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Don Camillo und die Madonna

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von Marco F. Gallina
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Wer sich mit der Filmreihe um Guareschis berühmteste Figuren auskennt, der weiß, dass es zwei Versionen gibt: Gino Cervi und Fernandel spielten ihre Rollen gleich zweimal, die Filme wurden doppelt abgedreht. Warum? Die Frage ist bis heute nicht völlig geklärt, denn Cervi sprach auch in der französischen Version Italienisch, Fernandel Französisch im italienischen Pendant. Fakt bleibt, dass einige Szenen anders modelliert sind; die Aufzählung der Details würde die Bandbreite sprengen. So singen die Kommunisten bei den Franzosen die „Internationale“, bei den Italienern „Bandiera rossa“.
Neben gestalterischen Kleinigkeiten gibt es aber auch Dialoge und ganze Szenen, die der italienischen Version fehlen. Ironischerweise ist die französische die werktreuere, und beinhaltet Aufnahmen, die der italienischen Zensur zum Opfer fielen. Ein Beispiel ist die Beerdigung von Signora Cristina – die alte Königsflagge war noch in den Fünfzigern ein Politikum, weswegen diese nur ganz kurz gezeigt wird; in der französischen Beerdigungsszene wird dem Tuch und dem Leichenzug größerer Platz eingeräumt. Ebenso erschien der Selbstmordversuch des Liebespaares Gino und Mariolino im ersten Film den Sittenwächtern unangemessen; und der Kreuzweg Don Camillos im zweiten Film wurden von einigen Kritikern als mögliche Parodie (und damit: Blasphemie) gewertet, weswegen dieser in der italienischen Version deutlich kürzer ausfällt.
Wer des Italienischen oder Französischen mächtig ist, kann kurz einen Blick in dieses halbstündige Video werfen, welches einige prägnante Beispiele bezüglich des Unterschieds der beiden Filmversionen zeigt:

https://www.youtube.com/watch?v=J52xdXAgKzE?feature=oembed

Bereits daran merkt man, dass die deutsche Version mehrheitlich dem französischen Original folgt. Einige Szenen, die dem italienischen Publikum mehrheitlich unbekannt sind, sind in der deutschen Fassung vorhanden. Unbekannt ist jedoch vielen vermutlich, dass auch der deutschen Version einige Passagen fehlen. Warum diese Kürzungen erfolgten, bleibt ein Rätsel. Dazu gehört neben einer Szene auf dem Rummeplplatz auch die Beerdigungsszene, die wie im italienischen Film kürzer gerät.

Ins Auge fällt aber ein merkwürdiger Schnitt, der vielleicht einigen Zuschauern schon früher aufgefallen ist. In der Episode um „Peppone ist ein Esel“ (im oben verlinkten Video ab 5:05) geschieht nämlich erstaunliches, nämlich ein Detail, das dem italienischen und deutschen Zuschauer womöglich unbekannt ist; üblicherweise nimmt man an, dass Jesus der einzige überirdische Gesprächspartner des filmischen Don Camillo ist. Nicht nur in der italienischen, sondern auch der deutschen Version bricht die Szene nämlich abrupt ab, als Jesus Don Camillo zurechtweist:

https://www.youtube.com/watch?v=qtDMcjWrZwI?start=1644&feature=oembed

In der französischen Version wird das Geheimnis gelüftet: denn der Ausspruch ist kein reiner Hilfe-Anruf. Maria antwortet hier tatsächlich!

https://www.youtube.com/watch?v=J52xdXAgKzE?start=336&feature=oembed

Camillo: „Heilige Jungfrau, komm mir zur Hilfe!“
Maria: „Diese Angelegenheit fällt eindeutig in das Feld meines Sohnes, da darf ich mich nicht einmischen!“
Camillo: „Aber Sie sind seine Mutter …“
Maria: „Gut, ich werde es mal versuchen…“
*

Die Szene wird so auch handwerklich runder. Denn am Anfang der Aufnahme putzt Don Camillo die Krönchen Mariens und des Jesuskindes, bereitet demnach szenisch das Auftreten der Gottesmutter als weitere Darstellerin vor. Schade, dass nur die französische Fassung diesen Zusammenhang wahrt.

___________________
*In der Italienischen Version spricht Jesus dagegen streng, dass Don Camillo nicht andere Leute in die Sache reinrufen solle, die damit nichts zu tun hätten.

 

Marco Fausto Gallina studierte Politik- und Geschichtswissenschaften in Verona und Bonn. Geboren am Gardasee, sozialisiert im Rheinland, sucht der Historiker das Zeitlose im Zeitgeistigen und findet es nicht nur in der Malerei oder Musik, sondern auch in der traditionellen italienischen Küche. Katholische Identität und europäische Ästhetik hängen für ihn dabei unzertrennlich zusammen. Unter den Schwingen des venezianischen Markuslöwen betreibt er seit 2013 sein Diarium, den Löwenblog.

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