Das Wort Horizont kommt vom altgriechischen ὁρίζων – horízōn und meint die Grenzlinie zwischen der sichtbaren Erde und dem Himmel. Genau diese Definition braucht es hier am Anfang einer Serie über Wahrheit, Schönheit und eine alles überstrahlende Kraft. Es geht darum, dass sie entdeckt, mit dem Verstand erfasst und in unserem Herzen verinnerlicht wird!

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Von Christian Schallauer

Lernen wir wieder das Staunen!

Warum beginne ich diese Serie mit dem Wort „Horizont“? Wer die Katechesen des hl. Johannes Pauls II. kennt oder sich schon mit der Thematik befasst hat, würde „Horizont“ nicht unbedingt als Schlagwort oder oft verwendete Definition bezeichnen. Eros & Agape, die Keuschheit, die bräutliche Liebe, das Sakrament der Ehe und noch viele weitere Begriffe, sind fundamental für die „Theologie des Leibes“ (TdL). Ich werde in dieser Serie noch viele davon – auch sehr praktisch – beleuchten. Aber – und das ist unglaublich wichtig – bevor wir diese Lehre über den Leib vertiefen wollen, müssen wir eines tun:   unseren Verstand öffnen, den Blick auf die Großaufnahme richten und wieder staunen lernen!

Der Aufstieg

4 Uhr nachts, es ist kalt, ich stehe am Parkplatz und lege die Stirnlampe an, es ist still – unheimlich still – und ich denke darüber nach, ob es eine gute Idee war, den Berg in der Finsternis allein zu besteigen und den Sonnenaufgang zu sehen. Ich mache mich auf, im Licht meiner Lampe versuche ich den Weg zu erkennen und mich vom starken Gefühl des Unbehagens nicht irritieren zu lassen. Mit zunehmender Anstrengung und Konzentration verspüre ich immer mehr Freiheit und Sehnsucht am Gipfel zu stehen. Meine Sorgen, mein Alltag, meine Probleme der vergangenen Tage verschwinden zusehends – nicht, dass sie sich auflösen –, aber es ist, als würden sie hier draußen wieder das richtige Format erlangen, relativiert werden durch die Präsenz des Berges und der Natur!

Dann, nach drei Stunden Aufstieg, stehe ich auf meinem Lieblingsberg – mit einer Emotion und vor einer Kulisse, die ich hier noch nie so erlebt habe! Mir bietet sich ein Panorama, das mich aufs Tiefste bewegt, ein Nebelmeer unter mir, die aufgehende Sonne – ganz zart und lieblich – vor mir. Und ein Horizont, der mir die Sicht aufs Leben zurechtrückt, über mir. Ich bin voller Freude, ja überfließe vor lauter wunderbaren Eindrücken. Mein Horizont des Lebens verschiebt sich, wird neu justiert und findet seinen Platz. Ich stehe hier, staune über diese gewaltige Schönheit und darüber, wie sehr sie mich erfüllt!

Wo ist dein persönlicher Horizont?

Warum teile ich hier dieses beeindruckende Erlebnis? Wie kann es helfen?

Ein jeder kennt den Begriff Horizont für die Beschreibung seiner Lebenswirklichkeit. Diese hängt stark davon ab, wie sein Leben verlaufen ist, also von Parametern wie Elternhaus, Kindheit, Pubertät, Bildungsgrad, Lebensstand bzw. Alter – um die wichtigsten anzuführen. Um nun mein Bergerlebnis als Bild zu benutzen, wage ich einfach mal zu behaupten: Du bist glücklich mit deinem Leben, deine Parameter waren und sind gut bis ausreichend, du hast dich eingelebt – in meiner Erzählung bist du also noch im „Schlaf“- bzw. „Kuschelmodus“.

Wieso um alles in der Welt solltest du es verlassen? Nach dem Aufwachen ging ich zum Fenster, blickte in die Nacht, um die Sterne zu sehen ­ aber vor mir tat sich nur eine „finstere Suppe“ auf! Ich konnte absolut nichts erkennen, kein Horizont zeichnete sich ab und alles war irgendwie eins. Wir wechseln zurück in unser Leben. Kennst du das nicht auch? Hast du nicht oft den Eindruck, es ist doch alles dasselbe? Ich bin doch wie alle anderen … Besonders in Bezug auf die Sexualität wird doch exakt das vermittelt – oder etwa nicht? Mann mit Frau, Frau mit Frau, Mann mit Mann, One-Night-Stands da und dort, oder wie und wo auch immer …

Warum auch nicht, solange es Liebe ist, solange dabei jeder seinen „Spaß“ hat und sich gut fühlt! So wird es uns heute gesagt. Und ich frage: Spiegelt das tatsächlich meinen Horizont wieder?

Was, wenn da noch mehr ist?

Oft wird einem zum Beispiel durch den Freundeskreis vermittelt: All das ist in Ordnung, das ist eben so, ist doch okay – und mehr ist da halt auch nicht. Doch ich behaupte: Da gibt es noch mehr, viel mehr!

Zurück zum Berg: Ich hatte an diesem frühen Morgen eine große Sehnsucht danach und wollte einfach wieder mal raus! Mir war es in diesem Augenblick egal, dass ich keine Sterne mehr sah – was ja auf schlechtes Wetter schließen ließe. Ich wollte mehr, wollte diese Sehnsucht stillen und mich nicht wieder schlafen legen, weil ich schon oft meinem inneren „Schweinehund“ nachgegeben hatte. Nein, heute nicht, entschied ich und machte mich auf, um mehr zu entdecken als nur die Bettdecke über mir! Genau um diese Entscheidung geht es nun! Wenn du die „Theologie des Leibes“ näher betrachten willst, ermutige ich dich zu dieser Entscheidung: Sage NEIN zur Bettdecke 😉 – Denn da ist noch mehr!

Eine klare Botschaft

Das Problem dabei ist: Ich kenne dich nicht! Ich kenne weder deinen Namen noch deinen Horizont, geschweige denn deine Erfahrungen in der Sexualität! Aber das braucht es in Wahrheit gar nicht. Die Lehre von der „Theologie des Leibes“ ist nämlich kein Moralkodex, keine Schablone für Gut und Schlecht und schon gar nicht ein Regelwerk fürs Verhalten, in dem ich dich jetzt quasi einordnen müsste. Das wäre ein falscher und missverstandener Ansatz. Die grundsätzliche Botschaft der TdL ist klar und deutlich:

Du bist du – und so wie du bist, von der ersten Sekunde an geliebt. Du bist kein Zufall und kein Unfall, sondern ein Einfall Gottes. Dieser Einfall hat einen Leib, eine Identität, ein Geschlecht und eine Berufung. All das hängt zusammen und ist unglaublich wichtig – DU bist nicht egal und schon gar nicht, was du in deinem Leben tust.

Hier kommt der eingangs erwähnte Begriff zum Tragen: Du – und nur du – bist mit deinem Leib diese Grenzlinie, der Horizont zwischen Himmel (unsichtbare Wirklichkeit Gottes) und Erde (sichtbare Gegenwart). Du bist dein eigener Horizont und du kannst diesen gestalten. Es liegt an dir, wie dieser aussieht!

Der neue Horizont

Es war nicht leicht, sich aufzumachen und den Berg zu besteigen. Es kostete mich Überwindung, war mit Strapazen verbunden. Der Zweifel war mein Begleiter. Manchmal musste ich sogar einen Schritt zurücksteigen. Aber – und das sollte immer die Motivation sein – es gibt diesen unglaublichen Horizont, diesen Sonnenaufgang, der alles verändert! Dieses Bild mag etwas strapaziert sein. Doch es trägt so viel Power in sich, sodass ich darüber mein ganzes Leben lang erzählen werde!

Wer es nie wagt, seine Komfortzone zu verlassen, wer es nie versucht, Muster aufzubrechen, wer es nie zulässt, dass eine andere Perspektive vielleicht auch etwas in seinem Leben verändern kann, der bringt sich um diesen Sonnenaufgang, um einen neuen Horizont, der alles verändert, der alles überstrahlt! Er dreht sich das einhundertste Mal in seinem Bett um, sieht nicht, dass draußen Großartiges auf ihn wartet – und bleibt stattdessen weiter unter der Nebeldecke des Mainstreams!

Ich ermutige dich motiviert aufzustehen! Es gibt ihn, diesen anderen, neuen und wunderschönen Horizont, du musst dich nur aufmachen! Wirklich gut passt dazu mein Lieblingszitat von Johannes Paul II., das mittlerweile mein Lebensmotto ist. Und immer dann, wenn mich die Bettdecke zu sehr einhüllt, wenn ich Gefahr laufe, eine Komfortzone aufzubauen, dann lese ich diese Worte und mache mich auf – zu meinem neuen Horizont:

„Gebt Euch nicht mit der Mittelmäßigkeit zufrieden!“ Johannes Paul II.

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