Von Josef Jung

(The Cathwalk) Die „Kultur des Lebens“ ist das große Programm, das der hl. Johannes Paul II. während seines Pontifikates entwickelte. Auch der derzeitige Papst Franziskus führt dieses mit neuen Schwerpunkten fort. Es geht um ein ganzheitliches Programm, das alle Bereiche des Denkens und Handelns danach prüft, ob sie dem Leben dienen.

Die Enzyklika „Evangelium vitae“ von 1995

Alle Mitglieder der Kirche, des Volkes des Lebens und für das Leben, lade ich ganz dringend ein, miteinander dieser unserer Welt neue Zeichen der Hoffnung zu geben, indem wir bewirken, daß Gerechtigkeit und Solidarität wachsen und sich durch den Aufbau einer echten Zivilisation der Wahrheit und der Liebe eine neue Kultur des menschlichen Lebens durchsetzt.

– So der Papst in der Enzyklika „Evangelium vitae“, in der die Kultur des Lebens im Zentrum steht. Der Papst grenzt diese Kultur von der des Todes ab.

Was prägt die Kultur des Lebens?

„Das Evangelium vom Leben ist eine konkrete und personale Wirklichkeit, weil es in der Verkündigung der Person Jesu selber besteht“, so der Papst in derselben Enzyklika. Folgende Kennzeichen sollen die Lebenskultur fördern oder machen sie aus:

  • Verkündigung des Evangeliums
  • Bewusstwerden der Berufung als „Volk des Lebens“
  • Achtung jedes menschlichen Lebens
  • Kultur der Solidarität
  • „»Lebt als Kinder des Lichts… Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis« (Eph 5, 8. 10-11)“
  • kontemplative Sichtweise: „Glauben an den Gott des Lebens, der jeden Menschen geschaffen und wunderbar gestaltet hat“ (vgl. Ps 139 2, 14)

Die Kultur des Lebens setzt eine Umkehr voraus. Wichtig ist die Selbstliebe, wie sie in Psalm 139 geäußert wird: »Ich danke dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke« (Ps 139 4, 14). Auf dieses Ja zum eigenen Leben folgt das Ja zum anderen. Der Papst ermutigt einen „Tag für das Leben“ einzuführen:

„Sein wesentliches Ziel ist es, in den Gewissen, in den Familien, in der Kirche und in der zivilen Gesellschaft das Erkennen des Sinnes und Wertes zu wecken, den das menschliche Leben zu jedem Zeitpunkt und unter jeder Bedingung hat; in das Zentrum der Aufmerksamkeit soll dabei besonders das schwerwiegende Problem von Abtreibung und Euthanasie gerückt werden, ohne jedoch die anderen Augenblicke und Aspekte des Lebens zu übergehen, die je nachdem, was die geschichtliche Entwicklung nahelegt, jeweils aufmerksame Beachtung verdienen.“

Die Solidaritätskultur setzt voraus, sich für die Einsamen, Kranken, Drogenabhängigen und all diejenigen einzusetzen, die am Rande stehen und ausgegrenzt werden. Auch die Familie als Keimzelle der Gesellschaft muss besondere Beachtung finden:

„Die Familie wird in die gesamte Lebensspanne ihrer Mitglieder hineingezogen, von der Geburt bis zum Tod. Sie ist wahrlich »das Heiligtum des Lebens…, der Ort, an dem das Leben, Gabe Gottes, in angemessener Weise angenommen und gegen die vielfältigen Angriffe, denen es ausgesetzt ist, geschützt wird und wo es sich entsprechend den Forderungen eines echten menschlichen Wachstums entfalten kann«. Darum ist die Rolle der Familie beim Aufbau der Kultur des Lebens entscheidend und unersetzlich.“

Die Familie soll als Hauskirche das Evangelium vom Leben verkünden.

Keine Demokratie ohne die Anerkennung der menschlichen Würde

Der Papst beendet den Hauptteil mit einer Aufforderung, das Leben zu verteidigen:

Es kann in der Tat keine echte Demokratie geben, wenn nicht die Würde jeder Person anerkannt wird und seine Rechte nicht respektiert werden. Und es kann auch keinen wahren Frieden geben, wenn man nicht das Leben verteidigt und fördert. Daran erinnerte Paul VI.: »Jedes Vergehen gegen das Leben ist ein Attentat auf den Frieden, besonders wenn dabei die Sitten des Volkes verletzt werden Wo aber die Menschenrechte wirklich ernst genommen und öffentlich anerkannt und verteidigt werden, dort kann der Friede zu einer Atmosphäre werden, in der sich das soziale Zusammenleben glücklich und wirkungsvoll entwickelt«.

Das »Volk des Lebens« freut sich, seinen Einsatz mit vielen anderen teilen zu können, so daß das »Volk für das Leben« immer zahlreicher wird und die neue Kultur der Liebe und Solidarität wachsen kann zum wahren Wohl der Gesellschaft der Menschen.“

Zum Weiterlesen: EVANGELIUM VITAE

 

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