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Willi Graf: Erzbistum München prüft Seligsprechung

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Voruntersuchung soll beginnen / Gottesdienst zum 100. Geburtstag des Mitglieds der Weißen Rose

München, 27. Dezember 2017. Das Erzbistum München und Freising will prüfen, ob für Willi Graf, Mitglied der Weißen Rose, die Möglichkeit einer Seligsprechung besteht. Dazu wird eine Voruntersuchung eröffnet, in der sich Theologen und Historiker mit dem Leben und den Schriften Grafs befassen. Am Ende der Voruntersuchung steht gegebenenfalls die Eröffnung eines Seligsprechungsprozesses. Zum 100. Geburtstag von Willi Graf und zum Auftakt der Voruntersuchung feiert Pater Karl Kern SJ am Dienstag, 2. Januar, um 18 Uhr einen Gottesdienst in der Jesuitenkirche St. Michael in der Münchner Innenstadt (Fußgängerzone, Neuhauser Straße 6).

Willi Graf wurde am 2. Januar 1918 im rheinischen Kuchenheim geboren und engagierte sich früh im katholischen Schülerbund Neudeutschland und in der Liturgischen Bewegung. Ab 1937 studierte er in Bonn Medizin, wurde 1940 als Sanitäter zur Wehrmacht eingezogen und 1942 zur Fortsetzung des Medizinstudiums nach München geschickt. Hier schloss Graf sich der studentischen Gruppe der Weißen Rose an, die in Flugblättern zum Widerstand gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime aufforderte. Am 18. Februar 1943 wurde er, gemeinsam mit seiner Schwester Anneliese, festgenommen, am 19. April zum Tode verurteilt und am 12. Oktober im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet.Für die Voruntersuchung, die nun beginnen soll, wird ein Postulator ernannt, der sie inhaltlich begleitet und organisatorisch durchführt. Er befasst sich mit Grafs Leben und seinem Ruf unter den Gläubigen. Theologische Gutachter prüfen die Schriften von Willi Graf, Gutachter aus den Archiv- und Geschichtswissenschaften machen unveröffentlichte Schriften und Schriften aus seinem Umfeld ausfindig. Nach Abschluss der Voruntersuchung kann ein Seligsprechungsverfahren eröffnet werden.

Für zwei weitere Gläubige aus dem Erzbistum München und Freising ist die Voruntersuchung bereits abgeschlossen: Am 16. Dezember eröffnete Kardinal Reinhard Marx mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom das Seligsprechungsverfahren für den Publizisten Fritz Michael Gerlich und den Religionsphilosophen Romano Guardini. Im Rahmen des Verfahrens werden nun Zeugen befragt, die über die Persönlichkeit, die Biografie und das Wirken von Gerlich und Guardini Auskunft geben können. (gob)

Weiterführende Informationen:
Biografie Willi Graf
Weiße Rose Stiftung e. V.

Quelle: https://www.erzbistum-muenchen.de

5 Kommentare

    • @Melani
      Eine Selig- oder Heiligsprechung ist die offizielle kirchliche Feststellung, dass der betroffene Mensch im Himmel bei Gott ist – ergo letztendlich gottgefällig gelebt hat.
      Wem das nützt?
      Jedem, der sich näher mit dem Leben solcher Menschen befasst und sie vielleicht für sich selbst zum Vorbild in Glaube und Leben nimmt.
      Nicht zuletzt auch denjenigen, die solche Menschen um Fürsprache bei Gott in bestimmten Anliegen ersuchen – und Hilfe erhalten.
      Ich selbst habe mich z.B. an Hand des biographischen Romans von Kurt Benesch „Die Suche nach Jägerstätter“ intensiver mit dem Leben dieses christlichen Glaubenszeugen der NS-Zeit befasst, der für seine Gewissensentscheidung die Hinrichtung in Kauf nahm. Er wurde im Pontifikat Benedikt XVI. seliggesprochen. Ebenso verehre ich seine Witwe Franziska Jägerstätter, die vor kurzem mit 100 Jahren starb.

  1. „Nicht zuletzt auch denjenigen, die solche Menschen um Fürsprache bei Gott in bestimmten Anliegen ersuchen – und Hilfe erhalten.“
    ………………………………………………………………………………………………..
    Warum wenden sich diese lieben Mitmenschen nicht direkt an Gott?
    Soweit diese Christen sind, können sie doch jederzeit zum Vater über den Sohn kommen.
    Geht es über einen Heiligen denn schneller?
    Wenn ja: wieso?

    • Selbst evangelische Christen, die bekanntlich die Heiligenverehrung ablehnen, kennen und schätzen das fürbittende Gebet einer Gemeinde oder christlichen Gebetsgemeinschaft als Unterstützung für ureigene persönliche Anliegen – und haben oftmals Erfolg damit.
      Habe das selbst hier in der Nachbarschaft bei einem vor Jahren schwer und an sich hoffnungslos am Herzen erkrankten älteren Mann erlebt, der mit seiner Frau der sog. Gemeinschaft in der ev. Landeskirche angehörte. Er gesundete nach entsprechendem intensiven Gebet seiner Gemeinde überraschend und lebte noch einige Jahre in recht guter Gesundheit, bis er dann schließlich verstarb.
      Biblisch ist solch fürbittendes Beten z.B. abgedeckt durch die zusagenden Worte des Herrn Jesus Christus an seine Anhänger: z.B. Mt18,20; Jh11,22 oder Mk16,18b.
      Nun glauben wir Katholiken halt, dass solche Zusagen des Herrn nicht mit dem leiblichen Tod hier auf Erden enden, sondern dass vielmehr auch die unsterblichen Seelen von gottgefälligen Menschen mit uns zusammen Fürsprache in unseren Anliegen bei Gott einlegen und erbitten können. Meine Frau sieht es bildlich so: „Ich gehe zusammen mit bestimmten Seligen oder Heiligen mit meinen Anliegen zu Jesus Christus und vor Gott.“

      Ob dadurch eine Gebetserhörung irgendwie beschleunigt wird, weiß ich natürlich nicht – verzögert wird sie aber dadurch wohl kaum.

  2. Einerseits kann man bereits von der Kirche kanonisierte Verstorbene um (Mit-)Fürsprache bei Gott in den eigenen Anliegen bitten, andererseits auch gottgefällig gelebt habende Verstorbene. Erfolgt eine Gebetserhörung, so kann man sie den kirchlichen Stellen melden.
    Diese könnten sie dann im letztgenannten Fall nach eingehender Prüfung für ein Kanonisierungsverfahren heranziehen. Im Fall eine solchen erfolgreich abgeschlossenen Verfahrens stellt somit die katholische Kirche offiziell und öffentlich fest, dass der Betreffende Verstorbene im Himmel bei Gott ist.
    Das ist zur Orientierung der lebenden Gläubigen gedacht, die sich dadurch näher mit dem Leben des Betreffenden befassen können und ihn um Fürsprache anrufen können.

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