Ein Jahr „Cathwalk“ – Jetzt spricht der katholische Dr. Mabuse!

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„The Cathwalk ist auch der ‚Wake-Up-Call‘ für die selbstzufriedenen, selbstverliebten und selbstgerechten Katholiken.“ Gründer und Herausgeber von The Cathwalk Matthias Jean-Marie Schäppi über 1 Jahr www.thecathwalk.de

Lieber Matthias, was ist dein Lieblings-Artikel aus 365 Tagen The Cathwalk?

Eine schwierige Frage. Ein Jahr Cathwalk bedeutet auch 365 Artikel. Wir haben zwar mit der Devise angefangen, nur einmal in der Woche einen Artikel zu publizieren, aber nach wenigen Monaten schon konnten wir dieses Angebot so ausbauen, dass wir nun mindestens einen Artikel pro Tag veröffentlichen. Einen Lieblingsartikel hab ich als Chefredakteur natürlich nicht. Am meisten Gefallen finde ich an literatur- oder kulturwissenschaftlichen Abhandlungen, weil ich mich persönlich dadurch auch weiterbilde und neue Dinge erfahre. Am meisten Spaß machen die provokanten Artikel, die schon manche Eiferer zur Weißglut treibt und den Pharisäer in ihnen aufblitzen lässt.

Der Beginn von Cathwalk war ja sehr turbulent. Warum diese deutlichen Worte zu Beginn?

Wenn man die publizistische Bühne betritt und den Anspruch hat von einer breiten Leserschaft zur Kenntnis genommen zu werden, muss man dies mit einem Coup tun. Ein solcher Effekt ist uns sicherlich mit dem inzwischen berühmt-berüchtigten „Krah-Interview“ gelungen. Nichts ahnend sprach der Dresdener Rechtsanwalt frei von der Leber, weshalb er lange Wickelröcke hässlich findet. Das mediale Echo (mit inzwischen über 70.000 Klicks) war enorm. Über Nacht wurden wir von katholischen Medien und Bloggern zitiert und als „Mitspieler“ akzeptiert.

In der ersten Zeit ging es dann zunächst darum, unserem Ruf als „Skandal-Portal“, wie wir genannt wurden, gerecht zu werden. Also viel „Trümmer-Literatur“, wie ich es nennen würde. Aufräumen mit dem alten traditionalistischen Mief, der völlig haltlos ist. Mit der Zeit hatten wir dann auch wieder die Masse der „Protestleser“ vertrieben und konnten beginnen, Artikel über das Gute, Wahre und Schöne zu bringen. Das hatte zur Folge, dass wir anfangs 30.000 regelmäßige Leser hatten und dann wieder bis auf 5.000 „gesunken“ sind. Aber seither bauen wir unsere Leserschaft wieder kontinuierlich auf, so dass ich stolz bin, für den Monat September einen neuen Leserrekord mit 32.000 (Unique-)Lesern erzielt zu haben. Damit liegen wir noch vor dem Onlineangebot der Tagespost 😉

Manche Kritiker sprechen schon mal von „Boulevard“, wenn sie von The Cathwalk sprechen. Stört dich das?

Nein, das stört mich überhaupt nicht! Selbstverständlich machen wir mitunter auch Boulevard-Katholizimus. Man muss nicht immer den hl. Thomas oder Rahner zitieren, wenn man sich zu theologischen Fragen äußert. Damit erreicht man nicht die Masse. Man muss einfach und verständlich argumentieren. Man muss laut sein, Krach machen, steile Thesen aufstellen und provozieren. Es muss auch nicht alles richtig sein. Das ist gar nicht unser Anspruch. Unser Anspruch ist: Diskussionen entfachen, Leser dazu zu bringen, das, was ihnen bisher selbstverständlich erschien, auch mal in logische Argumente zu verpacken. The Cathwalk ist nicht die „Akte des Lehramts“, wir sind der „Wake-Up-Call“ für die selbstzufriedenen, selbstverliebten und selbstgerechten Katholiken.

Bilder aus einem Jahr Cathwalk 

Welche der wüsten Beschimpfungen aus der Leserschaft hat dich persönlich getroffen?

Ich bin seit über zehn Jahren im publizistischen Bereich tätig und trage Verantwortung. Kritische Leserkommentare sind für mich keine Neuigkeit. Die Diffamierung erreichte allerdings zu Beginn eine – auch mir – neue Dimension. Ich hatte nicht auf Zustimmung gehofft, aber dass viele Rechtskatholiken, verschrobene Puritaner und Krypto-Calvinisten einen derartigen Offenbarungseid leisteten, war nicht zu erwarten. Von daher war dies auch wieder eine gute Nachricht. An uns scheiden sich die Geister und das ist gut so!

Was mich persönlich vielleicht am meisten getroffen hat, ist, dass ich sehen konnte, wie viele traditionalistischen Menschen mit großem Eifer eine Religion betreiben, die sie nicht verstehen und die mit dem Katholizismus nichts zu tun hat. Das war wirklich erschreckend. Da gehen diese „frommen“ Menschen (teilweise sogar täglich) in die Kirche, beten bis es raucht und ziehen dann bei nächster Gelegenheit vom Leder über andere Katholiken, die es nicht genauso machen.

Was sind das für Leute?

Das sind, wie Dr. Tobias Klein bei uns auf dem Cathwalk einmal passend schrieb, „Menschen, die den Eindruck erwecken, sie könnten sich nicht so richtig auf den Himmel freuen, wenn sie dabei nicht die zusätzliche Genugtuung haben, dass möglichst viele andere Leute in die Hölle kommen.“ Es gibt viel zu viele Pharisäer unter den Katholiken…

Zurück zu Deinem Onlinemagazin. Hat sich durch Cathwalk etwas in der katholischen Medien-„Szene“ geändert?

Mit Cathwalk ist zumindest ein „Game-Changer“ im Rennen. Wir haben mittlerweile über 30.000 Cathwalk-Leser im Monat, überwiegend aus der Altersgruppe 18-34. Wir erreichen diese Menschen und wer dies als katholisches Medium ebenfalls tun möchte, muss sich an unseren Methoden zumindest orientieren. Ich sage damit nicht, dass wir alles richtig machen und dass wir der einzige Weg sind; was ich sage, ist: wir haben zweifelsohne Erfolg und werden von unserer Zielgruppe auch gelesen.

Junge Menschen bei uns interessieren sich für Mode, Musik, Kino, vielleicht Literatur, oder sagen wir es allgemein: Lifestyle. Wir bieten ihnen diese Themen garniert mit einer Portion Spiritualität und Glaubensimpulsen. Wenn man nur Kino macht, hat man keinen Erfolg. Wenn man nur die Pressemeldungen des Vatikans veröffentlicht, ebensowenig. Und moralinsaure Höllenpredigten haben auch geringe Erfolgsaussichten. Eine ausgewogene Mischung ist entscheidend.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass wir versuchen ganz nahe an den Leser zu gehen. Wir veröffentlichen viel über Erotik und Sexualität und die Pervertierung davon: Pornographie. Wir tun dies aber nicht mit erhobenem Zeigefinder, sondern mit rationalen Argumenten, und das erkennen junge Leser schnell: Ob man ihnen ein schlechtes Gewissen einreden oder ihnen Hilfestellung anbieten will.

Für kontroverse Diskussionen sorgt ja auch stets die 7 Vorurteile – Reihe. Ist katholische Dialektik nicht gefährlich heutzutage? Wäre ein klarerer Kurs nicht besser?

Die Glaubwürdigkeit der Medien liegt am Boden. Als hauptsächlicher Grund würde ich die selbstverschuldete einseitige Berichterstattung anführen. Auch katholische Medien berichten sehr einseitig. Entweder konservativ oder progressiv. Als wir unser Onlineportal gegründet haben, war einer unserer Grundsätze: Wir wollen Katholizismus in all seinen Lebensrealitäten abbilden. Selbstverständlich hat unsere Redaktion Grundsätze und publizistische Leitlinien. Aber ich sag mal so: Über alles was die katholische Kirche nicht als Dogma verkündet hat, darf gerne leidenschaftlich diskutiert werden. Das Schöne am Katholizismus ist doch gerade seine Vielfältigkeit, und die wollen wir auch voll ausspielen.

Wir sind mit Sicherheit nicht das Medium der Konservativen, aber auch von den Progressisten mit dem „Hurra-Katholizimus“ lassen wir uns nicht anstecken. Aber wir bringen – nach Möglichkeit – immer beide Seiten zu einem Thema. Die 7-Vorurteile-Reihe ist als solches Tool ideal. In der einen Woche freuen sich die einen und von den anderen werden wir als „einseitig“ verurteilt und in der Woche danach dreht sich der Spieß um. So gewinnt man vielleicht keine Freunde, aber dafür Leser…

Katholiken sollen sich ja auch gegenseitig heiligen. Tut der Cathwalk das: Menschen heiligen und in den Himmel führen? Ist das Portal nicht viel eher ein Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Unser Portal will die Freude und Schönheit des katholischen Glaubens aufzeigen. Nicht immer ist uns das gelungen, nicht immer wird uns das gelingen. Muss es auch nicht! Aber selbstverständlich muss es unser Ziel sein, Menschen zu Christus zu führen. Alles andere wäre irrelevantes Glasperlenspiel und dafür wäre die stundenlange Arbeit einfach zu schade.

Cathwalk ist als Projekt angelegt, von dem man nie wissen kann, wie lange es währen wird. Aber auf was dürfen sich deine Leser in der unmittelbaren Zukunft freuen?

Das stimmt. Wir sind nach wie vor ein „Projekt“. Ursprünglich auf 3 Monate angelegt, dann auf ein halbes Jahr ausgedehnt und nun beginnen wir ab heute das zweite Jahr. Das Engagement der Leser, uns Artikel zuzusenden, ist sehr lobenswert. Täglich erreichen mich neue Zuschriften. Es sind folglich viele weitere, spannende Artikel geplant. Die gewünschte Aufmerksamkeit haben wir ja jetzt, d.h. also: Vielleicht nicht mehr ganz so provokant, dafür mit umso mehr Gehalt.

Die Fragen stellte Friedrich Reusch.

3 Kommentare

  1. Sehr bedauerlich, dass ich einige Monate wegen Herz-/Kreislauf- und Augenerkrankungen aussetzen musste und so zum Zeitpunkt, als dieser Artikel brandaktuell war, nicht zeitnah reagieren konnte. Aber auch mit diesem zeitlichen Abstand halte ich es für ebenso angemessen wie notwendig, dem wohlfeilen Weihrauch, welchen Matthias Schaeppi zur eigenen und der Verehrung seiner Lieben immer wieder gern streut, ein wenig Schwefelwasserstoff beizumengen.

    „Nichtsahnend“, säuselt der lieben Mathias sanft vor sich hin, habe sein Protektor Max Kräh frei von der Leber weg über Wickelröcke schwadroniert, gar niemanden nicht provozieren oder gar gewisse Personenkreise innerhalb römisch-katholischen Tradition im Dunstkreis der FSSPX (mit denen er zuvor über viele Jahre im Mandanten- oder Beratungsverhältnis für Stiftungsrecht gutes Geld verdient hatte) habe diskreditieren wollen. Da war nichts zufällig oder unüberlegt. Auch nicht in der Rezeption des Vorgang auf Eurem damals eindeutig non-katholischen Laufsteg ebensolcher Eitelkeiten. Das war Teil einer Kampagne gegen frühere Freunde, mein guter Matthias, die nach einem Jahr verklärt werden soll zu einem Reißer, den man platziert habe, um den eigenen Blog zu etablieren. Nothing else.
    Und dann – bei allem Respekt, mon ami – lese ich hier eine pure Lüge, also eine wissentliche und unmäßige Entstellung der Wahrheit: Denn nicht Ihr habt „Protestleser vertrieben“, sondern zahlreiche Leser haben sich von Euch abgewendet, weil Sie Euren Kreuzzug gegen alles, was nach FSSPX oder in Euren Nasen nach anderweitigem Hardcore-Traditionalismus roch – weder begleiten noch unterstützen wollten.
    Bezeichnend auch die Einschätzung, „Rechtskatholiken, verschrobene Puritaner und Krypto-Calvinisten“ wären die härtesten unsachlichen Kritiker Eures Blogs gewesen. Nichts gelernt aus der aktuellen Situation in Deutschland, oder? Immer nur Keulen und Schubladen aufmachen… ganz billig und ganz schlechter Stil.
    Wie wäre es mal mit Selbstreflexion:
    Ein Blog der gern und häufig übers Poppen und alles was damit zusammenhängt schreibt, hat schon was Linkskatholisches.
    Eure hin und wieder durchblitzende Liebe zu Luxusartikeln, -reisen, -speisen usw. könnte darauf hindeuten, dass Ihr sehr wohl der Ansicht seid, dass man auch dem Mammon dienen könne und hat auch was vom englischen Klassensystem übertragen ins katholische Milieu. Ganz abgesehen davon, dass Überheblichkeit und Stolz klassische Anti-Tugenden sind.
    Und was Calvinismus betrifft… nun zumindest kann ich in Euch weniger Verteidiger der römisch-katholischen Lehre in Dogmatik und Moral erkennen als Semi Bultmänner und Zeitgeist-Lutheraner.
    Nicht zuletzt deshalb bleibt es dabei: Ich werde diesen Blog nicht regelmäßig begleiten, aber gern Dr. Mabuse hin und wieder eine seiner zahlreichen Masken herunterzureißen bemüht sein, die zu tragen ihn ein Dresdener Anwalt vor manchen Jahren gelehrt hat.

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Es freut mich zu lesen, dass The Cathwalk einen solchen Erfolg hat und ich empfinde die Beiträge als sehr bereichernd. Gerade auch, wenn die eigene Einstellung herausgefordert wird; vor allem aber, weil eine große Bandbreite an Themen abgedeckt wird.

    Ad multos annos!

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