Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Kein Bock auf veggie? – Gut so!

Es gibt ein Phänomen, mit dem man immer öfter konfrontiert wird: Veggie-Lifestyle. Vegan essen, Salat essen, Fleischverzicht. Es sei gesund und gut. Aber warum eigentlich?

Bild: StockSnap / pixabay.com

Der Mensch fühlt sich schuldig und sucht irgendwie das Heile, Heilige und Erlösende, halt nur nicht mehr in den traditionellen Formen. Nein, der Theismus ist weitgehend einem Naturalismus oder einer pantheistischen Verklärung gewichen. Statt bei Gott sucht man woanders sein Heil. Handfester soll es sein und das Gewissen beruhigen. Die Antwort im 21. Jahrhundert heißt: Go vegan, veggie, bio!

Wer nicht das Heil im Veggiekult sieht, wird von der „Natur“ mit Krebs, Herzinfarkt oder schlimmstenfalls mit dem Weltuntergang betraft. Wie kann man dem entgehen? Der moderne Ablasshandel ist teuer und totalitär: Das ganze Leben muss unter die Veggie-Herrschaft gestellt werden. – „Wo veggie steht, der Weltuntergang vorrübergeht“. Natürlich muss man in den Urlaub fliegen und zum Shopping nach London, aber im Supermarkt soll es dann bio und veggie sein.

Der Veggiekult als neue Form des Bußsakraments

Der Veggiekult ist eine neue Weise, mit Schulderfahrungen und Heilssehnsüchten umzugehen. Tiere sollen von der Schuld erlösen. Oder besser gesagt: Der Verzicht auf Tiere, die mitunter auch als beseelt und damit menschennah betrachtet werden, soll dazu beitragen, sich weniger schuldig zu fühlen. Der Fleischverzicht oder das Essen rein pflanzlicher Produkte dient als Akt der Buße. Der Vegetarier ist damit der moderne Büßer, der seine Absolution durch die Pflanzen erhalten will. Vegetarismus ist der heutige Büßerstand, wenn man es noch eine Nummer härter will, kann man zum Veganismus übergehen. Wenn Tofu auf dem Teller liegt, das Gute siegt. Man weiß sich eine Stufe über dem Bösen, dem Fleischverzehr. Man rettet die Welt und zumindest auch seinen Körper vor dem giftigen Fleischkonsum. Denn allgemein wird propagiert, dass Pflanzen, und alles, was irgendwie Bio- und Ökosiegel hat, besser ist; man somit was für eine Gesundheit, sein körperliches Heil tut. Der Wettlauf um das Körperheil kennt keine Grenzen und keine Pausen. Man kann dafür nicht genug Kräuter, Körner und Salate essen. Gesundheit als Eigenverantwortung. Selbst schuld, wer da nicht mitmacht. Wie kann man sich noch beklagen, wenn man als „Falschesser“ mit Krankheit bestraft wird? Weiß man als aufgeklärter Mensch doch, dass man ist, was man isst.

Eines fehlt in der modernen Buße

„Ego te absolvo“ – Ich spreche dich los – so lautet der Satz in der Beichte, durch den der Priester in der Person Christi Sünden vergibt. Eine Lossprechung gibt es beim Veggiekult nicht. Klar, vegane Gesundesser versuchen sich die Absolution anzuessen, aber es klappt nicht. Es gibt keine Barmherzigkeit im Öko- und Pflantenkult, nur den stetigen Antrieb des schlechten Gewissens, das permanente Zurückbleiben hinter dem eigenen Anspruch, hat man doch trotz aller Mühe zu viel CO2 ausgestoßen oder versehentlich ein Medikament gekauft, für das Tiere leiden mussten. Krankheit und Klimawandel mögen nun als Strafen des Universums auf einen herabkommen.

Wer kann da noch sagen, das Christentum habe in der Vergangenheit zu sehr einen strafenden und unbarmherzigen Gott verkündet?

Dieser Artikel wurde bereits 26 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

2 Kommentare

  1. Jane Doe 16. Mai 2018

    Und jetzt kann man ja mal „Fleischessen“ mit „Sklaven halten“ ersetzen. Die Logik des Textes bleibt bestehen.
    „Der Veggiekult ist eine neue Weise mit Schulderfahrungen umzugehen“ wird dann zu „Die Befreiung der Sklaven ist eine neue Weise..“ usw.

    Guter Artikel um mal darüber nachzudenken, wieso man eigentlich moralisch/gewissenhaft i.A. handeln sollte. Das trifft ja nicht nur auf Veganismus zu. Eben auch aufs Sklaven halten, Leute töten wenns keiner mitbekommt, sich an anderen bereichern. Sowas

    • Nepomuk 17. Mai 2018

      Das ist ja gerade der Knackpunkt in der Frage (womit ich nicht sagen will, daß ich den Artikel gut finde, aber in der Sache hat er halt Recht).

      Es ist moralisch hundertprozentig *legitim*, ein Tier zu töten, um sich an dessen Geschmack zu erfreuen –

      und einen Sklaven zu halten ist das *nicht*.

      Es gibt letztlich kein Ausweichen vor der Wahrheitsfrage, sage ich immer; ist etwas nun erlaubt oder ist es das nicht. Wenn aber das Schlachten und Essen von Tieren erlaubt ist, dann ist es auch erlaubt.

      @Jane Doe, ich erwarte ja von Veganern nicht viel, aber daß wir Tiere nicht aus einem *Mangel* an Moral, sondern auf Grund einer *anderen Meinung* in dieser Moralfrage essen, sollte doch wenigstens zur Kenntnis genommen werden. „Moralisch“ heißt nicht „das, was Veganer für moralisch halten“.

      Wenn überhaupt heißt es „das, was die Kirche für moralisch hält“ – und wie viele traditionelle Katholiken, die die Kirchengebote erfüllen, kennen Sie denn, die Veganer sind? Das kollektive Urteil des gläubigen Gottesvolkes hat auch eine gewisse Bedeutung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.