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Betrachtungen zur Fastenzeit

3. Fastensonntag: Schluss mit Lustig

Jetzt werden die Ärmel hochgekrempelt! Bewaffnet und entschlossen wird mal richtig aufgeräumt. Tische fliegen durch die Gegend, Leute werden verjagt, Wertsachen verworfen und es wird eine klare Ansage gemacht! Ist die Wüstenzeit schon zu Ende?

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Die Realität

Was sich wie eine Szene aus einem legendären Film von Bud Spencer und Terence Hill anhört, haben wir – sofern Sie mitgefeiert haben – im heutigen Evangelium bei der heiligen Messe gehört. Es ist die Stelle, bei der uns der Evangelist Johannes davon berichtet, als Jesus in den Tempel in Jerusalem kommt – und dieser eher einer Markthalle gleicht als einem heiligen Ort, der dem Menschen helfen sollte. Helfen in der Form, dass er dort zur Ruhe kommen und die Nähe Gottes erspüren kann, um zu beten oder einfach nur da zu sein, in einem großen Frieden! Sie wissen schon, den Lärm verlassen, die Stille des Herzens suchen, die ja so wichtig wäre! (für Insider, die dieser Serie folgen)

Jesus weiß das natürlich, aber was machen die Menschen seiner Zeit aus dem Tempel? Es ist die Rede von Händlern aller Art und von Geldwechslern, die dort sitzen. Also wenn Sie mich fragen, war das ein Shopping-Center von anno dazumal. Hier konnte man alles auf einmal erledigen. Einkaufen, den aktuellen Tratsch und Klatsch der Stadt checken, sehen und gesehen werden und zu essen gab es sicher auch etwas – TOLL!

Gott wurde quasi aus seinen eigenen vier Wänden geschmissen! Ersetzt durch Konsum und Wirtschaft! Stopp! Irgendwie kommt mir das bekannt vor …

Wo haben wir heute, im Jahr 2018, überall Gott rausgeworfen und die Welt einziehen lassen? Ist das nicht unsere Realität? Aus den Ehen, aus den Familien, aus der Gesellschaft, aus der Politik und, ja, auch aus unseren Kirchen! Wichtig ist ALLES – aber nicht Gott! Ein Beispiel gefällig? Kirchliche Hochzeit: Alles wird bis ins kleinste Detail geplant und organisiert! Das Lokal, die Musik, der Wein (dazu wird ein Wochenende lang Wein verkostet oder, sagen wir, zumindest einen Abend lang mehr als nur verkostet …) und von der Blume bis zur Unterhose des Bräutigams wird alles bedacht, nur mit Gott hat sich niemand beschäftigt! Wird doch nur mit Gott ein Bund geschlossen, vor ihm ein Versprechen gegeben, das bis zum Tod besteht und dass kein noch so guter Scheidungsanwalt dieser Welt aufheben kann!

Gott wird zum Statisten – ja, zum Pausenclown degradiert! Er darf nur ab und zu kurz in unserem Leben auftreten, wenn das Kind einen Unfall hatte, wenn ein lieber Mensch im Sterben liegt oder wir in das berühmte schwarze Loch fallen! DANN, aber nur dann, darf er kurz in unserem Leben, in unserer Realität auftauchen!

Aberwitzig finde ich, dass bei so gut wie allen Kinofilmen der Ausruf „Oh, mein Gott!“ zu hören ist, wenn etwas Tragisches und Schlimmes passiert. Warum machen wir das, wenn wir ihn ja gar nicht brauchen? Bloß eine Redewendung – oder nur ein Hilferuf der Seele?

Die Konsequenz

Also, Jesus lässt die Muskeln spielen! Er räumt im Tempel von Jerusalem so richtig auf, dass Buddy seine helle Freude daran gehabt hätte! Vielleicht hat Jesus weniger Watschen ausgeteilt, aber er war sicher nicht weniger effizient. Es reichte ihm einfach. Er wollte diesen Zustand nicht länger dulden!

Schluss mit lustig! Jesus zeigt, wie sonst kaum in der Bibel, wie sehr er auch Mensch ist und wie sehr er leidenschaftlich agiert! Es folgt dann ein so starker wie prägender Vers im Evangelium:

Der Eifer für dein Haus verzehrt mich!“ (Joh. 2,17)

Dies steht schon in den Psalmen und in dem Moment, wo Jesus es krachen lässt – die Jünger staunen sicher auch nicht schlecht, was da jetzt abgeht –, kommt ihnen dieser Satz in den Sinn! Dieser Jesus, der alle liebt und allen hilft, lässt gerade den Rambo raushängen! Ist uns das heute noch bewusst, dass auch Jesus Konsequenzen gezogen hat? Dass es ihm nicht egal ist, wie wir leben? Dass er auch dagegen aufgetreten ist, wenn Gott – sein Vater – entehrt und verworfen worden ist?

Mein geistlicher Begleiter hat mir einen Satz mitgegeben, der mir schon sehr weitergeholfen hat:

Wenn das Recht nicht manchmal auf den Tisch haut, glaubt das Unrecht, dass es im Recht ist!“

Genau das macht Jesus! Er ist das Recht und die Wahrheit in Person (Joh. 14,6) und zeigt allen klar und deutlich, was Sache ist – PUNKT! Was hochinteressant ist: Er geht nicht von einem zum anderen und bittet ganz höflich, dass er sich doch bitte vom Acker machen soll, er teilt nicht die Apostel ein, um die Tische rauszutragen und vor allem steckt er nicht die Hände in die Hosensäcke (falls er überhaupt welche gehabt hat) und sagt: „Tja, da kann man wohl nichts machen, das ist halt SO!“

NEIN!, Jesus handelt und setzt die Konsequenz, die diese Menschen anscheinend brauchen, weil eines auch klar ist: Er tut nichts aus Hass und Groll oder um einen Menschen zu schaden! Das kann er gar nicht – und doch greift er so hart durch! Kann es denn nicht sein, dass das eine Tat der Liebe ist? Dass er, gerade weil es um die Rettung jeder einzelnen Seele geht, hier konsequent durchgreift und eben nicht NICHTS tut? Ich habe diesen und auch so manchen anderen Aspekt im Zusammenhang mit Gott Vater lange nicht verstanden. Erst als ich selbst zum Papa wurde und die Kinder heranwuchsen, kam ich in Situationen, wo ich in meiner Verantwortung merkte: Hey, das wird jetzt richtig schwierig! Auf der einen Seite will ich nur das Beste für mein Kind – und auf der anderen muss ich genau deswegen dem Kind etwas verbieten oder es zurechtweisen, was ja nicht angenehm für uns beide ist! Aber ist das denn notwendig? Ja, unbedingt! Erziehung heißt, Verantwortung zu übernehmen – und nicht abzugeben oder einfach nichts zu tun, die Situationen nur laufen zu lassen. Jesus zeigt es ganz klar vor!

Wüstenzeit ist das Training

Um diese Kraft, diese Entschlossenheit und überhaupt diesen Blick dafür zu bekommen, wenn etwas in Unordnung ist, wenn sich eine Sache vom guten Weg, von der Wahrheit und somit von Gott entfernt, braucht es eine Schulung, ein Training! Auf welcher Wanderung befinden wir uns gerade? Richtig, wir gehen mit Jesus durch die Wüste. Das ist wie ein Trainingslager! Dort, wo all dieses weltliche Getöse verstummt (*Link Wüstenzeit), wir den Lärm (*Link Lärm) verbannen und so in die Stille kommen (*Link Stille), sind wir dabei, in der Gegenwart und Nähe Gottes, unseres Vaters, zu sein. Er trainiert und schult uns! Der Vater erzieht seine Kinder beständig, voll Liebe und Geduld. Nutzen wir diese Fastenzeit wirklich dazu, um neu ein Kind Gottes zu werden! Lassen wir uns darauf ein und Sie werden staunen, wie sehr sich Ihr Blick verändert und Sie dadurch entschlossen sind, so manche Tische umzuwerfen und Missstände auszuräumen – natürlich nur bildlich gesprochen!

Die Wochen-Challenge:

Nein, bitte fangen Sie keine Rauferei beim Frühschoppen an, weil Sie die Ehre Gottes verteidigen und sich dabei auf meinen Artikel beziehen!

Obwohl der Ansatz schon sehr gut ist … Ich lade Sie diese Woche ein und ermutige Sie, sich in Ihrem Leben wirklich umzusehen und solche „Tempel“-Zustände zu erkennen. Wo ist Gott entfernt und durch alles Mögliche ersetzt worden? Lassen Sie sich auf das Training mit Jesus in der Wüste ein!
Drei Bereiche schlage ich Ihnen vor: 1. in Ihrem Leben, 2. im Leben Ihrer Familie und 3. (für Fortgeschrittene) im eigenen Umfeld. Haben Sie den Blick dafür und, wenn ja, dann auch den Mut, etwas dagegen zu unternehmen! Gott braucht uns dafür! Was hat die heilige Mutter Teresa einem Reporter geantwortet, als er sie gefragt hatte, was sich in der Kirche (in der Welt) zum Besseren ändern sollte?

ICH und SIE!“

von Christian Schallauer

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2 Kommentare

  1. Michael van Laack 4. März 2018

    Ein sehr lesenswerter Beitrag. Hängen geblieben bin ich am Herauswurf Gottes und möchte hier aus meiner subjektiven Sicht ein wenig konkretisieren:
    Unserer eigene Kirche wirkt in der Tat mit an dem „Herauswurf Gottes“ aus so vielen Bereichen?
    Z.B. dort, wo sie „Lebenswirklichkeit“ zum Leitstern für ihre neuere Moraltheologie und die damit verknüpfte Pastoral macht? – Was hat sie hier schweren Sündern wie auch mir noch zu sagen? Ein konkretes, ein lautstarkes, ein argumentativ unterfüttertest „Maranatha“ haben viele von uns über Jahrzehnte von der Kirche nicht gehört. – Sollte es dann aber doch noch irgendwann gekommen sein, waren Menschen wie ich schon längst außer Hörweite.
    Wirkt unsere Kirche nicht auch mit am „Herauswurf Gottes“ dort, wo sie den Eindruck nach außen erweckt, jener „Allah“, – dessen „Erzengel Gabriel“ dem „jüngeren Bruder Christi“ offenbarte, Christus sei nicht der Sohn Gottes, ein Doppelgänger sei für ihn am Kreuz gestorben, er sei biologisch noch nicht tot sondern werde am jüngsten Tag zurückkehren, um gemeinsam mit Mohammed die Christen zu bekehren oder zu töten – sei identisch mit jenem Gott, der Christus am Kreuz um unsere Sünden willen opferte? Wenn beide Offenbarungen des Erzengels wahr sind… Nein, dann wären beide Lüge.
    Wirkt unsere Kirche nicht auch mit am „Herauswurf Gottes“ dort, wo sie die Gnadenquelle der Eucharistie – den Empfang der Kommunion – zu einem bloßen gemeinschaftsstiftenden Mahl herabwürdigt?
    Wirkt unsere Kirche nicht auch mit am „Herauswurf Gottes“ dort, wo sie die Beichte (das Bußsakrament) nicht mehr als ein zentrales Sakrament postuliert, sondern den Leerstand der Beichtstühle über Jahrzehnte fördernd nun den Gläubigen an vielen Orten die Versöhnung mit Gott in den gemeinschaftlichen Bußgottesdiensten in der Fastenzeit erreichen zu können vorgaukelt?
    Wirkt unsere Kirche nicht auch mit am „Herauswurf Gottes“ dort, wo den Priester nicht mehr als „alter Christus“ in der Liturgie den Gläubigen postuliert, seine herausgehoben Stellung im Volk Gottes und uch seine Vorbildunktion für die Gläubigen nivelliert und ihn bestenfalls noch als „Ersten und Gleichen“ betrachtet?
    Wirkt unsere Kirche nicht auch dort mit am Herauswurf Gottes, wo sie zuerst dem Staat und dann noch einmal dem Staat gibt und Gott nur noch das, was übrigbleibt? Wo sie z.B. die Abtreibung zwar pflichtgemäß beklagt, aber ein unmittelbare und auch redundante Konfrontation mit dem Staat vermeidet, wie sie es auch bei Themen „Wie Ehe für alle“ oder dem „Kampf gegen Rechts“ tut, einem „Rechts“ dessen Definition inkonkret ist und beliebig ausgeweitet wird auf alles, was dem Mainstream, dem politische Gewollten und/oder Korrekten widerspricht.
    Last but not Least: Wirkt unsere Kirche nicht auch dort mit am Herauswurf Gottes mit, wo sie systematisch schwere Sexual-Straftaten nivelliert und zu verdecken bemüht ist? Wo sie nicht einmal die Wurzel des Übels sehen will, dass in der fahrlässigen Aussiebung vor Beginn einer Priesterausbildung und in den Seminaren liegt, wo man bei homosexuellen Neigungen und sonstigem abweichenden Verhalten seit Beginn der 70er beide Augen zudrückt?
    Wie auch immer – Umkehr findet im ICH statt. Sie wird aber nur dann möglich sein, wenn da noch Menschen um mich herum sind oder eine aus Menschen bestehende Institution, die mich die Notwendigkeit dieser Umkehr erkennen lässt, mich mit der Nase immer wieder auf meine „Krankheiten“ stößt, die Sünde Sünde nennt.

    Zwar leuchtet mir immer noch die allgemeine Notwendigkeit der Kirche als Heilsinstitution ein und ich habe auch die Gewissheit, dass die Pforten der Hölle sie niemals werden gänzlich überwältigen können.
    In meiner kleinen Lebenswirklichkeit aber ist sie mir aktuell weder Heilsinstitution (kein Leitstern, keine Orientierungshilfe, eher eine Zweifelpostulierungs-Behörde) und auch sehe ich sie dort, wo ich sie noch wahrnehmen, in weiten Teilen als überwältigt an, weil es schon zu viele Herauswürfe Gottes gab!

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