Gut besetzter Spielfilm zum Völkermord an den Armeniern

Gut besetzter Spielfilm zum Völkermord an den Armeniern

Im Jahr 1915 führten die Türken einen Völkermord an den vorwiegend christlichen Armeniern durch, der bei vielen Menschen immer noch eher unbekannt ist. Nun hilft ein Spielfilm dabei, die Geschichte ins Bewusstsein zurückzurufen. Die Hauptrollen des Streifens, der am Donnerstag in die Kinos kam, sind prominent besetzt. Eine Filmkritik von Jörn Schumacher

Die damalige osmanische Regierung in Istanbul hatte am 24. April 1915 mit der Vertreibung und Vernichtung des armenischen Volkes begonnen, bei der bis zu 1,5 Millionen Menschen starben. Die Armenier bildeten nach den Griechen die zweitgrößte christliche Minderheit im Osmanischen Reich. Bis heute lehnt es die türkische Regierung ab, dies als Völkermord zu bezeichnen. Zum Gedenken des Verbrechens 100 Jahre später gedachte der Deutsche Bundestag im Jahr 2015 den Armeniern und erklärte das Geschehen im Juni 2016 offiziell als Völkermord.

Doch wenigen sind die Hintergründe des Genozids bekannt. Nun bringt der Film „The Promise: Die Erinnerung bleibt“ Licht ins Dunkel. Er erzählt in teilweise romantischer Art die Geschichte einer Frau, in die zwei Männer verliebt sind. Der junge Armenier Mikael will in Istanbul Medizin studieren. Als der Weltkrieg ausbricht, werden Armenier wie Mikael und seine Familie wie Aussätzige behandelt. Mikael wird gespielt von Oscar Isaac, der aus „Inside Llewyn Davis“ und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ bekannt ist.

Mikael verliebt sich in die Tanzlehrerin Ana, gespielt von Charlotte Lebon („The Walk“). Doch Ana ist bereits verlobt, und zwar mit dem amerikanischen Journalisten Chris Meyers, der für die Associated Press aus der Türkei und schließlich intensiv über den Genozid an den Armeniern berichtet. Gespielt wird die Rolle von Christian Bale („The Dark Knight“, „American Hustle“). Als Regisseur konnte Terry George gewonnen werden, der für den dreifach Oscar-nominierten Film „Hotel Ruanda“ (2004) verantwortlich ist.

Filmproduzent mit armenischer Abstammung

Die Liebesgeschichte wird als Leitfaden verwendet, um die furchtbaren Vorkommnisse des Jahres 1915 nachzuzeichnen. Das gelingt auch exzellent, doch leider tritt die verwickelte Dreiecksbeziehung zu sehr in den Vordergrund. Wirklich historische Hintergründe werden in „The Promise“ dem Zuschauer nicht aufgezeigt, etwa inwiefern der Hass auf die Armenier im türkischen Volk verwurzelt war, oder welche politischen Entscheidungen gegen sie getroffen wurden. Der Glaube, der muslimische bei den Türken, und der christlichen bei den Armeniern, wird so gut wie nicht thematisiert. Lediglich ein armenischer Gottesdienst in einer Kirche wird gezeigt, der auf die weitere Handlung des Films aber keinen Einfluss hat.

Einer der wenigen historischen Bezugspunkte ist der amerikanische Botschafter im Osmanischen Reich, Henry Morgenthau. Verkörpert wird der durchsetzungsfähige Retter in der Not und die moralische Instanz in Zeiten der Ungerechtigkeiten vom amerikanischen Schauspieler James Cromwell, der aus vielen Nebenrollen bekannt ist („Ein Schweinchen namens Babe“ oder „Star Trek: Enterprise“) – allerdings nur in einigen wenigen Szenen. Ebenso erscheint plötzlich an zwei kurzen Stellen Jean Reno, immerhin einer der bestbezahlten Schauspieler Frankreichs.

Wer eine geschichtlich Einordnung des Völkermords an den Armeniern bekommen möchte, wird bei „The Promise“ eher enttäuscht. Dafür tritt die Liebesgeschichte, die man am ehesten mit einem Hin und Her zusammenfassen könnte, zu sehr in den Vordergrund. Außerdem werden die Armenier etwas zu sehr romantisiert dargestellt und in den Himmel gehoben, während die meisten Türken verteufelt werden. Der Charakter des amerikanischen Journalisten Chris wirkt leider etwas unrealistisch, überhöht als an allen Orten selbstaufopfernder Held, den es so wohl nie gegeben hat. Offenbar war es notwendig, dass seine (armenische) Frau fremdgeht, um zu zeigen, dass Chris selbst dann noch zum armenischen Volk (und zu seiner Frau) hält, obwohl er selbst kein Armenier, nur Gast im Land ist und jederzeit wieder zurück ins sichere Amerika reisen könnte.

Die 100 Millionen Dollar teure Produktion ist technisch gut gemacht und kann das Publikum auch als Liebesfilm überzeugen, allerdings zieht sich der 133 Minuten lange Film an einigen Stellen. Dennoch wird der Film wohl in seiner Nische bleiben. Am ersten Wochenende nach dem Start spielte er in den USA nur magere 4,1 Millionen Dollar ein. Doch die Geschichte des Völkermordes an den Armeniern muss weitererzählt werden, und daher ist „The Promise“ ein wichtiger Film, der das verhältnismäßig hohe Budget verdient hat.

Treibende Kraft hinter der Produktion war der Multimilliardär Kirk Kerkorian. Er wurde 1917 in Kalifornien als Sohn armenischer Immigranten geboren, war Besitzer zahlreicher Hotels in Las Vegas und einer der wichtigsten Investoren der Film- und Automobilindustrie. 1969 übernahm Kerkorian Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Kurz vor seinem Tod verwirklichte er seinen Wunsch, einen Film über den Völkermord zu finanzieren. Er starb im Juni 2015 im Alter von 98 Jahren. Zu seinem Vermächtnis gehört, dass durch „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ noch viel mehr Menschen erfahren, welche Grausamkeit die Armenier durch die Türken erleiden mussten. (pro)

„The Promise – Die Erinnerung bleibt“, 133 Minuten, Kinostart: 17. August 2017, Regie: Terry George

Von: js Christliches Medienmagazin pro | www.pro-medienmagazin.de 

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