Start Allgemein 6. Palmsonntag: Knecht oder Kind Gottes

6. Palmsonntag: Knecht oder Kind Gottes

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Grande Finale! Jetzt geht es um ALLES!

Wir haben die Wüste hinter uns gelassen und die Fastenzeit steuert auf das Hochfest der Kirche zu – Ostern steht unmittelbar bevor! Doch noch trennt uns davon die Karwoche, die heilige Woche, wie sie auch genannt wird. Warum sie eine derartige Bedeutung hat, warum sie so ALLES entscheidend für jeden einzelnen sein kann, das gilt es zu entdecken!

Jesus – Superstar

Wenn man sich das Leben von Jesus so anschaut, man darüber liest, wie er gelebt und sich ab seinem 30. Lebensjahr in der Öffentlichkeit gezeigt hat, kommt man ins Staunen. Er sprach mit einer beeindruckenden Autorität, wusste unglaublich viel und ging aus jedem Streitgespräch oder jeder Fangfrage als „Sieger“ hervor. Er hatte eine neue Botschaft, sprach von einem neuen Königreich, das anbrechen werde. War er ein Revolutionär?

Dann diese Zeichen und Wunder, die er vollbrachte! Gelähmte konnten wieder gehen, Blinde wiedersehen und sogar Tote wurden wieder lebendig! Jesus stoppte Stürme, ging über das Wasser, befahl Dämonen und bösen Geistern zu verschwinden – und hatte die Macht, aus ein paar Broten und Fischen Tausende zu speisen!

Witzig finde ich, dass diese unglaubliche Liste der Wunder durch Jesus mit einer fulminanten Party begonnen hatte! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Er startet – laut Heiliger Schrift – sein öffentliches Wirken bei der Hochzeit von Kana. Die Hochzeitsfeier war schon voll im Laufen, die Gäste hatten sicher schon reichlich Speisen und Wein konsumiert – da geht der Wein aus. Irgendwie blöd! Weil das aber der Aufmerksamkeit einer sehr besonderen Frau nicht entgeht – sie sorgte sich da um ganz und gar weltliche Dinge (!) –, kommt es, dass Jesus 600 Liter Wasser in kostbaren Wein verwandelt! Also zu Jesus, als den Sohn Gottes, kann man stehen, wie man will, aber dass er etwas davon verstand, wie eine Party so richtig in Schwung kommt, muss man ihm wohl lassen! Er gab nicht nur eine Runde aus oder ließ einen der Krüge zu Wein werden. Nein, er beschenkte reichlich – und im Übermaß!

Wenn man das nun alles so betrachtet, also dieses sehr gut dokumentierte Leben von Jesus bis zum Einzug in Jerusalem, dann würde man meinen, er war ein Hero, ein Superstar seiner Zeit, ein Mann, um das Volk zu führen. Warum dann dieser dramatische Absturz? Warum ließ er sich verhaften, verurteilen, foltern und ging den Kreuzweg hinauf zum Ort seines Todes? Wo es wohl nur einen Fingerschnipper von Jesus gebraucht hätte, um alle Soldaten, Hetzer und Verleumder, die seinen Tod herbeigeführt hatten, zu Asche zerfallen zu lassen! Schnipp …

Fessel der Knechtschaft

Es gibt eine unglaublich interessante Stelle in der Bibel – abgesehen von der ganzen Bibel selbst: Die Pharisäer stellen Jesus in einem Streitgespräch wegen der Scheidung der Ehe eine Falle – und er antwortete wie folgt:

Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat?“ – Mt. 19,4

AM ANFANG! Jesus selbst bezieht sich auf den Anfang! Dieser Anfang ist der Garten Eden. Er stellt völlig klar, dass es diesen Urzustand im Paradies gegeben hat. Das ist GENIAL! Viel wurde darüber diskutiert, philosophiert und nachgedacht – in der Kirche und darüber hinaus. Am Ende bleibt dieser Satz stehen und ich beziehe mich darauf, dass der Sündenfall damit von Jesus bestätigt wurde. Wir haben seit dem fatalen Fehler von Adam und Eva ein fettes Problem! Wir haben Fesseln angelegt bekommen – ja, so nenne ich diesen Zustand, in dem wir uns nun schon eine ganze Weile befinden. Auf Kathpedia ist treffend formuliert:

„Zur Strafe für diese „Ursünde“ gingen Adam und Eva der heiligmachenden Gnade verlustig, d.h. sie verloren die Freundschaft Gottes und damit die Gewissheit der übernatürlichen Bestimmung menschlicher Existenz. Ebenso sollten auch ihre Nachkommen das Fehlen dieser Gnade der Gotteskindschaft erfahren; eben darin besteht das Wesen der Erbsünde. Sekundäre Folgen, aber mit der Erbsünde verbunden, sind die Anwesenheit von Leiden und Tod als Strafe der Sünde, die Begierlichkeit (Konkupiszenz) als ungeordnete Neigung zum Bösen sowie eine Trübung der Erkenntnis und eine Schwächung des Willens.“

Wir haben die Gotteskindschaft eingebüßt und eine Knechtschaft ausgefasst! Gratuliere – vielen Dank noch mal, lieber Adam, geschätzte Eva! Diese Knechtschaft drückt sich durch diese Fesseln auch ständig in unserem Leben aus! Noch nie bemerkt? Wirklich?

Also bei der Trübung der Erkenntnis und der Schwächung des Willens könnte ich eine ganz neue Serie darüberschreiben, wie oft das in meinem Leben schon ganz konkret war! Das wollen wir uns aber ersparen – also ich mir in erster Linie – und lieber darüber nachdenken, ob das denn so bleiben muss, diese Fesseln zu tragen! Weil – ich denke, darin stimmen viele von Ihnen mit mir überein – eine Knechtschaft nicht das ist, was wir leben möchten! Das Schwierige an der ganzen Situation ist – davor hat der heilige Papst Johannes Paul II. einmal eindrücklich gewarnt –, dass wir erst einmal diese Knechtschaft erkennen und verstehen müssen! Der Papst sagte damals treffend:

Der größte Erfolg des Teufels ist, dass wir glauben, es gibt ihn gar nicht!“

Was man nicht sieht, kann man nicht erkennen. Oder anders formuliert: Bin ich mir einer Schuld bewusst, kann ich dahingehend reagieren. Denke ich ständig, es ist eh alles egal, ich bin sowieso niemanden etwas wert, dann handle ich natürlich dementsprechend!

Das ist aber eine fatale Lüge, die der Feind in dieser Welt verankert hat! Das Problem dabei ist: Bin ich erst einmal in dieser Lüge gefangen, habe ich diese Fessel angelegt, laufe ich ständig – von tiefer Sehnsucht nach der eigentlichen Freiheit getrieben – der nächsten Lüge hinterher! Es ist sprichwörtlich ein Teufelskreis!

Die FREIHEIT zur Kindschaft Gottes

Nun schließt sich aber ein anderer Kreis – der Heilsplan Gottes! Wie einleitend hinterfragt, was es mit diesem freiwilligen Hingeben von Jesus auf sich hat, kommen wir nun zur ALLES entscheidenden Tat! Jesus war gekommen, um dieser Knechtschaft ein Ende zu setzen, nicht um eine Revolution zu starten oder einen Bürgerkrieg oder was auch immer die Menschen damals geglaubt oder gehofft hätten! Es ging ihm um mehr, um viel MEHR!

Was der alte Adam an Bürde über uns gebracht hat, war nun der klare Auftrag an Jesus, dem neuen Adam, von uns zu nehmen: das Ende der Knechtschaft und die Befreiung zum Kind Gottes! Jesus sprengt mit seinem kostbaren Blut, mit jedem Tropfen Schweiß, mit jeder seiner Tränen, diese Ketten, diese Fesseln, mit der uns der Feind gebunden hat! Er, das Lamm Gottes, hat uns freigekauft – sehr teuer, unermesslich teuer. Aber Jesus hat es getan, aus purer Liebe und Gehorsam gegenüber dem Vater! Was war noch gleich das eigentliche Problem im Garten Eden? Ach ja – Ungehorsam und Selbstliebe, heute würde man dazu „purer Egoismus“ sagen!

Diese so unsagbare große Bedeutung für jeden einzelnen möchte uns die Kirche durch die Karwoche vermitteln. Darum auch heilige Woche! Es ist die Woche der absoluten Befreiung! Egal, in welchen Schwierigkeiten Sie stecken, welche Süchte, Abhängigkeiten und Fesseln Sie in Ihrem Leben haben, egal, was in der Vergangenheit auch passiert ist! JESUS hat dafür BEZAHLT – für SIE, ganz konkret! Können Sie das annehmen?

Die Heilige Schrift ruft es uns zu:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht daher fest und lasst euch nicht wieder ein Joch der Knechtschaft auflegen!“ – Gal. 5,1

Alles nur heiße Luft der römisch-katholischen Kirche? Wenn Sie wollen, können Sie mich gerne einmal einladen und ich erzähle Ihnen von meinem Leben, wie das, was ich gerade versucht habe zu Papier zu bringen, ganz real und konkret in meinem Leben passiert ist! Ich war in der Dunkelheit gefangen und wurde neu – ganz neu – als Kind Gottes geboren! Meine Fesseln waren vielschichtig und verborgen, aber Jesus hat sie gekannt und mir eine um die andere abgenommen! Erst durch diese Befreiung kann ich heute der sein, der ich bin! Nicht, weil ich so toll bin – leider bleibt dieser Kampf bis zu unserem Tod ein Teil unseres irdischen Lebens –, sondern weil ich diese Kindschaft Gottes angenommen habe und jeden Tag einfordere! Ich will diese Freiheit um nichts in der Welt mehr verlieren! Da können mich wohl die einen oder anderen Mitmenschen etwas schief ansehen, mich in irgendwelche Ecken, Schubladen oder sonst wo einordnen, das macht gar nichts! Der Clou an diesem Status – also Kind Gottes zu sein ist, dass der Selbstwert von Gott kommt und ich mich nicht jeden Tag durch Leistung definieren muss! Keine Likes, keine Schulterklopfer, kein Applaus! DAS nimmt so viel Druck aus dem Alltag, das kann ich Ihnen gar nicht beschreiben!

Ein so unglaublich mächtiger Vater liebt mich, hat seinen Sohn für mich hingeben und die Liebe zwischen den beiden, der Heilige Geist, ist mir als Stütze, Kraft und Stärke zugesagt. Also, wenn das nicht ein Grund zum Feiern ist! Ostern kann kommen und zu Pfingsten geht dann die Post so richtig ab!

Die Wochen-Challenge

Bei der letzten Challenge lade ich Sie ein, diese Fesseln der Knechtschaft in Ihrem Leben zu suchen! Ich weiß, das ist alles andere als leicht, aber glauben Sie mir, anders ist es kaum zu machen. Erst wenn ich Jesus meine gebundenen Hände hinhalten kann, mit der Bitte, diese und jene Sache zu lösen, kann er es auch tun! Das Problem ist, wie schon betrachtet, dass wir oft den Blick nicht mehr dafür haben. Darum: Nehmen Sie sich die Zeit und seien Sie ganz ehrlich mit sich selbst! Wo stecke ich fest? Wo habe ich Probleme, die mich ständig knechten ­– anstatt dass ich frei wäre? Wenn Sie welche gefunden haben, dann gibt es keine bessere Woche im Jahr, damit zu Jesus zu gehen. Als persönlichen Tipp lege ich Ihnen die Beichte ans Herz! Dort wird die Erlösung Jesu konzentriert konkret und es kann sein, dass Sie als neue Schöpfung, als neues Kind Gottes aus der Beichte gehen! Jesus wartet geduldig auf Sie – und er kennt ohnehin jede Ihrer Fesseln. Die Frage ist nur, ob Sie es zulassen, dass er Ihnen diese abnehmen darf. Dazu braucht es Ihr Erkennen, Annehmen und Vorbringen! Maria, die Mutter aller Kinder Gottes, möge Ihnen dabei helfen und als Fürsprecherin dienen!

von Christian Schallauer

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