The Cathwalk

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Amoris Laetitia

Wir leben alle in einer irregulären Situation!

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Amoris Laetitia bringt den längst notwendigen Perspektivenwechsel in der Pastoral der Kirche.

Ein Meinungsbeitrag von Markus Büning

Eine persönliche Bemerkung vorweg: Ich bin wohl so einer, den man klassisch einen Bekehrten nennt. Nach jahrelanger Abwesenheit von der Kirche habe ich im Jahr 2010 den Weg zurück in die Kirche gefunden. Und in welch einer Gefährdungslage lebt so einer: Er neigt zur Radikalität. Warum? Da sind viele Gründe: Einerseits die Angst vor dem „Rückfall“ und andererseits die starke Erfahrung einer Befreiung von „bösen Mächten“. Dies kann dazu führen, dass man in Dingen der Moral allzu streng und unerbittlich wird. Die Fähigkeit, die Dinge ordentlich zu differenzieren, kann durchaus geschwächt sein. Vor so einem Hintergrund kam die heftige Debatte um Amoris Laetitia offenkundig ganz recht: Endlich hat man mal die Chance, die „Fahne der reinen Moral“ im Getümmel geistiger Verwirrung zu zeigen. Schnell läuft man Gefahr, ein Pharisäer zu werden. Dies waren sicher auch Motive in meinem bisherigen „Kampf“ gegen Amoris Laetitia und meinen Einsatz für die „Dubia-Kardinäle“, in denen ich bisher die Retter der wahren Morallehre erblickte. Hinzu kam sicher auch meine große Bewunderung für den Hl. Johannes Paul II., der in Familiaris Consortio Nr. 84 die Dinge noch anders sah als der jetzige Papst in Amoris Laetitia. Dann kam die Eskalation: Auf einmal fühlen sich eifrige Kämpfer der Moral aufgerufen, dem Papst wegen Amoris Laetitia offen den Häresievorwurf zu machen. Nun merkte ich, dass dies zu weit geht. Zunächst mehr aus formellen Gründen: So geht man doch nicht mit dem Papst um, inzwischen aber auch aus materiellen Gründen: Wir brauchen dringend den Perspektivenwechsel, den AmorisLaetitia mit sich gebracht hat. Warum?

Ich glaube inzwischen, dass viele in der Diskussion der Gefahr erliegen, mit dem Blick auf die Fallgruppe der sogenannten wiederverheirateten Geschiedenen sich selbst völlig aus dem Blick zu verlieren. Dabei vergessen wir allzu schnell, dass wer mit einem Finger auf den anderen zeigt immerhin noch selbst mit drei Fingern auf sich selbst zeigt. Das ist der springende Punkt: Wie sieht es denn bei der Frage des „würdigen Kommunionempfangs“ bei einem jeden von uns selbst aus? Was betet denn bitte schön ein jeder von uns in der Heiligen Messe, bevor er den Leib des Herrn empfängt? Dieses wunderbare, aus dem Evangelium abgeleitete Gebet (vgl. Mt 8,8): „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich Du nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“ Wer von uns kann ernsthaft behaupten, dass er würdig zum Tisch des Herrn geht? Wir alle, ausnahmslos bis zum Papst hinauf, sind eben keine Katharer, keine allzeit Reinen. Nein, der Herr hat aus der Schar der Unreinen und Sünder seine Kirche gebaut. Andere „Steine“ hatte und hat er bei diesem Bauprojekt nicht zu Verfügung. Wir alle leben in unseren immer widerkehrenden Sünden des Alltags in einer irregulären Situation, in der wir eben nicht dem Gebot Gottes mit unserem Handeln entsprechen. Und weil dem so ist, hat Jesus, der Arzt unserer Seelen die Sakramente uns eben nicht als Mittel der Belohnung für ein moralisch gutes Leben, sondern als eine Medizin zur Heilung und Besserung unseres Lebens, auch unseres moralischen Lebens geschenkt. Und genau dies bringt Franziskus ja zu Recht in der Fußnote 351 zu Nr. 305 Amoris Laetitia dann im Hinblick auf manch einen Einzelfall der wiederverheirateten Geschiedenen so zum Ausdruck: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb erinnere ich die Priester daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen ist.“

Ja, auch dann wenn Menschen objektiv in schwerer Sünde leben, kann der Weg zu den Sakramenten eröffnet sein. Das ist die Botschaft von Amoris Laetitia. Und zwar dann, wenn es aus nachvollziehbaren subjektiven Gründen nicht möglich erscheint, in einer solchen zweiten Lebensgemeinschaft eben nicht, wie es noch Familiaris Consortioforderte, enthaltsam zu leben. Solche Situationen, solche Einzelfälle gibt es! Warum entzieht man solchen Menschen hier die Möglichkeit der therapeutischen Begleitung durch Jesus in den Sakramenten? Das ist nicht nachvollziehbar, ja letztlich gegen die Liebe.

Und der von Amoris Laetitia vorgeschlagene Weg ist auch kein anspruchsloser. Nein, hier geht es um den mühsamen Weg der Unterscheidung und notwendigen pastoralen Begleitung: „Es ist kleinlich, nur bei der Erwägung stehen zu bleiben, ob das Handeln einer Person einem Gesetz oder einer allgemeinen Norm entspricht oder nicht, denn das reicht nicht aus, um eine völlige Treue gegenüber Gott im konkreten Leben eines Menschen zu erkennen und sicherzustellen. (…) Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen. Zugleich muss gesagt werden, dass genau aus diesem Grund das, was Teil einer praktischen Unterscheidung angesichts einer Sondersituation ist, nicht in den Rang einer Norm erhoben werden kann. Das gäbe nicht nur Anlass zu einer unerträglichen Kasuistik, sondern würde die Werte, die mit besonderer Sorgfalt bewahrt werden müssen, in Gefahr bringen. (…) Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in „irregulären“ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft. Das ist der Fall der verschlossenen Herzen, die sich sogar hinter der Lehre der Kirche zu verstecken pflegen, um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten.“ (AL NR. 304 f.).

Und der Papst hat völlig Recht, wenn er hier aus gutem Grund eine Leerstelle stehen lässt. Gerade um eine unnötige Kasuistik, die nie in der Lage sein wird, alle in Betracht kommenden Fälle zu erfassen, bedarf es einer solchen. Gefüllt werden muss diese vom reifen Seelsorger mit der Gabe der Barmherzigkeit, um die die Kirche Tag für Tag in allen ihren Gliedern beten soll.

Und genau dies ist auch der Punkt, an dem alle Glieder des mystischen Leibes Christi sich in der gleichen Situation befinden. Ein jeder von uns lebt in einer irregulären Situation: Der eine erliegt immer wieder dem schlechten Geschwätz über andere, der andere kann sich beim Genuss von Nahrung und Trank nicht beherrschen. Der eine fällt immer wieder zurück in die egoistische Gewohnheit der Selbstbefriedigung, trotz vieler Beichten. Der andere neigt immer wieder zu Wutausbrüchen, trotz vieler gescheiterter Versuche der Selbstbeherrschung usw. usw.. Der Katalog ließe sich beliebig fortsetzen. Sollen diese Menschen alle nicht mehr zur Kommunion gehen? Meine Vermutung: Dann darf keiner mehr gehen!

Jesus ist gekommen, nicht die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder (vgl. Mt 9,13). Das ist der heilsame Lockruf des Evangeliums. Und darum schenkt er sich uns in den Sakramenten, insbesondere in den Sakramenten des Altares und der Vergebung. Beide Sakramente hat der Herr seiner Kirche als Medizin für Leib und Seele geschenkt. Durch den immer wiederkehrenden Kontakt mit dem Herrn in diesen Sakramenten können wir mit seiner Gnade Menschen werden, die seinem Willen entsprechen. Das ist die große Hoffnung an uns alle, aus unserer irregulären Situation hinauszukommen.

Vor diesem Hintergrund lasst uns aufhören, auf eine bestimmte Gruppe von Christenmenschen mit einem Augenmerk der Unbarmherzigkeit und Starrheit zu blicken. Erbitten wir von IHM die Gnade eines demütigen Blickes auf unsere je eigene Situation der Irregularität. Dann hören wir automatisch auf, mit „Felsblöcken“ auf andere zu werfen.

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  1. Ottaviani

    Ist echt bergoglianisch. Wenn man einmal mit dem Papalismu ernst macht, ist jedes Raunzen seiener Heiligkeit schon sakrosankt und jeder Kritik überhoben. ja, die Neubekehrten neigen zu diesem Schwärmertum. Wir hingegen lasse das Dogma von der Hinfallibilität nur in den engen Grenzen gelten, die mit der Defnition selbst gesteckt worden sind, dh. nicht jeder arbiträre Einfall eines Pontifex ist von vornherien jeder Kritik überhoben und braucht sich nicht mehr durch einen authentischen vernunftgemäßen theologischen Diskurs zu legitimieren. Wer die Vernunft nicht ausschalten will, der darf schon weiterhin hinterfragen, was ein Snr. Bergoglio täglich Neues von sich gibt…..

  2. Nepomuk

    (Nach dem Kommentarverlauf erlaube ich mir die Zwischenbemerkung:

    Es ist allerdings recht angenehm, als „zu konservativ*“ und nicht, was auf diesem Blog *auch* schon der Fall war, als „zu liberal*“ angegriffen zu werden. Man neigt halt dann doch einer Seite mit seinem Herzen zu, auch wenn man in sachlichen Dingen hofft, nicht einfach alles nachzuplappern.

    [* Im Sinne der üblichen „Richtungsangaben])

  3. Für mich übrigens ist das alles nur neuer Wein in alten Schläuchen. Sieht denn im Ernst niemand, dass es sich bei F.s nachsynodalem Schreiben einfach nur um die gute alte Jesuiten-Kasuistik handelt (auch wenn er genau das ableugnet?!)? Ich weiß, man ist als Katholik geschichtslos und vergisst, was einmal war (plustert sich daher umso mehr hinsichtlich einer fiktiven „Tradition“ auf…), aber weiß wirklich keiner der Zeitgenossen mehr, was all jene Lainez, Busenbaums, Escobars, Marianas, Bellarmins SJ fabriziert haben? Nach deren Moaltheologie kommt unten heraus, da man ja immer den Einzelfall über das Prinzip setzt, dass Frauen ihre Männer betrügen dürfen, Männer ihre Frauen, Menschen sich gegenseitig belügen, dass man Regenten ermorden darf, dass man sich gegenseitig bestehlen darf, wenn es nur irgendwie opportun oder durch tausend Hintertüren gerechtfertigt erscheinen kann etc. Die SJ ist der Taqiyya-Orden der RKK, aber man will es nicht wahrhaben…
    Ist man wirklich so geschichtsvergessen, dass man die Tragödie dieses Ordens vergessen hat, der eben wegen dieser sittlichen Zweifelhaftigkeit einst aus fast jedem europäischen Land verbannt werden (und nein: das ist keine Erfindung der „Modernisten“ und „Aufklärer“, sondern eine historische Tatsache, die aus den ja zahlreichen Erzeugnissen des Ordens selbst hervorgeht!) und von vielen Päpsten ermahnt werden musste (allerdings ohne Erfolg), was am Ende zur Aufhebung des Ordens führte unter Clemens XIV., dessen Aufhebungsbulle heute kaum mehr auffindbar ist, weil in ihr eben all das steht, was insbesondere die Tradis später als eine böse Verleumdung eines doch so ach segensreichen Ordens durch den „Modernismus“ und die „Freimaurer“ verschrien haben? Weil sie nicht wahrhaben wollen, wie viele Päpste vor Clemens XIV. bereits ihre helle Not mit den Brüdern hatten, wie viele Klagen aus der gesamten Kirche nach Rom kamen und wie wenig man von Anfang an mit diesem furchtbaren Orden fertig wurde, der sich zum Staat im Staat gemacht hatte?
    Hat man vergessen, dass jeder Jesuit und sonst von dem Orden Abhängige jederzeit eine Dispens zum Ehebruch und Zölibatsbruch erhalten konnte, vom General? Dass Jesuiten unter tausend Verkleidungen eingeschmuggelt wurden in die ev. Kirche und andere Institutionen (und nein: das ist keine Mär, sondern vielbezeugte Tatsache!). Hat man vergessen, dass ein Teil der sauberen China-Missionare bereits des 16. Jh in Unzucht und Zölibatsbruch am Kaiserhof in Peking lebte, dort Synkretismus predigte und den päpstlichen Legaten verfolgte und am Ende tötete? Und dass es Pius XII. war, der nach jahrhunderten päpstlicher ausdrücklicher Verbote (etwa auch massiv von Benedikt XIV.), in China den alten Jesuitenschlendrian wieder erlaubte, nämlich Christentum inklusive konfuzianischer Ahnenverehrung? (Ich weiß – solche an sich doch viel brisanteren Themen jucken den biederen Katholiken kaum.) Aber was ist F.s Synkretismus anderes als das, was seine Väter schon vor Jahrhunderten Rom zum Trotz taten?
    Was erwartet man also von einem Mann aus diesem Orden?
    Dass er die „Tradition“ aufrecht hält?
    Welche Tradition?

    Katholiken, wacht doch endlich auf!
    Denn dieser Mann pflegt schlicht und einfach die SJ-Tradition, und die ist das „Heilmittel“ gewesen, dem sich einst Pius IX. aus Machtgier verschrieben hatte. Und jubeln nicht gerade die Tradis diesem Papst ganz besonders zu?

    Jammert also nicht herum – ihr habt nur das, was ihr unbedingt haben wollt, ohne es zu begreifen.
    Römisch gesehen ist nämlich alles im grünen Bereich, nur die Katholiken kommen mal wieder nicht mit, was ihre selbstgewählten absoluten Machthaber dirigieren.

    Habt ihr vergessen, was ihr sollt?
    „Sentire cum ecclesia“ heißt dem Dirigat des Papstes zu folgen. Und wie? Indem man „schwarz für weiß hält“, wenn die Hierarchie es befiehlt. (Ignatius, Exerzitien, Regel 13). Ihr sollt euer eigenes Urteil abgeben an der Kirchenpforte (ebenfalls Ignatius).
    Es gibt keine „Tradition“ außer der, dass man jeden noch so gequirlten Unsinn und jede noch so dreiste Beleidigung des gesunden Menschenverstandes und des dogmatischen Selbstwiderspruches aus Rom anerkennen muss. Ein Katholik glaubt seit 1870 an den Papst und nicht mehr an Jesus Christus, und auch nicht an eine abstrakte „Tradition“. Ihr alle, wir alle, irren uns per Dogma, wenn wir einem Papst nicht folgen wollen. „Pastor aeternus“ fordert uns nämlich im Dogma vom Universalprimat die absolute Unterwerfung sogar des Gewissens unter das, was der Papst vorgibt, ab. Wir sind verpflichtet zur „inneren Zustimmung“, wenn wir nicht „Schiffbruch erleiden“ wollen.

    Bei Lichte besehen ist eine solche Lehre sektierisch und selbst Scientologiy ist da noch freier.
    Es ist folglich piepschnurzegal, was wir denken oder meinen oder wie wir „die Tradition“ verstanden haben: was der Papst vorgibt, gilt und muss gemacht werden.

    • Lena Aberle

      Das heisst, auf einen Nenner gebracht, wohl:
      .
      Si cum Jesuitis,
      sine Jesu itis.
      .
      Sehe ich das recht?

      • Gewissermaßen, aber wichtiger ist mir, klarzumachen, dass F. einfach nur das macht, was Jesuiten immer schon taten. dass sie als fromme Chamäleons mal ein erzultramontanes Geschau hatten und kurz drauf ein superliberales – na und? Ihnen geht es nur um Macht, und man schwimmt auf dem Bug der Machtwellen wie ein Windsurfer, mal so mal so, Hauptsache man behölt die Fäden in der Hand. Im übrigen ist auch F.s Aufforderung an die Jugend, alles „durcheinander zu bringen“ altes SJ-Gut. Und wenn dann alles hin ist, dann schafft man „Ordo ab KO“.
        Warten wirs ab – das kommt garantiert auch noch, in welcher Färbung auch immer, aber die Inquisition wirds wieder geben. Sie ist ja jetzt wieder in SJ-Hand.

    • Catherine Bony

      Lieber Herr oder Frau „Zeitschnur“. Sehr interessant, und wenn man Ihnen folgen sollte, hätte wir noch Scheiterhaufen. Und : warum haben Sie nicht den Mut, mit Ihrem richtigen Namen zu schreiben? Ich habe eine FB page, und auf der steht mein echter Name. Ich verstecke mich NICHT hinter irgendeinem Pseudonym, wenn ich Stellung nehme. Aber Sie schon! Sie sind wohl ein/eine Erleuchtete, ein/eine Allwissende. Wenn Sie Seelsorger wären (oder vielleicht sind), dann hätte der Sünder/die Sünderin eine schwere Zeit vor sich. Ich habe die unglaubliche Gnade gehabt, eine Beichte bei einem alten jesuiten Pater abzulegen, und, glauben Sie mir, es war schwer für mich. Und ich wurde in meinem „Outing“ mit diesen wunderbaren, einmaligen Worten begleitet : „Gott liebt Sie bedingungslos“. Ich bin von einem Schwangerschaftsabbruch vor 40 Jahren (ich bin jetzt 65) losgesprochen worden. Ich bin eigentlich eine Mörderin, und ich gestehe es : ich habe gemordet, aus Bequemlichkeit. Und ich bin so unendlich dankbar für diese Lossprechung. Eine Schande sicher in Ihren Augen. Für mich ein Moment der Befreiung, dass ich es aussprechen durfte/konnte. Meine Untat bleibt mir trotzdem vor den Augen. Und ich weiss, dass ich wohl noch längere Zeit im Purgatorium/Fegefeuer dafür gereinigt werden muss. Tut mir Angst. Ehrlich. Aber Gottesverzeihung habe über die Lossprechung erleben dürfen. Ihre Art und Weise, sich über unsere Katholische Kirche sich auszudrücken ist die eines Menschen, der meint, er/sie wüsste alles besser. Eines weiss ich, was mich betrifft : dass ich nichts weiss, dass nur Gottesgnade mich retten kann. Und Wiedergeheiratete haben auch Recht auf Gottesgnade. Und ich zeichne mit meinem echten Namen. Sie können mich auf FB wiederfinden : ich habe als Zeichen einen Kirchturm mit Regenbogen. Es gibt nämlich mehrere Personen mit demselben Namen. Also Zeitschnur : wer sind Sie denn?

      • Markus Büning

        Eigentlich mische ich mich in die Diskussion meiner Beiträge nicht ein. Dafür gibt es viele Gründe. Hier kann ich aber nicht anders. Warum? Weil Sie, liebe Frau Bony, ein wunderbares Zeugnis von der großen Barmherzigkeit Gottes abgegeben haben. Über Sie herrscht laut Evangelium im Himmel mehr Freude als über die große Schar der Gerechten und Selbstgerechten, die sich nach wie vor auf den Stuhl des Mose setzen und meinen, die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Und dann noch eins: Sie haben völlig Recht! Warum wird im internet so viel diskutiert, ohne auch mit seinem Namen dafür einzustehen, was man vertritt? Auch ich stehe immer mit meinem Namen da und mit diesem Namen für meine Positionen ein. Ein jeder weiss, wer hier was sagt. Aus meiner Sicht ist dies eine „Pest“ auf allen Blogs. Gute Katholiken müßten in der Lage sein, mit ihrem Namen für ihre Positionen einzustehen. Auch Gott hat uns einen Namen offenbart, der zeigt, wofür er steht: Jahwe rettet! JESUS! Ich danke ihm dafür, dass er diesen Namen der Barmherzigkeit hat. Möge der Name Jesu über Ihrem Leben stehen liebe Frau Bony!

      • Nepomuk

        Anders als ich steht zeitschnur –

        (bei allem, was man sonst an ihr kritisieren mag)

        – sehr wohl mit ihrem Namen für ihre Position ein.

        [Davon abgesehen ist „ich zeichne mit meinem Namen“ kein sachliches Argument in der Debatte. Darauf habe ich selber in der Vergangenheit schon immer bestanden, weil es nämlich genauso *ist*.

        Die Weigerung zu sehen, daß es hier um ein *sachliches* Problem, daß es um konkrete Fragen, auf die es konkrete Antworten mit sachlichen Begründungen – bei denen es völlig gleichgültig ist, *wer* sie vorbringt – gibt, geht, ist freilich durchaus ein Teil oder zuallermindest ein Symptom des Problems. Es geht eben *nicht* um einen persönlichen moralischen Tapferkeits- oder was-auch-immer-Wettbewerb.

      • Josef Broszeit

        @Catherine Bony
        Ihr freimütiges Bekenntnis hat mich tief angerührt, und ich möchte Ihnen als ein einfacher aber bibelfester und glaubenstreuer Katholik Folgendes sagen:

        Lassen Sie sich bitte nicht verunsichern, sondern halten Sie sich einfach an Gottes Wort und das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe – alles Weitere wird Ihnen dann von IHM zuteil werden.

        Sie haben in der hl. Beichte Ihre durch die schwere damalige Sünde belastete Seele demütig und vertrauensvoll unter das Kreuz Christi gelegt.

        Und ER hat Ihnen vergeben (unter äußerlicher Mitwirkung des Paters) ganz im Sinne des der Hl. Schwester Faustyna Kowalska einst visionär-geheimnisvoll vom Herrn zur Bekehrung von Sündern geoffenbarten Gebets: „Oh Blut und Wasser aus dem Herzen Jesu als Quelle der Barmherzigkeit für uns entströmt – ich vertraue auf dich.“

        Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen bzgl. des Fegfeuers. Denken Sie an den wegen todeswürdigen Verbrechens mit Christus zusammen gekreuzigten Verbrecher, der sich vor allen Menschen öffentlich (!) am Kreuz an den Herrn wendet und ihn als Gottes Sohn öffentlich bekennt und anspricht. Nach Lk23,43 gibt Christus ihm die Zusage, noch am gleichen Tage(!) mit ihm zusammen im Paradies zu sein – also kein langes Fegefeuer.

        Ihr unschuldiges Kind, Frau Bony, ist sicherlich im Himmel, wo denn sonst?

        Haben Sie daran schon gedacht und vielleicht sogar es einmal um Verzeihung und ggf. sogar um Fürbitte in Ihren Anliegen gebeten?

        Wenn Sie das Bedürfnis haben, irgendwie noch zu sühnen und Gutes tun zu wollen, kann ich Ihnen empfehlen, mit einer Lebensrechtsorganisation wie z.B. der „Stiftung Ja zum Leben „, 1000plus, o.a. in Kontakt zu treten, die sich ja gerade um Frauen im Schwangerschaftskonflikt bemühen und denselben beistehen; und zwar ohne Beratungsscheine auszustellen.

    • Ottaviani

      Da hast Du es erfasst!

  4. Herr Mederer

    Lieber Herr Büning,

    bitte bedenken Sie Ihre Aussagen. Mit ihrem Argumentationsmuster driften Sie von einem Extrem in das andere. Im Endeffekt ist durch diese Argumentation das Sakrament der Beichte null und nichtig. Bitte bedenken Sie das. Menschen die fortgesetzten Ehebruch begehen (also nicht Geschiedene, sondern Geschiedene in einer irregulären körperlichen Beziehung) wollen ja gerade nichts an ihrem Zustand der Sünde ändern. Der Beichtende hingegen schon, auch wenn er wieder fallen kann. Aber er hat seinen guten Willen bewiesen indem er mit gutem Vorsatz beichtet. Und darauf kommt es an. Bitte überdenken Sie noch einmal ihre Meinung. Das Lehramt der Päpste sowie die Aussagen Christi und Paulus‘ sind glasklar. Jeder fällt immer wieder, entscheidend ist sich immer neu zu bekehren.

    Ein Nachtrag zur Eucharistie: Sie ist keine Belohnung für Perfekte, weil das niemand ist. Hat auch nie jemand behauptet. Jedoch muss zum Empfang der Eucharistie der Stand der Gnade vorliegen. Die Mutter Gottes würde sicher nicht das Jesus Kind in eine Güllegrube hineinlegen. Genau das machen aber diejenigen die unwürdig kommunizieren, also ohne im Zustand der Gnade zu sein.

  5. Armin Läpple

    „Wir brauchen dringend den Perspektivenwechsel, den Amoris Laetitia mit sich gebracht hat. “
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Dieser Perspektiven-Wechsel hat in Deutschland schon vor zwanzig Jahren im katholischen Volk nach und nach stattgefunden.

    >>> Dem „Lehramt“ der Kirche vertrauen gerade noch acht Prozent der Katholiken über 18 Jahren. <<<

    Knapp zehn Prozent der Gläubigen besuchen noch den sonntäglichen Gottesdienst.

  6. Nepomuk

    3.

    >>Und der Papst hat völlig Recht, wenn er hier aus gutem Grund eine Leerstelle stehen lässt. Gerade um eine unnötige Kasuistik, die nie in der Lage sein wird, alle in Betracht kommenden Fälle zu erfassen, bedarf es einer solchen. Gefüllt werden muss diese vom reifen Seelsorger mit der Gabe der Barmherzigkeit, um die die Kirche Tag für Tag in allen ihren Gliedern beten soll.

    Auch das stimmt nicht.

    Wie wird ein „reifer Seelsorger mit der Gabe der Barmherzigkeit“ diese denn füllen? Erstmal – und ich meines *das* nicht einmal so kritisch – kann man sich das an zwei Fingern ausrechnen. Er wird diese beiden Finger, den rechten und den linken Zeigefinger, ein wenig vor den Betreffenden herumschwenken, das tue man fei nicht – wenn es hochkommt – und dann sagen, ja klar, bei *euch* drücken wir ein Auge zu.

    In anderen Zeiten wäre vielleicht etwas mehr seelsorgerliche Willkür zu befürchten gewesen.

    – Und letztlich ist *das für sich genommen* auch gar nicht verkehrt. Immerhin ist „wir schimpfen euch ein bißchen, aber dann darf jeder“ eine klare, kasuistische (!) *Antwort auf die Frage* (ob nun eine richtige oder eine falsche, sei einmal dahingestellt) – während die „bewußte Leerstelle“ das *nicht* ist.

    *Wenn* freilich die Leerstelle „als Leerstelle“ umgesetzt würde – wie auch immer, dann stelle ich mir persönlich auch aus der Perspektive des wiederverheirateten Geschiedenen „ihr dürft nicht zur Kommunion, sorry, isso“ immer noch angenehmer vor als „wir können euch weder ja noch nein sagen auf die Frage, ob ihr zur Kommunion dürft“. Menschen wollen Antworten; sogar die unangenehmen Antworten sind besser als gar keine Antworten.

    Ebendeswegen ist gerade in schwierigen Situationen eine Kasuistik nicht unnötig, sondern *nötig*. Wenn wir immer nur in klaren Lagen leben würden, *dann* könnten wir vielleicht darauf verzichten, aber gerade *weil* das Leben *in der Tat* komplex ist, *ist das nicht so* – und deswegen *brauchen* wir die Kasuistik, und deswegen ist auf die legitime Frage „darf ich als wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion gehen“ eine kasuistische Antwort zu geben.

    Das kann ein Ja sein,
    es kann ein Nein sein,
    es kann ein „wenn soundso und soundso dann soundso und soundso“ sein,

    aber es kann nicht nichts sein.

    Zumal sich die wiederverheirateten Geschiedenen im bisherigen System damit trösten konnten, daß sogar ein so strenger Kirchenlehrer wie der hl. Augustinus denen, die brav wenn verlangt von der Kommunion fernbleiben, Hoffnung aufs Himmelreich macht (siehe: altes Offizium von der Kirchweihe, Matutin, Lesung 6). In einem Zustand der Ungewißheit zu leben ist nie angenehm.

    • Catherine Bony

      Herr oder Frau Nepomuk: was hindert Sie daran, mit Ihrem richtigen Namen zu schreiben? Haben Sie Angst, erkannt zu werden? Und Ihre eigene Kasuistik im Stile : „sogar eine unangenehme Antwort ist besser als gar keine Antworten“: dazu nehme ich mal auch klar Stellung, und ich zeichne mit meinem echten Namen : Ihnen fehlt jede Art von Liebe, von Barmherzigkeit. Ich nehme an, Sie sind ein ganz braver Katholik, der fast keine Irrtümer macht. Es wäre mal interessant, zu wissen, was Sie im Leben machen, um so streng zu sein!

    • Nepomuk

      Mein Name ist in der Tat unbekannt.

      Er ist das aus mehreren Gründen. Einer davon – nicht mehr als einer, aber immerhin einer – ist der, daß ich klarmachen will, daß das, was ich sage und was meine Argumente sind, bitte gemäß ihrem inneren Wert, d. h. dem der in ihnen liegenden Begründungen beurteilt werden (wenn sie überhaupt beachtet werden) *und nicht irgendwas anderes*. Ein anderer, damit zusammenhängender ist, daß ich es mir verbitte, daß an mir herumpsychologisiert wird, wie Sie es gerade tun.

      Ich habe gesagt, was ich gesagt habe, weil es stimmt – setzen Sie dafür gerne ein: weil ich der Ansicht bin, daß es stimmt – und nicht aus irgendwelchen persönlichen Gründen.

      >>Haben Sie Angst, erkannt zu werden?

      Von denen, die mich kennen, kann mich sowieso jeder am Schreibstil etc. erkennen. Ich nenne meinen Namen nicht, aber ich verstelle mich auch nicht.

      Zur Aussage:

      >>Sogar eine unangenehme Antwort ist besser als gar keine Antwort

      vielleicht die Erklärung: Mit „besser“ war „angenehmer“ gemeint; ich habe das ausdrücklich aus der Perspektive dessen gesagt, der diese unangenehme Antwort bekommt. Und das geht dann eben doch auf eigene Erfahrung zurück, von der ich davon ausgehe, daß sie, daß ich es auch bei einer schlimmen Nachricht *angenehmer für den Empfänger* ist, sie zu erhalten, als keine Antwort. Natürlich ist (um ein Beispiel aus dem Studentenleben zu bringen“ „bestanden“ eine erfreulichere Nachricht als „nicht bestanden“, aber auch „nicht bestanden“ zu erfahren ist i. a. angenehmer als die quälende Ungewißheit, ob man denn nun bestanden hat oder nicht.

      Was Ihren Vorwurf

      >>Ihnen fehlt jede Art von Liebe, von Barmherzigkeit. Ich nehme an, Sie sind ein ganz braver Katholik, der fast keine Irrtümer macht.

      betrifft, abgesehen davon, daß er schlechterdings unverschämt ist:

      Es ist eben gerade ein Teil des Problems, daß Ihnen gar nicht auffällt, daß Sie sich selber widersprechen, bzw. daß Sie „braver Katholik“ und „der fast keine Irrtümer macht“ offenkundig für Vorwürfe halten. Wenn ich ein braver Katholik bin, dann fehlen mir nicht die Liebe und die Barmherzigkeit, und wenn mir die Liebe und die Barmherzigkeit fehlen, dann bin ich kein braver Katholik.

      Da mein persönlicher moralischer Zustand hier nichts zur Sache tut, will ich dazu weiter nichts sagen. Nur daß es mir auffällt, wie schnell Sie und – gewissermaßen – Ihre Partei dazu bereit sind, dem Diskussionsgegner mit einer genaugenommen Nonchalanz so grauenvolle Vorwürfe für den Mangel an Liebe und an Barmherzigkeit um die Ohren zu werfen.

      Ich sage allerdings noch: „Barmherzigkeit“ (die genaugenommen *Gott* erweist, aber lassen wir das) ist das Vergeben von Sünden. Die Neigung des Menschen, bei Dingen, die er *nicht* für sündhaft hält (wie es die heutige Gesellschaft mit der Wiederheirat nach Scheidung tut), darauf zu bestehen, daß andere das auch nicht tun, hat mit Barmherzigkeit nichts zu tun. (Der Unterschied ist in der Father-Brown-Geschichte „The Chief Mourner of Marne“ von Chesterton aufs beste erklärt.)

      Die bemitleideten Wiederverheirateten (die ja in der Tat unter Umständen aus ihrer Situation schwer herauskommen) verstellen, wenn von „Barmherzigkeit“ die Rede ist, den Blick auf das wesentliche.

      Ein Trunkenheitsfahrer, der ein Kind totgefahren hat, ein mieser Zeitgenosse, der zum Vergewaltiger geworden ist, ein Fußballmanager, der aus Überforderung Steuerhinterziehung begangen hat… und dann schließlich sogar ein Mafia-Berufskiller oder ein grauenhaftes Anti-Beispiel von einem Wirtschaftsboß, der für 5 Euro Profit sowohl über Leichen geht als auch Existenzen vernichtet…

      *das* sind die Beispiele, woran man sehen kann, was denn diese Barmherzigkeit wirklich ausmacht.

      (Ach ja: wenn Sie *doch* meine persönliche Einschätzung wollen. Ich bin ein Katholik; ob „brav“ hängt von der Definition ab; an Liebe und Barmherzigkeit mangelt es mir nicht; Irrtümer speziell in Glaubensdingen habe ich tatsächlich eher wenige. Die Liste wäre freilich nicht vollständig ohne die Feststellung, daß ich von dem altbekannten Problem nicht von Irrtümern in Glaubensdingen, sondern von dem Versagen darin, das Richtige auch umzusetzen, kurz: der Sünde, aber eben in ihrer klassischen Form, die nie in Mode ist, nicht modisch gewordenen Nebenformen, natürlich *schon* betroffen bin.)

    • Nepomuk

      Ach so, aber jedenfalls „Herr“, nicht „Frau“.

      (Erkennt man das nicht am Schreibstil?)

  7. Nepomuk

    2. Hat nun, wie der Artikel von Dr. Büsing behauptet, Amoris laetitia den längst notwendigen Perspektivwechsel gebracht?

    Nein.

    Und zwar ganz unabhängig davon, was man zu dem Thema meint, nicht.

    Wenn man meint, die Kirche hatte bisher Recht – dann war natürlich zum einen kein Perspektivwechsel notwendig, und dann war es natürlich falsch vom Heiligen Vater, den Eindruck zu erwecken, die Lehre sei geändert worden.

    Wenn man meint, die Kirche hatte bisher *Unrecht* – *dann* wäre natürlich unseren wiederverheirateten Geschiedenen Unrecht angetan worden. *Dann* wäre die Lehre eher heute als morgen zu ändern gewesen. Und *dann* hätte man es in klaren Worten tun müssen. Und nicht, in dem man sich um eine klare Aussage, ob in wiederverheiratete Geschiedene ohne den Bruder-und-Schwester-Modus zur Kommunion gehen dürfen, herumdrückt, nur den Eindruck erweckt, und sich auf Nachfrage ausschweigt, statt wenigstens dann eine klare Antwort zu gehen. Man hätte dann klar sagen müssen „Johannes Paul II. hat das Gegenteil gelehrt, das war aber falsch“, usw.

    Keines der beiden Dinger hat der Papst getan, deshalb war – so oder so – die Kritik an ihm berechtigt. Und deshalb war übrigens der Sine-dubiis-Aufruf auch unberechtigt, dem sich übrigens, meinem Eindrucke nach, viele Leute *deswegen* angeschlossen haben, weil sie etwas gegen unzweifelhaft vorhandene Exzesse der Gegenseite hatten, und nicht weil sie wirklich der Meinung wären, ein Papalismus von einem Ausmaß, der protestantischen Karikaturen entsprungen sein könnte, sei heute die katholische Methode der Wahl.

    (Unzweifelhaft vorhandene Exzesse der Gegenseite: *Natürlich* ist es *falsch*, dem Papst *Häresie* vorzuwerfen – aber nicht wegen „das tut man nicht“, sondern ganz einfach weil erstens auch die Häresie eine auch mit Verrenkungen nicht richtig lesbare Aussage und weder ein Papst noch ein Konzil sich bisher *in einem Dogma* zur Frage des Ausschlusses wiederverheirateter Geschiedener geäußert hat.)

    • Nepomuk

      Zwischen „nicht richtig lesbare Aussage“ und „weder ein Papst noch ein Konzil“

      hätte stehen sollen und ist leider untergegangen:

      „ist, und zweitens“

  8. Nepomuk

    Die Vorüberschrift bringt den Kern dieses Artikels gut zum Ausdruck: wir lebten, angeblich, alle in einer irregulären Situation.

    Nein, das tun wir eben gerade nicht.

    Und wieso es besonders barmherzig sein soll, aus dem Regen „die wiederverheirateten Geschiedenen leben in irregulärer Situation“ in die Traufe „alle leben in irregulärer Situation“ zu flüchten, daß müßte mir erst nochmal wer erklären.

    Wenn Dr. Büsing sinngemäß sagt, daß wir mit unseren Fehlern, Charakterschwächen, läßlichen Sünden, läßlich sündhaften Haltungen und gebeichteten schweren Sünden keine idealen Kommunikanten sind, dann hat er damit sachlich zwar recht, es ist aber ein astreines Strohmannargument. Eben darum und in diesem Sinne *gilt* ja, was der Hl. Vater gesagt hat, daß die Kommunion kein Preis für moralische Exzellenz sei. Jetzt deswegen, weil die wiederverheirateten Geschiedenen blöderweise in einer Situation sind, aus der sie nicht so einfach *herauskönnen* und wenigstens formell und objektiv als öffentlich bekannte schwere Sünde aufscheint (über das Subjektive ist damit übrigens gar nichts gesagt!), allen *anderen* ein schlechtes GEwissen einzureden mit der implizierten Schlußfolgerung, (lieber) dürfe gar keiner zur Kommunion gehen (als nur die Wiederverheirateten nicht)… da müßte Dr. Büsing doch selber merken, daß das eine Verschlimmbesserung ist.

    Aber der Reihe nach:

    >>Ein jeder von uns lebt in einer irregulären Situation: Der eine erliegt immer wieder dem schlechten Geschwätz über andere, der andere kann sich beim Genuss von Nahrung und Trank nicht beherrschen. Der eine fällt immer wieder zurück in die egoistische Gewohnheit der Selbstbefriedigung, trotz vieler Beichten. Der andere neigt immer wieder zu Wutausbrüchen, trotz vieler gescheiterter Versuche der Selbstbeherrschung usw. usw.

    Das sind nicht „irreguläre Situationen“, sondern „Laster“, und der entscheidende Unterschied ist, daß unser Selbstbefriediger (es ist doch Masturbation gemeint?) sich nicht auf dem Standesamt offiziell und mit Stolz in ein Selbstbefriedigerregister eingetragen hat. Hätte er das, *dann* wäre das eine irreguläre Situation und dann müßte er sich *auch* daraus streichen lassen.

    Ansonsten: nach der Beichte nimmt er sich ja vor, sich nicht wieder selbstzubefriedigen. Natürlich darf er kommunizieren. Bei dem unbeherrschten Nahrungs- und Trankgenießer dürfte es sich übrigens um einen läßlichen Sünder handeln, bei dem mit den Wutausbrüchen und dem mit dem schlechten Geschwätz gutmöglicherweise auch. Und selbst, wenn nicht: der entscheidende Punkt sind eben die von Dr. Büsing sogar erwähnten „vielen gescheiterten Versuche“. Er nimmt sich, wie schwach auch immer, wie erfolglos auch immer, vor, sich zu bessern –

    und das sollte, wo immer die Moral katholisch ist, stets der entscheidende Punkt sein.

  9. Mauritius

    Leider fehlen in dem Text stichhaltige Argumente, warum Menschen die objektiv in schwerer Sünde leben, jetzt zur Kommunion dürfen. Johannes Paul II in Familiaris consortio (Nr. 84): „Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, KANN nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, daß, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind.“ Die Kirche hat also aufgrund der Unauflöslichkeit der Ehe nicht das Recht, nicht völlig enthaltsam lebende wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen.

    Dass viele Menschen sich jetzt Sorgen machen wegen Amoris Laetita, liegt in der Wichtigkeit der Erhaltung der Lehre der Kirche und des Glaubens (und da geht es und ging es auch schon immer um scheinbare Kleinigkeit wie z.B. ob der Heilige Geist nur von Gott Vater oder auch von Gott Sohn ausgeht). Wenn diese Sorge um den Glauben von einigen jetzt verwendet wird, um über andere zu urteilen und von den eigenen Fehlern abzulenken, dann ist das bedauerlich, aber noch lange kein Argument.

    • Catherine Bony

      Noch einmal verehrte Kommentatoren : warum gibt kein einziger von Ihnen seine wahre Identität preis??? Ist doch Irre : Mauritius, Nepomuk, Zeitschnur. Warum haben Sie so eine riesige Angst, dass man Sie erkennt? Ich zeichne mit meinem echten Namen.

      • Franziska

        Liebe Frau Bony,
        Ist es denn wirklich so wichtig, zu wissen, wer genau hinter den Pseudonymen steckt? Im Endeffekt geht es hier doch um die vorgebrachten Argumente, welche auch aussagekräftig sein können, ohne zu wissen wer sie gebracht hat. Ich finde es sehr angenehm, im Internet auch über heikle Themen diskutieren zu können, ohne das google-search jedes mal wenn jemand meinen Namen sucht alle Kommentare die ich jemals im Internet abgegeben habe, anzeigt. In anderen Diskussionen mögen Sie recht haben damit, dass es ehrlicher und besser wäre, zu seiner Person zu stehen. Hier allerdings erscheint mir das zweitrangig. Liebe Grüße!

      • Nepomuk

        Um noch einmal das anzumerken: zeitschnur ist mit ihrem wirklichen Namen bekannt.

        Ich bin es in der Tat nicht. Wenn Sie mich privat unter meinem richtigen Namen fragen, ob ich das geschrieben habe, werde ich das aber nicht abstreiten.

        Im übrigen zweierlei:

        1. Sie sind *vielleicht* zu der Schlußfolgerung berechtigt, daß wir *Angst* haben, aber nicht der, daß wir eine *riesige* solche haben.

        2. „*Ich* zeichne mit meinem richtigen Namen.“ Und, wollen Sie jetzt dafür Applaus haben?

        Im übrigen: Es gibt eine Menge (in Ermangelung eines besseren Wortes) „Stellen“, die uns sagen können, was wir zu tun und zu lassen haben. Gott kann das. Das Wesen der betreffenden Sache jeweils kann das. Die Kirche kann das; der Staat kann das (vereinfacht gesagt). Das persönliche Beispiel von Catherine Bony kann das, bei aller Liebe, nicht.

        Und im übrigen habe ich noch in keinem Katechismus die Vorschrift „Du sollst keine Pseudonyme gebrauchen“ gefunden. Dagegen habe ich sehr wohl in verschiedenen geistlichen Ratgebern die Mahnung, im Internet vorsichtig zu sein, denn es vergesse nichts, gefunden.

        3. kann ich mich vor allem nur mit Dank dem durchaus entscheidenden Argument von Franziska anschließen.

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