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„Schönheit wird die Welt retten“ – Luthers Lehre und die katholische Antwort

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Die Kirchenhistoriker sind sich heute weitgehend darüber einig, dass die Frühe Neuzeit eines der „kirchenfrömmsten Zeitalter überhaupt“ (Bernd Möller) war. Die Polemik Pius X.‘, der Gott der Reformatoren sei der Bauch gewesen (Enzyklika „Editae saepe“ von 1910), erklärt nicht die ernste und lebenslange Gottsuche der Reformatoren und die Bereitschaft alles dafür zu geben. Nicht die Ernsthaftigkeit, sondern die Richtigkeit der Reformationstheologie muss angefragt werden.

Martin Luthers Lebensfrage: „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“

Prägend für die Gottsuche Luthers waren seine Jahre als Augustinermönch von 1505 bis 1521. Seine Grundfrage war die nach einem gnädigen Gott. Luther erlebte sich selbst als schwach und sündig, als unfähig heilig zu leben. Er fühlte sich ständig von der bösen Begierlichkeit, der so genannten „Konkupiszenz“ gefangen. Sein Menschenbild war von Augustinus‘ Anthropologie und schlechten Erfahrungen geprägt. Solche soll er nach Behauptungen einiger Zeitgenossen auf seiner Romreise 1510 gemacht haben. Aber auch hierüber gibt es keine historische Gewissheit.

Martin Luther – Bild: Workshop of Lucas Cranach the Elder [Public domain]
Martin Luther – Bild: Workshop of Lucas Cranach the Elder [Public domain]

Allerdings scheint der Spalt zwischen Idealismus und Realismus Luther letztlich in den Pessimismus geführt zu haben. Er erfuhr, dass er auch im Kloster nicht heilig wurde, ja, dass das Kloster auch nichts anderes war als Welt, dass die Mönche  ihren Gelübden nicht genügten und die Heilsangst niemals wich. Auch sah er wie Ablasshandel und Machtmissbrauch der Kirche zusetzten.

Geißelung und Marter, Buße, Schweiß und Tränen: Luther mühte sich ab, und doch er hatte stets den Eindruck sein Ziel nicht zu erreichen: die Gnade Gottes.

Die Leiden Luthers mögen auch daran gelegen haben, dass er einen Weg ging, der nicht der seine war. Aber es blieb nicht beim Leiden. Luthers „Damaskus“ soll das „Turmerlebnis“ um 1517 gewesen sein, eingeleitet durch einen Satz im Römerbrief: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“. Damit schwanden für Luther die Ängste vor der Strafe Gottes, denn es kommt, so Luthers Lehre, nicht auf unsere guten Werke, sondern nur auf unseren Glauben, nur auf die Gnade an. Luther fühlte sich gerettet: Gott erlöse uns allein durch Glauben, nicht weil wir gut sind. Was befreiend klingt, führte aber bald zu einer neuen Lehre über die Gnade und den Menschen.

Das Menschenbild Luthers und das der katholischen Kirche

Zwar wird nach Luther der Mensch aus Glauben gerecht, aber er bleibt ein Gefangener und Getriebener, er bleibt verdorben. Nichts kann nach Luther die gefallene Natur des Menschen ändern – auch nicht die Taufe. Luthers augustinische Interpretation ist dunkle Nacht und tiefer Pessimismus. Es gibt bei ihm keine heiligmachende Gnade (gratia gratum faciens), sondern nur ein Nichtanrechnen der Strafe: simul justus et peccator – sowohl gerecht als auch Sünder, so ist der Mensch nach Luther. Die mittelalterliche Theologie der Scholastik, die vor allem durch Thomas von Aquin geprägt wurde, ist hier wesentlich optimistischer. Deutlich wird dies in der Gnadenlehre im Katechismus der katholischen Kirche, die auf das Rechtfertigungsdekret des Konzils von Trient zurückgeht:

„Die Gnade ist eine Teilhabe am Leben Gottes; sie führt uns in das Innerste des dreifaltigen Lebens: Durch die Taufe hat der Christ Anteil an der Gnade Christi, der das Haupt seines Leibes ist. Als ein „Adoptivsohn“ darf er nun in Vereinigung mit dem eingeborenen Sohn Gott „Vater“ nennen. Er empfängt das Leben des Geistes, der ihm die Liebe einhaucht und der die Kirche aufbaut. […]

Die Gnade Christi besteht darin, daß uns Gott ungeschuldet sein Leben schenkt. Er gießt es durch den Heiligen Geist in unsere Seele ein, um sie von der Sünde zu heilen und sie zu heiligen. Das ist die heiligmachende oder vergöttlichende Gnade, die wir in der Taufe erhalten haben. Sie ist in uns der Ursprung des „Heiligungswerkes“ [Vgl. Joh 4,14; 7, 38-39]. (Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1997, 1999)“

„Schönheit wird die Welt retten“

Wie man über Gnade und damit über Menschen denkt, hat Einfluss auf Kunst und Kultur. Denn als Menschen sehnen wir uns nach Schönheit und Sinnlichkeit, wir sind daraus geschaffen und darauf ausgerichtet. Das hoffnungsvolle Bild der Kirche hat schönste Kunstwerke und große Heilige hervorgebracht. Deutlich wird das vor allem in den Vatikanischen Museen. Die Schönheit der Wand- und Deckenbemalungen, vor allem in den Bogengängen, ist ohne jedes Beispiel.

Man muss blind oder aus Eisen sein, um von dieser Schönheit nicht berührt zu werden und innerlich in die Knie zu gehen. Sie verkündet die Größe Gottes, Hoffnung für uns Menschen, Freude und Zuversicht, und gibt Mut zum Guten. Dostojewski hat es wunderbar ausgesagt: „Schönheit wird die Welt retten“. Es ist Schönheit, die erlöst und zu Gott führt. Und das ist die einzige Reform, die es braucht.

1 KOMMENTAR

  1. Wer die Gebote Gottes hält findet einen gnädigen Gott. Wer nach einer Sünde beichtet und Widergutmachung leistet, findet einen gnädigen Gott. Wer seine heiligste Mutter, Maria, die Hochheilige, um Fürsprache bittet, und sich ihr anvertraut, findet einen gnädigen Gott. Wer glaubt und aus Glauben gute Werke vollbringt, findet einen gnädigen Gott. Wer in der Wahrheit und in seiner Liebe bleibt, findet einen gnädigen Gott. Wer Gott seine Sünden bekennt und Sühne leistet, findet Gott. Wer im Geist und in der Wahrheit betet, findet einen gnädigen Gott.

    Dies alles hat Luther nicht getan. Und deshalb fand er am Ende seines Lebens auch keinen gnädigen Gott.

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