„Jedem von uns ist diese Mutter geschenkt“

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Das etwa 73 cm große Gnadenbild, aus Lindenholz geschnitzt, ist eine Marienstatue, die das Jesuskind auf dem linken Arm trägt. Der rechte Fuß zertritt den Kopf der Schlange, und zu ihren Füßen liegt der sichelförmige Mond. Die Statue stammt wahrscheinlich aus Montaigu in Belgien.
Das etwa 73 cm große Gnadenbild, aus Lindenholz geschnitzt, ist eine Marienstatue, die das Jesuskind auf dem linken Arm trägt. Der rechte Fuß zertritt den Kopf der Schlange, und zu ihren Füßen liegt der sichelförmige Mond. Die Statue stammt wahrscheinlich aus Montaigu in Belgien.

Die Jahrhunderte alte Kraft des Trosts der luxemburgischen Muttergottesoktav

Von Pit Rasque

Ab diesem Samstag wird in Luxemburg wieder eine Tradition begangen, die nunmehr seit über 350 Jahren zum festen Bestandteil der luxemburgischen Kultur und darüber hinaus gehört: Das katholische Volk des jetzigen Großherzogtums und das des ehemaligen Herzogtums, i.e. die unmittelbaren Grenzregion, pilgert während der zweiwöchigen sog. „Muttergottesoktav“ nach Luxemburg-Stadt, um das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ zu verehren.

An dieser Wallfahrt, die im Zuge der Pestepidemien des 17. Jahrhunderts von den Jesuiten in Luxemburg begründet wurde und seitdem ununterbrochen jedes Jahr vom dritten bis zum fünften Ostersonntag begangen wird, zeigt sich eindringlich wie sehr der Glaube und die Volksfrömmigkeit die luxemburgische Kultur und Geschichte mitbestimmten und dies immer noch tun. Jährlich steigende und bis in die zehntausende reichende Pilgerzahlen, künden von einem scheinbar nie dagewesenen Interesse an Kirche, Glaube und Spiritualität.

Angesichts der auch in Luxemburg vorherrschenden Situation von immer leerer werdenden Kirchen und immer älter werdenden Kirchenbesuchern scheint diese Aussage zunächst überraschend, ja irgendwie absurd. Und doch – die Zahlen lügen nicht und auch bei der täglich stattfindenden Bildreportage handelt es sich nicht um „Fake News“. Was aber bewegt die Menschen von nah und fern zur Wallfahrt in den Luxemburger Mariendom – oder um es mit den Worten des diesjährigen Oktavpredigers auszudrücken – „hinaus zu ziehen“, um eine in Brokatgewänder gehüllte Mondsichelmadonna aus Lindenholz zu besuchen?

Da ist auf der einen Seite sicher das Argument der Tradition. Man macht es, weil es immer gemacht wurde und weil es irgendwie dazu gehört. Und da ist ja auch noch der die Kathedrale angrenzende Markt. Man geht in die Kirche, schmettert einen oder mehrere luxemburgische Marienschlager, besucht den Markt und eine seiner zahlreichen Imbissbuden und begibt sich dann wieder auf den Nachhauseweg. Man fühlt sich in seiner luxemburgischen Eigenart bestärkt und hat sein alljährliches Pensum erfüllt.

Das allein erklärt das Phänomen jedoch nicht ausreichend.

Es ist tatsächlich das Beispiel des mutigen und auf Gott vertrauenden Mädchens aus Nazareth. Die Allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria ist durch ihr bedingungsloses „Ja“ zu Gott in einer für sie ungewissen Situation gerade heute und mehr denn je ein sichtbares Vorbild für jeden von uns. Mehr noch: Ihr mutiges, optimistisches „Ja“, das sie nicht nur Freude, sondern auch unsägliches Leid erfahren ließ, macht es erst möglich, dass Maria zur Trösterin aller werden konnte. Somit steckt in dieser behäbig und unzeitgemäß anmutenden Verehrung „Trösterin der Betrübten“ weit mehr als nur der Aspekt des Trosts in schweren Zeiten: Es ist vor allem eine positive und zeitlose Aussage des Gottvertrauens. Es ist ein Aufruf des Mutes und ein Aufruf, der Mut macht.

Gerade in den letzten Tagen, Wochen und Monaten, in denen theologische Debatten und verhärtete Fronten in den verschiedensten Medien und Plattformen aufeinanderprallten und nicht selten bis hin zur persönlichen Beleidigung eskalierten, steht Maria, die „Trösterin der Betrübten“ vor uns. Die Landespatronin Luxemburgs wird dahingehend zur Patronin von uns allen. Sie „erinnert uns in all unseren Nöten und Schwierigkeiten, dass Gott immer an unserer Seite steht. Das macht Mut (Wolfgang Fleckenstein).“

Pit Rasque ist einer der letzten Mohikaner der luxemburgischen Laientheologie. Gebürtig in Luxemburg, setzt er nach seinem Bachelor der Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg dort sein Magisterstudium fort. Er ist Mitglied des Religiösen und Militärischen Konstantinischen St-Georgs-Ordens und der K.D.St.V. Hercynia Freiburg.

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