Wie eine katholische Frau ihren atheistischen Mann bekehrte: Die wahre Geschichte von Félix und Élisabeth Leseur

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Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts: katholische Frömmigkeit und kämpferischer Atheismus entwickeln sich parallel. Exemplarisch dafür ist die Ehe von Félix und Élisabeth Leseur: Élisabeth wurde 1866 in Paris geboren. Sie gehörte mit ihren vier Geschwistern zu den wohlhabenden Kreisen in Paris und verdankte ihre katholische Erziehung vor allem ihrer Mutter. Mit etwa 20 Jahren lernte sie Félix kennen.

Félix wiederum war das dritte Kind einer wohlhabenden Familie aus Reims. Er wurde 1861 geboren und ebenfalls katholisch erzogen, befasste sich aber zunehmend mit atheistischen Theorien und begann in Reims ein Medizinstudium. Später wechselte er nach Paris und bezeichnete sich als überzeugten Atheisten.

Élisabeth und Félix lernten sich 1887 kennen. Zwei Jahre später verlobten sie sich. Die Ehe folgte wenige Monate danach im selben Jahr. Félix schätze an Élisabeth ihre Fröhlichkeit und gute Bildung. Es gab zwar religiöse Differenzen, aber gleiche Interessen und Vorblieben einten die beiden. Félix verzichtete für Élisabeth auf eine Karriere außerhalb von Paris und duldete ihre Frömmigkeit. Élisabeth hingegen hoffte, Félix doch noch bekehren zu können. Aber es gab keine Aussicht auf Erfolg. Alle Versuche Félix vom Glauben zu überzeugen scheiterten. Im Gegenteil, seine Opposition schien eher zuzunehmen.

1892 wurde Félix Redakteur einer kirchenfeindlichen Zeitung („La République Française“). Zwei Jahre danach wechselte er zur antiklerikalen „Siècle“. In den nächsten Ehejahren führten die beiden das typische Leben eines Paares der Pariser Oberschicht: viel reisen, Wichtiges lesen, Restaurant und Kaffeehaus.

Pour Félix – Für Félix

Der Lebensstil änderte sich jedoch ab 1905. Élisabeths Schwester Juliette starb an Tuberkulose und auch ihre eigene Gesundheit wurde schlechter. Ab 1907 verbrachte Élisabeth die meiste Zeit im Bett. Später wurde bei ihr Krebs diagnostiziert, von dem es keine Heilung geben sollte. Was für moderne Augen ganz abstoßend zu lesen ist, Ärger, Verachtung und Kopfschütteln hervorruft, war der Weg zu Félix‘ Heil: Es war die Bereitschaft Élisabeths, ihr Leiden zur Bekehrung ihres Mannes zu tragen und einzusetzen: „pour vous et de la miséricorde divine“ – für Dich und die göttliche Barmherzigkeit, schrieb sie 1905 in ihrem Testament, das „Pour Felix“ – Für Félix – überschrieben ist. Félix fand es erst nach ihrem Tod.

1914 starb Élisabeth und sagte ihrem Ehemann, dass sie ihr Leiden erfolgreich aufgeopfert habe. Sie prophezeite ihm, er werde sich bekehren und Dominikaner werden. Félix jedoch wollte von all dem nichts wissen. Sie starb in seinen Armen und er blieb Atheist.

Der Weg nach Lourdes

Kurz nach dem Tod von Élisabeth ging Félix nach Lourdes. Eigentlich wollte er nach Bordeaux, aber es trieb ihn, den Immer-noch-Atheisten, zum Wallfahrtsort. Manche sagen, er wollte in Lourdes „Schwindel“ aufdecken, andere sehen im Weg nach Lourdes das Wirken Élisabeths. Was auch immer sein Antrieb war, in Lourdes geschah es: An der Grotte von Lourdes wurde Félix besiegt („J’étais conquis!“).

Innerhalb einer Sekunde änderte sich alles. Er erkannte, begriff und glaubte. 1917 veröffentlichte er Élisabeths Tagebuch, 1919 trat er den Dominikanern in Paris bei, 1923 wurde er zum Priester geweiht und starb 1950 als Predigerbruder. Als Dominikaner arbeitete Félix daran, die Liebestaten seiner Frau bekannt zu machen. Nicht ohne Erfolg: Der Seligsprechungsprozess für Élisabeth wurde 1955 eröffnet.

Bild: Cathwalk.de

Quellen:
Leseur, Félix (Hg.), Élisabeth Leseur. Journal Et Pensées de Chaque Jour, Paris 1920.

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