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Priesterbruderschaft St. Petrus

Über die Entfaltung

Die Priesterweihe ist ein Akt der Entfaltung aus der Mitte der Menschen heraus – eine Entfaltung des Menschen, der dem göttlichen Ruf nachgekommen ist. Die Riten der Priesterweihe sind überwältigend, sie lassen den Menschen in direkte Berührung mit dem Äußersten, Gott und dem Glauben, kommen.

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Eine Betrachtung zur Priesterweihe von Hannes Kirmse

„Oh, wie groß ist der Priester! … Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben … Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein…“

Weiter heißt es:

„Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. Und wenn diese Seele (durch die Sünde) stirbt, wer wird sie auferwecken, wer wird ihr die Ruhe und den Frieden geben? Wieder der Priester … Nach Gott ist der Priester alles! … Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.“

(Heiliger Pfarrer von Ars, 1786 – 1859)

Wir leben in einer Zeit, in der die von Heraklit geprägte Sentenz „panta rhei“ („Alles fließt“) häufig vollkommen mißverstanden und bewußt fehlgedeutet wird. Es wird in Kauf genommen, daß Begriffe in tiefe Strudel geraten, übermäßig ausgedehnt werden und im Fließen des Zeitgeistes sich in ihr Gegenteil verkehren – die Ehe, das Leben, das Glück und viele weitere Begriffe, die nicht mehr greifbar werden. Wenn ohnehin alles fließt, braucht man auch nichts mehr, das Verlässlichkeit und Verbindlichkeit bedeuten könnte. Form findet sich nur noch in der Reform und der Glaube kann nunmehr ausschließlich als Impetus, als bloßes Behelfsmittel für Bewegung verstanden werden. – Was hier skizziert wurde, ist ein Zerfließen, das seinen Ursprung nicht mehr kennt. Das regellose Fließen kann auf Dauer keinen Bestand haben. Wer versucht, sein Leben zu gestalten, ohne seine eigenen Grenzen zu kennen und ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben, mag zwar hoffen, daß sich der Sinn für ihn aus dem unmittelbaren Lebensfluß ergibt, aber er wird enttäuscht werden, wenn eines Tages in ihm die Sehnsucht nach Höherem, nach ewig gültigen Wertekonstanten aufkommt. Das Ablegen von Prinzipien bedeutet die Hingabe an die Sinnlosigkeit. Ein Fluß kann nicht fließen, wenn er keine ihn begrenzenden Ufer vorzuweisen hat. Er wäre damit wesensmäßig überhaupt kein Fluß. Menschliches Leben bedarf der Prinzipien, etwas Äußersten und des Ursprungs. In spiritueller Hinsicht sind diese beiden Ufer, diese beiden Prinzipien, Gott und der Glaube. Der Mensch wird von ihnen eingehegt, damit sein Streben nicht in eine Leere läuft. Er kann zielgerichtet leben und sein Leben als ein Gebet verstehen, das wie Weihrauch zum Himmel aufsteigt. Er kann Gott in sich wirken lassen wie die der Leib Christi, der durch die Kommunion in ihn vordringt. Der Mensch wird ganz zur Entfaltung gebracht innerhalb von Gott und dem Glauben. Heraklits panta rhei wird zu einem Fließen zu Gott hin.

Die Priesterweihe nun ist ein Akt der Entfaltung aus der Mitte der Menschen heraus, eine Entfaltung des Menschen, der dem göttlichen Ruf nachgekommen ist. Die Riten der Priesterweihe sind überwältigend, sie lassen den Menschen in direkte Berührung mit dem Äußersten, Gott und dem Glauben, kommen. Da ist die gesungene Allerheiligenlitanei, während dieser sich die Weihekandidaten flach auf den Boden vor dem Altar legen und die Gemeinde niederkniet. Da ist die Handauflegung durch den Kardinal und die anschließende Salbung der Hände der Neugeweihten. Dieser Vorgang der Entfaltung wird selbst auch direkt sichtbar, indem die Kasel, das traditionelle Messgewand, das den Neupriestern angelegt wird, zunächst nur zur Hälfte aufgedeckt ist. Erst mit dem eigentlichen Abschluß der Weihemesse wird die Kasel in ihrer ganzen Pracht entfaltet und vor aller Welt sichtbar. Die Neupriester entfalten sich damit wie Schmetterlinge, um fortan die heiligen Handlungen, wie sie Jean-Marie Vianney, der heilige Pfarrer von Ars, eindrucksvoll beschrieben hat, ein Leben lang vornehmen zu können.

S.E. Kardinal Raymond Burke in der Pfarrkirche St. Peter und Paul, Lindenberg i. Allgäu

Am Samstag, den 1. Juli 2017 fand die Priesterweihe für die Priesterbruderschaft St. Petrus in der überlieferten Form des römischen Ritus in Lindenberg im Allgäu statt. Kardinal Raymond Leo Burke war angereist, um sie bei insgesamt sieben Weihekandidaten vorzunehmen. Auch wenn die Kandidaten aus verschiedenen Nationen – Frankreich, Polen und Deutschland – stammen, so sind sie doch hier in der universalen Sprache der Kirche, dem Lateinischen, unhinterfragbar miteinander verbunden. Der Kardinal zieht würdevoll ein und zelebriert mit gemessener Ernsthaftigkeit. Die Lindenberger Pfarrkirche St. Peter und Paul ist bis auf den letzten Platz besetzt und während der dreieinhalb Stunden der Weihe wandert das Sonnenlicht durch die Kirchenfenster über dem Hochaltar. In seiner Predigt, die Burke auf Deutsch und Französisch hält, geht er auf die besondere Verantwortung ein, die nun für die sieben jungen Männer erwächst. Gerade in einer Zeit, in der Kirche und Gesellschaft mit dem Begriff der Krise behaftet sind, ist es umso wichtiger, glaubwürdige und verlässliche Zeugen des Unverfälschten, der über Generationen hinweg überlieferten Lehre vorweisen zu können. Es erfordert in erster Linie Gehorsam und Treue gegenüber der Kirche, ihrem Lehramt und ihrem Traditionsprinzip, aber auch die Selbstbeschränkung des Persönlichen vor Gott – mit anderen Worten die ganze Hingabe, die es ermöglicht, weiter zur Entfaltung zu kommen.

Neupriester Pater Roland Weiß erteilt dem Autor Hannes Kirmse den Primizsegen / Bild: privat, ACW

Einer der sieben Neupriester ist der 1986 geborene Pater Roland Weiß. Er selbst hat während der Lektoratsarbeit für die deutschsprachige Ausgabe von Roberto de Matteis „Verteidigung der Tradition“, die im St. Grignion-Verlag erschienen ist, Wesentliches geleistet. Er ist ein überaus ernsthafter und bescheidener Mensch, der der reichhaltigen Tradition der Kirche besonders verbunden ist. So war während der Weihe- und Primizmesse auch der Wiener Autor Wolfram Schrems zugegen, der de Matteis Werk vom Italienischen ins Deutsche übersetzt hat. Auch wenn vielfach davon gesprochen und beklagt wird, daß das Christentum in einem nie dagewesenen Schwinden begriffen ist, so gibt es doch Unermüdliche, die dafür wirken, daß Glaube und Kirche wesenhaft erhalten bleiben. Gerade in der Überlieferung und der damit verbundenen traditionellen Liturgie fallen Gehalt und Form, Ausdruck und Wirkung in unnachahmlicher Weise zusammen.

Am Sonntag, den 2. Juli hielt der Stuttgarter Pater Stefan Dreher die Predigt in Maria Thann für die Primizmesse von Roland Weiß. Er ging dabei auf die Treue, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, die fidelitas ein und zeigt deren Verwurzelung im Glauben (fides) auf. Beides gehört zusammen, das eine baut auf dem anderen auf. Wenn man sich dieses Zusammenhangs bewußt wird, kann man sich der Kirche mit ihrem Heilsanliegen nicht verschließen. Dieser Zusammenhang erfordert, sensibel zu werden, wenn es um die Anliegen Gottes geht. Er erlaubt es, als Mensch im Fluß zu schwimmen, ohne selbst zu verschwimmen. Er lässt die Hoffnung aufkeimen.

Quelle des Zitates: Le Sacerdoce, c’est l’amour du cœur de Jésus” in: Le curé d’Ars. Sa pensée – Son cœur. Présantés par l’Abbé Bernard Nodet, éd. Xavier Mappus, Foi Vivante, 1966, S. 97

Bilder: Priesterbruderschaft St. Petrus, Wigratzbad 2017

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  1. Lars

    Etwas realistischer zum Priestertum eine Belehrung aus dem Jenseits, die man sich kostenlos und anonym downloaden darf:

    http://www.wiwi.uni-siegen.de/merk/stilling/downloads/nachtod_theo_jst/priestertum.pdf

    Die Einleitung ein wenig gedehnt, dann aber vernünftig zur Sache.

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