Gedicht zum Sonntag – „Wann kommst du, Morgenwind“

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„Die Nacht“ von Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Wie schön, hier zu verträumen die Nacht im stillen Wald
Wenn in den dunklen Bäumen das alte Märchen hallt.
Die Berg‘ im Mondesschimmer wie in Gedanken stehn,
Und durch verworrne Trümmer die Quellen klagend gehn.

Denn müd ging auf den Matten die Schönheit nun zur Ruh,
Es deckt mit kühlen Schatten die Nacht das Liebchen zu.
Das ist das irre Klagen in stiller Waldespracht,
Die Nachtigallen schlagen von ihr die ganze Nacht.

Die Stern gehn auf und nieder – wann kommst du, Morgenwind,
Und hebst die Schatten wieder von dem verträumten Kind?
Schon rührt sich’s in den Bäumen, die Lerche weckt sie bald –
So will ich treu verträumen die Nacht im stillen Wald.

Joseph (Karl Benedikt von Eichendorff (1788-1857) wurde am 10. März 1788 bei Ratibor in Oberschlesien geboren und wuchs auf Schloss Lubowitz auf. Ab 1800 führte der junge Eichendorff Tagebuch und unternahm erste schriftstellerische Versuche. Nach dem Besuch des katholischen Gymnasiums in Breslau studierte er von 1805 bis 1806 Rechtswissenschaften in Halle, von 1807 bis 1808 in Heidelberg. 1809 kehrte er nach einer Reise, die ihn nach Paris und Wien geführt hatte, auf das väterliche Gut zurück. Sein Studium schloss er schließlich 1812 in Wien ab. Nach der Teilnahme an den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 trat Eichendorff 1816 in den Staatsdienst ein, der ihn nach Breslau, Danzig, Königsberg und 1831 nach Berlin führte. Hier wurde er für das Kulturministerium tätig. 1841 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. 1844 ging er auf eigenen Wunsch in Pension. 1846 unternahm er erneut eine Reise nach Wien. Joseph von Eichendorff starb am 26. November 1857 in Neisse, wo er sich 1855 niedergelassen hatte. Eichendorff gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Romantik. Seine große Heimatverbundenheit zeigt sich in vielen seiner Werke, so z.B. in „Schloss Dürande“ aus dem Jahr 1837.

Quelle: Britta Dörre, zenit.org

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