Die Website catholic-link.org hat einen Artikel veröffentlicht, der die Situation junger Katholiken in der Messe beschreibt. Es wird angenommen, dass junge Menschen oft alleine in der Kirche seien und keine Altersgenossen fänden, die sie begleiten. Trotz der ganzen Schwierigkeiten wird man ermutigt am Glauben festzuhalten. Woher kommt die Ermutigung?

Foto: pilot_micha / flickr.com. Lizenz: CC BY-NC 2.0

Gegen die Gesellschaft und die Altersgruppen?

„Es gibt Zeiten, in denen Katholischsein hart sein kann“, heißt es in dem Artikel. Denn es gebe Zeiten, in denen man gegen den Herzschlag der Gesellschaft gehe. Vielleicht sei man, so Ruth Baker weiter, momentan in einem massiven Glaubenskampf. Vielleicht könne man die Wichtigkeit des Glaubens im Leben nicht sehen. Vielleicht laufe alles im Leben gut, aber der Glaube fühle sich nur wie eine Pflicht an.

Die beschriebene Dramatik gibt wenig Hoffnung darauf, dass sich diese Situation bald ändern wird. Im Gegenteil, die wahrgenommene Situation scheint die der gesellschaftlichen Diaspora zu sein, in der man einfach nur durchhalten könne. Es stellt sich die Frage, ob diese Beschreibung realistisch ist oder eine übertriebene Dramatisierung.

Junge Menschen in Gottesdienst und Kirche

Die Autorin des Artikels kommt aus England, in dem es zahlenmäßig weniger Katholiken gibt und das Bekenntnis zum aktiven Christentum ohnehin sehr gering ist. Die anglikanische „Church of England“ hat kaum noch junge aktive Anhänger. Aber auch die der katholischen Kirche scheinen wegzubrechen. Vielleicht gibt es noch einen nebulösen Glauben, aber mit Kirche scheint dieser nicht viel zu tun zu haben. In der Shell Jugendstudie heißt es dazu nüchtern: “Der individuelle Glaube, die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft und die aktive Mitwirkung in dieser Glaubensgemeinschaft stehen für viele Jugendliche nach wie vor in keinem direkten Zusammenhang, sondern werden unabhängig voneinander betrachtet.” (Shell Jugendstudie 2016).

Das Alleinsein in der Kirche als junger Mensch ist also der Normalfall. Mitunter wird Gemeindearbeit, selbst von Pfarrern als „Sterbebegleitung“ erlebt. Es wird gewartet bis zur Fusion oder bis zur Kirchenschließung, aber an eine Umkehr wird nicht mehr geglaubt. Das kulturelle Klima scheint ganz auf der Seite eines agnostischen Trends zu sein. Niemand weiß recht, wie es um Gott steht, die Kirche wird bestenfalls als ein Angebot von vielen wahrgenommen, aber nicht als „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Zweites Vatikanisches Konzil. Lumen Gentium). Hier trifft die Lebenserfahrung der jungen Menschen nicht die ideelle Vorstellung der Kirchenvertreter.

„Bilanz des Scheiterns“

Bereits 2014 fragte Markus Günther in einem Artikel in der FAZ, ob Deutschland noch ein christliches Land sei und konstatiert der Kirche eine „Bilanz des Scheiterns“. Deutlicher kann man es kaum ausdrücken und auch auf hinsehen sind schon genügend Artikel dazu geschrieben worden (u.a. „Eine säkulare Gesellschaft“). Aber gibt es nicht auch Lösungsansätze? Versuche gibt es durchaus. So werden für mehrere Millionen Euro Jugendkirchen gebaut und Strukturen geändert, aber die Bilanz bleibt negativ, denn kaum jemand kommt. Es werden Konzepte und Pläne erstellt und doch zeigt sich kaum Frucht. Die „Bilanz des Scheiterns“ scheint eine Grundstimmung vieler althergebrachter Versuche zu sein. Wenn dies auch nicht einfach ist, es gilt dieses Scheitern anzuerkennen und anzunehmen. Denn so sind Neubeginn und wache Augen für gute und hoffnungsvolle Aufbrüche möglich.

Ein kleiner Aufbruch von bekennenden Christen

Viele Konzepte scheinen deshalb vom Scheitern geprägt zu sein, weil sie zu sehr versuchen das Bestehende zu retten, an Strukturen festhalten, die nur noch konserviert werden, aber nicht mehr lebendig sind. Es gibt kein dort kein Glaubenszeugnis, sondern leere Hülsen.

Aber es gibt auch die andere Seite, junge Christen, die da sind und weitermachen. „Wir beten für euch, wir ermutigen euch“, heißt es in dem Artikel von catholic-link. Hier wird etwas ganz Wichtiges deutlich, nämlich, dass Glaube mit Gemeinschaft und Gebet zu tun hat. Und wenn man diese nicht vor Ort hat, so ist man dennoch eingebunden in die Gemeinschaft der Glaubenden, die weltweit für einen betet und einen unterstützt.

Der Kirchgang früherer Tage war oft gekennzeichnet von Sozialkontrolle und vergesellschafteten Zwängen, sodass Freiheit eher in der Loslösung bestand. Wer heute ein junger Mensch ist und glaubt, hat eine persönliche Glaubensgeschichte zu erzählen, eine Erfahrung gemacht, die ihn/sie zu Gott geführt hat. Wichtig ist dann eine Glaubensgemeinschaft zu finden, die nicht als bedrückend, sondern stärkend erlebt wird. Dafür kann man beten. Oftmals sind diese Gruppen nicht in offizielle Bistumsstrukturen integriert und werden auch nicht kirchlich finanziert. Sie haben keine Pastoralpläne und Rücklagen, aber einen Glauben, der sie weitermachen lässt, weil es sich lohnt.

Link zum Artikel: A Letter to the Young Catholic Alone at Mass

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