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Betrachtungen zur Fastenzeit

4. Fastensonntag: Die Oase in der Wüste

Pixabay: Freie kommerzielle Nutzung

Mehr als die Hälfte der Fastenzeit liegt schon hinter uns. Wie geht es Ihnen dabei? Sind Sie schon am Verdursten bei dieser Wanderung durch die Wüste? Geht es Ihnen schlecht oder haben Sie vielleicht kaum noch Kraft, um den Weg des Lebens zu gehen? Dann wird es Zeit für eine OASE!

Von Christian Schallauer

Die Oase

Ein Familienvater erzählte mir, dass er über das Ende der Semesterferien (in Österreich) „froh“ sei, weil ihn diese Doppelt- und Dreifachbelastung fertiggemacht habe. Die Kinder erwarteten sich den „SUPERMAN“-Papa, die Frau hatte einen Skifahr-Bade-Museums-Kino-Abenteuer-Marathon geplant, die beruflichen E-Mails sollten auch beantwortet werden und eine kurze Skype-Besprechung wird doch wohl möglich sein, weil man ja eh im Urlaub ist – also wirklich! Eine junge Single-Frau schilderte mir unlängst, dass sie einen vollen Terminkalender habe – und wenn sie darüber nachdenke, darin eigentlich gar kein Platz für einen Partner zu finden sei, aber eine Sehnsucht nach einem Mann fürs Leben und so hätte sie schon. An meiner Arbeitsstelle in einem der größten Shopping-Center Österreichs rief vor kurzem eine Dame an und fragte, ob ihr Mann noch gegenüber im Café sitze … – Denn als sie zu Hause alles ausgepackt und verstaut hatte, beschlich sie ein komisches Gefühl, als hätte sie etwas Wichtiges vergessen …

Wir leben in einer Welt, in der sehr viele sehr getrieben sind und sich treiben lassen. Ich behaupte, dass es in der Geschichte der Menschheit noch nie so eine pulsierende, unruhige und hochaktive Lebensweise gegeben hat, wie wir diese gerade erleben!

Kennen Sie die aktuellen Burnout-Zahlen? Ich habe für eine wissenschaftliche Arbeit an der Hochschule dafür recherchieren müssen. Diese Zahlen sind enorm und erschreckend hoch. In Österreich gibt es rund 2,5 Millionen Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen, 1,5 Millionen Menschen sind Burnout-gefährdet und doppelt so viele leiden an Schlafstörungen Sind wir wirklich so ausgebrannt? Brauchen wir eine Pause vom Leben? Haben wir Durst nach Ruhe?

Da wäre eine Oase gerade das Richtige!

Eine Oase ist ein Ort, der in lebensbedrohlichen Gebieten – wie zum Beispiel in einer Wüste – Schutz und Erholung bietet. Dort gibt es eine Quelle und somit das Leben!

Wo gibt es diese ECHTE Oase?

Ich denke, sehr viele Menschen suchen nach einer solchen Oase. Ja, suchen nicht wir alle danach? Meine Erfahrung – gerade mit jungen Erwachsenen, die oft in den großen Anforderungen des Lebens stecken – zeigt mir, dass wirklich viele suchen, aber nicht fündig werden. Sicher, es gibt reichlich Angebote dafür, wie man sich eine Atempause gönnen kann, aber das gleicht eher einem Tautropfen und nicht der Quelle, aus der man trinken kann! Die üblichen „Tautropfen“ sind der Wellnessurlaub, das Party-Wochenende (bis zum Verlust der Muttersprache), Drogen oder anderes berauschendes Zeug, der „KlingKlangOm“-Kurs, der einen wieder in seine Mitte bringen soll. Alles sicher schön und gut…, aber da möchte ich lieber über eine so unglaublich schöne und echte Oase berichten! Erfahrungsberichte sind doch heute das Nonplusultra! Amazon, booking.com, Facebook und Co. leben davon, dass die Sterne voll und die Daumen oben sind, nicht wahr?

Wir Menschen lieben es, von Erfahrungen zu hören und das dann selbst auszuprobieren. Man könnte hier die Phänomenologie bemühen, die uns lehrt:

Dass wir Menschen aus Erfahrungen Erkenntnisse gewinnen, um es sehr vereinfacht auszudrücken. Johannes Paul II. war ein Phänomenologe. Er war fest davon überzeugt, dass es nicht darum gehe, die Menschen anzuklagen – ihnen quasi mit der Moralkeule eine überzubraten und erst wenn sie am Boden liegen, „gescheit daherreden“, wie wir Österreicher zu sagen pflegen – Fehlanzeige! Er wollte die Menschen einladen, wieder zu STAUNEN!

Zurück zur echten und wahren Oase: Um diese zu finden, muss man sich auf einen Weg machen. Einige von Ihnen gehen diese Fastenzeit mit mir auf einem Weg, der direkt zur Oase führt! Können Sie diese reich sprudelnde und niemals versiegende Quelle schon erkennen, durch die erst eine Oase entstehen kann? Die Quelle ist JESUS, der Sohn des allmächtigen Gottes – und seine geliebte Kirche ist die Oase!

„Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.“ (Offb 7,17)

Niederreißen und eintauchen

Wir sind nun an einem markanten Punkt angekommen! Die Kirche als Oase wahrnehmen – *OMG*!

Jesus geht ja bei vielen Menschen noch, aber die katholische Kirche ist für viele ein No-Go, wie es so schön heißt! Wir stehen nun bildlich gesprochen vor einer Wand – zwischen der Oase und dem Menschen. Die Wand ist Sinnbild für all das, was die Kirche in ihrer langen und einzigartigen Geschichte an Mist gebaut hat! Okay, Mist ist sehr vage ausgedrückt! Ich verstehe und akzeptiere aufgrund der vielen tragischen Verfehlungen jeden Einwand, sich nicht in der Kirche zu sehen oder davon etwas Gutes zu erwarten! Gut, aber nun lade ich Sie ein, mit mir differenziert nachzudenken und dabei zu reflektieren, WER dieses Leid, diese Schuld und all diesen Mist verursacht hat? JESUS selbst? Die Kirche als seine geliebte Braut? Oder der MENSCH? Genauso wie ich und Sie einer sind?

Ich bin nicht perfekt, das ist mir nur allzu sehr bewusst! Ob Sie makellos sind, möchte ich niemals beurteilen! Der Punkt ist:

Die Kirche besteht in seiner ausführenden Wirklichkeit aus Menschen, die eben nicht perfekt sind! Kein Priester, kein Bischof, kein Kardinal und auch kein Papst ist perfekt! Hat auch NIE jemand behauptet – nur so nebenbei!

„Ich bin ein Sünder, ich fühle mich als Sünder und bin sicher, dass ich es bin. Ich bin ein Sünder, auf den der Herr mit Barmherzigkeit geblickt hat.“ – Papst Franziskus

Lieben Sie einen Fußballverein? Sind Sie ein leidenschaftlicher Fußballfan eines ganz speziellen Clubs? Ja? Dann frage ich Sie: Wenn dieser Verein im Champions League-Finale steht, es zum alles entscheidenden Elfmeterschießen geht, dann der geliebte Star den letzten Elfer verschießt und die andere Mannschaft siegt – was werden Sie tun? Verwerfen Sie den ganzen Club oder hassen Sie diesen einen Spieler?

Ich weiß, dass dieses Bild in keiner Relation zu den Fehlern der Kirche steht. Obwohl bei einem solchen Spiel sich allein durch die Wetteinsätze schon Tragödien abgespielt haben, ein Fußballspieler, der „versagt“ hat, ermordet worden ist … nicht gerade ruhmreich für den Fußball – doch redet jemand jahrzehntelang darüber?

Diese Anmerkung sollte nur verdeutlichen, dass viele Menschen die Erwartungen eben oft nicht erfüllen können – weder im Beruf, am Fußballplatz, noch in der Familie und Ehe, genauso wenig in der Kirche! Was aber nicht zwangsläufig heißen muss, dass deswegen die Kirche und vor allem JESUS zu verwerfen sind!

Es ist auch möglich, diese Wand niederzureißen und somit in die Oase einzutauchen, aus der Quelle zu trinken und diese Sehnsucht nach Liebe, diesen Durst zu stillen! Wäre das nicht auch eine Option? Was hindert Sie daran? Was haben Sie zu verlieren?

Jesus lädt jeden Menschen ein, zu seiner Oase zu kommen! Er ruft nach uns, anstatt uns anzuklagen! Welch ein Gegensatz zu dieser Welt, wo sich jeder und alles rechtfertigen muss, wo wir uns ständig über Leistung definieren, aber nicht darüber, wie groß unsere Herzen sind. Sind wir deswegen so ausgebrannt und leer, weil wir uns alle beweisen müssen anstatt uns zu lieben, so wie wir sind? Ist der Ehepartner mein Konkurrent oder meine große Liebe? Sind die Kinder eine Plage oder ein Geschenk? Ist der Arbeitskollege ein Mensch mit Talenten oder mein Feind? Ist der Bettler ein Schmarotzer oder ein Mensch am Boden seines Lebens? Die Sichtweise, der Blickwinkel macht den großen Unterschied!

Lernen wir wieder zu staunen, beginnen wir ganz NEU über Dinge nachzudenken! Niemand will ständig die Fehler seiner Vergangenheit präsentiert bekommen, erst recht nicht, wenn er sich dafür schon entschuldigt und Wiedergutmachung geleistet hat – soweit dies auf dieser Welt möglich ist!

Lassen Sie sich ein auf dieses Abenteuer, reißen Sie die Wand ein und kommen Sie zur Oase, um dort aufzutanken, wo alle Kraft und Schönheit ihren und alles Leben seinen Ursprung haben!

Die Wochen-Challenge:

Sie kennen bestimmt eine Kirche oder Kapelle – eventuell sogar eine am täglichen Weg zur Arbeitsstelle oder Uni. Ich lade Sie ein, dort in der kommenden Woche anzuhalten. Gehen Sie hinein, gerade weil keine hl. Messe gefeiert wird oder etwas anderes stattfindet. Tauchen Sie ein in diese Ruhe. Tauchen Sie ein in diese Oase des Friedens! Reißen Sie vorher die Wand ein und lassen Sie all die Vorurteile, Meinungen, Medienberichte und Skandale draußen – nur dies eine Mal – und gehen SIE einfach, wie Sie sind, in die Gegenwart Gottes!

Er kennt Ihre Sorgen, Ihre Tränen und alles in Ihrem Leben! ER wartet dort auf Sie, in der Oase – und hofft, dass Sie kommen werden! Und sagt zu Ihnen: „Wenn du Durst hast, dann trinke!“ (Offb 22,17)

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Ein Kommentar

  1. Wüste bereisen 14. März 2018

    Die Wüste ist richtig spannend. Ich war dort in der Wüste letztes Jahr mit
    Julia und wir werden es niemals vergessen…

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