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Men Going Their Own Way

Folge 03: MGTOW – Die Genialität des Plattköpfigen

Unter dem Kürzel MGTOW formiert sich eine rasant wachsende Gruppe von Männern, die sich radikal vom Umgang mit Frauen zurückziehen. Welche Gründe hat das und was sind die Folgen insbesondere für Katholiken?

Pixabay-Kollage MGTOW Cathwalk
Bild: CC

von André Thiele

„Wie herrlich ist heute der König von Israel gewesen, als er sich vor den Mägden seiner Männer entblößt hat, wie sich die losen Leute entblößen!“ – Michal zu David (2 Sam 6, 20)

Michal, die kinderlose, mochte gar nicht, was David da tat. Denn David tanzte vor dem Herrn, nicht vor ihr und nicht auf die Weise, die sie für ihn bestimmen wollte. David aber gab nichts drauf. So tut auch MGTOW gut daran, nichts drauf zu geben.

Die Logik des Feminismus resultiert aus einer einfachen medienkulturellen Formel, die meistens mit Gramsci aufgeschoppt wird: Recht hat, der es sagen kann. Seine Macht resultiert zu nicht geringem Anteil daraus, daß er nach und nach das soziale Sprechen monopolisiert hat. Denn Männer sprechen anders – und waren einige tausend Jahre recht erfolgreich damit. Immer wird beides zugleich ausgeführt: die qualitative Neubesetzung der Wörter ebenso wie das rein quantitative Ausschalten der Gegenrede. Das Sterben z.B. der Wirtshäuser und Kneipen, das Ende der Wehrpflicht, die allgegenwärtige Sprachregulierung des Alltags, die Öffnung jedes gesellschaftlichen Ortes für die Frau ist identisch mit dem zunehmenden Schweigen der Männer. Jahrhundertelang waren Männer bemüht, den Sprachlosen die Sprache zu bringen – es ist Errungenschaft moderner weiblicher Pädagogik, der Gossensprache kulturellen Wert zuzuordnen und die Unterschicht so in ihrem Schweigen einzumauern. Die kommunikative Überlegenheit der Frau wird schrankenlos, indem der Rückzug des Mannes in seine eigene Sprachwelt verbaut wird. Wo denn sollten Männer sprechen, wie sie einmal sprechen? Wo sollten sie lernen, zu sprechen, wie sie sprechen könnten? Von ihren Müttern jedenfalls nicht. Und die Väter und Großväter fehlen allzu oft, denn das ist der „Preis der Freiheit“, den die Frauen insgesamt sehr gern zu zahlen bereit sind, daß der Mann für den Mann nicht mehr vorkommt, und wenn, dann mit einem in der Hauptsache den Frauen zugewandten Sprechen, das nunmehr als „männlich“ gilt.

In dem Maß, in dem Kommunikation mit Handeln gleichgesetzt wurde, wurde der nur scheinbar neutrale Diskurs zur allgegenwärtigen Ausdrucksform des Feminismus. Es gibt kein Sprechen mehr außer ihm. Auch die Kritik am Feminismus ist feministisch, wenn sie im Diskurs bleibt. MGTOW beendet für die sich anschließenden Männer den Diskurs.

MGTOW ist derzeit ein reines Internetphänomen. Während die Männerrechtsaktivisten (MRA) noch gegen den militanten Widerstand von Frauengruppen versuchten, öffentliche Diskussionsveranstaltungen und Tagungen, die an Harmlosigkeit kaum zu überbieten waren, zu organisieren, eben weil sie gesellschaftlich wirken wollten, hat MGTOW das Geschehen völlig online gestaltet. Das Internet ist der Ort, den der Feminismus nicht verhindern kann. Die einzelnen Gesprächsorte werden Kanäle genannt und wechseln oft. Aktivistinnen gelingt es immer wieder, einzelne Kanäle abschalten zu lassen, aber die sind zumeist gespiegelt und schnell wieder verfügbar. Der sehr reale Verfolgungsdruck, unter dem Männer stehen, die sich MGTOW anschließen, führt zur Zunahme von virtuellen Alternativen, für YouTube zum Beispiel das schnell wachsende BitChute oder derzeit noch recht unbedeutende Lösungen im Alt-Tech, die aber technisch rasch besser werden.

Nun mag das Sprechen der Männer per se so „anders“ sein wie es will, es findet jedenfalls nicht aus sich heraus zu sich und schon gar nicht zum Geist. Dazu braucht es Denker und Erzähler. Die derzeitige Hierarchie des Sprechens im MGTOW-Raum läßt sich grob wie folgt darstellen: ganz unten gibt es den Maelstrom der Verbitterung. Jeder Mann, der sich mit der „red pill philosophy“, dem Konzept der Illusionslosigkeit, die Geschlechter betreffend, befaßt, durchlebt Wut und zumeist Depressionen. Das ist nicht erstaunlich, sondern grundsätzlich gesund. Viele Männer aber finden da nicht heraus und steigern sich im Gegenteil noch hinein. Weil das „Schlampe“- und „Fotze“-Sagen einen Ausweg zu weisen scheint aus der vom Feminismus betriebenen, unsinnigen Verkörperung des Feminismus in der einzelnen Frau, weil die geistigen Kapazitäten und Vorbilder fehlen, weil man Angst hat – es gibt viele Gründe.

Die Gefahr dieser Gruppe, in der auch viele „true forced loneliness“-Männer sind, die kaum echte Aussichten haben, eine Partnerin zu gewinnen, und aus ihrer chronischen Verletztheit nahtlos zur Bösartigkeit übergehen, besteht darin, insbesondere junge MGTOW-Männer zu Frauenhassern zu machen und MGTOW nach außen zu diskreditieren. Aber das zweite Argument zieht nicht, denn MGTOW sucht keine Anerkennung in der Gesellschaft, eine Diskreditierungsstrategie läuft darum fehl. Das erste Argument ist weitaus interessanter: der Psychologe Jordan Peterson hat in einer Vorlesung MGTOW scharf angegriffen und als „pathetic weasels“ bezeichnet, wofür er sich später entschuldigte; sein Vorwurf lautete im Kern, daß ältere, frustierte Männer jüngere, unerfahrene Männer, die nach Vaterfiguren suchten, dahingehend beeinflussen würden, daß sie ihr individuelles Elend über MGTOW auf diese übertrügen, indem sie die jungen Männer in ihre negativen Erfahrungen hineinzögen und dadurch unfähig machten, die eigenen Kämpfe im Leben zu bestehen. Peter Hacks hat diesen Vorwurf auf eine gut zu handhabende Formel gebracht: „Ende, das im Anfang wohnet, färbt die Mitte leichenblaß.“ Karen Straughan, eine bekannte Männerrechtsaktivistin, antwortete ausführlich auf Peterson, streifte aber das Kernargument der Erwiderung nur am Rande: in MGTOW sind es sehr oft die jungen Männer, die die älteren aus der „red pill rage“ herausholen und vor der Verbitterung bewahren. Das, was früher die tiefe Enttäuschung am Ende eines Männerlebens war, wird durch die früh gewonnenen Erkenntnisse und die durch die RPP eingenommene Haltung zum Neubeginn. MGTOW kann so ein Ausweg aus der massenhaften Verbitterung sein, die die Lebensrealität vieler Männer ist. Kein Mann wird durch MGTOW verbittert, denn MGTOW überzeugt keinen Mann, der diese massiv verletzenden Erfahrungen nicht schon sehr real gemacht hat.

Es sind überraschend viele Männer in ihren 20ern, die in MGTOW aktiv sind, weil sie dem „dating carroussel“ und dem abstrusen Verhalten der Frauen ihrer Generation noch ganz anders ausgesetzt sind als die eher naiven älteren Männer, die in der relativen Frühzeit des Feminismus sozialisiert wurden, weil sie rascher und konsequenter auf die aktuelle Lage reagieren, weil sie sich weniger Illusionen machen. Sie übernehmen durch ihre intelligenten Beiträge vielfach die „Vaterrolle“ für ältere Männer – nicht umgekehrt. MGTOW ist damit ein Anfang, der im Ende wohnet – und die Mitte ist so deutlich weniger leichenblaß.

Auffälligerweise findet der Zotenzirkus zumeist in den rein schriftsprachlichen Foren statt, aus denen MGTOW entstand, denen die Gruppe aber längst entwachsen ist. Zu nennen sind reddit, Facebook und diverse nationale Foren. Die Masse der Kanäle ist mittlerweile bei YouTube organisiert, hier ist das Niveau schon deutlich anders. Etliche Kanäle sind überwiegend reproduktiv, es werden z.B. Einzelfälle, die Frauen „entlarven“ sollen, dargeboten, dies ist Teil des MGTOW-Maelstroms. Aber die meisten der etwa 500 aktiven Kanäle beschäftigen sich mit nachvollziehbarer Aufklärung im Sinne der RPP und dekonstruieren die Lügen des Feminismus.

Ca. 100 YouTube-Kanäle bieten regelmäßig tatsächlich eigenständigen „content“, der teilweise professionell angeboten und monetarisiert wird. Berichte von MGTOW-Männern lassen den Schluß zu, daß erfolgreiche Kanäle zwischen 1 und 10.000 US$ im Monat verdienen, dafür aber auch täglich neue Beiträge bieten müssen. Etwa 30 % der Kanäle stammen aus dem Randbereich zu den MRA, mit denen sie sich kontinuierlich auseinandersetzen, hier ist der Theorieanteil besonders hoch; etwa 50 % sind sozusagen MGTOW-Zeitungen, in denen Ereignisse im Sinne der RPP mehr oder weniger reflektiert ausgewertet werden; etwa 20 % der Kanäle setzen sich hiervon ab indem sie MGTOW-Fragen rein abstrakt behandeln.

Das MGTOW-Gespräch findet in den Kommentaren statt. Teilweise werden dort den „purples“ Fragen zur RPP beantwortet, teilweise Kritik an dem Beitrag geäußert und diskutiert, teilweise sprechen die Betreiber der Kanäle miteinander. Das Niveau ist oft erstaunlich hoch und zumeist – wir sind im Internet! – recht respektvoll.

Das im MGTOW-Maelstroms anzutreffende neurotische Frauenhassertum ist dort kaum zu finden. Aber MGTOW kritisiert dieses abfällige Reden nicht. Erstens, weil an Kritik an Männern weiß Gott kein Mangel ist. Zweitens ist MGTOW weder eine Bewegung noch gibt es eine geschlossene „Theorie“, demnach gibt es auch keinen Reinheitswahn oder Putzzwang. Drittens, weil dieses Faseln und Brummeln der Ort ist, an dem Männer aus dem krummen Vorurteil heraus den Mut hatten, die Systematik ihrer Lage zu erkennen und zu formulieren – nicht die piekfeinen Universitäten, bevölkert von hoch privilegierten StudentInnen, DozentInnen und ProfessorInnen und ihren noch geduldeten männlichen Zuträgern, haben das bewirkt, nicht besorgte „konservative“ Frauen oder gar, kleiner Scherz, feministische Katholikinnen, sondern diese grunzenden Mannsbilder, diese genialen Plattköpfe; niemand beschwert sich beim Höhlenmenschen, daß sein Sprechen eklig und vulgär war, man nimmt, was er begann, und führt es besser weiter. Viertens, weil das Pöbeln wirkt wie der Knoblauch gegen die Vampire: es hält die zartbeseelten Frauen draußen und vor allem die ästhetischen Jüngelchen. Fünftens, weil die Kritik an dieser Sprache einfach dieselbe Hochnäsigkeit ist, die die Welt der Frauen und der „beautiful ones“ auszeichnet, der alte elende Klassenhaß der Mittelschichten und der Ideologiehandlanger, diese einträgliche Verachtung der Unterschicht, die in Deutschland Breitensport ist.

Und schließlich, weil jeder die individuelle Tragikomödie hinter dieser Sprache ahnt. Denn in der Regel ist das Pöbeln Unvermögen, Phase und vor allem aber Inszenierung, wie im Folgenden an dem MGTOW-Kanal Redonkulas gezeigt werden soll:

Hinter diesem semiprofessionellen Aufnahmestudio in den USA verbergen sich der hochdekorierte Ranger-Veteran Terrence Popp und sein Produzent. Popp tritt in zwei Rollen auf, einmal im schwarzen T-Shirt = guter Popp und einmal im roten T-Shirt = böser Popp. Als böser Popp bespricht er als „pump and dump“-MGTOW oft Texte feministischer Autorinnen oder Vorgänge aus der Medienwelt, außerdem finden sich auch Abhandlungen, die er meist mit ausführlichen Tafelbildern systematisiert. Dabei scheint er stets Bier oder Whisky-„shots“ zu trinken, redet so kumpelhaft und chauvinistisch, als stünde er mit Kameraden auf der Stube, und reißt dabei eine Zote nach der anderen. Im schwarzen T-Shirt als guter Popp berichtet er „from the lair“ aus seiner Zeit in der Armee oder nimmt Stellung zu allgemeineren Themen, hier ist der Ton vertraulich-männlich, aber immer noch kompromißlos „hart“. Mehr oder weniger jede Frau ist eine „whuuuuur“ oder eine „biiiiatch“, Sexakte werden ausführlich imitiert und kommentiert, die Pointen sind vulgär und sexistisch.

Nimmt man die Vulgarität als bewährte männliche Form der Komik wahr, was sie zweifelsohne ist, sind die Analysen und Systematisierungen, die Popp bietet, allerdings erstaunlich gut. Nicht akademisch, dafür logisch und konsistent. Aus dem Einzelfall kommt er immer zum Allgemeinen und schafft es mühelos, Männern, die im Leben keine akademischen Texte lesen würden, über das Lachen die Absurdität der Gesamterscheinung der dauerschwafelnden Frauenwelt in den Medien und an den Universitäten unserer Tage vor Augen zu führen.

Der Kraftquell für diesen Humor liegt allerdings nicht in irgendeiner Theorie oder Politik, sondern eben in der unhintergehbaren konkreten Erfahrung. 2013 gab Terrence Popp, damals noch eher ein Männerrechtler, ein Interview für eine Dokumentation, die für Mitglieder des US-Kongresses bestimmt war. Das Interview ist nicht mit dem Redonkulas-Kanal verbunden und eher schwer zu finden.

In dem Interview ist Popp offensichtlich frei von jeder Rolle und bei sich. Dort sitzt ein tief trauriger Mann und spricht sehr zurückhaltend und gelassen über das, was ihm widerfahren ist. Wie er nach dreijährigem Kriegseinsatz schwer verletzt nachhause kam um festzustellen, daß seine Frau ihn betrogen hatte. Wie er im Scheidungsverfahren Haus, Vermögen und den Zugang zu seinen zwei Töchtern verlor. Wie er vor Gericht als „Verbrecher“ bezeichnet wurde, weil er Soldat und somit als Mann per se eine Gefahr sei. Wie er als Obdachloser lebte und keinerlei Chance sah, jemals wieder auf die Füße zu kommen. Er schont sich dabei nicht und bespricht eigene Fehler und Probleme. Er spricht aber auch davon, wie er durch eigene Recherchen herausfand, daß die extrem hohe Zahl von Selbstmorden unter Veteranen der US-Armee offensichtlich einen weitgehend verschwiegenen Bezug zum Verlust des Umgangs mit den Kindern der Männer durch Scheidungen hat. Von dort aus begann er zu verstehen, daß seine Erlebnisse kein Einzelschicksal waren, sondern endemisch sind. Aus dieser Erkenntnis resultiert sein Engagement.

Nicht jede Frau verhält sich so, wie Terrence Popps Frau sich verhalten hat – aber jede Frau der Jetztzeit kann sich so verhalten und ohne jede Sanktion persönlicher oder gesellschaftlicher Art damit durchkommen, im Gegenteil, sie wird dafür noch massiv belohnt; und es gibt weder eine politische Kraft, insbesondere nicht von Frauen, die hiergegen antritt noch eine realistische Perspektive.

Wer den „lustigen“ Zotenreißer Terrence Popp mit dem Mann im Interview vergleicht, kann verstehen, woraus die Kraft von MGTOW resultiert; den anderen ist nicht zu helfen.

ANMERKUNGEN

Am 5. April erscheint der vierte von zwölf wöchentlichen Artikeln der Serie „Geschlecht & Charakter“ unter dem Titel „Hey Everyone, Sandman Here“ als Beispiel für einen der einflußreichsten MGTOW-Kanäle.

André Thiele (49) wurde 2017 katholisch getauft. Er ist zu erreichen über andre.thiele@etiamsiomnes.de.
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13 Kommentare

  1. Sabine 8. April 2018

    @crumar
    „Dieser Beitrag bezog sich tatsächlich auf Ihren, der offensichtlich von einer feministischen Ideologie getragen wird, die falsch ist und lediglich propagandistisch immer und immer wieder vorgetragen wird.“

    Für Sie ist das falsch, weil Sie keine Frau sind und nicht damit konfrontiert waren bis sich das geändert hat. Es hat sich ja geändert. Natürlich möchten Sie die Rolle rückwärts dahingehend zurück, dass Frauen sich Männlicher Deutungshoheit unterordnen müssen. Und klassisch wollen Sie das natürlich über die Beschränkung von materiellen Gütern erreichen. Zu sagen: Frauen haben durch feminisitische Ideologie eine falsche Wahrnehmung nutzt nur nichts solange Sie weibliche tatsächlich stattgefundene Erfahrungen als falsch bezeichnen. Das wäre so wie wenn ich leugnen würde, dass es männliche Opfer häuslicher Gewalt gibt (was ich nicht tue, weil ich niemandem seine erlebte Realität abspreche).
    Es zeigt einfach nur, dass Sie ein Mann sind, der für Frauen entscheiden will was richtig und was falsch ist und der bestimmen will was Frau zu fühlen hat. Mit so einem Mann müssen Frauen heute nicht mehr privat verkehren – sie können wenn sie wollen – aber sie müssen nicht mehr.

    Für diese Art Männer gibts ja bald Alternativen: So können Sie mit einem Fembot, den Herr Thiele in seinem neuen Artikel vorstellt ja gerne tun was sie möchten – programmieren Sie den so wie es ihnen gefällt. Der kann ihnen exakt die Gefühle vorspielen die Sie ihm vorschreiben, sogar auf repeat. Solange der Bot keine Straftaten begeht schaffen Sie sich die Realität die Sie haben möchten. Erzählen Sie aber bitte niemandem das wäre „red pill“ – das ist schaffung der eigenen bluepill Realität, bei der sie selbst als wiederkehrender Schöpfer ihrer Realität fungieren.

    Achso – ja ich weiss – das ist keine Diskussion was wir hier tun. Das hat was mit dem Wald und Echo zu tun. Wir könnten beide auch anders. Aber ich passe mich gern dem an was angeboten wird.

  2. Stefan 2. April 2018

    Sehr geehrter Herr Thiel,
    Vielen Dank für Ihre Artikelserie.
    Der erbitterte Widerstand, der da enzgegen kommt, zeigt, dass Sie wohl einen Nerv getroffen haben.
    Man stelle sich vor einer der Tausenden von Artikeln mit denen wir über die weibliche Befindlichkeit bombadiert werden, würde als ekelhaft, wiederlich oder Buchpromotion gezeichtet werden. Bei einem Artikel über männliche befindlichkeiten ist das ein Automatismus.

    Nun MGTOW ist eine Individualbewegung, und die meisten Männer die diesen Lebensstil pflegen, werden vermutlich nicht wissen, das es dafür diese englische Bezeichnung gibt. Bei den meisten meiner Generation entwickelt er sich von alleine durch die Erfahrung von Trennung und Scheidung.

    Wie die meisten Männer bin auch ich als Feminist gestartet, tief indoktiniert von klein auf über die vermeintliche Benachteiligung des weiblichen Geschlechts.
    Die Erafhrung einer finaziell desaströsen Scheidung haben mich dann zur Beschäftigung mit der Rolle des Mannes gebracht, und mir einen größeren Überblick verschafft.
    Der Rest gab sich dann von alleine, mittlerweile führe ich ein erfülltes und erfolgreiches Leben, mit Frauen als gelegentlichem Beiwerk.
    Der Verzicht auf den Partnermarktzirkus setzt große finanzielle und zeitliche Ressourcen frei, die dann in persönlicher Erfüllung münden.

    Für die Gesamtgesellschaft ist das aber eine große Gefahr. Wenn Mann Frauen nicht mehr direkt unterhält und auch die Aufwendungen für Statussymbole wegfallen, bleibt plötzlich viel Wohlstand übrig. Dies führt schnell zur Erkenntnis, das ein Mann auch mit weniger Arbeit gut leben kann.
    Da unser Sozialsystem aber vor Allem eine große Umverteilung von Mann zu Frau ist ( Quer durch die Sozialversicherungen gilt die 2/3 Regel, Männer erwirtschaften 2/3 der Einzahlungen, Frauen beziehen 2/3 der Leistungen, bei den Sozialleistungen liegt das Verhältnis ähnlich), wird eine Leistungsreduktion der Männer existenzbedrohend fürs System.

    Von daher ist die Verbissenheit des Umgangs und offene Gedankenspiele mit „Männersteuern“ nicht verwunderlich.

    Da der Streik der Männer aber eine reine Graswurzelbewegung ist, prallen sämtliche Anfeindungen wirkungslos ab, und wirken eher als Dünger

  3. Sabine 24. März 2018

    „„Hm, also die Vulgarität braucht man nicht so ernst nehmen, sie machen Witze, ansonsten hat das ein sehr hohes Niveau, da analysieren sie Themen aus der feministischen Welt und den Medien.“ Wie wäre es mit mehr konkreten, und zwar aktuellen, Beispielen?“

    Das Problem ist – würde Herr Thiele das ausführen könnte man erkennen, dass sein Verständnis für diese Sprache sich grundsätzlich nur auf Männer bezieht: Es ist für ihn natürlich kein Problem das alle Frauen als Huren und ähniches bezeichnet werden. Dafür hat er Verständnis und fordert es auch regelrecht ein. Das seine eigenen Ausführungen mit dem Begriff „ekelhaft“ belegt werden, dass geht natürlich gar nicht. Ein viel schlimmeres Wort als es in der MGTOW Bewegung je benutzt würde….

    Es geht um Macht. Und es geht darum nicht am unteren Ende der Hierarchie zu stehen, sondern sich selbst wenigsten über „die Weiber“ zu stellen. Natürlich ist das illusorisch. Und weil sich keine Frau mehr persönlich unterordnet, ordnen MGTOW Männer eben das gesamte Geschlecht unter. Zumindest geistig.
    Konstruktiv? Nein, aber damit haben sie es den Frauen so richtig gegeben und das schweisst zusammen, wenn man mal wieder mit dem Kollegen darum kämpfen muss wer wie mgtow ist.
    Es gibt natürlich auch mgtows die das erkennen und dann so
    https://www.youtube.com/watch?v=ry7hfeEJJyE
    dokumentieren. Wenn Männer ihren Schmerz nicht mehr an Frauen abgeben können und im eigenen Saft schmoren – sie müssen sich nicht selbsterkennen. Sie können weiter Grabenkämpfe um ihre hierarchische Ordnung führen ohne zu erkennen, dass der einzige Ausweg Mitgefühl ist. Ihres. Auch miteinander. Nicht das der anderen. Mitgefühl hat keine Hierarchie.

    • Hauke Held 29. März 2018


      Es geht um Macht.

      Richtig erkannt.

      Allerdings: MGTOW geht es um Macht über sich selbst. Mitgefühl ist allerdings erlaubt – sogar zwischen Männern.

    • crumar 3. April 2018

      „Es geht um Macht. Und es geht darum nicht am unteren Ende der Hierarchie zu stehen, sondern sich selbst wenigsten über „die Weiber“ zu stellen.“
      Lösen wir diese feministischen Aussagen doch einmal in ihre Kernbestandteile auf:

      1. Haben danach diejenigen Männer, die am unteren Ende der Hierarchie stehen, wenigstens *symbolisch* Macht über Frauen, wenn sie auch sonst keine haben.
      2. Diese These wiederum bezieht sich auf das Märchen von der „patriarchalen Dividende“, wonach *alle Männer* vom Patriarchat profitieren.
      Zum ökonomischen Anteil dieses Märchens hat Stefan oben bereits richtig ausgeführt: „Da unser Sozialsystem aber vor Allem eine große Umverteilung *von Mann zu Frau* ist“ – womit also das „Patriarchat“ bei der Ausbeutung von Frauen etwas prinzipiell missverstanden hat.
      Wäre die „patriarchale Dividende“ in der empirischen Realität existent, müssten die materiellen Ressourcen *nachweisbar* in die andere Richtung fließen. Eine solche Realität existiert nicht.
      3. Das „symbolische“ an der „patriarchalen Dividende“ existiert lediglich, um zu „erklären“, warum Männer vom „Patriarchat“ profitieren, obwohl sie als Ausbeuter und Sklavenhalter die Ausgebeutetinnen und Sklavinnen dafür BEZAHLEN, ausgebeutet und versklavt zu werden.
      Ab hier bitte die Geschichte anhalten, denn sie muss (feministisch) umgeschrieben werden! /sarcasm off
      4. Da also die „Die Dividende ist der Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre ausschüttet.“ real für Männer nicht existiert, sondern tatsächlich einen VERLUST beschreibt, muss etwas anderes *genügen*, nämlich „sich selbst wenigsten über „die Weiber“ zu stellen“, so lautet die feministische These.
      5. Womit wir wieder beim „Patriarchat“ angelangt sind, welches u.a. bei den Geschlechterthemen: Lebenserwartung, Arbeitsunfälle, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, Sorgerecht, Selbstmorden, schulischem Erfolg, Renteneintrittsalter, Wehrpflicht, Unterhaltsrecht mitsamt der „männlichen Herrschaft“ kläglich versagt hat.
      Wären das alles MACHTFRAGEN und wir lebten in einem Patriarchat, welches ausschließlich Männern nützt, müssten die REALEN Verhältnisse in allen Fällen umgekehrt sein.
      Die Männer obsiegten bspw. souverän in jedem Scheidungsfall, ließen sich und *ihre* Kinder alimentieren von Frauen, die dafür in Vollzeit schufteten und bis zur – frühen – Verrentung dächten sie über eine optimale work-life-balance nach, um Frauen danach um Jahre zu überleben.
      Auch diese Realität hat den fundamentalen Nachteil, dass sie nicht existiert.
      Was die Frage aufwirft, warum das „Patriarchat“ eine „männliche Herrschaft“ entworfen hat, die eine Chimäre ist, da sie in der Realität nicht Männern nützt, sondern Frauen.
      6. „Sich selbst wenigsten über „die Weiber“ zu stellen“ wäre eine rein symbolische, hier: ideologische Gratifikation, die reale Nachteile für Männer in ihrem realen Leben nicht einmal im Ansatz kompensieren würde.
      Ob man sich Frauen gegenüber überlegen FÜHLT, ist gegenüber der objektiven weiblichen Überlegenheit u.a. in Sachen Lebenserwartung, Arbeitsunfälle, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, Sorgerecht, Selbstmorden, schulischem Erfolg, Renteneintrittsalter, Wehrpflicht, Unterhaltsrecht komplett irrelevant.
      Die „symbolische Belohnung“ durch eine FALSCHE Wahrnehmung der Welt entpuppte sich als Bestandteil einer Ideologie, die verschleiern soll, dass die REALEN, empirischen Verhältnisse genau anders herum sind.

      Für die feministische Ideologie des „Patriarchats“ gilt a. es handelt sich um ein Märchen ohne Bezug auf empirische Realität und tatsächliche Geschichte und b. um eine solide Verschwörungstheorie, die den Nutzen hat, reale männliche Ohnmacht und reale männliche Nachteile und Benachteiligungen zu leugnen.
      Der Satz „Mitgefühl hat keine Hierarchie.“ ist Angesichts der herrschenden Verhältnisse ein schlechter Scherz. Für das gesellschaftliche Mitgefühl gegenüber Männern hat die feministische Ideologie alles in ihrer Macht stehende getan, dieses auf das neoliberale „Selber Schuld!“ = 0 zu reduzieren.

      • Sabine 4. April 2018

        @crumar
        Ich bin jetzt nicht ganz sicher – beziehen Sie sich auf meinen Beitrag?
        Wie ich bereits bzgl der MGTOW Macht geschrieben habe:
        „Natürlich ist das illusorisch. “
        Damit meine ich die Macht, die sprachgewaltig und mit allem was der fluchende Wortschatz so her gibt von zahlreichen MGTOW youtubern täglich verkündet wird. Sie ist eine Illusion, wenn keine Frau mehr im persönlichen Raum zur Verfügung steht an der diese Männer sie abtoben könnten. Sie existiert nur im Kopf der MGTOWER, die sich täglich wieder aufs neue gegenseitig versichern müssen welche Untermenschen Frauen doch sind, weil das bedeutet – sie sind besser. Diese Technik erfüllt natürlich ausschliesslich den Zweck sich selbst maßlos überlegen zu fühlen. Grundlos. Leer. Tragisch. HIerarchie am unteren Ende eben.

        „Wäre die „patriarchale Dividende“ in der empirischen Realität existent, müssten die materiellen Ressourcen *nachweisbar* in die andere Richtung fließen. Eine solche Realität existiert nicht.“

        Ich verstehe, dass Sie ein Mann sind der Wert, ja vielleicht sogar seinen gesamten Fokus auf materielles legt. Ich verstehe auch, dass Sie dann möglicherweise gar nicht nachvollziehen können, dass es außer der materiellen Macht noch eine ganz andere gibt, obwohl Ihnen, wenn sie die Entwicklung der Sozialsysteme in Deutschland innerhalb der letzten 100 Jahre anschauen etwas schwanen könnte.
        Diese andere imaterielle Macht wurde im letzten Jahrhundert in ihrer Einseitigkeit beendet. Vielleicht ist die für Sie gänzlich unwichtig, weil Sie sie ja sowieso immer hatten- die immaterielle Macht. Viele Frauen dürften das nach wie vor anders sehen: sich der immateriellen Macht des alten Patriachats zu entziehen ist zentraler als der materiellen Macht.

        Aber vielleicht meinte Ihr Beitrag gar nicht meinen? Ich warte ich lieber erst ab bevor ich mehr schreibe.

      • crumar 5. April 2018

        Antwort in zwei Teilen.

        „Ich bin jetzt nicht ganz sicher – beziehen Sie sich auf meinen Beitrag?“

        Dieser Beitrag bezog sich tatsächlich auf Ihren, der offensichtlich von einer feministischen Ideologie getragen wird, die falsch ist und lediglich propagandistisch immer und immer wieder vorgetragen wird.
        Weder gab und gibt es eine ausgebeutete „Klasse“ Frau, weil es keine solche Klasse gibt. In der Realität haben Liz Mohn und Lieschen Müller nichts gemein und es gibt auch keine „soziale Schicht“ Frau, da diese sich nach Bildung, Einkommen und sozialem Status erheblich unterscheiden. Gleiches gilt für „Männer“; eine solche Gruppe existiert nicht.

        Die Ausbeutung von „Frau“ durch „Mann“ hat nie stattgefunden und es existiert demzufolge auch keine „patriarchale Dividende“, wonach Männer von einem System „männlicher Herrschaft“ profitieren würden.
        Dazu habe ich beispielhaft angeführt, man kann aus den empirischen Daten zur Lebenserwartung, zu Arbeitsunfällen, zur Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, zu Selbstmorden, schulischem Erfolg, Renteneintrittsalter, Rentenbezugsdauer eher das genaue Gegenteil schließen.
        Weiter: Bei allen mir vorliegenden Daten beruht die „patriarchale Gesellschaft“ in der Tat auf individuellen und gesellschaftlichen materiellen Transfers von Mann zu Frau.
        Eine feministische Theorie, die eine Zwangs- und Ausbeutungsherrschaft namens „Patriarchat“ bemüht, wird erstens daran scheitern zu erklären, warum die Ausbeuter die Ausgebeuteten bezahlen und nicht anders herum, wie es der historische Normalfall ist.
        Zweitens: Ein System, in dem ich sehr, sehr, sehr viel Geld in die Hand nehmen muss, um andere zu bewegen, etwas meinem Willen gemäß zu tun nennt man nicht „Ausbeutung“, sondern KORRUPTION. Was über den korrumpierenden Teil in diesem „deal“ nichts Gutes sagt, über den korrupten aber auch nicht.

        Der aktuell unterlegene rechtliche Status von Männern im gesellschaftlichen Umgang mit dem Sorgerecht und dem Unterhaltsrecht deutet weiterhin nicht darauf hin, traditionell hätten „immaterielle Mächte“ Männer besser gestellt.
        Die Männerbewegung besteht zu einem großen Teil aus Vätern, die vorzugsweise ein gleichberechtigtes Familienmodell leben wollten und im Trennungsfall erlebten, dass traditionelle Geschlechterklischees sich vorzüglich mit feministischer Misandrie vertragen.
        (Was Misandrie ist, kann anhand des SPON-Artikels „Eine Krankheit namens Mann“ von 2003 nachvollzogen werden, indem „Mann“ durch „Jude“ und „Frau“ durch „Arier“ ersetzt wird. Der Text hätte lupenrein in das Jahr 1933 gepasst)
        In diesem Trennungsfall erleb(t)en Männer weiterhin, die staatliche Macht bezieht einseitig zu Gunsten von Frauen Stellung – was der feministischen These von der „männlichen Herrschaft“ abermals widerspricht – und Frauen können in Sekundenschnelle von modernen auf traditionelle Beziehungsvorstellungen wechseln.
        Dies liegt leider daran, dass nur traditionelle Vorstellungen jene materiellen Transfers über die Trennung hinaus sicherstellen, von denen ich oben sprach.
        Fast unnötig zu erwähnen, auch dies widerspricht der feministischen Theorie einer „männlichen Herrschaft“ oder der Existenz eines „Patriarchats“, welches zu Gunsten von Männern agiert und es erzeugt auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit moderner Beziehungsvorstellungen von Frauen, die man aus Umfragen kennt.

        Die Skepsis der MGTOW gegenüber staatlichen Institutionen oder „dem Staat“ und Frauen beruht also nicht auf einer „Verschwörungstheorie“, sondern auf praktischen Erfahrungen von Männern, die inzwischen massenhaft vorliegen.
        Jeder Mann zieht jedoch aus diesen andere Konsequenzen – wir sind kein Schwarmkollektiv, sondern Individuen.

      • crumar 5. April 2018

        Teil 2

        Die „red pill rage“ einzelner MGTOW auf youtube basiert auf diesen Erfahrungen und der Erkenntnis, die Warren Farrell (The Myth of Male Power) bereits Mitte der 90er formuliert hat, wonach Heterosexualität für Männer generell ein schlechtes Geschäft ist.
        Evolutionstheoretische Konzepte setzen an diesem Sachverhalt an, um ihn m.E. rechtfertigend zu erklären – was ich überwiegend für falsch halte – am Sachverhalt ändert es jedoch nichts.

        Als MGTOW bin ich gegen die Dämonisierung von Frauen, wie ich auch gegen die von Männern Stellung beziehe – ich finde generell jede Erniedrigung von anderen Menschen zum Zwecke der Selbsterhöhung falsch und moralisch zu verurteilen.
        Nur ist es obskur, dass Ihnen die JETZT „MGTOWER (auffallen), die sich täglich wieder aufs neue gegenseitig versichern müssen welche Untermenschen Frauen doch sind, weil das bedeutet – sie sind besser“, aber die jahrzehntelange feministische Propaganda entgangen ist.
        Sie können den Zweck und Umfang dieser Propaganda bspw. den Büchern von Paul Nathanson und Katherine Young „Spreading Misandry“ und „Legalizing Misandry“ von 2001 bzw. 2006 entnehmen oder probeweise den Jude-Arier-Test auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in feministischen Artikeln machen.

        MGTOW haben eine historische Tradition (in Deutschland als „Hagestolze“) und sind der Beginn einer männlichen Emanzipationsbewegung ausgeprägt individualistischer Natur. Leider derzeit nicht „Men on Strike“, wie Helen Smith schreibt, denn Streikende haben oder entwickeln Forderungen. Vielmehr handelt es sich um die individuelle, nüchterne Bilanz der existierenden Geschlechterverhältnisse. Da geht es einerseits um die Frage der materiellen Kosten im Verhältnis zum Nutzen, jedoch auch um die Emotionen, bspw. als Vater im Scheidungsfall den Kontakt zu den geliebten Kindern zu verlieren. Man braucht selber keine Kinder zu haben, um als Mann mit diesem Trauma konfrontiert zu werden; das Internet ist voll mit solchen Erfahrungsberichten von Männern. Ich empfehle Ihnen den Film „The Red Pill“ von Cassie Jaye um zu verstehen, warum es eine Männerbewegung von Vätern gibt.
        Sich solchen Gefahren erst gar nicht auszusetzen ist eine nachvollziehbare Reaktion.
        Dass eine Gesellschaft ernsthaft glaubt es sei möglich, die Rolle von Männern und Vätern immer weiter abzuwerten, diese sogar offen zu verachten und dann zu erwarten, sie würden diese Funktionsrollen ausfüllen wollen ist für mich bizarr bis schizophren.

        Die Botschaft der MGTOW-Bilanz für Frauen ist sicherlich unerfreulich. Nach Abwägung aller emotionalen und materiellen Vor- und Nachteile – unter den herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen – kommen MGTOW zum Schluss, der Aufwand einer Partnerschaft/Ehe mit einer Frau lohnt sich nicht.
        Die realen und prognostizierten Kosten und Risiken stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen oder Wert dieser Partnerschaft für einen Mann, ist das Resümee der MGTOW. Dass Frauen aus dieser Bilanz gerne „Frauenhass“ herauslesen wollen ist psychisch verständlich, denn dann wäre es immer noch eine emotionale Beziehung und für Beziehungsfragen beanspruchen Frauen die Deutungshoheit.
        Ihr Konto „hasst“ Sie aber nicht weil es im Soll ist, sondern es ist einfach nur in den Miesen.
        Es wird sehr wahrscheinlich etwas mit dem Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben zu tun haben oder auf die Beziehungsebene übertragen: Dem, was eine Frau in einer Partnerschaft bereit ist zu geben im Verhältnis zu ihren Erwartungen an den Mann.
        Die feministische Ideologie hat Sie mit der konträren Botschaft versehen, Männer würden von einer Beziehung mit einer Frau materiell und emotional profitieren und MGTOW sagt, der Profit für den Mann liegt im Verzicht (!) auf diese Beziehung. Nur eine dieser beiden Positionen kann richtig sein und mir ist klar, welche Sie gerne hören wollen.
        Der Clou an MGTOW ist, dass „keine Frau mehr im persönlichen Raum zur Verfügung steht“, weil sich MGTOW bewusst dafür entschieden haben „keine Frau mehr im persönlichen Raum“ zu brauchen.
        Auch nicht – eine weitere feministische Botschaft – um „Macht“ gegenüber einer Frau in einer Beziehung auszuüben, weil seitens MGTOW gar keine Beziehung angestrebt wird.
        Die feministische Ideologie beruht u.a. auf der Behauptung, das Verhältnis zwischen den Geschlechtern sei stets eine Machtfrage, Männer versuchten diese zu erringen, um dadurch etwas für sich zu erlangen. MGTOW führt diese Behauptung ad absurdum, weil an Stelle der Frau in einer Beziehung eine Leerstelle tritt. Ein MGTOW hat und will höchstens Macht über sich selbst, er wäscht und putzt alleine und auch für die „emotionale Arbeit“ ist er selber zuständig.
        Der feministische Vorwurf geht also ins Leere und die Behauptung erweist sich als falsch. Ein MGTOW braucht niemanden, der ihn nach klassisch weiblicher Mythologie „ergänzt“ oder „vervollständigt“, denn er sieht sich nicht als männliches Mangelwesen, der des weiblichen Ausgleichs bedarf; für die vielfach beklagten „weiblich konnotierten“ Tätigkeiten und Eigenschaften benötigt ein MGTOW keine Frau.
        Es geht MGTOW um individuelle, männliche Autonomie und Selbstbefreiung in Verhältnissen, die als feindlich gegenüber Männern analysiert und empfunden werden.
        Politisch gesehen suboptimal, mit Blick auf die eigene Endlichkeit, die Verfügbarkeit von Kraft und Ressourcen jedoch eine realistische Option, weshalb die „Bewegung“ auch überhaupt entstanden ist.

  4. Crescentia 22. März 2018

    Die Vereinnahmung von König David ist übrigens schon etwas dreist. Wieso kümmerte es ihn wohl nicht, was seine Frau – oder sonst irgendjemand – von seinem religiösen Enthusiasmus dachte? Weil es ihn kümmerte, was *Gott* dachte. Gott spielt in diesem Artikel dagegen keine Rolle.

    Es ist ja in unseren konservativ-katholischen Kreisen ganz beliebt, in bischöflichen Verlautbarungen zu zählen, wie oft Worte wie „Jesus“, „Herr“, „Gott“, „Glaube“ oder „Christus“ im Text vorkommen. Diese Methode könnte man auch auf Artikel auf dem Cathwalk anwenden.

  5. Crescentia 22. März 2018

    Thiele sollte sich entscheiden, ob er die „Unterschichten-Sprache“ als gut oder schlecht sehen will. Am Anfang heißt es „es ist Errungenschaft moderner weiblicher Pädagogik, der Gossensprache kulturellen Wert zuzuordnen und die Unterschicht so in ihrem Schweigen einzumauern“; später wird die vulgäre Sprache der MGTOW-Youtuber mit diesem Argument verteidigt: „Fünftens, weil die Kritik an dieser Sprache einfach dieselbe Hochnäsigkeit ist, die die Welt der Frauen und der ‚beautiful ones‘ auszeichnet, der alte elende Klassenhaß der Mittelschichten und der Ideologiehandlanger, diese einträgliche Verachtung der Unterschicht, die in Deutschland Breitensport ist.“ Also was jetzt?

    Ich habe immer mehr den Eindruck, dass Jordan Peterson ein sehr vernünftiger Mensch ist. Jemand, der Konstruktives statt Destruktives zu Männern sagt.

    Das Durchleben einer Phase von Wut und Frauenhass ist laut Thiele notwendig und gut. Mit anderen Worten: Lasst uns Böses tun, damit Gutes entsteht? Uraltes christliches Prinzip. Nicht.

    In den *USA* sollen Soldaten per se als Verbrecher gesehen werden? Das strapaziert die Glaubwürdigkeit halt schon irgendwie.

    Wieso wird hier eigentlich so drum herum geredet, was genau MGTOW-ler wie Terrence Popp in ihren jetzigen Videos inhaltlich sagen? „Hm, also die Vulgarität braucht man nicht so ernst nehmen, sie machen Witze, ansonsten hat das ein sehr hohes Niveau, da analysieren sie Themen aus der feministischen Welt und den Medien.“ Wie wäre es mit mehr konkreten, und zwar aktuellen, Beispielen?

    „Etliche Kanäle sind überwiegend reproduktiv, es werden z.B. Einzelfälle, die Frauen ‚entlarven‘ sollen, dargeboten, dies ist Teil des MGTOW-Maelstroms.“ Zu diesem Maelstrom gehört aber halt offensichtlich auch die von Thiele betriebene MGTOW-Facebookseite.

    Offtopic: Was sollen eigentlich diese Vorurteile gegenüber Höhlenmenschen? Wer sagt, dass der Mensch vor 50.000 Jahren ein dummes, grunzendes Biest war?

    Was soll man im Endeffekt dazu sagen, wenn Leute persönliches Unglück als Zeichen einer gesamtgesellschaftlichen Verschwörung sehen? Vielleicht, dass es nicht funktioniert, immer den einen großen Bösewicht in der Welt ausfindig machen zu wollen. „Ich bin schwarz und mein Nachbar war unhöflich zu mir, also macht der allgegenwärtige Rassismus in der deutschen Gesellschaft mein Leben kaputt.“ „Ich bin ein Mann und eine Frau hat mich betrogen/verlassen/ausgenutzt, also ist die Gesellschaft männerfeindlich und die Frauen regieren heimlich die Welt.“ Was sollten betrogene/verlassene/ausgenutzte Frauen dazu sagen? Persönliches Unglück ist immer schlimm, aber keine Entschuldigung für allgemeinen Hass und Verschwörungstheorien…

  6. Karl Schulz 22. März 2018

    Erstmal Glückwunsch an den Verleger Thiele, dass er hier weiter ohne entsprechende Kennzeichnung Werbung publizieren darf für die für Sommer 2018 bereits angekündigte MGTOW-Reihe in seinem extra dafür gegründeten Verlag und ihm der Betreiber von CATHWALK dafür auch genau die passende Frequenz der Werbebeiträge einräumt.

    Fast schon zur Ehrenrettung des Betreibers, der sich ja derart unbedarft gibt, hier keine Werbung sehen zu wollen (obwohl alles auf der Internetseite des Verlegers Thiele nachzulesen ist) und in diesem Fall wohl tatsächlich zum Opfer seiner offensichtlichen wichtigtuerischen Eitelkeit wird, darf von einer Kollaboration der beiden ausgegangen werden, mittels der das Blog hier Klicks sammelt und Herr Thiele seine sich katholisch gebende Kundschaft adressieren kann. Aber warum auch nicht – Koalitionen unter Männern mögen geschlossen werden! Und journalistische Standards stehen ja auch an höchster Stelle der Kirche nicht hoch im Kurs, sind überhaupt ein weltlich Ding. Mögen die Unbedarften manipuliert werden!

    Inhaltlich wird es mit dieser Folge endlich anspruchsvoller, da der Autor auf reine Pöbelei verzichtet und auch verschwörtungstheoretische Allüren durch jetzt angegebene Verweise, Fakten, Referenzen aufgibt.

    Sehr gut, dass nun nicht mehr mimosenhaft-kritisch, sondern vulgär und drastisch – männlich – vom Autor auf kritische Kommentare geantwortet wird: Durch beredtes Schweigen oder die deftige Sprache der Männer, die hier im Artikel als Mittel der männlichen Kommunikation im Gegensatz zu einem verständnisvollen, herrschaftsfreien Diskurs propagiert wird. Allein die Fortsetzung der Serie gegen den Empörungssturm ist gut.

    So kann man sich auf die weiteren Artikel dieser klug orchestrierten Serie freuen. Dass all dies natürlich überhaupts nicht mit „katholisch“ zu tun hat, steht auf einem anderen Blatt. Es mag entweder dem Konvertiten-Eifer des Autors geschuldet sein oder der klugen Strategie des Verlegers, zusätzliche Käuferschichten zu erschließen.

    Hau rein, Andre! So ist das gut.

  7. Harald Stollmeier 22. März 2018

    Am Anfang der MGTOW-Emigration stehen offensichtlich einerseits reale Erfahrungen von Ausgrenzung, Unrecht und Leid, andererseits die Kernthese, jegliches Engagement gegen Ausgrenzung und Unrecht sei von vornherein aussichtslos. Letzteres aber ist eine self-fulfilling prophecy.
    Niemand kann dem Einzelnen das Recht verweigern, sich allein oder mit anderen von der Welt abzuschließen. Aber je mehr man die Erfahrung von Ausgrenzung und Unrecht anerkennt, um so weniger kann man als Christ der MGTOW-Flucht zustimmen.
    Hier wird Resignation zu einer Philosophie erklärt. Wie männlich soll das sein?

    • Hauke Held 29. März 2018


      Wie männlich soll das sein?

      Ist es „männlich“, das eigene Kind als Waffe gegen einen selbst gebrauchen zu lassen, oder ist es „männlich“, diese Waffe gar nicht erst in die Hand von Mutter, Jugendamt und Familiengerichte zu geben?
      Take your pick.

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