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Der Kampf gegen die „Feinde des Kreuzes Christi“ – Pius X. und Paul VI.

Papst Paul VI. Foto: öffentlich

Die Kampfplätze im Pontifikat Pius‘ X.

„Man kann es nicht leugnen, daß in der letzten Zeit die Zahl der Feinde des Kreuzes Christi um eine große Anzahl gewachsen ist“, so schrieb Papst Pius X. 1907 in seiner Enzyklika „Pascendi dominci gregis“- die Herde des Herrn zu weiden. Er reagierte in dieser Enzyklika auf neue „theologische“ Ansätze, die den Glauben in der bisherigen Gestalt über Bord warfen und die Möglichkeit besaßen die Kirche von Grund auf zu ändern oder zu zerstören. Diese neuen „theologischen“ Ansätze nannte Pius X. „Modernismus“. Dieser wird in der Enzyklika definiert als „eine Zusammenfassung aller Häresien“. Besonders drei Kampfmittel wurden dabei gegen diese „Zusammenfassung aller Häresien“ ins Feld geführt: das Dekret „Lamentabili“ (1907), die Enzyklika „Pascendi“ (1907) und das Motu Proprio „Sacrorum antistites“ (1910), in dem der so genannte „Antimodernisteneid“ enthalten war, den jeder Priester bis 1967 zu leisten hatte.

Joseph Mausbach, Professor für Moraltheologie in Münster, machte in seinem Werk „Der Eid wider den Modernismus“ (1911) den Modernisten und ihren Methoden folgenden Vorwurf:

„daß das Ewige und Göttliche irgendwo sicher und gebietend in die Geschichte eintritt, diese Grundanschauung aller Offenbarungs- und Christusreligion wird hier völlig fallen gelassen. Der Glaube, der an solchen Tatsachen festhält, ist eine dem religiösen Bedürfnis und Gefühl entspringende Verklärung der Wirklichkeit, die neben der wissenschaftlichen Betrachtungsweise hergeht.“

Besonders im Exegeten Alfred Loisy sah man in Rom den Vorwurf Mausbachs bestätigt. Er galt als der „Mustermodernist“ schlechthin.

Alfred Loisy war ein französischer Priester und Professor für Exegese am Institut catholique de Paris. Schon unter dem Pontifikat Leos XIII. Ende des 19. Jahrhunderts geriet er in Konflikt mit dem Lehramt. Allerdings kam es erst im Pontifikat Pius X. zur Eskalation, nachdem Loisy sein Werk „L’Evangile et Èglise“ (1902) veröffentlicht hatte. Loisys ursprüngliches Ziel war es Theologie und moderne wissenschaftliche Methoden miteinander zu verbinden. Er kritisierte sogar den evangelischen Theologen Harnack und suchte eine katholische Antwort auf dessen Verständnis von Kirche. Heute noch ist Loisy berühmt für den Satz: „Jesus hat das Reich Gottes verkündet; gekommen ist die Kirche“.

Der Dogmatikprofessor und Antimodernist Anton Gisler setzte sich in seinem Werk „Der Modernismus“ (1912) mit Loiy auseinander und beschreibt das Problem des Lehramts mit ihm. Laut Gisler ist der Modernismus in Loisy Fleisch geworden. Das bedeutsamste Buch des Modernismus sei Loisys „L’Èvangile et Èglise.“ Loisys Kritik an Harnack, dass das Wesen des Christentums nicht darin liege, im Bewusstsein einen gnädigen Gott zu haben, sondern das Reich Gottes für sichtbare Menschen sei und daher die Gesellschaftsnormen habe annehmen müssen, z.B. eine Hierarchie, wie es sich bereits im Evangelium zeige, sei noch katholisch gewesen. Aber Loisy habe den katholischen Gedanken von Grund auf verstellt, indem er behauptete:

„Die Verfassung, die Dogmen, den Kult und die Sakramente der katholischen Kirche habe Jesus auch nur in ihren wesentlichen Punkten weder vorausgesehen, noch beabsichtigt.“ (Gisler)

Zwar seien bei Loisy, so Gisler, die Dogmen aus dem Evangelium hervorgegangen, aber er beanspruchte gleichzeitig gegenüber allen Glaubensdogmen:

„das Recht freiester Auswahl und Kritik, (gleichzeitg) leugnete (er) die Grunddogmen des Glaubens: die Gottheit Christi, seinen Erlösungstod, seine leibliche Auferstehung, die Gründung der Kirche und die Einsetzung der Sakramente, und wollte dennoch berechtigt sein, Christ und römisch-katholisch zu heißen.“ (Gisler)

Die Kampfplätze im Pontifikat Pauls VI.

Auf die euphorische Aufbruchsstimmung nach dem Konzil, auf „Aggiornamento“ und „frische Luft“, folgte bald das traurige Statement Pauls VI., der „Rauch Satans“ sei in die Kirche eingedrungen. Alles wurde in Frage gestellt, alles stand zur Diskussion: die Liturgie, die Moral, die Kirche selbst. Bereits in seiner Antrittsenzyklika „Ecclesiam suamvon 1964 betonte Paul VI. die Notwendigkeit des Kampfes gegen den Modernismus, wie ihn Pius X. geführt habe. Gleichzeitig verabschiedete er den Modernismus in die Kirchengeschichte. Die 60er Jahre hatten eine andere Grundstimmung. Es galt am Glauben festzuhalten ohne zu verdammen. Man wollte katholisch sein aber auch das Gute im anderen würdigen und der Welt gefallen. Von dieser Grundstimmung ist auch das Zweite Vatikanische Konzil geprägt.

Dieser Philosophie folgend wurde der Antimodernisteneid 1967 durch ein „Professio fidei“ – ein Glaubensbekenntnis – ersetzt. Die Verdammungen der Irrtümer fielen weg, stattdessen trat ein positives Bekenntnis an die Stelle des Eides.

Am 30. Juni 1968 veröffentlichte Paul VI. das Motu proprio „Sollemni hac liturgia“, mit dem er das Credo des Gottesvolkes einführte, das auf moderne Extrempostionen reagierte. Am 25. Juli 1968 veröffentlichte er die Enzyklika „Humanae vitae“, in der er die kirchliche Morallehre in Ehe und Sexualität verteidigte. 1970 wurde ein neues Messbuch veröffentlicht. Während auf liturgischer Seite viele Änderungen und Anpassungen folgten, blieb die Moral konstant. Aber die Zeit hatte längst eine Eigendynamik entwickelt, gegen die Paul VI. nicht mehr ankam. Überall wurden Brüche mit der Vergangenheit gefordert und teilweise massiv durchgesetzt. Besonders schmerzlich war es, wenn skandalöse Entwicklungen mit dem Konzil gerechtfertigt wurden. Paul VI. litt sehr darunter und bettelte oft auf verlorenem Posten, wenn er darum bat sich in den Reformen zu mäßigen. Johannes Paul II. erbte eine Kirche im Umbruch und in Unsicherheit, ein Zustand, der bis heute anhält.

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  • Dekret der heiligen Inquisition „Lamentabili“ vom 3. Juli 1907.
  • Gisler, Anton, Luther redivivus?, in: Schweizer Rundschau 22 (1922), S. 161-180.
  • Gisler, Anton, Der Modernismus, Einsiedeln 1912.
  • Loisy, Alfred, L’Evangile et l’Eglise, Paris 1902.
  • Mausbach, Joseph, Der Eid wider den Modernismus und die theologische Wissenschaft, Köln 1911.
  • Pius X. Enzyklika Pascendi dominici gregis vom 8. September 1907.
  • Pius X. Motu Proprio Sacrorum Antistitum vom 1. September 1910.
  • Paul VI. Enzyklika Ecclesiam suam vom 6. August 1964.
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2 Kommentare

  1. Christoph Hagen 3. Juli 2018

    Was soll dieser Artikel denn aussagen. Et referiert Positionen, zieht aber mE keine Schlussfolgerung.

    • Jonas 4. Juli 2018

      Wenn ich das (richtig?) verstanden habe, so soll doch klar in Erinnerung gebracht werden:
      .
      (1) allein und ausschließlich die katholische Ausprägung des christlichen Glaubens ist dem Evangelium gemäß (im „Syllabus errorum“ von 1864 liest sich das so: Divina revelatio est imperfecta et idricro subiecta continuo et indefinitio progressui, qui humanae rationis progressui respondeat, zu Deutsch: zu einer (tieferen) Erkenntnis
      über das Wesen Gottes kann die Hochenergiephysik oder die Gastheorie *garnichts* beitragen;
      .
      (2) nur diejenige Ordnung von Politik und Gesellschaft ist sachgemäß, welche die Päpste von „hoher Warte“ verkünden: also nicht etwa (wie im „Syllabus errorum“ unter anderem aufgeführt) Demokratie und Religionsfreiheit.

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