Verführt der Vater oder das Böse?

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Es fehlt etwas…

von Christian Schallauer

Foto: pixabay

Das Vaterunser hat eine Passage, die da lautet: „… und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Genau dieser Passus wurde nun vom Papst selbst als „unglückliche Übersetzung“ angesehen und löste eine sehr breite Diskussion in der Gesellschaft aus. Das tragische daran, dass die Diskussion hauptsächlich Verwirrung stiftet bzw. dem Menschen nicht das Evangelium näher bringt, sondern eher die Zuversicht von einer starken, geeinten und lebendigen Kirche nimmt! Die beiden Worte „ Verwirrung“ und „Zuversicht“ bringen mich auf einen ganz anderen Gedanken, der vielleicht mehr mit dem ganzen Thema zu tun hat, als man jetzt meinen könnte!

Es gibt nämlich ein sehr kurzes und inhaltlich starkes Gebet in der Liturgie der katholischen Kirche, das gleich nach dem Vater unser gebetet werden SOLLTE! „Sollte“ ist deswegen großgeschrieben, weil ich mittlerweile richtig froh darüber bin, wenn ich es noch in einer Hl. Messe vorfinde! Das liegt zum einen daran, dass die mitfeiernde Gemeinschaft das Vaterunser oft zu schnell betet, so dass das Zwischengebet vom Priester nicht mehr zur Geltung kommt. Dabei ist gerade das Zwischengebet für das richtige  Verständnis so bedeutsam.

Das Zwischengebet

In diesem Gebet ist nämlich sehr viel davon enthalten, was meiner Wahrnehmung nach so sehr fehlt und zwar bei allen Getauften.

Das Gebet lautet:

„Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.

Wenn wir dieses Gebet weglassen, überfahren, oder nicht mehr darum wissen, ja dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn genau das eintrifft wovon wir hier eigentlich den Vater – also den allmächtigen, wahren und einzigen Gott – bitten und anflehen!

Oder haben wir es nicht mehr nötig erlöst zu werden von allem Bösen? Gibt es schon genug Frieden unter uns? Ist es nicht mehr erforderlich um seine Hilfe zu bitten? Brauchen wir sein Erbarmen und seinen Schutz vor Verwirrung und Sünde nicht mehr? Haben wir all das schon überwunden in unserer heutigen Welt?

Ich kann nicht für andere sprechen, aber ich, ja ich werfe mich förmlich in dieses Gebet, ich bete es – wenn denn vorhanden – aus meinen tiefsten Herzen heraus und inhaliere vor allem das Ende „…damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten.“

Inhalt oder Form?

Für mich stellt sich einfach die Frage: Inhalt oder Form? Nicht erst jetzt, aber wenn man sich persönlich für Verbreitung des Evangeliums, des lebendigen Glaubens an Gott und für die alles verändernde Freundschaft zu Christus engagiert, dann merkt man doch an vielen Punkten, dass oft mehr Wert auf die Form als auf den Inhalt gelegt wird. Aber: wie hohl und leer die Form in Wirklichkeit ist, zeigt sich oft, wenn es konkret wird: Wenn zum Beispiel der beste Freund mit 17 Jahren an Leukämie erkrankt und nur eine  3%ige Überlebenschance hat. Oder wenn man mit 23 Jahren schon ein Kind zu Grabe tragen muss….. Daneben gibt es noch viele weitere „Wüsten“, die es im Leben zu durchschreiten gilt. Da verliert sich die Form und was wirklich zählt, ist der Inhalt!

Diese Beispiele sind meine persönlichen und ich kann Zeugnis dafür ablegen, dass mich das Vaterunser immer wieder getragen hat, dass es das einzige Gebet war, was ich mit 17 noch wusste – herausgerissen aus einer völlig anderen Welt – und dass es damals, beim Tod meines Sohnes, das einzige war, was ich beten KONNTE, weil ich für alle anderen Gebete keine Kraft gehabt hatte!

„Vater unser im Himmel…“

Zuversicht statt Verwirrung

In diesem kleinen aber starken Gebet nach dem Vaterunser ist die Bewahrung vor Verwirrung für mich aussagekräftig und bedeutsam. Wenn ich mich umschaue, dann denke ich mir ich sollte dieses Gebet als Flugzettel verteilen und nicht nur darauf vertrauen, dass die Leute in die Hl. Messe gehen!

Ich frage mich ernsthaft: sollte die Kirche nicht viel eher durch Zuversicht, Freude und Mut hervortreten als durch Verwirrung?

Ist die Diskussion über eine nicht oder schon „glückliche“ Übersetzung nicht völlig suboptimal? Wenn ich in vielen Gesprächen in der Arbeit, auf der Straße oder als Referent erzählt bekomme, das die Leute mit der Katholischen Kirchen nichts mehr zu tun haben wollen – aus tausend verschiedenen und sehr persönlichen Gründen – aber ausgesprochen oft der Satz damit endet: „Aber ein Vaterunser bete ich schon noch vor dem Einschlafen, oder am Grab der Eltern, oder als jemand einen Unfall hatte, usw. Dann merke ich doch, wie sehr dieses Gebet an etwas rüttelt, das man lieber nicht anfassen sollte.

Eines weiß ich auf jeden Fall, wenn ich mich am Abend mit meiner Ehefrau und unseren Kindern zum Abendgebet versammle, dann das Vaterunser gemeinsam beten und den ganzen Tag zurück in die liebevollen Hände Gottes legen. Wir bitten um Verzeihung für alles, was uns nicht so gut gelungen ist. Dann schließen wir mit einem DANKE für alles Gute. Danach sehe ich in den Augen meiner Kinder die Zuversicht, dass der neue Morgen eine Chance ist und die Hoffnung auf einen guten und helfenden VATER!

Und nur um das Klarzustellen: Ja wir beten auch für unseren lieben und verehrten Papst Franziskus!

 

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