Start Allgemein Transdanubien – Wiens dunkle Seite der Macht

Transdanubien – Wiens dunkle Seite der Macht

von John Galt

Wien liegt ja eigentlich gar nicht an der Donau, sondern bei der Donau; das hängt mit der Tatsache zusammen, dass die Donau mit ihren zahlreichen nebenarmen häufig Hochwasser führte und die Stadt Wien deshalb auf einer sicheren Terrasse am Südwestufer der Donau angelegt wurde. Um 1600 verlagerte sich der Hauptarm der Donau mehr in den Osten und man begann den näher an der Stadt gelegenen Arm erstmals zu regulieren, woraus schließlich der heutige Donaukanal entstand. Wer also heute durch die Wiener Innenstadt flaniert und sich beispielsweise bei der Urania in der Strandbar Herrmann, der Summerstage oder den Blick vom Le Loft auf die Wiener Innenstadt genießt, sieht mitnichten die Donau zu seinen Füßen liegen.


Diese befindet sich wie gesagt weiter östlich und ist auch eher grau als blau. Jenseits des Donauufers befinden sich die Wiener Stadtbezirke Floridsdorf und Donaustadt. Diese werden im Allgemeinen auch (in Anlehnung an  die ungarische Bezeichnung Dunántúl für alle Gebiete rechtsseitig der ungarischen Donau) Transdanubien oder sei den letzten Jahren auch schlicht „Mordor“ genannt.

Ein durchwachsenes Gefühl durchfährt den Wiener, wenn er an Transdanubien denkt: Fernab von Ringstraße, Hofburg, Staatsoper, Kaffeehauskultur und Walzerdelirium liegt sie, eine Welt ohne Falco, Hochkultur und Wiener Schmäh. Doch was hat es auf sich mit dieser anderen Seite des Donauufers?

Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden die beiden Bezirke Transdanubiens nach Wien eingemeindet und in verschiedenen Epochen wuchsen diese Schritt für Schritt. Stationen waren der intensive Bau von Gemeindebauten in der ersten Republik, die Ansiedelung der UNO und damit verbundener Hochhäuser wie der Donau-City oder in den letzten Jahren der Bau eines völlig neuen Stadtteils, der Seestadt Aspern.

Trotz zahlreicher Versuche die Lebensqualität stadtplanerisch dort zu erhöhen, bleibt es dennoch ein überwiegend von Neubauten und Trabantenstädten geprägter teil der Stadt. Freilich, es gibt viel Grün. Freilich in Floridsdorf sind auch einige Heurige zu verzeichnen. Und freilich, gerade am Donauufer ist mit der Copa Kagrana eine Art Donaustrand entstanden und auch die Freizeitmöglichkeiten an der Alten Donau reichen vom Segeln bis Sonnen und decken die gesamte Bandbreite des Sommers ab. Und natürlich fand in Transdanubien auch die berühmte Schlacht von Aspern statt, in welcher es erstmals gelang, Napoleon zu schlagen. Und auch filmisch bereitet Transdanubien im „Kaisermühlen-Blues“ oder in verschiedenen Folgen der Dokumentationsserie „Alltagsgeschichten“ einen faszinierenden Einblick in das Leben der Wiener kleinen Leute.

Dennoch: Wer im 57 Stock des neuen DC Towers in der Bar des Melia Hotels sitzt und von der falschen Seite über die Donau auf  die Wiener Innenstadt schaut genießt zwar eine herrliche Aussicht. Aber er merkt doch, dass er eigentlich nicht in Wien ist. Darauf rasch noch einen Drink und zurück über die Donau in die Stadt. Dort wie es Topfenstrudel, Kaiserschmarrn und Walzer-Delirium gibt und man entrückt von der Hässlichkeit der Welt ist. Man bringe den Spritzwein!

Wer ist John Galt?

John Galt heisst natürlich nicht wirklich John Galt. Er greift mit diesem Synonym auf das Buch „Atlas Shrugged“ von Ayn Rand zurück. Von Wien – der Hauptstadt der Gegenreformation – aus, behandelt er Fragen im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Religion, aber auch von Ästhetik, Kunst und Kultur oder einfach nur einem katholischen Alltag zwischen Messe, Punsch und Schnitzel.

3 KOMMENTARE

  1. Interessante Frage. Weshalb findest Du, daß Atlas Shrugged ein dem Christentum zutiefst entgegengesetztes Werk ist? Ich habe Kapitalismus und Liberalismus immer als etwas zutiefst katholisches wahrgenommen: Siehe Mt. 20, 15 „Schliesslich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich grosszügig bin?“.

    • Darauf könnte man einen längeren Kommentarschreiben.

      Ich mach’s mal kurz, ist wohl eh besser:

      Der Kapitalismus (genauer: die Institution des Privateigentums) und der wirtschaftlichen Liberalismus: ist katholisch, ja. Zumindest zum Teil bzw. auch und vermutlich.

      Was aber jedenfalls nicht katholisch ist, ist der Sozialdarwinismus und der nietzscheanische Übermenschenkult, und, was schlimmer als Übermenschenkult ist, die Exterminationsgelüste gegenüber den Untermenschen.

      Einmal zu schweigen von der im Buch geschilderten sexuellen Unmoral, die viel schlimmer ist als ginge sie nur um Fehltritte, die irgendwo auch Spaß machen, sondern das wird positiv als Errungenschaft gefeiert(mit den richtigen Leuten), der offenkundig mit Nachwuchs inkompatiblen Welt; dann von (dafür fällt mir wirklich kein anderes Wort ein:) primitiven Gemeinheiten der Autorin wie z. B. der, unseren geliebten Chesterton [leicht erkennbar unter dem Alias Gilbert Keith-Worthing] für ein Kapitel lang aus dem Ärmel hervorzuziehen, um ihn eine verzerrte Form seiner Philosophie wiedergeben zu lassen und ihn dann mit sichtlichem Genuß zu vergasen, usw.

      Es ist sehr bedauerlich, daß mit zunehmendem Zeitablauf immer mehr konservativ-libertär Gesinnte die Behauptung der Autorin, sie und die ihr ganz Gleichgesinnten verteidigten allein den Kapitalismus und jeder Gegner gehöre zu der von ihr als Plünderern verschrieenen Gruppe, ungeprüft hinnehmen und dadurch im Grunde genommen ihrer eigenen Partei Eigentore schießen.

      (Mich persönlich hat übrigens genau das davon überzeugt, daß die Idee hinter einem Index Librorum Prohibitorum doch etwas für sich hatte und nicht einfach nur römische Paranoia oder aber etwas für die ganz Ungebildeten war.)

      In der Erscheinungszeit sah man das noch anders, und dieser Rezension ist wenig hinzuzufügen: http://www.freerepublic.com/focus/f-religion/2705853/posts

  2. Nicht zum Artikel… aber:

    >>Von Wien – der Hauptstadt der Gegenreformation – aus, behandelt er Fragen im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Religion, aber auch von Ästhetik, Kunst und Kultur oder einfach nur einem katholischen Alltag zwischen Messe, Punsch und Schnitzel.

    Das klingt sehr sympathisch und katholisch. Wie man sich dann nach dem Helden eines zutiefst dem Christentum entgegengesetzten Machwerks nennen kann, ist mir schleierhaft.

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