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Mit Bier zum Glück? Die Glücksformel in „Die Simpsons“

"Die Simpsons", erdacht vom Philosophen Matt Groening, sind nicht nur Homer, Bart und Co. Sie stellen ein Zeichentrick-Universum in Gelb dar, das alle Typen, Probleme und Sehnsüchte der Gegenwart spiegelt. Philosophisch präsentiert die Serie Gelassenheit als Erfolgsmodell, orientiert sich dabei an Epikur und Diogenes und gibt dem Bier immer eine wichtige Rolle. Das ist auch dem Katholizismus nicht fremd und gut so.

Bild: WinterAdrian / pixabay.com

Matt Groening: Kopf und Urheber der Serie

Wenn man über die Botschaft der Simpsons redet, kommt man an Matt Groening nicht vorbei, dem Schöpfer und Mastermind der Serie. Viele Familienmitglieder der Simpsons hat Groening nach seinen eigenen Angehörigen benannt. Er studierte am Evergreen State College in Olympia (Bundesstaat Washington) liberale Künste, darunter Philosophie. Seine eigene Weltanschauung hat er auch auf die Fernsehserie übertragen. Es scheint die Position des „ich weiß nicht“ zu sein. Aber nicht nur das. Er vermittelt in der Serie den Eindruck, dass man grundsätzlich über die letzten Fragen, wie die über Gott, nichts wissen kann. Daraus folgt natürlich, dass man sein Leben nicht verbindlich religiös ausrichtet. Letzte Wahrheiten bleiben vielmehr immer in der Ungewissheit und es gilt meist pragmatisch, nützlich und irgendwie genüsslich mit dem Leben klarzukommen. Vernunft allein ist meist kein ausreichender Antrieb. An dieser Stelle heißt es: Willkommen bei den Simpsons!

Springfield als Mikrokosmos der Westlichen Welt

Springfield, die Stadt, in der die Simpsons und alle ihre Nachbaren, Freunde und Feinde herumwuseln, zeigt gleichsam die ganze menschliche Spannweite an Typen auf kleinstem Raum. Es werden familiäre, persönliche, religiöse, politische, kapitalistische und unzählige weitere Lebensentwürfe dargestellt und miteinander in Konflikt gesetzt. Dabei gewinnt meist der diogenesische Homer Simpson, verlieren hingegen ist das Schicksal des „krankgläubigen“ Nachbarn Ned Flanders. Homer Simpson, der im Atomkraftwerk arbeitet, hat ein Eigenheim, eine Frau und drei Kinder. Er ist weder für seinen Job noch für seine familiären Aufgaben wirklich qualifiziert. Aber er kommt dennoch gut durchs Leben. Weder Manieren noch Attraktivität oder Intelligenz zeichnen ihn aus; er ist dumm, faul und dick. Seine Qualitäten liegen in der Hingabe für Familie und Freunde und im Biertrinken. Er arbeitet im Atomkraftwerk, weil er so seine Familie besser finanzieren kann, als mit seinem Herzensjob im Bowlingclub.

Man trifft Homer oft in Moes Taverne. Er mag es, viel zu essen und zu trinken. Der dicke Homer verkörpert etwas von Diogenes. Es geht ihm nicht um hehre Ziele, nicht um ein Streben nach dem letzten Urbild der Wirklichkeit, sondern darum, in der Hängematte zu liegen, gemütlich Bier zu trinken und seine Ruhe zu haben. Wie Diogenes wird auch er sagen: „Geh mir nur ein wenig aus der Sonne“, wenngleich er die Grenze des Genusses da setzt, wo seine Familie in Gefahr ist. Amerikanische Werte sollen schließlich gewahrt bleiben.

Epikur glaubte nicht, dass Götter sich für das Leben der Menschen interessieren. Homer scheint auch nicht sonderlich an die Kraft des Gebets zu glauben, sondern die Wirkung eines „Duff“-Biers.

Ganz anders ist es um Homers Nachbarn Ned Flanders bestellt. Ned Flanders ist gleichsam der Anti-Homer, ein strenger Protestant und in jedem Atemzug darum bedacht bloß alle göttlichen und kirchlichen Gesetze strengstens einzuhalten. Mitunter telefoniert er auch nachts mit dem Pfarrer, wenn er sich in sündigen Gedanken wähnt. Er unterdrückt permanent seine Aggressionen, wodurch er eine chronische Unechtheit an den Tag legt, die sich verbal mit dadaistischen Lauten wie „okely-dokely“ bemerkbar macht. Der biedere Schnauzbart- und Brillenträger, mag eine Kritik an einigen sonderbaren Formen des Christentums in den USA darstellen. Darüber hinaus offenlegt, ist, dass seine Art des Radialglaubens krank macht. Ned Flanders übertreibt alles derart, dass sein Christentum letztlich wie ein Antihumanismus wirkt, der psychische Schäden hinterlässt. Die Botschaft, die mitschwingt, lautet: Nimm es nicht so ernst, sonst wirst du krank. Lieber Genießer als Spießer.

Homer aus Vorbild?

Will Matt Groening Homer letztlich implizit als Vorbild präsentieren? Soll Kritik an zu größer Frömmigkeit und Intelligenz geübt werden? Es gibt eine Folge, in der ein hart arbeitender Kollege von Homer, Frank Grimes, ein Workaholic und self-made man, aus purer Wut über Homers privaten und beruflichen Erfolg – bei dessen gleichzeitiger Inkompetenz – verrückt wird. Grimes fasst in die Starkstromleitung und stirbt mit den Worten: „Ich brauche keine Sicherheitshandschuhe, ich bin Homer Simpson“. Ein übertriebenes Verlangen nach Gerechtigkeit und Erfolg hat Grimes verrückt werden lassen und in den Tod geführt. Homer hingegen genießt weiter und schnarcht sabbernd auf Grimes Beerdigung. Als er dabei zu reden beginnt, gibt es allgemeines Gelächter. Sabbernde Somniloquie siegt – statt Trauer über die Tragik eines einsamen Todes. Welch eine Botschaft.

Also lieber den „Homer Way of Life“ wählen? Es gibt eine Folge, in der herauskommt, dass Homer nur deswegen eine eingeschränkte Intelligenz besitzt, da er Stifte im Gehirn hat. Als diese in einer OP entfernt werden, erkennt er, dass das Leben mit Intelligenz schwerer ist. Schließlich entscheidet sich Homer dafür, dass die Stifte wieder in sein Gehirn geführt werden sollen. Er ist lieber dumm und glücklich, als klug und traurig. Was soll das vermitteln? Gibt es eine pädagogische Agenda der Simpsons? Was will die Serie? Vielleicht gar nichts anderes als Lebenserfahrungen rezipieren. Und diese scheinen so zu sein, dass Diogenes, Bier und Familiensinn mehr Weisheit besitzen als übertriebenes Streben nach Perfektion.

G.K. Chestertons Lösung

Chesterton, der große katholische Apologet des frühen 20. Jahrhunderts, hat deutlich gemacht, dass der katholische Glaube nicht gegen Genuss ist: „Im Katholizismus können die Halbe (0,5l Bier), die Pfeife und das Kreuz zusammenpassen. Daher ist nichts Falsches daran, das Leben zu genießen und Bier kann fließen. Jedoch nicht anstelle des Kreuzes, sondern mit dem Kreuz. Katholisch sein heißt auf die richtige Rangordnung von Genussmitteln wie Bier zu schauen, anstatt sie in Opposition zum Glauben zu setzen. Der Mensch ist ein leibliches Wesen. Daher ist nichts falsch daran, mit Bier zum kurzen Glück zu finden, solange klar ist, dass das wahre Glück woanders liegt. Diese Einstellung verhindert eine Sucht besser, als Genussverdammung, die am Ende zum Exzess führen kann. Also: Bier ja, Pfeife ja, aber auch: Kirche ja. Denn das Leben ist mehr als „Die Simpsons“.

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