Symbol der Erlösung oder doch nur „nettes Accessoire“?

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Tibor Oroszlany lässt in seinem Buch Take the Cross die katholische und die atheistische Welt aufeinanderprallen

Alles beginnt relativ unscheinbar als Peter (23) und Sophie (18) an einer unübersichtlichen Abzweigung eines Bürgersteigs aus Versehen zusammenstoßen. Er entschuldigt sich aufrichtig, sie beschimpft ihn wütend und er geht daraufhin wortlos weiter. Kurzum, das Übliche. In dem Moment aber, als Sophie bemerkt, dass der ihr noch unbekannte junge Mann ein kleines Kreuzkettchen verloren hat, kommt eine schicksalhafte Handlung ins Rollen.

In Sophies sehr zeitgeistiger Weltsicht ist dieses Kreuz zwar nicht mehr als nur ein Schmuck ohne tiefere Bedeutung, doch da auf dessen Rückseite die Namen des Unbekannten und dessen Pfarrei eingraviert sind, beschließt sie das Kreuz seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Auf diese Weise dringt sie unweigerlich in eine katholische Welt vor, von der sie bis dato eigentlich ein völlig anderes Bild im Kopf hatte, da auch bei ihr die eingeimpften Klischees gegen alles Christliche deutliche Spuren hinterlassen haben. Als sie sich dann aber zu allen „Überfluss“ auch noch in den katholischen Peter verliebt, will sie dessen Überzeugungen trotz der Masse an Vorurteilen auch für sich selbst eine Chance geben.

Über diesen Umweg entdeckt die junge Frau nicht nur die Kraft und Schönheit des christlichen Glaubens wieder, sondern lernt zwangsläufig auch, dieses klare Bekenntnis gegen die gehässigen Angriffe aus ihrem eigenen kirchenfeindlichen Umfeld tapfer zu verteidigen.

So stehen zwar die beiden relativ jungen Protagonisten im Fokus der Geschichte, doch sind sie im großen Gesamtbild der Betrachtung eher wie die gegensätzlichen Pole einer Batterie, wobei die jeweils dahintersteckende Ladung den eigentlichen Roman ausmacht und ihn sehr deutlich von einer „normalen“ Liebesgeschichte abhebt. So wird das Umfeld des gläubigen Peters vor allem durch die souverän katholische Persönlichkeit des Pfarrer Richards geprägt, der in seiner ganzen Art durchaus gewisse Ähnlichkeiten etwa mit Bischof Fulton Sheen aufweist, dessen Credo es war, einen unerschütterlichen Glauben mit unverkrampfter Leichtigkeit und herzlichem Humor vorzuleben.

In der gleichen Stadt, aber dennoch gedanklich in einem ganz anderen Universum befindet sich das Milieu von Sophie, welches insbesondere von deren beinahe schon dekadentem Freundeskreis und sogar von ihrer eigenen, alleinerziehenden Mutter maßgeblich geprägt wird. Letztere weiß zum Beispiel in ihrer blinden Verbitterung manchmal gar nicht, wen sie eigentlich mehr hassen soll: die Männerwelt oder doch die „verknöcherte“ katholische Kirche. Daneben haben beide Dimensionen all in ihren Graustufen auch ihre Diplomaten und Zwischenhändler, wie etwa Sophies selbstlose Großmutter, die sich rührend um ihre Enkelin sorgt und auf die ohne Übertreibung das Wort des Herrn zutrifft: „Selig sind, die Frieden stiften.“

Der Erzählstil des Autors zeichnet sich über den ganzen Roman hinweg vor allem durch drei wesentliche Punkte aus:

Erstens belässt er den moralischen Zeigefinger konsequent in der Jackentasche, bedarf es diesen auch gar nicht, da sich die glaubensfeindlichen Parolen aus Sophies Umfeld nicht selten selbst entlarven.

Zweitens vermeidet Herr Oroszlany auch Übertreibungen ins Gute wie ins Böse, was aber gerade dazu führt, dass der Leser anhand dieser lebensnahen Schilderung wesentlich mehr mitnehmen kann, als von einem überh.hten Heldenepos.

Zum Dritten verwendet der Verfasser auch noch ein Stilmittel, welches man eher aus Kinofilmen kennt, als von typischen Romanen. So setzt an einigen besonders kritischen Stellen die Handlung kurz aus, die Schriftart verändert sich und der Autor spricht seine Leser direkt an. Mal sehr unterhaltsam, mal mit einer augenzwinkernden Anekdote und dann wieder auch nachdenklich ernst.

So ist „TAKE THE CROSS!“ anders als der Titel vielleicht auf den ersten ungeprüften Blick vermuten lässt alles andere als ein seichter Jugendroman, sondern vielmehr eine facettenreiche und äußerst spannende Nahaufnahme von der „Landkarte“ eines Konflikts, der die Menschheit seit den Geschehnissen von Golgota nicht nur entzweit, sondern jeden Einzelnen geradezu herausfordert, sich für oder gegen das Kreuz zu entscheiden.

Eine Leseprobe erscheint morgen hier auf The Cathwalk. 

Tibor Oroszlany, „TAKE THE CROSS! – Ein unglaublich wahrer Roman“ Hardcover DIN-A5, 230 Seiten | ISBN 978 – 3 – 9819326 – 0 – 7 Für je 12,99 €

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