Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Vom Weiberhelden zum Heiligen: Ignatius von Loyola

Am 31. Juli gedenkt die Kirche eines ihrer wichtigsten Heiligen der Frühen Neuzeit: Ignatius von Loyola. Der ausgebildete Soldat ist nicht nur der Gründer des größten Männerordens der Welt. Durch seine neuen Methoden und Frömmigkeitsformen ist er bis heute maßgeblich in der Priesterausbildung, für Berufungsentscheidungen und im katholischen Bildungswesen.

Bild: The Cathwalk - Il Gesù, die Mutterkirche der Jesuiten in Rom

Am Ende seines Lebens hat Ignatius von Loyola eine Autobiographie verfasst. Sie trägt den Titel: „Bericht des Pilgers“. Das autobiographische Werk verfasste er gegen seinen Willen auf Drängen der Ordensbrüder. Der Titel offenbart bereits, wie sich Ignatius selbst sah: als Pilger, der sich für und zu Gott auf den Weg machte und wie im Titel durchscheint, schrieb Ignatius in der dritten Person. Der Bericht beginnt mit einer vagen Beschreibung seines Leben vor der Bekehrung. Er sei bis zum Alter von 26 Jahren – wahrscheinlich war er jedoch bereits 30 – ganz den weltlichen Dingen erlegen gewesen. Ruhm und Ehre suchte er in der Welt, als Soldat und Offizier. Anerkennung bei Frauen und seinesgleichen wollte er durch Kämpfe und Waffengewalt erhalten.

Bekehrung durch die Unterscheidung der Geister

Das alles änderte sich, als er 1521 – dem Jahr in dem Luther exkommuniziert wurde – bei der Verteidigung der Schlacht um Pamplona so schwer verletzt wurde, dass er ins Krankenlager gebracht werden musste. Eine Kanonenkugel hatte sein Bein getroffen. Es war unklar, ob er jemals wieder normal laufen könnte. Seine Knieverletzung heilte, aber durch den Bruch wurde das Bein ungerade und er würde humpeln müssen. Weil es seine Eitelkeit kränkte, ließ er das Bein erneut brechen, in der Hoffnung, dass es dann ohne Einschränkung zusammenwächst.

Während der Krankheit, der Ungewissheit und des Leidens, kam Ignatius mit verschiedener Literatur in Kontakt: mit Heiligenbiographien, Ritterromanen und der Legenda aurea. Beim Lesen dieser Literatur vollzog sich Entscheidendes, das für die Kirche bis heute eine wichtige Methode ist: Die Unterscheidung der Geister. Ignatius entdeckte, dass das Lesen von Ritterromanen andere Gefühle, Empfindungen und Regungen weckte, als religiöse Literatur. Er sprach von unterschiedlichen Arten von „Trost“ und unterschied vor allem zwischen kurzfristigem und langfristigem Trost:

„Wenn er an das von der Welt dachte, vergnügte er sich sehr; doch wenn er danach aus Ermüdung davon abließ, fand er sich trocken und unzufrieden. Und wenn er daran dachte, barfuß nach Jerusalem zu gehen und nur Kräuter zu essen und alle übrigen Strengheiten auszuführen, von denen er las, dass die Heiligen sie ausgeführt hatten, war er nicht nur getröstet, während er bei diesen Gedanken war, sondern blieb auch, nachdem er davon abgelassen hatte, zufrieden und froh.“ – Bericht des Pilgers

Ignatius sprach den langfristigen Trost, den er durch das Lesen der Heiligenviten empfand, Gott zu. Es sei der wahre, der richtige Trost, dem man nachgehen solle. Während der andere, der kurzfristige Trost, ein trauriges und bitteres Ende nehme oder einen leer zurücklasse und daher vom Teufel komme.

Auf Pilgerreise zum Montserrat

Diese neue Erkenntnis der persönlichen Unterscheidung nach wahrem und falschem Trost stellte Ignatius bisheriges Lebens radikal in Frage. Nicht mehr das weltliche Streben nach weltlichem Ruhm, sondern das nach der Ehre Gottes, wuchs nun in seinem Herzen. Denn darin fand er die wahre und bleibende Freude. Die Ehre Gottes wollte er in allen Dingen suchen und umsetzen. Nicht umsonst lautet daher der Leitspruch der Jesuiten: (omnia) ad majorem Dei gloriam – (alles) zur höheren Ehre Gottes. Nach der Heilung ging Ignatius zum Benediktinerkloster auf dem Montserrat, legte seine Waffen ab und machte eine Lebensbeichte, die mehrere Tage dauerte.

Ignatius wurde durch Glaube und Gnade neu geschaffen. Dieser Weg war jedoch nicht ohne Mühe. Ignatius erinnerte sich an sein früheres Leben als Offizier. Er war bekannt als Spieler und Schürzenjäger, ganz davon eingenommen, nahezu süchtig, weltlichen Ruhm und Lust zu finden – grenzenlos, rücksichtslos. Als ihm die Leere und Sinnlosigkeit seiner bisherigen Bestrebungen klar und deutlich wurde, erkannte er wie weit er sich dadurch von Gott entfernt hatte und erlebte schwere Depressionen und innere Kämpfe.

Ihm wurde klar, dass er sich selbst nicht erlösen konnte egal welche Mühen, Leistungen und Kämpfe er vollbrachte. In der Verzweiflung fand er tiefer zu Christus. Der eitle Soldat, der keine Kämpfe verlieren wollte, legte seine Waffen nieder und ergab sich Gott. In der dunklen Nacht der Ohnmacht akzeptiere Ignatius Gottes Gnade und fand den inneren Frieden. Er kam als Ritter und ging als Bettler und Pilger.

Gründung der Gesellschaft Jesu

Nach vielen Problemen, mehrfacher Inquisitionshaft und gescheiterter Wallfahrt nach Jerusalem, studierte Ignatius schließlich in Paris und gründete 1534 zusammen mit 6 Männern eine Gemeinschaft. Sie legten erste Gelübde auf dem Montmartre in Paris ab und nannten sich später „Societas Jesu“ – Gesellschaft Jesu. 1539 konstituierten sie sich als Orden und wurden 1540 Orden durch Papst Paul III. bestätigt. Zu den Gründervätern des Ordens zählen neben Ignatius bedeutende Missionare wie Franz Xaver oder Peter Faber. Schon wenige Jahre nach der Ordensgründung wurde die ganze Welt vom jesuitischen Geist erfüllt. In Europa, Nord- und Südamerika, Indien, Japan und Afrika – überall wurde in missionarischer Hingabe Christus verkündet.

Literatur und Quellen:

Ignatius von Loyola, Bericht des Pilgers. Übersetzt und kommentiert von Peter Knauer.

Dieser Artikel wurde bereits 38 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.