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Brennender Glaube statt großer Langeweile: Pfingsten bei der Loretto-Gemeinschaft

Wenn sich das Brausen der Feuerzungen, wie im Evangelium beschrieben, im Lobpreis von 10.000 Jugendlichen widerspiegelt und einen ganzen Dom zum Beben bringt ... Das ist Pfingsten 2018 in Salzburg, das „Fest der Jugend“ der Loretto-Gemeinschaft.

Bild: Loretto-Gemeinschaft / flickr.com. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Von Christian Schallauer

Das Event

Der christlich-katholische Glaube und die römisch-katholische Kirche mögen zwar gerade durch einen wunderbaren Papst, wie Franziskus es ist, etwas Aufwind verspüren. Aber bleiben wir realistisch: Die Kirchen an Sonntagen leeren sich mehr als dass sie voller werden – und die Lehre der Kirche wird vielerorts verwässert und verdreht. Die Beichtstühle weisen schon fast eine dickere Staubschicht auf als die Kirchenmauern stark sind. Die wenigen Schäfchen, die noch am Sonntagmorgen die heilige Messe mitfeiern (von Gottesdiensten während der Woche ganz zu schweigen), sind jenseits der 50 – und die öffentliche Diskussion in Bezug auf Glaube und Kirche ist mehr ein Streiten als die Verkündigung einer FROHEN Botschaft!

Nun stand vergangenes Wochenende im Kalender das Pfingstfest, das drittgrößte Fest im kirchlichen Jahreskreis – und laut Evangelium sollte das der Moment sein, in dem der auferstandene und in den Himmel aufgefahrene Jesus eine Kraft aussendet, die als göttlicher Beistand helfen und vieles freisetzen soll! Auf den Punkt gebracht: Genau diese himmlische Power wäre gerade recht und nötig in Anbetracht der Lage der katholischen Kirche – diesem schlafenden Riesen, wie das jemand am Anfang dieses Jahres bei einer großen Konferenz sehr treffend formuliert hat!

Dieses Pfingsten kann man je nach Belieben ganz unterschiedlich verbringen. Unzählige Veranstaltungen und Events bieten sich an diesem verlängerten Wochenende an. So lädt seit beinahe 20 Jahren die Loretto-Gemeinschaft aus Österreich zum „FEST DER JUGEND“ in die Mozartstadt Salzburg, in den Dom ein.

Das Fest beginnt am Freitag mit einem eigens dafür einstudierten Musical, samt klarer und deutlicher Botschaft, gerichtet und adressiert an die junge Generation, denn es heißt ja auch „Fest der Jugend“! Aber spätestens am Samstagvormittag kann man beobachten, dass nicht ausschließlich Jugendliche in den Dom zu Salzburg kommen. Oder besser gesagt: strömen. Oder noch besser formuliert: sich hineinquetschen! Es werden bis Montag an die 10.000 Menschen an diesem Fest teilnehmen (ja, die vier Nullen stimmen in der Reihenfolge 😉 und der Altersdurchschnitt liegt wohl bei knapp 20 Jahren – das eine oder andere Jahr plus oder minus. Jeder Programmpunkt beginnt mit Lobpreis 2.0. Wie ich das meine? Naja, dieser Lobpreis ist nicht unbedingt die Nr. 220 aus dem „Singe Jerusalem“, oder ein Typ, der vorne mit einer Gitarre spielt und sich mehr oder weniger allein die Seele aus dem Leib singt, nein – sondern eine ganze Band samt Schlagzeug und allem was dazugehört, preist den Namen des Herrn, sodass die Tauben am Domplatz das Weite suchen > Lobpreis 2.0 eben!

Treu und modern

So durchströmt von Freude und Kraft, folgen die nächsten Programmpunkte: Katechesen von Referenten aus dem In- und Ausland, Zeugnisse und immer wieder das Gebet. Das freie Gebet für einen Vortragenden, das Gebet für die Priester, das Gebet für die Teilnehmer, das Gebet für die Firmlinge, das Gebet für die Kirche, das Gebet für den Papst. Ja, man merkt sofort: Das hier ist keine Gegenveranstaltung zur römisch-katholischen Kirche, sondern viel eher der rechte kleine Zeh des eingeschlafenen Riesen, der zuckt und ruckelt, weil er möchte, dass der ganze Riese erwache! Die Loretto-Gemeinschaft steht treu und unerschütterlich zum Bräutigam und seiner Braut, der Kirche – das ist so sicher wie das Amen im Gebet oder die Wurstsemmel nach einem Gebetkreistreffen dieser Gemeinschaft!

Diese Verbundenheit merkt man auch, wenn man die Titel der 73 Workshops am Samstagnachmittag liest. Es ist, als würde man eine „Schatzkiste“ öffnen und darin wühlen können. Die Schatzkiste ist die katholische Kirche – und all die Workshops sind Wege, Möglichkeiten, Werkzeuge und Zugänge, wie man heute, im Jahr 2018 diesen Glauben authentisch leben und vermitteln kann! Es geht um das Gebetsleben zu Hause, die Beichte, die Sexualität in der göttlchen Ordnung, Aktivitäten als Christ, seine Berufung finden und so vieles mehr.

Das Highlight für viele ist der Samstagabend, der sogenannte „ABEND DER BARMHERZIGKEIT“. Man könnte jetzt meinen, es würde eine tolle Show geboten, weil ja so viele Jugendlich im Dom sind, ihnen müsse doch jetzt etwas Spektakuläres geboten werden. Doch wer das vermutet, irrt gewaltig! Was an diesem völlig umwerfenden Abend geboten wird, ist so erzkatholisch wie das Fasten einer 80-jährigen Nonne in Italien an jedem Freitag. Es gibt eine eucharistische Anbetung und die Möglichkeit zum Sakrament der Versöhnung! Nicht mehr, ABER AUCH NICHT WENIGER!

Es ist so unglaublich beeindruckend, ja sogar tief ergreifend, wenn sich Zigtausende junge Menschen im alten Dom zwei Stunden vor JESUS niederknien, weinen, beichten, sich freuen, ihn anbeten, ihn berühren, wenn seine Statue vom Priester durch die Reihen getragen wird, und ihn, diesen JESUS als König feiern, wie es eben nur junge Leute tun können > ausgelassen und unbefangen, voller echter, tiefer Lebensfreude!

Am Pfingstsonntag gibt es das Hochamt mit Erzbischof Franz Lackner. Sollten Sie nun denken, dass mit einem Erzbischof endlich etwas Ruhe und – dem katholischen Klischee entsprechend – „viel Zeigefinger Moral“ kommen, muss ich Sie enttäuschen! Der Erzbischof ermutigt diese junge Generation dazu, genauso ihren Glauben an Jesus zu leben und stellt klar, dass es auf jeden einzelnen ankomme, nämlich genau dort, wo er lebe, arbeite, in die Schule oder zur Uni gehe! Sodass diese Kirche wieder zu neuem Leben erweckt werde oder – um das Bild von vorher zu bemühen – dieser Riese endlich erwachen möge!

Am Ende seiner Predigt gibt es tosenden Applaus von Jung UND Alt!

Am Sonntagnachmittag folgen wieder eine Katechese, das Gebet um den heiligen Geist und eine kleine Wanderung auf die Festung, wo von diesem erhabenen und markanten Platz aus über Stadt und Land gebetet wird ­– und ja, der Erzbischof ist natürlich mittendrin unter seinen jungen Schäfchen!

Feuerzungen

Der Pfingstmontag ist für viele schneller gekommen als ihnen lieb ist. Man hört von den jungen Menschen immer wieder, dass es noch lange so weitergehen könnte, dass sie diese Atmosphäre am liebsten beibehalten möchten. Wie wenn er diese Sehnsucht aufgeschnappt hätte, betont der Mitbegründer der Loretto-Gemeinschaft, Georg Mayr-Melnhof, beim schon berühmt-berüchtigten Abschlussvortrag, dass es nun in den Alltag hinausgehe und alle ihren Glauben kühn, cool, modern und authentisch leben sollten! Er geht sogar so weit (darum das Wort „berüchtigt“), dass er alle im Dom aufruft, HEILIGE zu werden! Nein, ich habe mich nicht vertippt! Er fordert die jungen Christen auf, diesen Ruf Gottes ernst zu nehmen und die Heiligkeit zu suchen, und wenn nicht anders möglich, dann halt in coolen Jeans, mit coolen Tretern (das sind die Schuhe 😉 und einem „Red Bull“-Energy Drink in der Tasche, falls die 24/7-Anbetung doch zu sehr am Schlafpensum gekratzt haben sollte!

Und wie könnte es anders sein, kommt er am Ende seiner Ermutigung zum Lieblingsthema: Dass wir alle für den Himmel bestimmt seien und wir uns einfach dafür entscheiden müssten, diesen Ort zu suchen und zu erlangen. Dort findet die wahre, echte und alles entscheidende Party statt – die EWIGKEIT!

Der fulminante Schlusspunkt dieses Pfingstfestes ist die Firmung von mehr als 120 jungen Menschen. Alles ist top organisiert – und doch stößt man hier an die Grenzen der Machbarkeit! Zu all den Besuchern des Festes der Jugend kommen nun noch Hunderte Familienangehörige und Freunde der Firmlinge. Ob das bei einem weiterem Anstieg der Teilnehmer in den nächsten Jahren noch so stattfinden kann, bleibt dahingestellt – aber eines ist ganz klar festzuhalten: Als die heilige Messe mit der Spendung der Firmung endete und das abschließende Lobpreislied angestimmt wurde, verwandelte sich dieser Gesang wie in ein Brausen von Feuerzungen – und im ganzen Dom machte sich eine tiefe Freude breit, sodass sogar getanzt und gejubelt wurde > FAITH IS ON FIRE!

Veni Sancte Spiritus – Komm, Geist der Freude und erneuere deine Kirche!

„Fest der Jugend“ – Pfingsten in Salzburg in Zahlen:

  • 3000 Beichten am Wochenende
  • 10.000 Besucher vor Ort
  • 1,5 Millionen Zuseher/Kontakte über Medien/Social Network

„Fest der Jugend“ im Web:

www.festderjugend.at

www.loretto.at

https://www.flickr.com/photos/lorettogemeinschaft

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