The Cathwalk

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Kristina Ballova: Die Frau mit Eigenschaften

Kristina Ballova hat einen eignen Blog gegründet. „Frau mit Eigenschaften“ heißt er und sie schreibt darin über Mode, Reisen und Lifestyle ebenso wie über Kunst, Kultur und Glaube. Robert Musil beschrieb in seinem berühmten Roman den „Mann ohne Eigenschaften“, den beliebigen, beflissenen und belanglosen Streber. Männer ohne Eigenschaften gibt es leider viele. Frauen mit Eigenschaften sind individuell, innovativ und inspirierend. Kristina ist so eine Frau! The Cathwalk hat sie im Sommer getroffen und ihr ein paar Fragen zu ihrem Projekt gestellt.

Liebe Kristina, überforderst du mit sinnlichen Bildern vom Canale Grande in Venedig und Artikeln über Melania Trump eigentlich absichtlich den typisch biedermeierlich-spröden deutschsprachigen Katholiken, der viel lieber über Freimaurer, den kommenden Weltuntergang und die jüngste Gesangsleistung seines örtlichen Kirchenchores diskutiert? Ist dein Blog mehr ars gratia artis, oder verfolgst du eine Mission und ein Ziel?

Ja, ich überfordere gern. Nicht als Selbstzweck, sondern als Anregung zum Denken. Gerade bei den von Dir angesprochenen konservativen Katholiken ist das wichtig; sie sind oft gut gebildet, aber denken bisweilen sehr eng. Da kann etwas Provokation inspirierend sein: Speak in extremes, it will save you timetextete David Bowie. Beim persönlichen Blog ist auch etwas Selbstdarstellung unverzichtbar. Dabei achte ich darauf, mir selbst treu zu bleiben. Von einer „Mission“ kann ich noch nicht sprechen, da sich „Frau mit Eigenschaften“ in den nächsten Monaten erst herauskristallisieren muss. Es verläuft noch spontan und spielerisch, und ich bin selbst gespannt, was herauskommen wird.

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Überfordert gerne: Kristina Ballova

Wesentliche theologische Prägungen hast du im Zisterzienserstift Heiligenkreuz bekommen. Welche Erlebnisse, Aufenthalte und Lektüren haben sonst noch dein Denken geprägt?

Spirituell bietet Heiligenkreuz fast alles. Dies wird mir immer klarer. Zu viel Theologie als rein intellektuelle Tätigkeit benebelt den Verstand und schwächt den Glauben. Die Hochschule in Heiligenkreuz legt viel Wert auf Spiritualität, Liturgie und Gebet. Das ist dort das Fundament der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Gott. In Wien und Dresden vermisse ich das. Balthasars „kniende Theologie“ überzeugt mich mehr als eine Theologie, die nur von den Menschen und nicht mehr von Gott spricht.

Geprägt wurde ich in meiner katholischen Familie als ältestes von acht Geschwistern, aber auch im bischöflichen Internatsgymnasium in Nitra. Der gelebte Glaube ist eine gute Schule. Die Philosophie habe ich bei Kierkegaard entdeckt, für ihn habe ich geschwärmt. Inspirierend sind für mich Menschen mit Brüchen im Leben, über die sie reflektieren. In der Theologiegeschichte fällt mir dazu Abelard ein. Aber es gibt die Abelards auch in der Gegenwart. Wir pflegen Kontakte zu sehr verschiedenen Typen, mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen und Prägungen. Das bringt uns voran. Wichtig ist, sich immer wieder selbst neu zu erfinden, sagt Karl Lagerfeld, aber dazu muss man eben wissen, was dieses „sich“ ist. Ich hoffe, es gelingt mir.

Bilder: Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Spirituelles Zentrum seit 1133.

Wie denkst du über Liturgie als besonderes ästhetisches Signum unseres katholischen Glaubens? Bist du eine Verfechterin der tridentinischen Messe? Oder sieht man dich sonntags eher wie Ministerpräsident Tillich in der Dresdner Hofkirche?

Über alte und neue Messe habe ich vor meiner Zeit in Heiligenkreuz nie nachgedacht. In der Slowakei hatten wir eben die Heilige Messe, das war die nachkonziliare. Ich habe sogar Gitarre in der Schulmesse gespielt. Mit meiner Familie sind wir manche Jahre täglich zur Messe gegangen und waren dabei sehr fromm.

Entdeckt habe ich die tridentinische Messe zum ersten Mal in Heiligenkreuz durch Pater Dominicus, der sie im alten Zisterzienser Ritus zelebrierte. Diese Art von Liturgie war das, wonach ich mich innerlich lange sehnte. Es ist aber für mich keine Glaubensfrage. Ein offenes Herz schätze ich mehr als makellos durchgeführte Riten.

Dresden fühlt sich manchmal wie eine religiöse Wüste an. Sonntags sieht man uns in der Regel in der Hofkirche. Als ein ästhetisches und spirituelles Erlebnis würde ich das nicht einstufen, aber immerhin trifft man die bürgerliche Gesellschaft und meinen Yoga-Lehrer. Wenn wir liturgisch auftanken wollen, fahren wir nach Prag. Dort zelebriert ein Theologieprofessor tridentinisch, der in seinem ganzen Auftritt und Wesen das alte, katholische Europa verkörpert. Er hat auch unseren Sohn Sixtus getauft. In der Osternacht hatte er drei französische Patres vom Institut Christus König eingeladen, die ein levitiertes Hochamt zelebrierten; wir hatten alle Gänsehaut.

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Bildquelle: Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Spirituelles Zentrum seit 1133.

Stört es dich, mit Maximilian Krah in Verbindung gebracht zu werden? Was müsste ein Mann für körperliche und intellektuelle Fähigkeiten haben, den du heiraten würdest?

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Familienglück mit Sohn Sixtus

Nein, es stört mich nicht. Er ist ein toller Mann, auch wenn es kaum jemand außer ihn schafft, mich wütend zu machen. Liebe bedeutet für mich Eins sein zu wollen. Zu verstehen, was der andere macht, was ihn treibt, Gemeinsames zu schaffen. Das heisst nicht, dass ich ihn nie skeptisch betrachte. Frau mit Eigenschaftenist mein Projekt, da gehe ich meinen eigenen kreativen Weg. Klar frage ich ihn auch nach einer Meinung und schätze ihn vor allem als Fotografen. Er hat ein Auge für mich, da mich auch keiner sonst so kennt. Meine Sehnsüchte, Leidenschaften, aber auch Nöte.

Ein Mann, den ich heiraten würde, muss stark sein, um mich auszuhalten. Und darf mich nicht langweilen. Das ist das Wichtigste. Was das Körperliche angeht, bin ich nicht festgelegt. Ich mag Maximilian als den sehr großen Mann im Anzug, dessen Gesicht man sich merkt, aber diese Sachen sind zweitrangig. Es um Charisma und Intellekt, Momente, in denen man merkt, dass die Herzen im gleichen Rhythmus schlagen. Den Glauben an Gott möchte ich bei ihm auch nicht missen.

idsfhdsafhdioWenn man deine Artikel zum Thema Mode liest, merkt man, dass es dir ein Anliegen ist, Mode aus der versnobten und allzu exklusiven Ecke herauszuholen. Was empfiehlst du Frauen, die mit ihrem Äußeren total unzufrieden sind und es deshalb aufgegeben haben, sich chic zu kleiden? Was empfiehlst du Frauen, die sich gerne chic anziehen würden, denen es aber am nötigen Kleingeld mangelt?

Wer mit seinem Äußeren unzufrieden ist, sollte eine kleine Veränderung wagen. Eine andere Frisur, vielleicht eine neue Sportart, die zu einem besseren Körperbewusstsein führt und die Figur formt. Eleganz beginnt mit sich selbst, nicht mit Kleidung. Wenn es um den Kleiderschrank geht, empfehle ich in hochwertige Basics zu investieren. Das Beste ist, anders zu sein und kreativ zu kombinieren. Dann hat man einen eigenen Stil und steht nicht im direkten Vergleich mit wohlhabenden Mädchen.

Was für Pläne hast du beruflich in der nächsten Zeit? Sehen wir dich in ein paar Jahren als selbstbewusste Hausfrau, EKD-Bischöfin oder Politikerin im Europaparlament?

Als Mutter eines Kleinkindes kann ich zwar viele Pläne haben, aber der Alltag erlaubt wenig davon umzusetzen. So sehr ich es genieße, mich ganz intensiv um Sixtus zu kümmern, weiß ich doch, dass es mich nicht dauerhaft ausfüllen wird. Kurzfristig stehen mein Studienabschluss und die Entwicklung von „Frau mit Eigenschaften“ an. Der Blog ist meine Visitenkarte und mein Bewerbungsschreiben für die Aufgaben, die auf mich warten, ohne dass ich sie heute schon kennen würde.

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  1. Isabelle

    https://www.facebook.com/femmeapart/?fref=ts

    „Femme à part“, auch eine Seite für Frauen mit Eigenschaften…

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