Liebe, die alle bekehrt: Der Pfarrer von Ars

Liebe, die alle bekehrt: Der Pfarrer von Ars

„Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben vorfinden?“, fragt Christus im Evangelium. Glaubensverlust und Gewalt, genau das waren die Zustände, die nach der Französischen Revolution in Ars herrschten. Nicht erst heute gibt es die große Not des Glaubens. Und nicht erst heute fragt man sich, wie man diese Not wenden kann. Menschlich scheint es unmöglich. Sofort wird man an die Frage der Jünger erinnert: „Wer kann dann noch gerettet werden?“ Im Jahr 1818 galt in Ars, was Christus vor 2000 Jahren versprochen hat: „Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.“ So geschah, was Paulus verkündete: „Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden.“ Die Gnade hat in Ars gewohnt: mächtig, erhaben und stark – in einem kleinen, schwächlichen und demütigen Priester. Die Gnade war Johannes Vianney, der Pfarrer von Ars.

„Ist Vianney fromm?“

Frankreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts: Die Französische Revolution hat die einst stolze katholische Nation ins Chaos gestürzt. 1793 wurde Terror Staatsdoktrin. Massenmord an Priestern und allen Geweihten, die ihrem Glauben treu blieben und den Revolutions-Eid verweigerten, war an der Tagesordnung. Frankreich, die älteste Tochter der Kirche, ertrank im Blut ihrer eigenen Guillotine. Der Wiener Kongress von 1815 konnte die Zerstörungen der Revolutionsjahre nicht mehr heilen. Frankreich blieb ein gezeichnetes Land.

In diese stürmischen Zeiten wurde Johannes Vianney 1786 hineingeboren. Nie hätte jemand gedacht, dass er einmal der größte Beichtvater des 19. Jahrhunderts werden würde – der bäuerliche, sensible und dumme Franzose, der das Lateinstudium nicht schaffte. Lange sah es so aus, als würde sein großer Traum, Priester zu werden, scheitern. Den Satz: „Er ist zu dumm, um Priester zu werden“, hörte er öfter vor und während seines Studiums.

Die Abschlussprüfungen bestand Vianney nicht. Aber er hatte Gott an seiner Seite. Nach dem Scheitern ging Vianneys Lehrer und geistlicher Vater, Pfarrer Balley, mit ihm zum Erzbischof. Der Erzbischof fragte nur: „Ist Vianney fromm? Verehrt er die Gottesmutter? Betet er seinen Rosenkranz?“ „Ja, er ist ein Muster von Frömmigkeit, hochwürdiger Herr!“, antwortete Balley überzeugt. Der Generalvikar stimmte zu. Damit war die Sache für den Erzbischof klar: „Das ist es, was Frankreich in unseren Tagen braucht, fromme Priester. Gut, ich berufe ihn. Die Gnade Gottes wird das übrige tun.“ Johannes Vianney bedankte sich mit Tränen in den Augen. 1815 wurde er zum Priester geweiht.

Der Pfarrer von Ars

Im selben Jahr wurde Vianney Kaplan in Ecully. Drei Jahre später wurde er Pfarrer von Ars. Ars war damals ein kleines und unscheinbares Dorf mit nicht mal 300 Einwohnern. Statt frommer Beschaulichkeit tobten die Leidenschaften. Je größer die Sünden, umso mehr hat der Pfarrer gelitten. Was unerhört klingt, ist die größte Art der Liebe: sich hinzugeben, um andere zu retten. Und das tat der Pfarrer von Ars. Er fastete, betete und geißelte sich sogar, um seine Gemeinde zu retten. Unter Tränen, Trockenbrot und am Tabernakel opferte er sich für jeden einzelnen in seiner Gemeinde auf.

Vianneys Leiden aus Liebe blieb nicht unbemerkt. Bald schon erkannten die Einwohner von Ars, dass die göttliche Barmherzigkeit im einfachen und demütigen Pfarrer durchschien. Sie kamen zur Beichte und kehrten um. Schnell kamen Menschen von überall – aus Frankreich, Europa und der weiten Welt. Vianney aber sehnte sich immer mehr nach der Einsamkeit. Es wurde ihm zu alles viel und er wollte fliehen. Auf einem Fluchtversuch hörte er Christus: „Wohin gehst du, Johannes Vianney?“ „Ich suche dich in der Einsamkeit, o Herr!“, stammelte der Priester. „Ich bitte dich, laß mich gehen!“ Aber er vernahm vom Kreuz, das in der Finsternis unsichtbar blieb, die Antwort des Herrn: „Nicht in der Einsamkeit suche mich, Johannes Vianney, sondern in den Seelen, die mein Erbarmen zu dir führt! Eine einzige Seele wiegt mehr als alle Gebete, die du in der Einsamkeit verrichten könntest. Geh zurück, Johannes Vianney! Geh in deine Kirche! Ihre Wunden warten auf den barmherzigen Samariter.“

Johannes Vianney: Patron der Pfarrer

Es war nicht sein einziger Fluchtversuch. Aber Vianney blieb – aus Liebe, aus Verantwortung, aus Gehorsam. Seine Mission war noch nicht erfüllt. Stundenlang hörte er die Beichte in seiner Pfarre und litt für die Bekehrung aller Menschen, die Gottes Barmherzigkeit ihm gab. Im August 1859 rief Gott ihn schließlich heim. In der Nacht des 3. August reichte ein Mitbruder dem Sterbenden ein Kreuz zum Kuss und er empfing den Sterbeablass. Am 4. August starb Johannes Vianney. Die Totenglocke läutete. Ein Heiliger war heimgegangen. Pius X., der am 4. August 1903 Papst wurde, sprach Vianney am 8. Januar 1905 selig. Pius XI. erklärte den Pfarrer am 31. Mai 1925 zum Heiligen. 1929 wurde er zum Patron aller Pfarrer ernannt. Noch heute ruht er unverwest in Ars.

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Literatur, aus der die Zitate entnommen sind: Hünermann, Wilhelm, Der Pfarrer von Ars. Johannes Vianney.

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