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Menschsein Manifest

Brust oder Keule – oder Chicken Nuggets? 

Part I: Was ist der Mensch? Folge 5

Nicht ausschließlich das Tierische im Menschen, sondern auch das Engelsgleiche in ihm muss beobachtet werden. Im Konzentrationslager Auschwitz waren es nicht die Stärksten, Intelligentesten oder Böswilligsten, die am Ende überlebten, sondern diejenigen unter den Häftlingen, welche ein Ziel vor Augen hatten, für das es sich lohnte, weiterzuleben.

Ich liebe Goethe, Schiller und Sokrates. Und wieso? Sie haben alle eines, gemeinsam: ihre Werke sind durchdrungen von einem Geist der Freiheit, der Liebe und der Fülle.

Dass der Mensch Triebe hat ist weder zu bestreiten noch zu bedauern. Ich bin davon überzeugt, dass Menschsein bedeutet, Ja! zu seiner Natürlichkeit zu sagen. Prüderie und Leibfeindlichkeit sind genauso schlimm wie die Vergötzung des Sexuellen. Einstellungen, welche Lust, gute Gastronomie und Freude an der Lust verteufeln, sind krank, peinlich und dumm – und vor allem nicht katholisch!

Die Seele ist im Körper nicht nur „gefangen“, der Mensch ist Einheit in Geist, Seele und Leib. Allerdings wünsche ich mir für jedes menschliche Wesen, dies in Fülle leben zu können. Denn jeder Mensch wünscht sich im tiefsten Inneren mehr zu sein als nur ein von seinen Hormonen und Instinkten kontrolliertes Wesen. Wir sind kein Apparat, der durchschaut werden kann, keine Maschine, die gelesen werden kann wie ein intellektuell erhobener Roboter. Der Mensch sehnt sich nach Sinn und nach Vollkommenheit. Was ihn zum Menschen macht, ist es, in Freiheit und Verantwortung einer Aufgabe gerecht zu werden, sich hinzugeben an etwas Größeres, er hat Sehnsucht nach so viel MEHR, als nur seine natürlichen Bedürfnisse zu stillen. Sein Durst ist ein Durst nach Ewigem, nach Fülle, Wahrheit, Liebe und SINN.

Viktor Frankl, um wieder von dem famosen Psychiater zu sprechen, hat mit eigenen Augen beobachtet, während seines Aufenthaltes im Konzentrationslager, dass der Mensch, gegen alle Theorien Freuds, frei ist, auch wenn er nichts mehr anderes hat. Denn dort im KZ, in dem der Häftling nur noch seinen Geist hatte, ihm alles weggenommen war, genau dort war es seine Entscheidung, seine Freiheit, die ihn „kontrollierte“, nicht sein Lustinstinkt. Dort wurde sichtbar, dass der Mensch zum liebsten Engel, aber auch zum grausamsten Dämon werden konnte, unabhängig davon, ob er jetzt Häftling oder Aufseher war. Er musste entscheiden, ob er nun seine sadistische Macht ausüben wollte oder in Liebe zu den Mitgefangenen über sich hinauswachsen, ob er zum Monster oder zum Engel werden wollte. Am Ende, dort wo nichts anderes mehr blieb, musste jeder die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Das heißt, jeder hatte die Freiheit, sich zu entscheiden, was kein auch noch so gut entwickelter Roboter je aufbringen wird, was der schlauste Affe nie schaffen kann: Freiheit ausüben und Verantwortung übernehmen.

Wir sollten nicht nur Tiefen-, sondern auch -Höhenpsychologie betreiben, um den Wiener Fachmann aufzugreifen: Nicht ausschließlich das Tierische im Menschen, sondern auch das Engelsgleiche in ihm muss beobachtet werden, sonst kann man dem Menschen nicht gerecht werden und ihm auch keine Antwort geben auf seine Fragen, wie er denn erfüllt leben könne.

Aber wenn Sigmund, Karl Gustav, Friedrich Nietzsche und die deterministischen Thesen nicht die Antwort auf die Suche des Menschen haben, was ist es dann, was uns glücklich macht, uns erfüllt, unser Leben sinnvoll erscheinen lässt? Haben wir Mut und flüchten wir nicht vor uns selbst hinein in lärmende Zerstreuung, sondern schauen wir das an, was uns wahrhaft erfüllt: Sinn. Anstatt mich vor Freud zu verbeugen, schließe ich mich voller rebellischen Feuers dem weisen Viktor Frankl an.

Wahrheits- und Sinnsuche sind nicht Sublimierungen unterdrückter Triebe. Gefährlich ist das Gegenteil: Das Ge-TRIEBEN-Sein kann den Willen zum Sinn im Menschen benebeln, ignorieren und unterdrücken. Das ist die eigentliche Gefahr der Verdrängung. Stellen wir uns nicht mit Fast Food-Befriedigung zufrieden, obwohl wir ein fetziges Festmahl an Erfüllung haben können!

Frankl sagt, die „Wohlstandsgesellschaft bzw. der Wohlfahrtstaat [sei imstande], praktisch alle Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen (…), Nur ein Bedürfnis geht leer aus, und das ist das Sinnbedürfnis des Menschen, das ist sein Wille zum Sinn, (…) d.h. das dem Menschen zutiefst innewohnende Bedürfnis, in seinem Leben oder vielleicht besser gesagt in jeder einzelnen Lebenssituation einen Sinn zu finden – und hinzugehen und ihn zu erfüllen“.

Unsere Überflussgesellschaft hat zwar Geld, aber keinen Lebenszweck, wir haben genug, wovon wir leben können, aber unser Leben hat kein „Wozu“, eben keinen Sinn!

Der Mensch möchte sich einer individuellen Aufgabe widmen, sich einer Person in Liebe hingeben, etwas bewirken… Ja, das Finden von Sinn in unserem Leben ist es, was uns vorantreibt, uns dazu befähigt, Ja! zu unserem Leben zu sagen, in jeder auch noch so schweren Situation! Im Konzentrationslager Auschwitz waren es nicht die Stärksten, Intelligentesten oder Böswilligsten, die am Ende überlebten, sondern diejenigen unter den Häftlingen, welche ein Ziel vor Augen hatten, für das es sich lohnte, weiterzuleben.

So kann man auch verstehen, warum so viele Menschen in unserer heutigen Gesellschaft tief unglücklich dahin irren, trotz materiellem und leiblichem Wohlstand. Lustbefriedigung hat keinen Sinn an sich, der Mensch tut dies instinktiv, wie das Tier auch, ohne sich nach dem Sinn dahinter zu fragen. Klar, der Grund ist überleben, Nachkommen erzeugen, Gene weitergeben. Aber sobald sich ein Mensch nach dem tiefen Sinn danach fragt, wieso er denn kaufe, esse, trinke, was dies für einen Nutzen hat, was es wem bringt, dann und nur dann geht er erst über das Tierische hinaus in das exklusiv Menschliche in ihm. Dann merkt er, dass dies alleine keine Erfüllung bringt, nicht ausreichend ist. Klar, wenn er sich selbst auf das Triebhafte reduziert, überzeugt davon ist, er sei nur ein Tier, nur ein intelligenter Affe, dann könnte er sich einbilden, weiterhin glücklich und zufrieden zu sein.

Ich würde gerne solche Menschen im Glauben an ihre Glückseligkeit lassen. Doch kann ich es kann nicht über mich bringen, solche Leute in ihrem Glauben schwimmen zu lassen, dass ihre Chicken Nuggets-Portion das hochwertigste Essen ist, wo doch eigentlich ein herrlich menschlich erfüllender Festschmaus auf alle wartet!

Dieser Festschmaus heißt Sinn und das Rezept des Menschen, um dorthin zu gelangen, nennt sich Freiheit.

To be continued… 

Zum Autor: Theresa Laetitia lebt und studiert in München. Im vergangenen Jahr hat sie besondere Erfahrungen zum Thema Liebe, Gott und Menschsein gemacht. Ihre Erkenntnisse daraus teilt sie der Welt exklusiv auf dem Cathwalk in ihrem „MenschseinManifest“ mit.


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