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Gedicht zum Sonntag – „O trübe diese Tage nicht“ von Theodor Fontane (1819-1898)

O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
Daß so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz.

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn’ uns jede Stunde ganz.

theodor_fontaneTheodor Fontane (1819-1898) wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Heimatstadt frequentierte er von 1833 bis 1836 die Gewerbeschule in Berlin; von 1836 bis 1840 absolvierte er eine Ausbildung zum Apothekergehilfen. Seine ersten Gedichte und Erzählungen veröffentlichte Fontane 1839/40. In den folgenden Jahren war er außerdem in seinem gelernten Beruf tätig. Von 1844 bis 1865 war er Mitglied des literarischen Sonntags-Vereins in Berlin „Tunnel über der Spree“. Fontane setzte seine pharmazeutischen Studien fort und bestand 1847 das Staatsexamen. Er beteiligte sich aktiv an der Märzrevolution 1848. Seine Tätigkeit als Apotheker gab er 1849 zugunsten der schriftstellerischen Tätigkeit auf. Fontane war anschließend als Lektor und Journalist, u.a. in London, tätig. Von 1856 bis 1858 arbeitete er als Presseattaché an der preußischen Botschaft in London. 1861 veröffentlichte er die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. 1876 wurde Fontane Erster Sekretär der Berliner Akademie der Künste. 1878 veröffentlichte er seinen ersten Roman „Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812-1813“. 1890/91 erschienen seine „Gesammelten Romane und Novellen“. 1897 wurde Fontanes letzter Roman publiziert, „Der Stechlin“. Theodor Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Quelle: Britta Dörre, zenit.org

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