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„Gilmore-Clinton“ – Das Ende vom Ende

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(The Cathwalk) Schließlich fragt sich der werteorientierte Zuschauer, ob es nicht auch einen Trump-Effekt im Broadcasting geben könnte: Heutzutage muss man sich nicht mehr mit dem selbstreferenziellen Establishment-Klüngel Washingtons zufrieden geben. Warum dann noch länger die Serien konsumieren, in denen Clinton & Co. ihre neuesten gesellschaftspolitischen Säue durchs Dorf treiben?

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Lorelai und Rory Gilmore sind zurück! | Bild: Netflix

Eine Cathwalk-Rezension der neuen Gilmore Girls Kulturserie

„Der Garderobenständer!“ – „Die Fische fliegen bei Nacht!“

„Warum rennen wir?“ – „58 Plätze, 62 Koreaner!“

„Oi, was für ein Pudel ist das?“

„Pass auf, sonst wirst Du noch wie Deine Mutter!“ – „Zu spät;-)“

Waren das noch Zeiten mit Lorelai, Rory, Luke, Emily und all den Bewohnern von Stars Hollow – spritzig, witzig und mit viel Charme. Eine voller Liebe und Verständnis geprägte Mutter-Tochter-Beziehung, eine Stadt voll individueller und eigensinniger Menschen, die sich jedoch alle einander sehr zugetan sind und denen es nie an Humor und Überraschung mangelt. Natürlich gibt es im Leben der beiden Protagonistinnen – Lorelai und Rory – auch allerlei Hürden zu überwinden. Nichts desto trotz träumt man sich sehr gerne in diese Serienwelt – nach Stars Hollow. Nun waren die meisten Fans leider sehr unzufrieden mit dem Ausgang der Serie:

Rorys langjähriger, attraktiver und liebevoller Freund macht ihr völlig überraschend einen Heiratsantrag. Doch während jedes Mädchen gerne mit ihr getauscht hätte, lehnt Rory den Antrag ab und die beiden trennen sich! Ähnlich verläuft es bei Lorelai: Nach einer überstürzten Heirat mit Rorys leiblichem Vater Christopher lassen sich beide recht schnell wieder scheiden. Beide Hauptpersonen der Serie stehen also am Ende der Serie ohne Mann da, während sämtliche Freunde der beiden den Partner fürs Leben gefunden haben und eine Familie gründeten. Was soll man davon halten? Bei Gilmore Girls ging es doch immer auch um Liebe und Partnerschaft, warum dann alles offen lassen?

Nach jahrelanger Spekulation und schwindender Hoffnung gab es nun endlich die so lang ersehnte Fortsetzung! Die Fans haben auf den 25. November 2016 hingefiebert und jeder hat insgeheim gehofft, Rory käme wieder mit Logan oder wenigstens mit Jess zusammen und schenkt dieser wunderbaren Kultserie ein gebührendes Happy End.

GILMORE GIRLS
GG3: „Stars Hollow 2016: Ein Ort der Kälte?“

Wenigstens sind Luke und Lorelai wieder ein Paar und geben sich sogar am Ende das Ja-Wort. So gab es ein teilweises Happy-End. Doch Rory? Die Arme scheint Logan immer noch sehr zu lieben und er sie. Doch warum werden die Zuschauer derart enttäuscht: Warum trennt sich Logan nicht von seiner Verlobten Odette, deren Rolle man noch nicht einmal besetzt hat? Warum bleibt Rory allein zurück? Das revidiert das Ende der 7. Staffel keineswegs, sondern macht alles nur schlimmer!

Denn einmal von dieser Enttäuschung abgesehen können die neuen Folgen den ersten sieben Staffeln leider nicht das Wasser reichen! Da ist zum einen die berufliche Situation von Rory: Sie war stets eine Eins-A-Schülerin- und -Studentin, war immer ehrgeizig und strebsam. Und nun hangelt sie sich von Job zu Job, hat keinen wirklichen Plan und bleibt am Ende bei der Stars-Hollow-Gazette hängen. Wo bleibt hier der Durchbruch? Und dann diese merkwürdige Geschichte mit ihrem festen Freund Paul. Dieser Mann hat ihr doch gar nichts zu bieten… Soll er einfach nur Verwirrung stiften?

Doch am meisten vermisst man in den neuen Folgen die heimelige und charmante Atmosphäre: Rory, die sehr kühl ist und kaum Gefühle zeigt, die nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, die mit einem Wildfremden ins Bett steigt und die sich kaum für ihre Freunde interessiert. Und Lorelai, die mit fast 50 ein Kind von einer Leihmutter möchte, die mit ihrer Mutter eine eigenartige Therapie versucht, die auf einmal das Bedürfnis verspürt, in der Wildnis allein wandern zu gehen! Michel, der das Dragonfly Inn verlassen will, weil es ihm dort an interessanten Aufgaben mangelt und der plötzlich schwul ist.

Es wurde offensichtlich viel Wert darauf gelegt, Verhältnisse und vergangene Dinge aus den ersten sieben Staffel zu wiederholen und zu bekräftigen, anstatt neue Situationen zu schaffen: Rory, die für einen Unterrichtsvortrag an ihre alte Schule Chilton zurückkehrt; Jess mit seinem Seesack; Rory und Dean, die in Dooses Market zusammenprallen – und bei ihrem ersten Kuss damals hat Rory Soßenbinder geklaut, keine Maisstärke!!! Lane, Zack und ihre Band – hat sich deren Leben so gar nicht verändert? Wo sind die Einblicke in deren Familienleben mit Steve und Quan? Taylor, der ein Musical über die Entstehungsgeschichte Stars Hollow aufführen will (hatten wir schon) – und worum geht es? Um Sex und Inzucht. Die neuen Folgen sind weder charmant noch spritzig, dafür einfach nur billig! Von Leihmutterschaft bis hin zum plötzlich schwulen Michel sind ferner alle Themen vorhanden, die in Hillary Clintons Gesellschaftsentwurf einer sekular-atheistischen USA gepasst hätten. Welcher Fan wünscht sich denn noch in diese Stadt, in der es Rory unangenehm ist, zu leben („Ich bin nicht wieder zurück!“), Sookie und Michel das Weite suchen und Luke immer noch das gleiche Hemd und die gleiche Baseball-Kappe trägt. Naja, immerhin hat er sich neue Speisekarten angeschafft – Mut zur Veränderung! Das Herz von Gilmore Girls hat die Serie schon in der 7. Staffel langsam verblassen lassen, vor allem beim Ende, doch die neuen Folgen zeigen so rein gar nichts mehr von der früheren Herzlichkeit.

Ein Punkt, der viele Fans besonders beschäftigt, sind die letzten vier Worte: „Mom – ich bin schwanger!“ Warum werden wir damit nun völlig im Ungewissen gelassen? Von wem ist sie schwanger (Logan oder gar von diesem seltsamen Paul)? Wie geht es nun weiter? In den ersten sieben Staffeln wäre es niemandem in den Sinn zu gekommen, eine Abtreibung zu befürchten, doch nachdem Rorys Freundin Paris ein Leihmutter-Unternehmen leitet, Lorelai dieses in Anspruch nehmen wollte und Rory völlig kalt neben einem One-Night-Stand mit einem Fremden eine Affäre mit ihrem verlobten Ex-Freund Logan hatte, ist eine solche Befürchtung in einer möglichen Fortsetzung leider nicht mehr von der Hand zu weisen.

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GG4: „Gilmore Girls 1. Staffel: Als es noch Werte wie Mütterlichkeit gab…“

Dieses Alternativ-Ende stellt leider keine Alternative zur 7. Staffel dar, sondern vielmehr das Ende vom Ende. Denn die Serie ist sich selbst nicht treu geblieben. Selbst wenn es eine 9. Staffel geben wird (die Regisseure zeigen sich offen dafür), was kann man sich davon noch erhoffen, wenn man bereits bei diesen neuen Folgen so enttäuscht wurde?Aus der jetzigen Perspektive betrachtet, wäre es besser gewesen, die Serie so zu lassen, wie sie vor 9 Jahren zu Ende ging.

Schließlich fragt sich der werteorientierte Zuschauer, ob es nicht auch einen Trump-Effekt im Broadcasting geben könnte: Heutzutage muss man sich nicht mehr mit dem selbstreferenziellen Establishment-Klüngel Washingtons zufrieden geben. Warum dann noch länger die Serien konsumieren, in denen Clinton & Co. ihre neuesten gesellschaftspolitischen Säue durchs Dorf treiben?

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