Start Kunst & Kultur „Ich denke, die Schönheit hat das Projekt gerettet“

„Ich denke, die Schönheit hat das Projekt gerettet“

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Die Elbphilharmonie ist das architektonische Meisterwerk Hamburgs. Die Kosten sind mehrmals explodiert und das Projekt stand schon vor dem Aus. Die Eröffnung zeigt, dass Schönheit ein Projekt retten kann.

Vorbei die Zeiten der rein pragmatischen Architektur

Schon die Band Rammstein weiß in ihrem Lied „Morgenstern“ zu dichten: „Der Mensch ist doch ein Augentier / Schöne Dinge wünsch ich mir“. Umso erstaunlicher ist es, dass in der Architektur der letzten Jahrzehnten Schönheit keine große Rolle gespielt zu haben scheint. Verständlich wird das, wenn man die Erfahrungen der beiden Weltkriege einbezieht. Vor allem die mörderische Ideologie des Nationalsozialismus missbrauchte Architektur, Pracht und Schönheit um Verbrechen und Völkermord zu begehen. So galt wohl alles als vergiftet, was über pragmatischen Nutzen hinausging – oder man war einfach zu traumatisiert um sich dem Schönen öffnen zu wollen.

Aber Schönheit für sich genommen ist nicht ideologisch, sondern sinnlich. Schönheit spricht den Menschen an, weil er auf Schönheit ausgerichtet ist. Daher ist es nur verständlich, wenn Schönheit auch in der Architektur wieder eine Rolle spielt.

Die Schönheit der Elbphilharmonie

Jacques Herzog, einer der beiden Architekten der neuen Elbphilharmonie sagt im Deutsche Bahn Magazin „Mobil“ (01/2017) : „Ich denke, die Schönheit hat das Projekt gerettet!“ Jeder habe „die ungeheure Verführungskraft dieses Projekts gespürt“. Ähnlich äußert sich sein Projektpartner Pierre de Meuron: „Architektur ist, wenn der Mensch sich angesprochen fühlt. Es geht um Liebe!“ Wenn das das zeitgenössische Architekturverständnis ist, sind wir zurückgekehrt zur Idee der Erhabenheit und Transzendenz und haben eine rein naturalistisch-pragmatische Phase überwunden. Die Geschichte zeigt dann, dass die conditio humana zwar leise aber beständig lebt und sich langfristig gegen alles andere durchsetzt.

Architektur und Ausstattung der Philharmonie

Herzog nennt drei Vorbilder für die Elbphilhamonie: das antike Theater von Delphi, die Sportstadien-Architektur und das Zelt. Das gesamte Gebäude besteht aus einem Sockel und einer gläsernen Dachlandschaft. Es beherbergt zwei Konzertsäle (einen großen und kleinen), ein Hotel und einige Appartements. Während der Große Konzertsaal Platz für über 2000 Gäste bietet, passen 550 in den kleinen. Hotel und Wohneinheiten sind natürlich im Bereich der Superlative. Was die Akustik angeht, so strebt die Elbphilharmonie an zu den besten Konzerthäusern der Welt zu gehören. Dazu hat der Japaner Yasuhisa Toyota den Raumklang des Großen Saals am Computer mit 3-D-Modellen berechnet.

Die Elbphilharmonie will Hamburg stolz machen, ihr eine musikalische und künstlische Seele geben – und das scheint gelungen zu sein.

Links:

Homepage der Elbphilharmonie

Deutsche Bahn Magazin „Mobil“

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