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Ostertage gemeinsam verbringen

#teamOSTERn: Junge Leute verbringen im Bistum Passau Kar- und Ostertage 2018

Wie verbringt ihr die Stunden zwischen der Todesstunde Jesu und seiner Auferstehung – sprich Karfreitag und -samstag? Einfach vor den Fernseher setzen und sich vom normalen Freitags-Abend-Primetime berieseln lassen? Das kam mir immer etwas seltsam vor. Und so war ich glücklich, dass ich die Kar- und Ostertage 2018 im Haus St. Barbara am Domplatz in Passau verbringen durfte – mit Gleichgesinnten (bis ca. 30 Jahre) und Bischof Stefan Oster.

Eine Welle der Begeisterung für den Auferstandenen am Ostersonntag – auch wenn die Gruppe nach der Osternachtsparty wenig geschlafen hat. Nicht auf dem Foto ist der junge Afghane, der erst in Deutschland Christ wurde. Unsere Gastautorin Teresa sitzt am Boden (1. v. r.), mitten in der Gruppe: Bischof Stefan Oster. Foto: Privat.

von Teresa A. Winderl

Ich müsste lügen, würde ich an dieser Stelle nicht sagen, dass mir etwas mulmig zumute war, als ich mich am späten Nachmittag des Gründonnerstags am Domplatz 4a einfand. An unzähligen Seminaren habe ich zwar in meinem Leben schon teilgenommen, aber noch nie an einem, an dem ich nicht vorher das Programm gesehen hatte. Nun ja, denke ich mir, falls das mit der Hausgemeinschaft nicht so mein Ding ist, werde ich ohnehin die meisten Stunden nebenan im Dom St. Stephan verbringen …

Außer mir und meiner Zimmergenossin, scheinen sich die anderen Teilnehmer untereinander zu kennen. Sie nehmen regelmäßig auch als Organisationsteam  an den vom Bischof initiierten „Believe and Pray“-Gebetskreisen (BnP) teil und / oder sie haben Ostern schon einmal gemeinsam gefeiert, denn das Angebot gibt es 2018 bereits zum dritten Mal. Doch eine der wunderbaren Erfahrungen dieser Tage wird sein, dass wir „Externen“ schnell in die Gruppe integriert werden. Aber zu den BnP müsste ich demnächst mal vorbeischauen  das ist den „Alteingesessenen“ wichtig, da hängt ihr Herzblut dran.

Sie kennen Lobpreis, das merke ich schnell. Schon während der Laudes um 8 Uhr in der Früh beten und singen sie mit voller Begeisterung auch wenn die Nacht durchwacht war. Auch Bischof Stefan ließ es sich nicht nehmen, eine Schicht bei der Anbetung in der hauseigenen Barbara-Kapelle zu übernehmen.

Wenn der Bischof nebenan in einer WG wohnt

Ob ein Bischof Jogginganzug trägt? Ich gebe zu, dass meine Erkenntnisse von diesen Tagen vor der gemeinsamen Zeit eher weltlich geprägt waren. Eine Journalistin kann ihre berufliche Neugierde eben nicht so einfach abstreifen … Aber die Erkenntnisse, die ich in diesen Kar- und Ostertagen im Haus St. Barbara gewonnen habe, gingen so viel tiefer! Und die Frage mit dem Jogginganzug erübrigte sich für mich. Gleichwohl ich sie jederzeit „Stefan“, wie ihn schlicht einige nennen, hätte stellen können. Denn Bischof Oster ist ein Bischof zum Anfassen. Ein Kirchenmann, der authentisch ist und die Botschaft Jesu weitertragen will.

Ein großes Anliegen ist ihm die Neuevangelisierung im Bistum Passau übrigens dem deutschen Bistum mit den prozentual meisten Katholiken! Zuständig dafür ist u. a. Andrea, die im gleichnamigen Referat arbeitet und mit uns die Tage verbringt. Mit dabei ist auch Schwester Conrada, die wie Andrea gleich nebenan wohnt in der WG des Bischofs. Die Nähe zu seiner Wohnung erlaubt es Bischof Stefan, immer wieder Programmpunkte mit uns zu verbringen. Schließlich hat er an Ostern im Dom eigentlich „Hochsaison“.

Aber allein die Anzahl der Taufscheine sagt eben noch nichts über den Glauben im Bistum aus. Auch ich bin als Kleinkind in meiner Heimatdiözese Passau getauft worden, aber in diesen Tagen habe ich den Eindruck, meinen Glauben noch einmal „neu“ zu entdecken als Geschenk zu erfahren.

Vor den einzelnen Gottesdiensten allesamt Pontifikalämter haben wir eine Einführung in die Liturgie. Dazwischen beten und lachen wir viel und essen und trinken weniger. Schließlich sind ja Kartage. Dafür ist aber bei der Osternachtsparty und beim Brunch am Ostersonntag noch genug Zeit. Die Zeit zwischen den Messen muss hier niemand allein vor dem TV verbringen.

Ein Kreuzweg, der gefährliche Folgen haben könnte

Nach dem Gottesdienst mit Kreuzverehrung am Karfreitag haben wir gemeinsam mit den Priesterseminaristen einen Kreuzweg durch die Stadt. Für mich ist das weiter nichts Besonderes, ich habe schon öfter am Stadtkreuzweg teilgenommen. Aber für manche ist es der erste Kreuzweg sie erzählen später, dass sie es komisch fanden, von den Menschen auf der Straße angestarrt zu werden.

Gut, so alltäglich ist es sicher nicht, mit einem mannshohen Holzkreuz durch die Stadt zu marschieren … Aber schließlich befinden wir uns in Passau, Niederbayern nicht in einer Stadt des Nahen Ostens, in der Christen eine Minderheit sind und verfolgt werden.

Die einzelnen Stationen des Kreuzwegs feierte die Gruppe gemeinsam mit Priesterseminaristen an markanten Punkten der Passauer Altstadt: Hinter dem mannshohen, schweren Holzkreuz ist das sog. Niederhaus an der Donau zu sehen. Foto: Elisabeth Grübl

Schwester Conrada hatte für die Agape-Feier am Gründonnerstag Fladenbrote bei einem Döner-Verkäufer bestellt. Sie erzählte uns während der Feier im Haus St. Barbara, dass das für sie eine besondere Begegnung gewesen sei: Der muslimische Fladenbrotbäcker habe sie, die katholische Nonne, gebeten, für ihn zu beten.

Nach dem Gottesdienst am Gründonnerstag feierte die Gruppe eine Agape-Feier. Schwester Conrada hat hierfür Fladenbrote im Dönerladen besorgt. Während des Kreuzwegs fand eine interessante Begegnung mit dem muslimischen Ladenbesitzer statt. Foto: Teresa Winderl.

Es ist schön und lustig zu gleich, dass der muslimische Fladenbrotbäcker uns fragt, ob uns das Brot geschmeckt habe, als wir mit dem riesigen Holzkreuz an seinem Laden vorbeiziehen. Wie wenig er vom Kreuz irritiert zu sein scheint. Oder tut er nur so? Er, der Moslem, wir, die Christen beten gegenseitig füreinander in diesen Tagen. Das könnte eigentlich Schule machen, denke ich mir.

Der Osterwitz wird im Vorfeld getestet

Zurück im Haus St. Barbara holt mich die Realität ein: Mit uns verbringt diese Tage ein Afghane, der erst vergangenes Jahr zum Christentum konvertiert ist. Fühlten sich einige unserer Gruppe von den Passanten während des Kreuzwegs gestört, könnten die für uns eigentlich so harmlosen Blicke für den afghanischen Christen gefährlich werden. Seine muslimischen Kumpels aus Afghanistan dürfen nicht erfahren, dass er nun Christ ist, deshalb blieb er während des Kreuzwegs im Haus.

Doch muss man nicht als Christ die Bereitschaft haben, Zeugnis für den Glauben abzulegen? Solche und andere Fragen können wir am Karsamstag mit Bischof Stefan im Priesterseminar nebenan diskutieren. Unseren Glauben heute zu leben, das ist oft nicht so ganz einfach, gerade für junge Menschen da sind solche Formate wie die, die es nun im Bistum Passau gibt, gut und wichtig. Alle im Haus St. Barbara stehen an ganz unterschiedlichen Abschnitten im Leben: Die einen stehen in Studium oder Ausbildung, andere gehen noch in die Schule. Aber wir alle teilen die Begeisterung für den Glauben. Auch hier stehen wir an unterschiedlichen Standpunkten der eine ist vielleicht schon weiter wie der andere. Diese Unhomogenität trennt uns jedoch nicht, sondern eint uns.

Win-win irgendwie für alle Beteiligten: So „testet“ der Bischof einen Witz bei einem unserer gemeinsamen Essen. Risus paschalis das österliche Lachen ist eine alte Tradition, die Bischof Stefan neu belebt hat. Die Tischgemeinschaft ist gespalten über die Qualität des „Test-Witzes“ und seines Gehalts. Letztendlich entschied sich Bischof Stefan für einen anderen Witz sogar mit österlichem Bezug. Die Osterfreude aus Passau ging bereits kurz nach dem Upload auf YouTube viral. Auch das ist Verkündigung der frohen Botschaft heute irgendwie.

 

Bei der Abschlussrunde am Ostersonntag, nach Osternachtsparty, Osterbrunch und ganz wenig Schlaf, nennen viele aus unserer Gruppe die Predigten des Bischofs als Highlight dieser Tage. Im Dom haben wir Menschen kennengelernt, die sogar extra wegen unseres Bischofs hunderte von Kilometern angereist sind, um mit ihm Ostern feiern zu können. Ich meine, man sollte auf keinen Fall den, um den es eigentlich geht, nämlich Jesus, aus den Augen verlieren. Aber vielleicht sind solche Menschen wichtig in unseren Zeiten, da sie anderen als Leuchttürme dienen können. Wir im Haus St. Barbara waren zwar beim Osterbrunch gespalten in der Meinung, ob wir bei Nutella nun zum Team mit oder ohne Butter gehören. Aber alle gehör(t)en wir gern zum #teamOSTERn 🙂

Beim Osterbrunch am Ostersonntag durfte nach Herzenslust geschlemmt werden. Zu den gemeinsamen Essen der Gruppe, die an den Kartagen weniger üppig ausfielen, stieß auch Bischof Stefan Oster gern dazu. Unkenntlich gemacht werden musste der junge Afghane, der in Deutschland Christ wurde. Hinter ihm sitzt unsere Gastautorin Teresa, Andrea und Schwester Conrada am Kopf des Tisches. Foto: Elisabeth Grübl.

Links:

Believe and Pray Gebetskreis

Referat für Neuevangelisierung

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