie Tongeschirr. Er ist das Erdbeben. Es ist Zeit zum Aufbruch raus aus der spirituellen Komfortzone. Gott ist überwältigend. Gott ungezähmt.  

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  1. Franz Geyer

    Eines ist bei all diesen Kommentaren Mangelware: Demut.

  2. Josef Broszeit

    Ich wende die „Hermeneutik des Wohlwollens“ – oder wenn es so angenehmer klingt – „des Respekts“ nicht allein auf Johannes Hartls‘ Texte sondern auch z.B. auf die Ihrigen, @zeitschnur, an.

    Zugegebenermaßen fällt mir das bei einigen Passagen der letzteren nicht immer ganz leicht:

    Nach meinem Urteil kritisieren Sie z.T. über die Maßen scharf, verletzend, ja geradezu „maßlos“ und machen das kritisierte Subjekt/Objekt förmlich nieder.

    Das ruft dann manchmal entsprechende mehr oder weniger massive Gegenreaktionen anderer Kommentatoren hervor.

    Ich habe nicht wie Sie an Veranstaltungen Johannes Hartls teilgenommen und „Charismatik“ ist auch bei meiner eher nüchternen Art auch nicht mein Weg zu einer Gottesbegegnung.

    Ich habe jetzt nur den hier vorliegenden Text Hartls gelesen und diesen als „gut“ beurteilt.

    Ich würde mich jedenfalls mit meinem derzeitigen Wissensstand hüten, die charismatischen Bewegungen einfach in die Nähe von Schwarmgeisterei oder gar Häresie zu rücken.

    Josef Ratzinger sagte einmal, es gebe soviele [mögliche!] Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.

    (Das ist natürlich nicht etwa i.S. von All-Erlösung zu verstehen.)

    So mag auch nach meiner Überzeugung mancher „Tradi“ letztlich genauso seinen Weg zu zu Gott finden wie auch ein bibeltreuer Freikirchler u.s.w

    • @ Josef Broszeit

      Was heißt hier „maßlos“? Woran machen Sie das fest? Das ist auch in der Verdoppelung nichts weiter als ein Totschläger, und dächte ich wie Sie, müsste ich mich bereits beleidigt oder „verletzt“ fühlen. Den Gefallen tu ich aber keinem hier – wer mir was vorwirft, muss es beweisen: also bitteschön. Ich scheue kein Duell, solange es nicht persönlich wird, unsachlich oder unverschämt.
      Daran, dass ich vielleicht einfach genauer bin, d.h. Worte mehr wäge – nicht Worte auf der Psycho- und Befindlichkeitsebene, sondern auf der reinen Sachebene? Ja, das stresst vielleicht manchen trägen Geist. Warum aber gestehen Sie einem solchen jede erdenkliche Entgleisung zu? Sie meinen, wer über soviel Vulgarität steht, den darf man verbal vernichten?

      Auch wenn es schwerfällt – was nützt einem „Respekt“, was „Wohlwollen“, wenn viel zu viel über die „Metaebene“ debattiert wird und die Sachverhalte dabei automatisch aus dem Blick geraten?

      Definitiv habe ich hier niemanden persönlich verletzt – wo denn? Sagen Sie es mir. Aber es mag sich natürlich mancher angegriffen fühlen durch eine scharfe Sach-Kritik. Das wäre ein Beweis dafür, dass ich einen wunden Punkt anspreche. Er oder sie fühlt sich entlarvt und hilflos – weiß nichts mehr zu sagen. Dann ist es sachlich auch nicht weit her…

      Sie gehen bezeichenderweise auf die Kritik selbst sachlich nicht ein.

      Ich denke nicht, dass die „vielen Wege zu Gott“ meinen, dass es im Glauben nicht einen objektiven Kern gibt, ja: die Objektivität das ist, woran wir gesunden. Es ist der Weg des Einzelnen, wie Gott ihn zu dieser Objektivität führt.
      Sie dürfen mir glauben, dass ich in jungen Jahren – wie alle Welt heute – genauso angekränkelt war von dieser Psychomasche, die die Subjektivität und den Narziss in uns zum Götzen erhoben hat.
      Man verträgt nichts, fühlt sich ständig persönlich angegriffen, bezieht alles auf sich persönlich, hat eine absolut unterirdische Frustrationstoleranz, hält keinen Konflikt aus, ist folglich oft auch beziehungsunfähig, unfähig zur Tapferkeit und zum Wagemut, steht keine Position durch und es reift auch in einem nichts Klares.

      Der Charismatismus integriert diesen Hang zur Trägheit und geistigen Erschlaffung, nicht zuletzt durch dröhnende Musik, die die Gedanken hindert, sich zu schärfen. Folglich ist man sofort beleidigt, wenn jemand diesen Radau nicht gut findet und ablehnt, wie ein Süchtiger, der sofort zusammenklappt, wenn einer ihm sagt, dass er einer Sucht verfallen ist.
      Der Charismatismus kennt keine echte Stille und keine Kontemplation.
      Mich hat an Hartls Theologie auch massiv gestört, dass er behauptet, man könne mit musikalischer Untermalung (natürlich nur einer rockigen – klar!) besser beten als in vollkommener Stille. Er braucht also ein frommes „Dope“, um angeblich zur Ruhe zu kommen. Das ist aber keine wirkliche Ruhe, über die einer Herr wäre, sondern eine Art Narkotisierung und erinnert an die Religionen, die mit Drogen die Meditation fördern.

      Versuchen Sie, Ihr Wohlwollen in meinem Fall auf die Sachebene zu richten und zu bedenken, was ich vortrage – nicht psychomäßig, ob das nun wieder irgendeinem nicht passt (das wird viele geben), sondern ob das, was ich zu bedenken gebe, wahr sein könnte.
      Hätte ich recht, müsste man den Charismatismus als eine gigantische Verführung betrachten, die als „Engel des Lichts“ kommt, viel Wahres mitliefert, aber doch in die Irre führt. Es geht nicht nur um ästhetische Formen, sondern um eklatante Lehrwidersprüche. Aber die Form und der Inhalt sind immer Korrelate, und alleine das beweist, dass das nicht das ist, was uns tradiert wurde.

      Es gibt nicht nur viele Wege zu Gott, sondern auch viele Irrwege, die uns wegführen ins ewige Verderben.

    • Martina Rettul

      „allein die Sachebene“: selten so gelacht und dabei an Luther gedacht, der immerhin bis vier zählen konnte.

    • Josef Broszeit

      Ich wiederhole:

      Das hier vorliegende Interview und insbesondere die Antworten des Johannes Hartl bewerte ich positiv.

      Über den „Charismatismus“ kann ich mir kein Urteil aus eigener Anschauung bzw. eigener Erfahrung erlauben.

      @zeitschnur, Sie verteufeln ihn geradezu mit schärfsten Worten, und lassen einen vom rein Rationalen abweichenden Zugang zu Gott nicht gelten.

      Ich folge Ihnen darin nicht!

      Wäre der „Charismatismus“ wirklich so häretisch und gefährlich, wie Sie glauben machen wollen, so hätte sich das kirchliche Lehramt längst in entsprechend warnender Weise geäußert.

      Das ist aber nicht geschehen.

      Sie sind hier „päpstlicher als der Papst“.

  3. Immer wieder erstaunlich, was der Mensch sich so zusammenfantasiert.

  4. Ach, Frau Rettul, ich habe ja immerhin argumentiert, was Sie leider nicht tun. Und auf der reinen Verstehensebene, wenn wir es schon von „Hermeneutik des Wohlwollens“ haben, ist es auch nicht weit her. Ich denke, ich verstehe sehr wohl, was Hartl meint, finde es aber – mit Gründen – nicht richtig! Auch das solls geben, Wohlwollen hin Wohlwollen her…

    Ja, das klingt schnurrig, Herr Broszeit, das mit dieser Hermeneutik. Aber es ist flach, weil damit jedem Ansatz von Bedenken oder Befremden über das Treiben des Charismatismus ein moralistischer Maulkorb vorgehängt wird. Das ist die Rhetorik des Diktatorischen. Hartl samt seinen AnhängerInnen muss sich Kritik gefallen lassen und da, das habe ich über Jahre erfahren, sieht es regelrecht mies aus. Diese Leute sind so aufgeheizt, dass sie nur noch herumpöbeln (s. Martina Rettul). Allerdings nehme ich Hartl aus – er war mir gegenüber in der Diskussion okay – aber vielleicht sollte er seiner Klientel mal was über Diskursfähigkeit erzählen, statt immer nur über Sex. Und darüber, dass ein Kritiker kein Feind, auf den man phobisch reagieren müsste, sondern nur ein Kritiker ist…
    Davon abgesehen sind Worte nicht einfach auswechselbar und sie tragen im Kontext bestimmte Botschaften weiter, die man weder wohlöewollen noch übelwollend, sondern sachlich nehmen muss.

    Ich war schon in Augsburg und habe mir die komplette Mehr-Konferenz angehört und angesehen. Ich habe mir stundenlange Predigten Herrn Hartls angehört und die von charismatischen Stars gleich noch dazu.

    Ich bleibe dabei, dass ein Teil der charismatischen Theologie Hybris ist und bleibt. Man instrumentalisiert Gott m.E. zu stark und hält nicht die notwendige ehrfürchtige Distanz ein. Gott ist uns zwar nah und wir ähneln ihm als Ebenbilder, aber wir sind ihm – so jedenfalls lehrte es die Kirche eigentlich stets – doch unähnlicher als ähnlich, ferner als nah – wir von uns aus. Er ist mir nah, aber ich bin ihm von mir aus fern. Diese notwendige objektive Haltung blendet der gesamte Charismatismus vollkommen aus.

    Hybris übrigens ist nicht, dass einer Thesen aufstellt, sondern wenn einer sich im Verhältnis zu einer Person oder Sache total überschätzt.
    Ich habe Hartl schon vor Jahren kritisiert für seine Redeweise vom „Gott ist total verliebt in dich“ oder „Gott ist total faszinierend“ und dergl.

    Wenn man etwa liest, wie sich Paulus zu einem seiner mystischen Erlebnisse verhält, erst nach 14 Jahren (!) davon redet (soviel zum Thema „kommunizieren“), und das auch nur unter einem gewissen Druck seitens der Gemeinde in Korinth, wie er sagt, es sei unaussprechlich – diese Schönheit Gottes….
    War Paulus „fasziniert“ von Gott?
    Nein!
    Er war wie geblendet, ja er erblindete sogar für eine Zeit auf dem Weg nach Damaskus vor der gewaltigen Größe Gottes, die nicht das Gefühl, sondern den Geist ansprach.
    Von charismatischem Gewimmel hielt Paulus wenig – lest doch die Korintherstellen!
    Unsere Gottesbeziehung ist in diesem Äon immer auch noch ein Stück Gericht und Läuterung
    Gott ist kein Lustobjekt, das uns fasziniert, sondern er ist eine gewaltige geistige Kraft, dreipersönlich.
    Er ist nicht „faszinierend“, sondern alle, die Begenungen mit ihm hatten, erschraken und fürchteten sich. Selbst die Gottesmutter, die doch ganz rein war, erzitterte vor dem Erzengel Gabriel bis ins Mark.

    „Fascinare“ (lat.) heißt „bezaubern“ oder „behexen“. Wer sich so „fühlt“ angesichts Gottes, sollte sich fragen, ob er es wirklich mit Gott zu tun hat, denn Gott fasziniert nicht, sondern spricht uns als aufrechte Menschen objektiv mit unserem Namen an.

  5. Martina Rettul

    Die Hybris der Anderen.
    Bei jeder Wortmeldung Zensuren erteilen, in diesem Fall: „gut gemeinte… Blasphemie“ verorten, der „Hybris“ Grenzen setzen: „Niemand kann direkt Gott selbst „kommunizieren“. Das geht einfach zu weit.“
    Aber dann ganz schnell die Kurve kriegen, zur eigenen Privatoffenbarung, wo jeder Vorbehalt, jeder Zweifel zur Hölle fahren darf, wenn man/frau nur „redlich und genau liest“ und dann erkennen „muss“, „was Gott niemals wollte“ oder was „Gott …vor der Erscheinung Jesu nicht schaffte“ und warum.
    „Details muss man mit Tiefenschärfe lesen und dann sagen sie uns an sich alles über Gottes „Ansicht“.“ Voilà! „Gespräche mit Gott“ heißt ein Bestseller von Neal Donald Walsh. Was hier geliefert wird, ist in weiter Ferne so nah.
    Bitte Weitermachen.

  6. Josef Broszeit

    Ich zitiere Johannes Hartl aus „Die Tagespost“ v. 15.01.2016:

    „Hermeneutik des Wohlwollens“ ist der Name für eine immer seltener werdende Tugend.

    Sie meint die Haltung, beim Hören oder Lesen einer Äußerung zunächst eine möglichst positive Absicht zu unterstellen.“

    Ich finde, er hat da wieder einmal „den Nagel auf den Kopf getroffen „. 

  7. Folgender Satz im Vorspann ist m.E. ein Ausdruck der Hybris:

    „Johannes Hartls Herz brennt dafür, die Faszination und Schönheit und Gottes auf mitreißende Art und Weise zu kommunizieren.“

    Ich habe Hartl tatsächlich auch so verstanden, dass er das oder etwas Ähnliches will.
    Allerdings gefriert mir da doch das Blut in den Adern.
    Keiner hat Gott je gesehen, heißt es in der Schrift, Gott wohnt in einem Licht, zu dem niemand hinzukommen kann…
    Vorausgesetzt jemand von uns beginnt allmählich Gott zu erkennen… alleine das ist nahezu unmöglich und ein großes geschenk, wenn es zuteil wird…
    Wie sollte aber einer von uns „Gottes Schönheit“ kommunizieren“?
    Der Satz ist gut gemeint, aber leider blasphemisch.
    Gott teilt sich selbst mit in seiner Schönheit – jeder Seele extra und ausschließlich in einem mystischen Akt.
    Und unser Part ist, das zu bezeugen, auch wenn man es nicht sehen kann von außen.
    Aber niemand kann direkt Gott selbst „kommunizieren“.
    Das geht einfach zu weit.

    Hartl sagt hier manches Richtige. Was er über den Zeichencharakter des Zölibats in unserer Zeit sagt, ist sehr gut.
    Allerdings weist auch die Aussage der Schrift, dass der Auferstehungleib ein geistförmiger Leib sein wird, darauf hin, dass der Leib, den wir jetzt wahrnehmen bzw. wie wir ihn jetzt in dem Zustand, der noch von der Sündenfolge gezeichnet ist, sehen, vielleicht extremer herabgewürdigt oder in seiner Realität verzerrt wurde als das, was wir als unseren Geist auffassen, der natürlich auch „gefallen“ ist mit der Erbsünde.
    Kirchenväter – etwa Augustinus – waren so irritiert dadurch, dass sie den Menschen nur hinsichtlich seines Geistes als gottebenblidlich annehmen wollten und den Leib von dieser Ebenbildlichkeit ausschlossen. Mit der Begründung, Gott sei ja selbst auch nur Geist und habe keinen Leib.
    Dennoch muss man anhand der Tatsache, dass Gott ins Fleisch kommen konnte, doch eine Analogie annehmen und vor allem auch anhand der Tatsache, dass Gott in Christus den Leib für immer in die Gottheit hineingenommen hat. Das wäre wohl kaum denkbar, wenn der Leib nicht auch ebenbildlich wäre.

    Es liegt hier wirklich ein Problem vor, das man nicht leicht lösen kann. Ich kenne auch heute fromme Theologen, die leugnen, dass der Auferstehungsleib ein Leib sein könnte, wie wir ihn jetzt haben. Ich kenne einen, der leugnet, dass der verklärte Leib in irgendeiner Weise materiell sein könnte.
    Nun hat aber die Kirche genau das bezeugt und definiert und dies sogar dogmatisch – schon auf der 11. Synode von Toledo.
    Man mag dem frommen Theologen zugute halten, dass er sich gerade von JP II „Theologie des Leibes“ oder der Überbetonung des Leiblichen (und Triebhaften), die wir heute so gemeinhin praktizieren, abgrenzen will, die eben auch problematisch ist.
    Newman sagte einmal, es könne sein, dass das, was wir als „Leib“ wahrnehmen in Wahrheit eine wesentlich andere Konsistenz habe, die unseren gefallenen Augen einfach verschlossen bleibt. Es ist daher abzuraten davon, die Auffassung des Menschen vom Leib her aufzuziehen – eben weil unsere Augen blind sind für dessen Realität und dabei sehr leicht auf geistige Abwege geraten können.
    Es ist nicht nur Neuplatonismus, den Menschen als Geistwesen zu sehen und den Leib als dem Geist an sich vollkommen „untertan“, aber nicht in einem subordinierten Sinne, natürlich ist mein Leib meinem Geist nicht wesenhaft „untergeordnet“, sondern so, dass der Leib an sich selbst tatsächlich eines Wesens mit dem Geist ist und ihm nicht entgegensteht.
    Diese Intaktheit haben wir verloren durch die Sünde.

    Dass Gott nichts gegen die Polygamie und Verstoßungspraxis gehabt hätte, ist mir neu!
    Erstens hat Gott anfangs einen Mann und eine Frau füreinander geschaffen und nicht einen Mann und viele Frauen.
    Zweitens wird auch im Alten Testament immer wieder der männliche Herrscherwahn über die Frau mit scharfen Worten abgelehnt, wenn auch nicht an jeder Stelle, an der er zutage tritt. Etwa im Buch Maleachi. Aber nicht nur dort.
    Im übrigen sind auch „normale“ Frauen in der Versuchung, untreu zu werden und je nach Veranlagung anfällig für sexuelle Reize. Das dürfte nicht speziell männliche Problematik sein. Der Mann kann die Frau nur aufgrund ihrer leiblichen Schwächung und Abhängig- und Schutzbedürftigkeit als Mutter leichter erpressen.
    Gott hat dieses männliche Verhalten als Sündenfolge vorhergesagt (Gen 3, 16), und der Mann hat dies – Zeichen seiner tiefen Verhärtung – als „Schöpfungsordnung“ aufgefasst.
    Wer aber redlich und genau liest, muss sehen, dass es gerade das ist, was Gott niemals wollte und Ausdruck der Unordnung nach dem Fall! So wie er auch den Tod nicht wollte oder die Beschwernis der Mutterschaft nicht oder Dornen und Disteln auf dem Acker…

    Nicht zuletzt sagt uns Jesus doch selbst, warum Gott das im AT noch zuließ: um der „duritia cordis“ des Mannes willen. Das ist niederschmetternd für jeden Mann, ein wirklich scharfes Urteil Gottes über den gefallenen Mann, denn das heißt im Klartext: Die Herzenhärte des Mannes ist offenbar so gravierend, dass Gott es vor der Erscheinung Jesu nicht schaffte, selbst die für gerecht gehaltenen Männer an dem Punkt zu erweichen.
    Und deshalb überging er bei seiner Inkarnation den Mann zunächst auch total und offenbarte sich zuerst den Frauen. Und der Mann, der den Weg bereiten sollte, der „größte Mensch“ des AT, wie Jesus sagte, lebte keusch und sagte, er müsse „schwinden“, damit der Erlöser sich vermehren könne.
    Man sollte das so nüchtern sehen, wie möglich und in seiner ganzen Schärfe.
    In vielen Details kommt der Abscheu Gottes über die (sexuelle) männliche Hybris gegen die Frau zum Ausdruck. Etwa auch bei Abraham, wobei der Stammvater weniger anfällig dafür gewesen zu sein scheint und seine Eskapade mit der Sklavin aus reiner Verzweiflung wegen des fehlenden nachkmmens und mit dem Einverständnis der Ehefrau geschah.
    Aber warum sollte Gott darauf bestanden haben, dass sein verheißener Nachkomme von der einen Frau ist, der einen und rechtmäßigen und eben nicht von einer Sklavin? Er hat darauf bestanden, dass Abrahams erster Sohn aus der illegitimen Verbindung nicht „gültig“ ist, weil Gott die Sklaverei der Frau hasst und auf ihr sein Heil nicht aufbauen wollte, auch wenn schon Jakob diesen Kurs bereits schon nicht mehr aufrechthalten konnte. Jakob wird gezeichnet als einer, der aufgrund der verheerenden archaischen Zustände am Ende ungewollt (!) ind er Polygamie landete, denn er liebte, so heißt es, wirklich nur Rahel.
    Alleine diese Details muss man mit Tiefenschärfe lesen, und dann sagen sie uns an sich alles über Gottes „Ansicht“ dazu!

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