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Maria Magdalena

Die heilige Maria Magdalena – Zeugin und Büßerin.

Rom – Papst Franziskus hat den Gedenktag der heiligen Maria Magdalena zum Fest erhoben und damit die Bedeutung der Frau unterstrichen, deren Füße zum ersten Mal das leere Grab nach der Auferstehung Christi betreten haben und die den Aposteln erzählt hat, dass sie dem Herrn begegnet sei. Sie ist Zeugin der frohen Botschaft und wurde daher vom heiligen Thomas von Aquin auch "apostola apostolorum" – Apostelin der Apostel genannt.

Von Monsignore Florian Kolfhaus

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Tizian: Büßende Maria Magdalena, um 1533 | The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=159483

Freilich ist damit nicht gemeint, dass sie die Erste im Apostelkollegium war und Petrus seine Stellung streitig machte. Vielmehr sagt dieser schöne Titel – als Genetivus objektivus übersetzt – dass sie „Apostolin für die Apostel“, Gesandte für die Gesandten war.

Liebende Büßerin, nicht Bannerträgerin der Frauenrechte

Maria von Magdala, die treue Jüngerin Jesu, wird nicht selten dafür missbraucht, eine falsche feministische Theologie voranzutreiben, die sich dann auch nicht scheut, die Weihe von Frauen zu Priesterinnen und Diakoninnen zu fordern. Papst Franziskus – obwohl er die Bedeutung der Frauen im kirchlichen Leben fördert und wertschätzt – ist für solche Projekte nicht zu haben.

Auch die heilige Maria Magdalena rauft sich wohl die Haare, wenn sie hört, was man aus ihr machen möchte. Trauriger Höhepunkt der Mythenbildung über die Freundin Christi, die unter seinem Kreuz ausgehalten hat, war Dan Browns Roman „Der Da Vinci Code“, in dem er behauptete, Maria Magdalena sei die Mutter der Kinder Jesu. Und natürlich war es die böse Kirche des Papstes – also Petrus und seine Nachfolger – die um ihrer Machtsicherung willen, die Wahrheit vertuschten und die leibliche Familie Christi blutig verfolgte.

Männermacht gegen Frauenforderungen?

Es gehört beinahe zum guten Ton, aufgrund angeblich tiefschürfender Studien immer neue Intrigen, Mordkomplotte und korrumpiertes Verhalten innerhalb der katholischen Kirche aufdecken zu wollen. Wer sich eines solchen Themas annimmt rutscht unweigerlich auf die Bestsellerliste: Sei es nun, um wie „Der Name der Rose“ die Dekadenz mittelalterlicher Klöster bloßzulegen, die „Wahrheit“ über die Päpstin Johanna ans Licht zu heben oder – um die Bosheit und Heuchelei des Vatikans in unseren Tagen zu entlarven – die These von der Ermordung Johannes Pauls I. zu vertreten.

Die Mischung scheint anzukommen: Geld, Macht, Korruption, Dekadenz, sexuelle Hemmungslosigkeit, und um das alles in der Öffentlichkeit zu verschleiern, ein Geheimorden, der mit Bestechung und gekauften Killern seine Ziele erreicht. Das Buch von Dan Brown „Der Da Vinci Code“ arbeitet genau mit diesen Klischees. Sein Roman wäre nicht weiter beachtenswert, hätte er nicht bis heute einen unglaublichen Einfluss auf die Meinung vieler. Bis heute sind Romführungen „Auf den Spuren des Da Vinci Codes“ ausgebucht.

Bis heute glauben viele, dass schon irgendwas dran sein, an der Liebesgeschichte zwischen Jesus und einer ehemaligen Prostituierten. Schon im Musical „Jesus Christ Superstar“ klang das Lied der Maria Magdalena – „I don’t know how to love him“ – nach einer bunten Mischung der Gefühle. Dan Brown hat es endlich ausgesprochen: Jesus uns Maria waren ein Paar. Sehr zum Ärger von Petrus und seinen Freunden.

Sex and crime – the never ending story

Dan Browns Bestseller ist aber keineswegs ein Buch neuer Enthüllungen. Der „Da Vinci Code“ greift einmal mehr das beliebte Thema der Gralssuche auf. Allerdings sei der Gral nicht jener erhabene Kelch des letzten Abendmahls, in dem dann auch auf Golgotha das Blut Christi aufgefangen wurde. Nein, es handle sich nicht um ein Objekt, sondern um eine Person: Maria Magdalena. Sie sei der wahre Gral, der erlesene Kelche, der in sich das sang real (im Altfranzösischen wurzelt in diesem Ausdruck das Wort Gral), das wahre Blut Christi, geborgen habe, d. h. die Kinder Jesu, die er mit ihr gezeugt habe. Sie sei – in mehrfacher und doppeldeutiger Hinsicht – der Schatz Christi und die Hüterin seines Erbes.

Nach dem Tode Christi jedoch habe sich der patriarchale Anspruch der Apostel durchgesetzt und die dominanten Männer der Urkirche haben Maria Magdalena und den Frauen ihren Platz in der Gemeinde nicht nur streitig gemacht, sondern mit Gewalt versucht, die Wahrheit über Christus und seine leibliche Familie zu unterdrücken, um ihre Machtposition zu sichern. Maria Magdalena, die Kinder Jesu und einige wenige Freunde mussten fliehen, um sich vor der Verfolgung durch die Kirche zu retten, die durch die Jahrhunderte fortdauern sollte. Zu Hütern des Geheimnisses, zu Wächtern des heiligen Grals und zu Schützern des sang real, des wahren Blutes Christi, d. h. seiner leiblichen Familie, wurden im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Gruppen und Geheimbünde, die angesichts der Nachstellungen der offiziellen Amtskirche um ihr Leben zu fürchten hatten: Gnostische Gruppen in der Antike, im Mittelalter die Templer und in der Neuzeit schließlich die Freimaurer.

Den engsten Kreis um die wahren Nachfahren Jesu bildete das so genannte Priorat von Sion, dem berühmte Männer aller Epochen, darunter auch Leonardo da Vinci, angehörten, und die immer wieder versteckte Hinweise über die Wahrheit in die Öffentlichkeit streuten. So zeige Leonardo Da Vincis berühmtes Gemälde vom Letzten Abendmahl – daher auch der Titel des Buches – in symbolträchtiger Weise die wahre Bedeutung des Grals: An der Seite Jesu, der mit seinen Jüngern zu Tische sitzt, um ihnen den Kelch zu reichen, ruht nicht der Lieblingsjünger Johannes, sondern eine Frau – Maria Magdalena, die „apostola apostolorum“, die in Wahrheit größte und erste unter den Aposteln! Und eine mysteriöse Hand, die keinem der Jünger zuzuordnen ist, hält ein Messer – ein codierter Hinweis auf die blutige Verdeckung der wahren Geschichte!

Bis heute, so Dan Brown, habe das Priorat von Sion überlebt, bis heute gehe aber auch dessen Verfolgung – professionell von dem innerkirchlichen Geheimbund „Opus Dei“ geleitet – weiter. Bis zu dieser Stelle, so behauptet der Autor, könne er alle seine Aussagen mit sicheren Quellen belegen, und erst bei der Erzählung über Sophie Neveu, der letzten leiblichen Nachfahrin Jesu, ihrer Flucht vor den von kirchlichen Stellen gedungenen Mördern, der Liebe zwischen ihr und ihrem Beschützer Robert Langdon – ein guter Schuss Love-Story darf in einem Bestseller nicht fehlen – sowie der Entdeckung des Grabes der Maria Magdalena, das der Großmeister der Freimaurerloge Francois Mitterand unter der Glaspyramide des Louvre versteckt habe und das jetzt von Jacques Saunier gehütet wird, gibt er zu, dass es sich um Fiktion handle.

Dan Browns Jagd nach dem verlorenen Gral

Es ist absurd, so die Präsidentin der Da Davinci Gesellschaft Veronica Field, die an der Universität von London unterrichtet, im berühmten Gemälde des Letzten Abendmahls eine codierte Botschaft über Maria Magdalena und die Verfolgung ihrer Familie zu sehen. Dieses Meisterwerk ist nur der Aufhänger für die in unzähligen Variationen vorliegende Behauptung, dass die von Jesus gegründete Kirche die wahre Botschaft Christi bis zur Unkenntlichkeit entstellt habe.

Diese These in die im New-Age- und Esoterik-Zeitalter so populäre Geschichte von der Suche nach dem Heiligen Gral zu verpacken, mag zwar für den internationalen Buchmarkt erfolgversprechend sein, etwas Neues bringt sie nicht. All das, was Dan Brown in seinem Roman als spektakuläre Entdeckungen verbreitet, ist bereits in unzähligen Veröffentlichungen über Rennes-le-Château, einen kleinen französischen Ort in der Nähe der Pyrenäen, gesagt worden. Ohne dieses Dorf je zu erwähnen, verweist doch der Name des Großmeisters des Priorats von Sion, Jacques Saunier, auf die wahren Quellen Dan Browns, die ihm wohl als Vorlage seines Buches gedient haben. Rennes-le-Château, das im 13. Jahrhundert inmitten eines von der katharrischen Lehre geprägten Gebietes lag, wurde im 20. Jahrhundert zum Ursprung aller modernen Legenden über Maria Magdalena und den Gralsschatz.

Der damalige Pfarrer Berenger Saunière (1852-1917), der sich trotz der 1910 erfolgten Suspension weigerte, seine Gemeinde zu verlassen, ist eine außerordentlich merkwürdige und bizarre Gestalt, dem der kleine Ort in im Departement l’Aude nicht nur den spektakulären Bau eines „Turmes von Magdala“ verdankt, sondern die bis heute Scharen von Esoterik-Pilgern anlockende Mär, dass in Rennes-le-Château der legendäre Schatz der Katharer, vielleicht sogar jener der Templer, versteckt sei. Der für einen Landpfarrer ungewöhnliche Reichtum und die mittelalterlichen Dokumente, die Saunière in der Krypta der Kirche entdeckt habe – neuere Forschungen haben herausgestellt, dass es sich um Fälschungen aus dem 19. Jahrhundert handelt – haben den Gerüchten um geheime Schätze und der Idee eines bis heute fortlebenden Geheimbundes zum Schutz des Grals neuen Auftrieb verliehen.

Vielleicht wären diese Geschichten nach dem Tod des Pfarrers rasch verklungen, wenn nicht seine Haushälterin und Erbin Marie Denarnaud (1912-1968) die Legende weiter aufrecht erhalten hätte, um den Bischof, der Saunière suspendiert hatte, der Habgier zu bezichtigen und Forderungen nach Immobilien und Grundstücken zurückzuweisen. So kam es, dass Rennes-le-Château in den 60er Jahren zu einem Mekka esoterischer Buchautoren, darunter z. B. Pierre Plantar, Gérard de Sède, Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln geworden ist, die das kleine Dorf international bekannt und zu einem wahren Wallfahrtsort gemacht haben.

Den Höhepunkt der Popularität erreichte Rennes-le-Château und sein ehemaliger Pfarrer Saunière, der mittlerweile als einer der letzten Hüter des sang real gehandelt wurde, mit einer BBC-Reportage im Jahr 1979 über den Heiligen Gral. Gérard de Sède verbreitete seine Überzeugung, dass Saunière nicht nur einen gewaltigen Schatz, sondern auch die Wahrheit über Jesus Christus gefunden habe. Die von ihm entdeckten Dokumente bewiesen, dass dieser mit Maria von Magdala Kinder gezeugt habe, deren Nachkommen – obgleich sie göttliches Blut in sich trügen – von der Kirche bis heute verfolgt würden. Gérard de Sède ist es, der die These vom sang real, vom wahren Blut Christi, das in Wirklichkeit der Gral sei, erfunden hat.

Die wahre Familie Christi sind die Kinder Gottes

Dan Browns „Da Vinci Code“ wiederholt also nur, was vor Jahrzehnten die Schlagzeilen über einen kleinen französischen Ort füllte. Es existiert zwar tatsächlich ein Priorat von Sion – 1972 wurde es von dem bereits erwähnten Esoterikautor Pierre Plantar gegründet – doch hat es keine geschichtlichen Wurzeln, und auch keine neuen Quellen vermögen seinen historische Authentizität belegen. Auf der ersten Seite seines Buches behauptet Dan Brown zwar, er stütze sich auf unumstößliches Beweismaterial, das 1975 in der Nationalbibliothek von Paris aufgefunden worden sei, doch dabei handelt es sich, wie Massimo Introvigne nachweisen kann,um Fälschungen des 19. Jahrhunderts, die wohl Plantard und seine Freunde dort hinterlegt haben.

Und doch: Eine Liebesgeschichte…

Die heilige Maria Magdalena verdient es, dass ihr Gedenktag als Fest gefeiert wird, gerade auch wegen der unzähligen Fehldeutungen ihrer Biografie, die in der Tat eine echte Liebesgeschichte ist; freilich nicht wie sie an Kiosken in billigen Groschenromanen zu kaufen ist, sondern wie sie das Leben in der Nachfolge Jesu schreibt. Maria Magdalena, geheimnisvoll angedeutet in der Gestalt der Braut, die, wie das Hohelied erzählt, den Geliebten sucht und die Wächter der Stadt fragt, wo er sei, ist eine heilige Frau, die nach der Mutter Jesu einen herausragenden Platz in der jungen Kirche eingenommen hat.

Zu Füssen Jesu wollte sie sitzen, nicht auf dem Stuhl Petri. Und ihre Söhne und Töchter sind nicht die, von denen Dan Brown spricht, sondern all diejenigen – Männer und Frauen – die ihrem Beispiel folgen und allein Jesus suchen. Maria Magdalena hilf uns, die wahre Liebe zu finden, die am Karfreitag stark bleibt, am Karsamstag hoffend wartet und am Ostersonntag jubelnd in die Welt hinauseilt, um ohne Furcht die frohe Botschaft zu verkünden.

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  1. Michael van Laack

    Nur eine Frage an die hochverehrte Redaktion: Welche Intention leitete Euch bei der Auswahl dieses Bildes?
    Meine 16jährige Tochter hatte da dazu schon einen eher obszönen Vorschlag, meine einstmalige klösterliche Erziehung verbietet mir allerdings die Wiedergabe dieses Begriffs.
    Daher frage ich einfach nur: Muss man bei einem solchem Thema wirklich Titten zeigen? Sollte man sie zeigen?
    Tiziano Vercellio, der Lustknaben schändende Potraitmaler und -zeichner diverser Kardinals-Kurtisanen ist unabhängig vom Motiv ohnehin nur selten eine gute Wahl bei der Bild-Unterstützung christlicher Texte, zumindest nicht in dieser Schaffensperiode.
    Muss man Titten zeigen, weil im Text der Feminismus thematisiert und die Brownsche Verschwörungstheorie in epischer Breite beleuchtet wird?
    Die Frage „Maria Magdalena: Heilige oder Hure?“, die den Polemikern von der Agenda genommen schien, seit der Papst sie zur Apostelin der Apostel aufgewertet hat (wenn man das so nennen will), wird so nur unnötig neu befeuert. Zumindest ist die (Re-)Erotisierung der Heiligen unnütz, liegt eigentlich schon auf der Müllhalde der neueren Theologiegeschichte.

    Mag ja sein, dass mein knallharter Stil im Umgang mit meiner Kirche, mit Papst, Bischöfen und sonst wem auf meinen Seiten – wie mir neulich noch gesagt wurde – keine einzige Seele zu Gott führt… Das entscheidet am Ende der Herr selbst und niemand von uns, nicht einmal ein Papst.
    Stilvolle Provokation mag nützlich sein. Das hier ist die Pinselführung der lüsternen Seite Tizians. Dieses Bild ist von subtiler Obszönität und deshalb nicht hilfreich, wenn es darum geht, eine neutestamentliche Gestalt und deren Botschaft uns Heutigen effektiv näher zu bringen.
    Welches Bild ich gewählt hätte? Puh, spontan würde mir – wenn es denn unbedingt Tizian sein müsste – ein Werk aus einer anderen Periode seines Schaffens einfallen, die „Madonna mit Kind und Maria Magdalena“.

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