Von Stefan Ahrens, Bistum Regensburg

Kaum ein Heiliger wird so gefeiert wie er: Der hl. Patrick von Irland (385–461). Am 17. März, dem „St. Patrick´s Day“,  gehen Millionen von Menschen weltweit auf die Straße und nutzen den Gedenktag des Heiligen von der Grünen Insel um Feierlaune und Lebensfreude zu verbreiten. Eigentlich ist dieser Tag dafür da, des hl. Patricks, der Christianisierung Irlands und der irischen Kultur zu gedenken. Dennoch man darf ruhig annehmen, dass die meisten Feiernden an diesem Tag weder römisch-katholische Christen noch Iren sind.

Grüne Insel und Kirche: Durch das Wirken des hl. Patricks und seiner Schüler ist Irland seit dem 5. Jahrhundert christlich.

Wer hinter all diesen Aktivitäten jedoch meist in denn Hintergrund rückt ist der Heilige selbst. Wer also war der heilige Patrick, der scheinbar im Alleingang innerhalb von 30 Jahren Irland zum christlichen Glauben bekehrte?

(Auto-)Biographie eines Heiligen: Das „Bekenntnis“ des hl. Patrick.

Die erste Überraschung für manche ist, dass der hl. Patrick gar kein Ire war – sondern ein Brite römischer Abstammung.  In seiner rund 50seitigen Autobiographie „Bekenntnis“ („Confessio“, die sie hier komplett nachlesen können), tritt er als demütiger, sich selbst nicht besonders wichtig nehmender Christ in Erscheinung. Er gilt als großer Verteidiger des trinitarischen Gottes, seine Spiritualität erinnert an die der frühesten Mönche des Christentums, der Wüstenväter.

In dieser Autobiographie erwähnt er, dass sein Vater ein Gut in der Nähe des Dorfes Bannavem Taberniae besass. Als Sechzehnjähriger wurde Patrick – der damals noch Succat hiess – vom irischen König Niall of the Nine Hostages verschleppt und in die Sklaverei verkauft, wo er sechs Jahre lang als Hirte am Berg Slemish im County Antrim diente. Die Insel war im 5. Jahrhundert von einzelnen kriegerischen Keltengruppen besiedelt, die von fünf Stammeskönigen mit eiserner Faust regiert wurden. Selbst die römischen Eroberer Britanniens hatten sich nicht so weit vorgewagt, von vereinzelten Händlern und Abenteurern einmal abgesehen.

Nach sechs Jahren konnte Patrick seinem Herrn Milchu entfliehen  und nach Britannien zurückkehren. Dort hatte er einen bedeutsamen Traum, in dem er von der Stimme Irlands aufgefordert wurde, als christlicher Missionar zurückzukehren. Daraufhin ging er nach  Frankreich, wo er im Kloster Auxerre bei Paris das Christentum studierte und später zum Priester geweiht wurde. Im Jahr 432 wurde er als Bischof Patricius vom Papst nach Irland entsandt, um das missionarische Werk seines Vorgängers Bischof Palladius fortzusetzen. Patrick und seine Schüler scheinen in den zwei bis drei Jahrzehnten ab 432 n. Chr. in fast alle Ecken von Irland gereist zu sein. Ende des 5. Jahrhunderts schließlich war Irland zu einer christlichen Nation geworden.

Brückenbauer zwischen den Konfessionen: Warum auch orthodoxe Christen den hl. Patrick verehren

Und wie der hl. Patrick an seinem Ehrentag auch scheinbar mühelos unterschiedlichste Menschen zusammenbringen kann, gelingt ihm dieses auch in der Ökumene. Denn auch orthodoxe Christen verehren den Heiligen aus Irland.

Woran liegt das?

Ein Heiliger, der aus der noch ungeteilten Christenheit stammt: Der hl. Patrick von Irland.

Nach dem Schisma von 1054 zwischen östlichem und westlichem Christentum blieb es weiterhin üblich, die vor dem Schisma ernannten gemeinsamen Heiligen auch weiterhin zu verehren. Die katholische Kirche gedenkt  auch weiterhin großer Heiliger der Ostkirche wie Johannes Klimakos, Maximus Confessor oder Symeon dem Neuen Theologen – umgekehrt hat auch die Orthodoxie lateinische Heilige wie Ambrosius von Mailand, Irenäus von Lyon, Gregor den Großen oder Johannes Cassian in ihren Heiligenkalendern verewigt.

Und zum anderen möchte man mit der Beibehaltung der gegenseitigen Verehrung der vor-schismatischen Heiligen auch an die ungeteilte Christenheit des ersten Jahrtausends sowie an die damalige Einheit der Tradition in Ost und West erinnern.

Der hl. Patrick ist aus orthodoxer Sicht ein Heiliger, der diese Einheit der ungeteilten Christenheit in Lehre und Spiritualität verkörpert. Deshalb hat vor wenigen Tagen der heilige Synod der Russisch-orthodoxen Kirche beschlossen, ihn in diesem Jahr an seinem Gedenktag erstmals liturgisch zu ehren.

Ein Grund mehr zum Anstoßen am St. Patrick´s Day – und vielleicht auch mal ein Anlass, nach dem „wahren“ St. Patrick Ausschau zu halten!

Am 17. März, dem „St. Patrick´s Day“, gehen Millionen von Menschen weltweit auf die Straße und nutzen den Gedenktag des Heiligen von der Grünen Insel um Feierlaune und Lebensfreude zu verbreiten.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de

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